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PRESSEMITTEILUNG ZU DEM AMOKLAUF IN EMSDETTEN
 

Wenn die Verzweiflung in Hass umschlägt:- Amoklauf im Münsterland


Mit Erschütterung haben wir, die Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (im Netz unter www.emgs.de ), die Berichterstattung über den erneuten Amoklauf eines Schülers im westfälischen Emsdetten, in den Medien verfolgt.

Die Verantwortlichen suchen einen Schuldigen

Wie den Medienberichten zu entnehmen ist, sind von den Politikern die Schuldigen wieder schnell ausgemacht: die gewaltverherrlichenden Videospiele. Deren Verbot wird wieder lautstark gefordert.

Aber selbst wenn man berücksichtigt, dass für eine solche schreckliche Tat mehrere Faktoren zusammentreffen müssen, um in einen derartig depressiven, ausweglosen Gemütszustand wie dieser ehemalige Schüler zu verfallen, bleibt die Frage, warum der Amokläufer diese Tat ausgerechnet in seiner früheren Schule verübt hat. In dem vermeintlichen Abschiedbrief schreibt er: „Das einzigste was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe war, das ich ein Verlierer bin.“

Schule kann die Hölle sein

Der Kriminalpsychologe Adolf Gallwitz thematisiert dies auch im Interview mit der Tagesschau: „ Schule kann die Hölle sein. Sie ist ein wichtiger Lebensabschnitt, für den man sein ganzes Leben verantwortlich machen kann. Für Versagen und natürlich auch für Glück. Es ist ein Ort in einer wichtigen Zeit, in der man sich täglich auseinandersetzen muss mit Aggression, Kränkung, Lob, Tadel und auch Mobbing. Man steckt in dieser Zeit unheimlich viel ein, das man auch als Menschenrechtsverletzung bezeichnen könnte.“

Diese Ausführungen des Kriminalpsychologen bestätigen sich in den zahlreichen Hilferufe von sehr verzweifelten Schülern und Eltern, die uns fast täglich erreichen: Diese Schüler und Eltern erleben die Schule tasächlich „als Hölle“.

Wer aber trägt die Verantwortung für die „Menschenrechtsverletzung“ in manchen Schulen? Das sind Lehrer, die Schulaufsicht, Politiker, Staatsanwälte und Richter.

Das System produziert Außenseiter

Solange Lehrer mit Rückendeckung der Schulaufsicht ihre Schüler schlagen, demütigen und entwürdigen dürfen; solange für Richter und Staatsanwälte, die von Lehrern gegen Schüler verteilten Ohrfeigen und Schläge auf den Hinterkopf keinen ausreichenden Grund für einen Strafbefehl wegen Körperverletzung darstellen; solange es an unseren Schulen möglich ist, staatlich sanktioniert Außenseiter zu produzieren; solange der Leistungsdruck an Schulen weiter auf diesem hohen Niveau bleibt, statt von den Pisa-Gewinner-Ländern zu lernen und das Schulsystem tatsächlich entsprechend zu reformieren; solange die Politiker vor dieser Realität die Augen verschließen, wird es weiter verzweifelte Schüler und Eltern geben.


Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen
Petra Litzenburger
Kirchstrasse 22
66292 Riegelsberg
06806/3060875
Petra.Litzenburger@emgs.de
www.emgs.de


Pressemitteilung im PDF-Format [25 KB]

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