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Streit über Organisationsformen oder über guten Unterricht ?

 
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 27.04.2006, 18:08    Titel: Streit über Organisationsformen oder über guten Unterricht ? Antworten mit Zitat

Streit über Organisationsformen oder über guten Unterricht ?

Ausgehend von dem Arte-Artikel über die Schulsituation in Frankreich führe ich hier noch mal meine Gedanken aus.
http://www.arte-tv.com/de/geschicht....ulgeschichten/977920.html


Es freut mich, dass hier von einem französischen Fachmann beschrieben wird, was ich immer und überall behaupte: Es gibt in Frankreich keine wirkliche "Gesamtschule".

Zu Beginn der Sekundarstufe I ("Collège"; Klassen 6 - 9) werden die Schülerinnen und Schüler meistens nach ihren Grundschulzeugnissen sortiert den Klassen 6a oder 6b oder 6c oder 6d etc. "absteigend" zugewiesen - durchaus vergleichbar mit einer schulformbezogenen (kooperativen) mehrgliedrigen Gesamtschule bei uns.

Das Sortieren geschieht also auch nach der Grundschule und bleibt dann bis Ende der Mittelstufe so erhalten.
Mir ist keine Durchlässigkeit ("Umstufung") bekannt.

Etliche Eltern umgehen dieses Einsortieren, indem sie ihr Kind für Deutsch als erste Fremdsprache anmelden. Deutsch gilt als schwer - die Deutschklassen als die Klassen mit dem höheren Niveau auch in der Muttersprache, in Mathe usw..

Ich will damit sagen, dass man bei Vielem, was als "schön" und "vorbildlich" beschrieben wird, mal längere Erfahrungen vor Ort machen und sich ein eigenes Bild machen sollte. Viel wird ohne Detailkenntnisse schön beschrieben. Und viel politisch Geregeltes wird "elegant" umgangen.
Dazu gehört auch, dass in Frankreich sehr viele Schüler in Privatschulen gehen, die bei der Aufnahme streng selektieren. Es stimmt also einfach nicht, wenn behauptet wird, in Frankreich gebe es nur EINE SCHULE FÜR ALLE.

Ich habe ein Jahr in einem solchen Collège gearbeitet und ein Jahr an einer Universität und mein Sohn ging in die Grundschule.

Wegen einer gewissen Skepsis beim Lesen der sich interessant anhörenden Beschreibungen skandinavischer Schulen würde ich dort gerne mal ein ganzes Jahr leben und drin arbeiten - nicht nur 3-Tage-Demonstrationsreise wie Minister, Politiker oder Journalisten.

Mein bisheriges Idealmodell für die Sekundarstufe I in Deutschland ist die dreigliedrige schulformbezogene Gesamtschule mit hoher Durchlässigkeit jederzeit. Und mit motivierten Lehrern mit der von mir oft beschriebenen positiven Grundeinstellung und Grundhaltung gegenüber den Schülern. Ich habe mehrere Jahre in einer solchen dreigliedrigen Gesamtschule in Frankfurt gearbeitet. Dort hat man im Alltag nicht bemerkt, ob jemand Lehrer nur für Sekundarstufe I oder für I+II war. Dort haben alle die gleiche Wochenstundenzahl unterrichtet und dort haben alle auf allen Niveaus unterrichtet - auch eine Gymnasiallehrerin Deutsch in der Hauptschulklasse 5 sowie ein Sek.I-Lehrer Englisch in Gymnasialklassen. Das gehörte dort zu unserem Selbstverständnis. Aber dies ist meines Wissens auch die einzige kooperative Gesamtschule, wo es so lief.
Mein Sohn ging in eine kooperative Gesamtschule an unserem Wohnort, in der die Gymnasiallehrer nach Bezug des Neubaus darauf bestanden haben, dass das große Lehrerzimmer durch eine Wand geteilt wurde, damit sie ihr eigenes Gym-Lehrerzimmer hatten.

Man muss auch bedenken, dass die Mehrheit der deutschen Bevölkerung tatsächlich nur ein gegliedertes Schulsystem will und auf nicht absehbare Zeit Parteien wählen wird, die keine pure Gesamtschule propagieren - siehe Wahlerfolge CDU in Hessen und Misserfolge SPD in Hessen mit dem Versuch der "flächendeckenden" Einführung der Pflicht-Förderstufe in den 80-er Jahren. Sofort kam 1987 die CDU erstmals in Hessen wegen dieses Themas an die Macht. In NRW war die anti-Gesamtschulpolitik der CDU ein wichtiger Faktor für ihren Wahlsieg im letzten Jahr 2005.

Es scheint mir überhaupt weniger auf die Organisationsform anzukommen als dies gerne diskutiert wird. Viel wichtiger und dringlichst scheint mir ein Umstellen der inneren Einstellung und äußeren Haltung vieler Lehrerinnen und Lehrer gegenüber unseren Kindern. Man kann in reinen Hauptschulklassen und auch in Gesamtschulklassen (oder besser: wechselnden Kursgruppen) sehr gut arbeiten und man kann in Gesamtschulklassen wie in Hauptschulklassen oder Realschulklassen oder Gymnasien sehr schlecht arbeiten.

Auf die konkrete Unterrichtsqualität kommt es an!

Viele Grüße, GEORG MOHR
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