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Schulklima = Klimakatastrophe

 
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 03.05.2006, 07:48    Titel: Schulklima = Klimakatastrophe Antworten mit Zitat

Unter diesem Thread möchte ich Aussagen von Erziehungswissenschaftlern, Pädagogen, Psychologen zum Thema Lehrer - Schüler Beziehung sammeln:

Prof. Dr. Rainer Dollase - Universität Bielefeld, Abteilung Psychologie in einem Vortrag zum Thema:Was macht erfolgreichen Unterricht aus?

Zitat:
Zitat:
"Die ?Klimakatastrophe" wurde auch im Kontext der PISA-Ergebnisse thematisiert und zwar ging es insbesondere um die Zufriedenheit im Bezug auf ?Unterstützung durch die Lehrkräfte" in welcher die deutsche Schule auf dem viertletzten Platz liegt (Korea, eines der Siegerländer allerdings auf dem letzten). Auf der anderen Seite ist seit längerem bekannt, dass deutsche Schüler und Schülerinnen ihre Lehrer als menschlich nicht sonderlich angenehm beurteilen, z.B. geben 80% an, dass sie schon mal ungerecht beurteilt worden sind, was kein Wunder ist, weil man ja die Leistung in der mündlichen Mitarbeit, ein kaum objektiv zu beurteilender Bereich, so hoch bewertet, 55% meinen, dass Lehrer sie vor anderen bloß gestellt haben, 52% fühlen sich beleidigt, 51% sind schon mal angeschrieen worden, 43% beschimpft, 36% verspottet etc. Auch Schüler an der Basis finden, dass ein guter Lehrer Kinder bzw. Jugendliche gern haben muss und dass er neugierig auf die Sicht- und Denkweisen der Schüler sein sollte und dass ein guter Lehrer vor allen Dingen auch Außenseiter in die Klassengemeinschaft integrieren sollte, dass er eine neutrale Stellung in der Klassengemeinschaft haben sollte, sich aber mit angemessener Strenge, Gerechtigkeit und Durchsetzungsvermögen für Disziplin sorgen sollte, Bevorzugung von einzelnen Schülern schaden der Klassengemeinschaft etc. (Bericht aus einem Schülerrat einer Gesamtschule aus dem Sommer 2003). ..

Wir halten also fest: Sowohl im sozial-emotionalen Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern als auch im Verhältnis der Schüler untereinander hat sich in den letzten Jahrzehnten etwas verschlechtert. Die sozialen Beziehungen, Teil des Unterrichtserfolges, müssen weiterhin unter Beachtung stehen und es muss konsequent überlegt werden, wie Kindern und Jugendlichen in der Schule die Angst vor ihren Klassenkameraden, aber auch die Angst vor den Lehrkräften genommen werden kann."

http://www.uni-bielefeld.de/psychol....GE/DOLLASE/Unterricht.pdf


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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 03.05.2006, 07:50    Titel: Antworten mit Zitat

der Erziehungswissenschaftler Peter Struck in einem ZDF online- Interview antwortet auf die Frage: Ist die Gewalt an Schulen ein spezielles Probem von Hauptschülern?
http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/11/0,1872,3926827,00.html
Zitat:

"Struck: Die gewaltreichsten Schulen sind die Gymnasien, aber das ist keine aggressive Gewalt, sondern eine Gewalt, die bei Krankenkassen gezählt wird. Gymnasiasten neigen zur autoaggressiven Gewalt, zur Gewalt gegen sich selbst. Das äußert sich unter anderem in Migräne, Magersucht, Neurodermitis, Fresssucht, Drogen und Selbstverletzung. An den Gymnasien haben wir es mit Schülern zu tun, die in ihren Familien in der Regel gelernt haben, dass man andere nicht verletzt. Sie haben allerdings nicht gelernt, was sie tun können, wenn sie Probleme haben.

Wenn es um Waffen, Zuschlagen und Zerstören geht, reden wir hauptsächlich von Hauptschulen, einigen Sonderschulen und Berufsschulen. Das Problem der Hauptschule ist, dass es dort zwar oft gute Lehrer gibt, aber dass es manchmal eigentlich gar keine Hauptschulklasse geben dürfte, wenn unter zehn Prozent eines Jahrgangs die Hauptschule besuchen: Dann haben wir nämlich eine Konzentration von schwierigen Schülern, die sich gegenseitig negativ beeinflussen.

ZDFonline: Also begünstigt das Schulsystem solche Entwicklungen?

Struck: Ja. Ich will drei Dinge nennen, die damit zusammenhängen: Wir haben neben Österreich die kürzesten Grundschulzeiten weltweit. Wir trennen zu früh die schwachen Schüler von den guten und starken, die die anderen mitreißen könnten. Die schwachen Schüler lassen wir dann im eigenen Saft schmoren und koppeln sie auch noch von Perspektiven ab. Das zweite Problem sind die Halbtagsschulen: Es ist weltweit unüblich, dass wir nicht auch den Nachmittag nutzen, um die Erziehungsdefizite der Eltern aufzufangen. Außerdem haben wir besonders in Deutschland ein Problem mit den Jungen und weniger mit den Mädchen.

Die deutschen Schulen sind Belehrungsschulen und keine Lernwerkstätten. Jungen lernen durch Ausprobieren zum Erfolg zu kommen - und das wird mit roter Tinte und schlechten Noten bestraft. Wir reduzieren die Schüler beim Lernen auf die linke Hirnhälfte, damit kommen die Mädchen besser klar. Die Tatsachen sprechen für sich: 95 Prozent der Schüler an Schulen für verhaltensgestörte Schüler sind Jungen, von den knapp zwölf Prozent Schülern, die nicht einmal einen Hauptschulabschluss haben, sind 72 Prozent Jungen, zwei Drittel der Sitzenbleiber und zwei Drittel der Rückläufer von höheren Schulen auf die niedrigeren sind auch Jungen."

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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 03.05.2006, 07:58    Titel: Antworten mit Zitat

Psychische Misshandlung durch Lehrer führt zur Rückbildung wichtiger Hirnorgane, warnt der als Anti-Atom-Experte bekannt gewordene Erziehungswissenschaftler Holger Strohm im taz-Interview (4.4.2006): Fiese Lehrer machen dumm
Zitat:

"taz: Herr Strohm, Sie halten in Hamburg Vorträge darüber, wie Lernen funktioniert und Schule sein sollte. Wie denn?

Holger Strohm: Ganz wichtig ist, dass Kinder gut behandelt und nicht psychisch oder physisch misshandelt werden - was aber leider in der deutschen Schule geschieht. Denn dadurch bilden sich Teile im Gehirn, der Hippocampus, der Mandelkern und der Balken, bis zu 20 Prozent zurück. Das sind die Teile im Gehirn, die für Empfindungen und das Lernen zuständig sind. In dem Augenblick, wo eigenständiges Denken bestraft wird, zum Beispiel durch schlechte Zensuren oder abfällige Bemerkungen, unterlässt das Kind dies und mit der Zeit veröden diese Teile dann. Später ist dieser Mensch nur noch begrenzt zu eigenständigem Lernen imstande.

Was machen diese Teile?

Der Hippocampus ist der große Dirigent des Gehirns. Der Mandelkern behaftet alle Informationen mit Gefühlen, damit das Gehirn sie besser speichern und abfragen kann. Bei Gefahr stößt er Adrenalin und Noadrenalin aus, wodurch der Mensch zur Flucht veranlasst wird und das Denken nicht mehr möglich ist. Der Balken verbindet die linke und rechte Gehirnhälfte, ist also ganz entscheidend beim Denken beteiligt. Wenn Kinder nicht genug geliebt werden, können sie ihre Denkfähigkeit nicht entfalten.

Warum ist das so?

Damit sorgt die Evolution dafür, dass ein Kind, das in einer denk- und kinderfeindlichen Gesellschaft lebt, bessere Überlebenschancen bekommt, indem es Sensibilität wegschneidet.

...

Woher beziehen Sie all diese Erkenntnisse?

Ich verfolge seit drei Jahrzehnten die Fachliteratur und lese alles, was in der Hirnforschung geschieht. In den vergangenen fünf Jahren haben die Hirnforscher die größten Fortschritte gemacht und die Zusammenhänge, wie Informationen im Gehirn gespeichert werden, erkannt.

Man kennt Sie als Anti-Atom-Experten. Seit wann beschäftigen Sie sich mit Schule?

Seit 35 Jahren. Ich habe in Hamburg Erziehungswissenschaft studiert, war selbst Lehrer und habe Anfang der 70er Jahre für den damaligen schwedischen Ministerpräsidenten Olof Palme das Konzept einer neuen skandinavischen Schule entwickelt. Es war mir schon damals klar, dass man nicht gegen das Gehirn lernen kann und die Neurodidaktik beachten muss.

Wie kamen Sie in Kontakt und was haben Sie geraten?

Ich hatte selbst eine Zeit in Schweden gelebt, und Palme hatte 1971 einen Beitrag für meinen "Umweltschutzreport" verfasst. Seither hatten wir einen intellektuellen Austausch. Palme war damals zunächst Schulminister und bat mich, ihm ein kritisches Konzept auszuarbeiten. Das tat ich dann und schlug ihm eine Schule ohne Angst, ohne Sitzenbleiben und Zensuren in kleinen Klassen vor, in der die Schüler selbst entscheiden, wie und was sie lernen. Ich sagte ihm, es sei wohl eine Utopie, aber er meinte, er könne dies umsetzen, solange man damit bessere Leistungen erzielt. Und da dies so war, haben Schweden und seine Nachbarländer dies flächendeckend eingeführt. In Finnland erlangen heute 93 Prozent, in Schweden 80 Prozent eines Jahrgangs die Hochschulreife und es werden hohe Spitzenleistungen erzielt.

....

Sie sprechen von Lehrergewalt in Deutschland und meinen damit auch körperliche Misshandlung. Woher wissen Sie das?

Das Thema wird tabuisiert. Der Salzburger Professor Volker Krumm hat 2004 rund 800 Lehrer befragt. 80 Prozent gaben zu, dass sie psychische oder körperliche Gewalt ausüben. Ich habe im Rahmen meiner Doktorarbeit 1999 in Hamburg 450 Lehrerstudenten befragt. 80 Prozent hatten als Schüler psychische Gewalt erlebt, und ein Viertel sogar körperliche.

Habe ich zuletzt 1974 an meiner Grundschule beobachtet.

War damals schon verboten. Auch in Hamburg habe ich mit Schulleitern gesprochen, die sagen, an ihrer Schule gibt es Lehrer, die schlagen. Aber es würde zu teuer, diese Beamten aus dem Schuldienst zu entfernen.

Wie erklären Sie die Gewalt?

Es gibt sehr gute Lehrer, aber auch schlechte. Es ist teilweise ein Burnout-Problem. Es gibt Lehrer, die selber als Schüler geprügelt wurden und das weitergeben. Es gibt aber auch Sadisten, die diesen Beruf wählen, um Macht über Schüler auszuüben. Und es ist Teil unseres nationalsozialistischen Erbes, die Verachtung für das Schwache, die wir noch nicht überwunden haben. In Skandinavien wäre das nicht möglich.

taz Hamburg Nr. 7889 vom 4.2.2006, Seite 29, 215 Interview Kaija Kutter
http://www.taz.de/pt/2006/02/04/a0299.1/textdruck[/b]"
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 04.05.2006, 11:57    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
GEWALT IN DER SCHULE - AUCH VON LEHRERN
Volker Krumm, Birgit Lamberger-Baumann, Günter Haider


In den Veröffentlichungen über 'Gewalt in der Schule' wird in der Hauptsache untersucht, welche Gewalttaten von Schülern ausgehen (Krumm & Lamberger-Baumann, 1996). Ist diese Beschränkung auf Schülergewalt gerechtfertigt? Geht man davon aus, daß Gewalt in der Regel von 'Mächtigen' gegenüber 'Ohnmächtigen' ausgeübt wird, dann ist die Beschränkung auf Schüler als Täter überraschend: In der Schule können alle dort Agierenden Gewalt anwenden - aber doch eher die Lehrer gegen die Schüler, die Schulleitung gegen Lehrer, Lehrer und Schulleiter gegen Eltern. Wir wollten deshalb im Rahmen einer Untersuchung über Gewalt von Schülern auch prüfen, in welchem Ausmaß sich Schüler von Lehrern attackiert fühlen.

In den empirischen Arbeiten über 'Gewalt in der Schule' wird fast ausnahmslos nur über Gewalt von Schülern geforscht. Im Rahmen von TIMSS (Third International Mathematic and Science Study) wurden rund 10.000 Schüler der Klassenstufen 7/8 und der Abschlußklassen 10/11/12 der weiterführenden Schulen befragt, in welchem Ausmaß sie Opfer von Gewalt durch Schüler und durch Lehrer waren. Die Prävalenzuntersuchung zeigte: 'Gewalt' ('Mobbing') von Lehrern gegen Schüler ist ebenso häufig verbreitet wie 'Gewalt' von Schülern gegen Schüler.
...

Aber wenn die Arten der Aggression sich unterscheiden - muß sich deshalb das Ausmaß an erlebter Kränkung unterscheiden? Ist Lächerlichmachen durch den Lehrer vor der Klasse harmloser als Prügel von einem Mitschüler? Ist 'Anherrschen' durch den Lehrer weniger kränkend als obszöne Beleidigungen von Mitschülern? Sind Ignorieren, Bloßstellen oder Liebesentzug weniger schmerzhaft als die Zerstörung liebgewordenen Eigentums durch Schüler aus Rache oder Bosheit?
...

Wer also urteilt, Schülergewalt sei "groß", "schlimm", "schrecklich", muß dieses Urteil dann auch auf das Ausmaß der 'Lehrergewalt' anwenden. Wer meint, Ausmaß und Art der Gewalt von Schülern "wird übertrieben", "ist zum Glück nicht so groß und schlimm, wie in der Öffentlichkeit behauptet wird", "ist kleiner und 'harmloser', als Lehrer sagen", darf diese Wertungen auf die kränkend erlebten Lehrerhandlungen nach Tabelle 4+5 übertragen. Er muß jedoch einschränkend hinzufügen: "Allerdings sind Kränkungen, die Schüler durch Lehrer erleben, eher häufiger und werden oft als schlimmer erlebt, als jene durch Mitschüler". Außerdem muß er darüber nachdenken, ob es angemessen ist, eine kränkende Handlung von 'unreifen' Schülern dem gleichen Maßstab zu unterwerfen wie eine kränkende Handlung eines Pädagogen von Beruf. http://www.sbg.ac.at/erz/salzburger_beitraege/krumm1.htm


Weitere Texte von Volker Krumm zum Thema:

http://www.sbg.ac.at/erz/salzburger....t2003/krumm_02_03_sbg.pdf

http://www.learn-line.nrw.de/angebo....umm_ungerechte_lehrer.pdf
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BeitragVerfasst am: 20.05.2006, 06:45    Titel: noch ein paar links: Antworten mit Zitat

die lehrerin helma von nitsch berichtet:
http://www.beepworld.de/members77/havonni/lehrer-rolle.htm
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 21.05.2006, 09:08    Titel: bedauerliche Einzelfälle? Antworten mit Zitat

Zitat:
20% der Schüler sind vom Kopfschmerzen geplagt
24% klagen über Bauchschmerzen
40% leiden beim Frühstück über Bauchschmerzen
20% der Kinder ist manchmal vor der Schule schlecht
30% schlafen vor Klassenarbeiten schlecht
22% klagen über Schlaflosigkeit
67% haben bei Prüfungen ein komisches Gefühl
46% verspüren in der Prüfungsituation
61% bekommen Herzklopfen, wenn die Klassenarbeitsheft verteilt werden
12% sollen vom Arzt aus Beruhigungs- oder Stärkungmittel einnehmen
18% der Elterngeben an, die Schüler bräuchten gelegentlich Beruhigungsmittel
40% der Zwölfjährigen und 53% der Siebzehnjährigen nehmen regelmäßig Kopfschmerzen
6% der Zwölfjährigen schlucken Aufputschmittel

Was muten wir Kindern zu, dass sie sich mit Pillen aufputschen müssen oder ruhig stellen, dass ihnen der Appetit vergeht oder Kopf schmerzt, dass ihnen die Schule den Schlaf raubt und dass Prüfungen Zittern und Herzklopfen hervorrufen? Und was haben Eltern; Lehrerinnen und Lehrer für ein Menschenbild, dass sie die Beunruhigung der Kinder selbstverständlich hinnehmen? Die Zahlen zeigen, Schule kann zum gesundheitlichen Risiko werden.

Kurt Singer - Wenn Schule krank macht. Weinheim 2000 (Beltz)
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 03.06.2006, 09:22    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Kurt Singer: Wenn Lehrer Schüler seelisch verletzen
Die Würde des Schülers ist antastbar
Vom Macht-Missbrauch durch Lehrer im Schulalltag

- Schüler vor verletzendem Lehrerverhalten schützen
- Nicht totschweigen, wenn Schulkinder unpädagogisch behandelt werden -
- ?Das sind ja nur Einzelfälle?: Einspruch gegen das Tabu des Macht-Missbrauchs
- Demokratie wagen: Mit Zivilcourage zu den Jugendlichen stehen

Leitgedanken

1. Gewalt in der Schule geht nicht nur von Jugendlichen aus ?

Der Macht-Missbrauch der ?Einzelfälle? von Lehrern kann Schüler seelisch verletzenHeute wird viel von Gewalt in der Schule gesprochen. Dabei denken die meisten Menschen nur an Aggressivität, die von gewalttätigen Schülern ausgeht. Das überrascht; denn Jugendliche sagen, sie seien öfter gewalttätigem Lehrerverhalten ausgesetzt als gewaltbereiten Mitschülern. Die Jugendlichen fühlen sich von seelisch verletzenden Lehrerinnen und Lehrern mehr bedroht, als von verletzenden Mitschülern. Auch Erwachsene erzählen weniger über aggressive Klassenkameraden als über aggressive Lehrer, unter denen sie litten. Nicht wenige erinnern noch nach Jahren mit Unbehagen, Angst oder Wut, wie sie unter schulischen Demütigungen litten. Manche berichten, wie seelische Verletzungen sie dauerhaft beeinträchtigten. Eltern, Lehrer, Schüler, Schulbehörden, Politiker: alle kennen den Macht-Missbrauch der ?Einzelfälle?. Aber die meisten von ihnen hüllen seelisch verletzendes Lehrer-Handeln in Schweigen. Dadurch tragen sie dazu bei, dass Schule für Kinder zum Schülerschicksal werden kann.2. Schüler klagen über Gewalt durch Lehrerworte und über Angst machenden Unterricht ? Kränkendes Lehrerverhalten darf nicht akzeptiert werden - Das Lernklima verbessernJugendliche klagen weniger über die Schule an sich. Sie fürchten die Macht jener Lehrer, die sie mit missglückten Arbeiten bloß stellen, verächtlich machen, auslachen, ihre Noten öffentlich bekannt geben, Kinder mit ironischen Bemerkungen beleidigen, sie ungefragt aufrufen, ?drannehmen? und sie in eine peinliche Situation versetzen, sich abfällig über die ?Dummheit? einzelner Kinder äußern. Solche ?Einzelfälle? von Lehrern bedrohen Schüler mit schlechten Zensuren und disziplinieren sie durch Notendruck, überfallen sie mit unangekündigten Kurzprüfungen, lassen Schwache hilflos zurück, geben trotz schulgesetzlichen Verbots Strafaufgaben, beachten einzelne Kinder nicht. Sogar Begriffe aus der Foltersprache werden ausgesprochen: ?Dann muss ich die Notenschraube anziehen.? Von macht-behauptenden Lehrern fühlen sich die Schüler ungerecht behandelt, beleidigt, beschimpft, verspottet, klein gemacht. Angst im Unterricht hat sogar einen speziellen Begriff: Schulangst. Kindern Angst einzujagen, ist seelische Gewalt; sie behindert die jungen Menschen in ihrer Leistungsfähigkeit.[...]

5. Nicht nur verhaltensauffällige Schüler stören den Unterricht, auch verhaltensauffällige Lehrer - Sie erschweren den Kindern das Lernen
Da Gewalt oft mit körperlicher Gewalt gleich gesetzt wird, ist es zutreffender, statt von Lehrergewalt von Macht-Missbrauch zu sprechen (Volker Krumm). Dieser Macht-Missbrauch durch verletzendes Lehrerverhalten stört das Lernen. Lehrerinnen und Lehrer beklagen zu Recht die Störung des Unterrichts durch schwierige Schüler, mit denen sie es nicht leicht haben. Schüler
wiederum klagen, sie würden durch uneinfühlsame Lehrer im Lernen behindert, lern-verdrossen, in ihrer Leistungsfähigkeit beeinträchtigt, ihre Lernmotivation würde sich verringern, die
Aufmerksamkeit gestört; sie würden entmutigt, verunsichert und geängstigt; es entstehe Antipathie nicht nur gegenüber dem Lehrer, sondern auch im Hinblick auf das Fach. Gleichgültiges und als verletzend erlebtes Lehrerverhalten bewirkt das Gegenteil von dem, was Aufgabe des Unterrichts ist: durch eine helfende Beziehung die Schüler zu motivieren und ihre Leistungsfähigkeit zu
fördern.[...]

7. Lehrer, die ihre Erziehungs-Macht missbrauchen, ?sind nur Einzelfälle?: der Satz ist zutreffend, aber kinder-feindlich ? Alle sind am Unrecht des Macht-Missbrauchs beteiligt
Lehrerinnen und Lehrer brauchen Erziehungs-Macht, um unterrichten zu können. Allerdings geraten dabei macht-behauptende Persönlichkeiten oder solche mit Zügen seelischen Sadismus?, in Gefahr, ihre Macht gegenüber den abhängigen Schülern zu missbrauchen. Der verharmlosende
Ausspruch: ?Das sind ja nur Einzelfälle?, zeigt die Gleichgültigkeit, mit der Schüler von Erwachsenen einem pädagogisch unakzeptablen Lehrerverhalten ausgeliefert werden. Als gälte der grundgesetzliche Schutz der Würde des Menschen nicht allen Bürgern, auch den Kindern und jedem einzelnen Kind. Die wenigen Fälle destruktiven Lehrerverhaltens stören das Lernen vieler Kinder. Jugendliche sind im natürlichen Macht-Ungleichgewicht Lehrer-Schüler? unterlegen. Sie können sich nur schwer gegen eine verächtlich-machende Behandlung wehren. So lange ?Einzelfälle? unpädagogischen Lehrerverhaltens tabuiert werden, wirken die Reden unglaubwürdig, nach denen in der Schule der Gewalt vorgebeugt werden soll. Im Gegensatz zu anderen Gesellschaftsbereichen werden sogenannte Einzelfälle unpädagogischer Lehrer in der Schule allenfalls kritisiert; es wird bedauert, dass solche ?schwarzen Schafe? vorkommen. Nur ganz selten wird jedoch das offensichtliche pädagogische und moralische Fehlverhalten geahndet. Deshalb brauchen Schüler eine Lobby: Eltern, pädagogisch engagierte Lehrer, kinderfreundliche Politiker.

8. Unpädagogisches Lehrerverhalten wird zum Tabu erklärt; das behindert den pädagogischen Fortschritt ? Tabus können dumm machen, wir müssen sie auflösen
Immer wieder ist zu beobachten: Wenn Lehrer gegen ädagogische Grundeinsichten verstoßen, wird das lernstörende Verhalten von der Schulleitung, dem Kollegium, der Schulbehörde gedeckt. Es soll nicht nach außen dringen, wenn Schüler durch eine für den Lehrerberuf ungeeignete Person zu Schaden kommen. Dieses Tabu wirkt wie ein Krankheitserreger in das Schulsystem hinein. Das
schlechte Erzieherbeispiel relativiert zudem moralische Grundwerte, es erschwert die Bemühungen, mit den Schülern anständiges Benehmen einzuüben. Wenn Lehrer gegen den pädagogischen Takt verstoßen, setzen sie psychologische Grundeinsichten für das Lernen außer Kraft. Eltern und Lehrerkollegen sollten das Tabu brechen, das nicht selten sogar strafbares Verhalten in Schweigen hüllt. Der niedrige Erkenntnisstand der in der Schule praktizierten
Pädagogik und die didaktische Unzulänglichkeit werden auch durch das Totschweigen unpädagogischen Lehrerverhaltens mitverursacht.

9. Unterrichten ist eine ?helfende Beziehung? ? Lehrer-Sein ist ein ?helfender Beruf? ? Die Lehrer-Schüler-Beziehung entscheidet mit, wie gut Kinder lernen können
Ein freundlicher Kontakt zwischen Lehrern und Schülern zählt zu den Grundlagen des Lernens. Der menschliche Bezug festigt in Kindern den Lernwillen und verhilft zu Arbeitszufriedenheit.
Unterricht wird nicht nur vom Lerninhalt bestimmt, sondern durch die pädagogische Beziehung. Schüler strengen sich mehr an, wenn sie ein persönliches Interesse des Lehrers an ihnen spüren und
wenn sie ihre Lehrerinnen und Lehrer als Autorität anerkennen. Der Respekt der Schüler gegenüber den Lehrenden beruht auf deren menschlichen und intellektuellen Qualitäten. Wenn Lehrer-Sein als ?helfender Beruf? aufgefasst wird, verändert sich das Berufsbild: ?Den Kindern beim Lernen helfen? ist weit mehr als ?Stoff und Fähigkeiten vermitteln?.

10. Der Macht-Missbrauch einzelner Lehrer muss aufgedeckt und abgestellt werden ? Achtungsvoller Umgang mit Schülerinnen und Schülern ist ein demokratischer Wert

So lange das Tabu des unpädagogischen Lehrerverhaltens nicht aufgehoben wird, hat Humanität in der Schule wenig Chancen. Um der Gewalt und dem achtungslosen Umgang vorzubeugen, müssen
Schüler, Eltern, Lehrer, Schulgesetzgeber und Politiker eine neue Ethik des Zusammenlebens entwickeln. Dazu gehört bei verletzendem und das Lernen störenden Lehrerverhalten:
Hinsehen: Nicht wegschauen und schweigen, wenn Macht-Missbrauch und seelische Gewalt Kinder verletzen. Die moralische Pflicht, Schwachen zu helfen, in engagiertes Handeln umsetzen und für die Kinder eintreten. Zuhören: Die Schüler ernst nehmen, ihnen das Wort geben ? aber auch dem schwierigen Lehrer Gehör schenken. Wer fühlen will, muss zuhören.
Wahrnehmen: Sich berühren lassen von dem, was Kinder an Bedrückung, Lern-Unlust, Ängsten und Nöten mitteilen; nicht beschwichtigen, sondern sich eindenken und mitfühlen. Auch denunpädagogischen Lehrer in seiner Not sehen und ihm helfen, ohne das kinder-schädigende Handeln zu entschuldigen oder zu dulden.
Mitleid: Wenn wir die Ängste und Nöte der Kinder empfindsam wahrnehmen, kommt Mitleid auf: die Abneigung, Mitmenschen leiden zu sehen. Daraus erwächst der humane Impuls, Kinder vor
verletzendem Lehrerverhalten zu schützen. Sozialer Mut: Mit Zivilcourage den moralischen Protest wagen. Den Konflikt riskieren und mit Bürgermut gewaltfrei für mehr Menschlichkeit in der Schule eintreten. Der unbarmherzige Satz: ?Das sind ja nur Einzelfälle? sollte uns als Alarmsignal aufschrecken und zum Helfen motivieren.

11. Für Schulkinder Verantwortung übernehmen ?
Mit zivilcouragiertem Einspruch Schüler vor psychischem Schaden schützen

Viele nehmen es apathisch hin, wenn Schüler menschlich beschädigt werden. Eltern und Lehrerkollegen fehlt oft der soziale Mut, sich einzumischen. Statt pädagogisches Unvermögen aufzudecken, wird es geduldet, um den Konflikt zu vermeiden. Durch demokratische Einmischung sollten wir Kinder vor Lehrern schützen, die fühl-unfähig sind und denen pädagogische und didaktische Fähigkeiten fehlen. Nicht nur die Einzelfälle verhaltensauffälliger Lehrer machen sich schuldig, sondern auch die Eltern, Lehrerkollegen, Behörden und Bildungspolitiker, die kinderverletzendem Handeln nicht Einhalt gebieten. Mit zivilem Mut für Schulkinder einzutreten, fällt den Erwachsenen besonders schwer; denn in vielen von ihnen sind die Autoritätsängste aus der
eigenen Schulzeit verwurzelt. Es erfordert Mut, sich gerade an der Stelle gegen die Autorität zu wehren, an der man als Schüler Anpassung gelernt hat, statt Widerspruchsmut. Mitgefühl und Mitleid können zur Kraft werden, den moralischen Einspruch zu wagen....

http://www.aktion-humane-schule.de/....chulers_ist_antastbar.pdf

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