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Wir sind fast vom Hocker gefallen

 
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Erika
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BeitragVerfasst am: 04.05.2007, 21:42    Titel: Wir sind fast vom Hocker gefallen Antworten mit Zitat

Hallo,

plötzlich und unerwartet bekamen wir vor Ostern eine "schriftliche Missbilligung" des Verhaltens unseres Sohnes (fast 13), weil er einer Mitschülerin ins Gesicht geschlagen hat. Unser Sohn hat uns nichts davon erzählt, verkroch sich unter der Bettdecke und weinte. "ich bin schlecht, ich tauge nichts - alle denken und sagen es, Ihr müsst es endlich auch glauben" hörten wir von ihm. Eigentlich wollte er am liebsten an dem Tag gar nicht mehr nach Hause kommen. Es dauerte, bis er uns erzählte, was passiert war. Ein Mädchen ärgerte einen Jungen, der dann scherzhaft dazu aufrief, sie zu verprügeln. So kam es zu einer Rangelei, wo beide sich ins Gesicht schlugen und wohl ihre Käfte unterschätzten. Meinem Sohn tat ebenfalls das Ohr weh, was aber niemanden interessierte. Danach wurden dann viele Kinder befragt, ein Riesenaufstand gemacht. Die Kinder hatten sich eigentlich schon wieder vertragen. Meinem Sohn wurde angedroht, damit wäre es nicht erledigt, das hätte noch ein Nachspiel. Er war völlig fertig, da er aufgrund früherer Erfahrungen sowieso noch ein etwas angeknackstes Selbstbewusstsein hat.

Unserer Meinung nach wird die Angelegenheit völlig überbewertet. Von seiner jungen Klassenlehrerin hat er sich von Anfang an nie verstanden gefühlt. Mich konnte sie bisher leider auch absolut nicht vom Gegenteil überzeugen. Wahrscheinlich haben 2 andere Ereignisse zu dieser - in meinen Augen - Überbewertung geführt.

Vor ca. 1 - 1/2 Jahren haben meinen Sohn einmal sämtliche Jungs aus der Klasse in der Pause angerempelt, weil er für die Tore der gegnerischen Fußballmannschaft gejubelt hat. Das hat ihn völlig aus den Socken gehauen - er wurde wütend und hysterisch und sackte dann weinend zusammen, weil er sich als Außenseiter fühlte. Es gab ein Gespräch mit der Lehrerin. Einige von euch wissen ja, dass mein Sohn in seiner 1. Grundschule einiges erlebte mit Bloßstellungen, Demütigungen, Bestrafungen durch Lehrer, die ihre Abneigung dann auch auf die Kinder übertrugen. Diese Erlebnisse sitzen tief drin.

Ab und zu erzählte mein Sohn, dass einer seiner Mitschüler ihn immer wieder ärgere. Dieser Schüler hat eine führende Rolle in der Klasse. U.a. hat dieser Schüler ihm tagelang in den Pausen ein "Beinchen gestellt", andere Schüler standen im Kreis herum und lachten darüber. Das veletzte meinen Sohn zutiefst. Als dieser Schüler dann im Sportunterricht wieder ärgerte, ging mein Sohn wütend auf ihn los.

Hin und wieder erzählt mein Sohn von Beleidigungen durch Mitschüler, die ihn sehr verletzen. Er hat aber zum Glück auch 4-5 Jungen in der Klasse, mit denen er sich gut versteht.

Einmal kam mein Sohn weinend nach Hause, weil er eine Strafarbeit machen musste, die er als ungerecht empfand. Mehrere Jungs störten den Unterricht - mein Sohn strengte sich besonders an und machte nicht mit - später sprach er 2-3 Wörter und sollte dafür aufschreiben, warum er das getan hätte, welche Folgen es für ihn und die Mitschüler hätte und wie er gedenke, es wieder gutzumachen. Er erzählte, dass ein Mädchen kurz vorher ebenfalls 2-3 Wörter sprach und keine Strafarbeit bekam.

Ich rief die Lehrerin an, um zu berichten, wie diese auch in meinen Augen völlig überzogene Strafarbeit bei meinem Sohn ankam. Sie sei dafür ausgebildet, sagte sie mir, gab auch zu, dass das Mädchen für gleiches "Vergehen" keine Strafe bekam. Das wäre ja alles nicht so schlimm, sie würde sich mehr darum sorgen, dass mein Sohn auf den Mitschüler (s. oben) losgegangen sei. Es interssierte sie nicht, dass mein Sohn vorher psychisch und auch körperlich von diesem Kind verletzt wurde.

Vor Weihnachten bekamen wir einen Hinweis eines externen Lehrers, dass er den Eindruck hätte, unser Sohn bekäme von Mitschülern so wie von Lehrern übermäßig eins aufs Dach und er wüsste nicht, ob er das verkraften könne. Daraufhin nahmen wir Kontakt zu einer Beratungslehrerin der Schule auf.

Ich merke, ich werde zu lang. Kaum hatten wir diesen Brief verdaut, kam eine Woche später noch so ein Hammer - eine Mitteilung, dass die Klassenkonferenz beschlossen hätte, den Schulweg meines Sohnes weiterhin wohlwollend zu begleiten. Die manchmal negativen Reaktionen von Lehrern und Mitschülern seien ein Spiegel seines eigenen Verhaltens und eine positive Reaktion nur durch ein positives Verhalten seinerseits erreicht werden könne. Sie empfahlen uns, Kontakt mit einem Psychologen aufzunehmen.
Shocked

Mein Sohn ist jetzt bald 2 Jahre in dieser Klasse auf dem Gym.. Andere Vorfälle sind uns nicht bekannt.

Ich halte das Ganze für völlig überzogen. Diese furchtbaren Schreiben kommen nun in die Schulakte.

Was würdet Ihr tun? Ich hatte schon eine Stellungnahme geschrieben, dann aber bisher doch nicht abgeschickt, weil ich auch nicht möchte, dass die ganze Sache noch mehr aufgebauscht wird. Andererseits kann ich die Schreiben aber auch nicht so unkommentiert lassen, da sie ein völlig falsches Bild abgeben. Müsste meine Stellungnahme in die Schulakte genommen werden?

Viele Grüße
Erika
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In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und abgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.

(A. Jean Ayres)
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Doris Schmitt



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BeitragVerfasst am: 05.05.2007, 18:32    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich denke einmal, dass es ihm sehr unangenehm ist, dass er bei so einem Unsinn mitgemacht hat. Solche Scherze sind bestens dazu geeignet, auszuufern.

Eigentlich finde ich es gut, wenn man die Beteiligten befragt, aber nicht, um nur einen zu bestrafen, besonders, wenn die Kinder sich eh wieder vertragen.

Andererseits ist das mit dem Schlagen, egal von wem, nicht ok. Besonders derjenige, der dazu aufgefordert hat, müsste einmal einen Vortrag über Gewaltlosigkeit hören.

Ich persönlich würde mir wünschen, könnten sich die Lehrer meiner Tochter einmal dazu hinreißen lassen, Vorfälle näher zu beleuchten. Denn sie erlebt genau das Gegenteil, da werden m.E. massive Vorfälle einfach verharmlost.

Natürlich ist es schlimm, wenn solche Maßnahmen gerade ein Kind mit schlimmen Mobbingerfahrungen trifft.

Schlimm ist es, wenn es immer wieder die gleichen Kinder trifft. Ich suche noch immer nach dem "Muster", welche Kinder besonders anfällig sind, immer wieder von den anderen als Prellbock benutzt zu werden.

Besonders ärgert es auch mich, wenn dann die Reaktionen von den Mobbingopfern ohne die Einbeziehung der von anderen vorgenommenen Demütigungen negativ ausgelegt werden.

Auch bei meiner Tochter herrscht noch ein großes Misstrauen gegen Gleichaltrige. Aber ihr wird wegen ihrer Reaktionen die Verhaltensnote auf befriedigend festgesetzt. Sie solle sich nicht so aufregen ect...

Wichtig ist, dass unsere Kinder erkennen, dass die Taten meist nur von wenigen Mitschülern ausgehen. So muss ich meine Tochter immer daran erinnern, nicht zu pauschalisieren und die Übeltäter beim Namen zu nennen.

So hoffe ich ihr wenigstens die Augen zu öffnen, dass nicht alle gegen sie sind.

Die Strafarbeit hätte meine Tochter nicht gemacht. Gleiche Taten müssen gleich bewertet werden.

Unsere Rechtsordnung gilt auch in der Schule und so darf z.B. niemand bestraft werden, ohne sich vorher zu verteidigen.

Mit dieser Argumentation habe ich schon Rektoren sprachlos gemacht.

Es gilt auch das Grundgesetz in der Schule.

Der Brief der Klassenkonferenz ist ein Witz.

Da merkt man die Haltung: Was nicht sein kann, das nicht sein darf. Bei uns gibt es kein Mobbing.

Mein Gegenbrief wäre nicht von schlechten Eltern. Ich würde alles, aber auch alles auflisten, was dem Jungen bisher in der neuen Schule von anderen angetan worden ist. Das Nichtreagieren oder das Verharmlosen ect.. würde ich klar anklagen.

Dazu würde ich ausführen, dass all diese Vorfälle zu seinem Verhalten geführt haben und nicht sein Verhalten zu den negativen Reaktionen.

So macht man Opfer zum Täter.

Aber so etwas versucht man ja auch oft in anderen Gebieten. Oder wie oft muss sich eine Frau vorhalten lassen, dass sie selbst schuld sei, dass man sie vergewaltigt hat.

Danach wäre hoffentlich Ruhe.

Solche Schreiben von Schulen dienen nur dazu, Kinder zu vergraulen, Eltern mundtot zumachen.

Erst wenn man sich wehrt, dann kommt die Sache ins Rollen.

Du kannst nichts mehr kaputt machen, die haben ihre Meinung.

Aber ich würde die Schulaufsicht einschalten und eine Kopie des Briefes mit meiner Stellungnahme übergeben. Dann wird die Sache offiziell und kann nicht mehr "unter den Tisch" gekehrt werden.

Außerdem muss sich der Rektor dann gegenüber der Schuleaufsicht äußern.

Wenn es um mein Kind geht, werde ich unglaublich emotional und selbst die Geschichte deines Sohnes macht mich wütend.

Ich kann viele seiner Reaktionen so gut verstehen, meine Tochter übrigens auch.

Kämpfe für dein Kind, lasst Euch nichts gefallen, die warten nur auf weitere Vorfälle.

Doris
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Erika
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BeitragVerfasst am: 06.05.2007, 21:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

@Doris Carnap. Du fragest mich, wie es mir geht. Ich antworte mal hier.

Bis zu diesem 1. Brief ging es mir gut. Danach war ich erst einmal fix und fertig, beruhigte mich wieder ein wenig, dann kam der nächste Brief eine Woche später wegen des gleichen Ereignisses.

Wie ich auch schon vorher schrieb, hatten wir eigentlich noch nie so eine gute Zeit. Leistungsmäßig steht mein Großer (noch) bei Durchschnitt 2,8. Es ist nur die Frage, wie lange noch, da er so gut wie nichts interessant findet. Auch wenn es nicht die ganze Klasse ist, hat er immerhin 4-5 Jungs, mit denen er sich recht gut versteht. Einige Mobber gibt es leider auch dort - manchmal weiß ich nicht genau, ob mein Sohn nur sehr empfindlich ist, oder ob man wirklich von Mobbing sprechen kann. Einige Vorkommnisse riechen schon ziemlich nach Mobbing. Offensichtlich zählen aber psychische Verletzungen nicht - nur die körperlichen. Die Sache mit dem Mädchen war natürlich etwas anderes - also keine Reaktion meines Sohnes auf psychische Verletzungen.

Inzwischen habe ich mich soweit wieder beruhigt - allerdings habe ich Angst davor, dass nun noch einmal etwas vorkommen könnte. Bei anderen Kindern wird über kleinerei Raufereien/Rangeleien hinweggesehen (lt. Schilderungen meines Sohnes kommt es auch bei anderen mal vor, dass sie aufeinander losgehen), bei meinem Sohn wird jetzt sicher mit Argusaugen aufgepasst.

Dann schwanke ich immer noch hin und her, ob und wie ich auf diese Briefe reagieren soll. Meine andere Sichtweise - ebenfalls in der Schulakte abgelegt - gäbe ev. dem einen oder anderen Lehrer die Möglichkeit, die Angelegenheit von zwei Seiten zu sehen. Andererseits möchte ich auch nicht noch mehr aufbauschen. Mein Sohn braucht Ruhe davor - kein neues Aufrollen der Ereignisse. Bald wird neu gewürfelt, und die Klassenzusammensetzung und Klassenleitung ist wieder eine andere - ev. erledigt sich einiges.

Die "pädagogischen Maßnahmen" sollen den Kindern laut Schulgesetz helfen. Ich sehe im Augenblick in den Briefen nur Kontraproduktivität. Meinem Sohn fehlt es immer noch an Selbstbewusstsein, das er bis zum Ende der 1. Klasse hatte. Die übertriebene Aktion und die Briefe (den 2. haben wir ihm schon erspart) haben dass angeknackste Selbstbewusstsein weiter nach unten manövriert - von Hilfe kann man da wirklich nicht reden.

Der einzige Sinn in derartigen Briefen liegt meines Erachtens NUR darin, der Schule eine Grundlage zu schaffen, jemanden ev. dann irgendwann legal aussortieren zu können. "Wir haben alles getan, was schulseitig möglich ist, heißt es dann."

Viele Grüße
Erika
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Erika
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BeitragVerfasst am: 06.05.2007, 21:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris S.,

Zitat:
ich denke einmal, dass es ihm sehr unangenehm ist, dass er bei so einem Unsinn mitgemacht hat. Solche Scherze sind bestens dazu geeignet, auszuufern.


Ja sicher ist es ihm unangenehm. Er sieht ein, dass er sich falsch verhalten hat. Wir hatten unsere Mühe ihm auszureden, dass er deshalb ein Schwerstverbrecher, ein Böser, ein nicht liebenswerter Mensch ist. Laut Briefe sollen wir ihm aber sein Fehlverhalten nochmals erläutern und "auf ihn einwirken", dass solche Fälle sich nicht wiederholen.

Zitat:
Schlimm ist es, wenn es immer wieder die gleichen Kinder trifft. Ich suche noch immer nach dem "Muster", welche Kinder besonders anfällig sind, immer wieder von den anderen als Prellbock benutzt zu werden.


Das sind immer Kinder, die irgendwie anders sind und/oder dessen Selbstbewusstsein nicht das Beste ist. Und regelmäßig werden diese Kinder zum "Täter" gemacht. Seit 6 Jahren lese/höre/erlebe ich nun immer wieder ähnliche Tragödien. Unsere Gesellschaft möchte alle Menschen gleich haben. Wer anders ist, hat immer angeblich selber Schuld.

Zitat:
Besonders ärgert es auch mich, wenn dann die Reaktionen von den Mobbingopfern ohne die Einbeziehung der von anderen vorgenommenen Demütigungen negativ ausgelegt werden.


Da heißt es dann nur "Geärgert wird immer mal." Und wenn sich jemand psychisch verletzt fühlt, ist er eben selber Schuld.

Eine Note für Verhalten gibt es bei uns nicht. Im letzten Zeugnis stand "Verhalten einwandfrei."

Ich überlege noch, was ich nun tun werde - meistens ist alles falsch - egal, was man tut. Den lieben selbstherrlichen Lehrern kann man ja nichts recht machen. Sie sind ja angeblich ausgebildet - Eltern haben ja keine Ahnung und sehen ihr Kind durch die rosarote Brille - außerdem sind Eltern ja nicht in der Schule dabei, um sich ein Bild machen zu können.

Viele Grüße
Erika
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 07.05.2007, 09:21    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Erika,

dass Schüler sich im Übermut rempeln und rangeln, dass dabei auch etwas passieren kann, ist nach meiner Einschätzung 'normal'. Dein Sohn hat einen Fehler gemacht, weil er zu fest zugeschlagen hat, dafür hat er eine Mißbilligung bekommen. Ich kenne Schulen in denen Mißbilligungen wegen harmloserer Angelegenheiten verteilt werden. Dein Sohn ist hochsensibel in seiner Wahrnehmung und empfindet Scham darüber - das macht die ganze Angelegenheit schwieriger. Wieviel einfacher haben es Kinder, die einfach sagen können: "Na und? - Ich hab einen Fehler gemacht, ich werde das nächste Mal vosichtiger sein und die das Ganze schnell vergessen. Aber nicht alle Kinder reagieren so unbekümmert. Das zur Mißbilligung.

Worüber ich allerdings stolpere ist der zweite Brief. Es gab eine Klassenkonferenz nachdem die Mißbilligung abgeschickt war? Jedenfalls wurde auf der Klassenkonferenz beschlossen:
Zitat:
"den Schulweg meines Sohnes weiterhin wohlwollend zu begleiten. Die manchmal negativen Reaktionen von Lehrern und Mitschülern seien ein Spiegel seines eigenen Verhaltens und eine positive Reaktion nur durch ein positives Verhalten seinerseits erreicht werden könne. Sie empfahlen uns, Kontakt mit einem Psychologen aufzunehmen."

Was ist denn da los? Ich würde mir das von der Lehrerin nochmal genau erklären lassen. Kinder verhalten sich innerhalb von Gleichaltrigen anders als zuhause. Versuch erst mal näheres über das Verhalten deines Sohnes in der Klasse und die Einschätzung darüber durch die Lehrer herauszufinden. Abhängig vom Ergebnis des Gesprächs würde ich dann reagieren.

Doris
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Petra Litzenburger



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BeitragVerfasst am: 07.05.2007, 20:29    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Erika!

-Überbewertet- ist noch etwas zu harmlos ausgedrückt.

M. E. scheint hier was anderes zu laufen!

Denn das hier:

Zitat:
Einmal kam mein Sohn weinend nach Hause, weil er eine Strafarbeit machen musste, die er als ungerecht empfand. Mehrere Jungs störten den Unterricht - mein Sohn strengte sich besonders an und machte nicht mit - später sprach er 2-3 Wörter und sollte dafür aufschreiben, warum er das getan hätte, welche Folgen es für ihn und die Mitschüler hätte und wie er gedenke, es wieder gutzumachen. Er erzählte, dass ein Mädchen kurz vorher ebenfalls 2-3 Wörter sprach und keine Strafarbeit bekam.

Ich rief die Lehrerin an, um zu berichten, wie diese auch in meinen Augen völlig überzogene Strafarbeit bei meinem Sohn ankam. Sie sei dafür ausgebildet, sagte sie mir, gab auch zu, dass das Mädchen für gleiches "Vergehen" keine Strafe bekam. Das wäre ja alles nicht so schlimm, sie würde sich mehr darum sorgen, dass mein Sohn auf den Mitschüler (s. oben) losgegangen sei. Es interssierte sie nicht, dass mein Sohn vorher psychisch und auch körperlich von diesem Kind verletzt wurde.


und hier:


Zitat:
Vor Weihnachten bekamen wir einen Hinweis eines externen Lehrers, dass er den Eindruck hätte, unser Sohn bekäme von Mitschülern so wie von Lehrern übermäßig eins aufs Dach und er wüsste nicht, ob er das verkraften könne. Daraufhin nahmen wir Kontakt zu einer Beratungslehrerin der Schule auf.



und dieser Satz:

Zitat:
Die manchmal negativen Reaktionen von Lehrern und Mitschülern seien ein Spiegel seines eigenen Verhaltens und eine positive Reaktion nur durch ein positives Verhalten seinerseits erreicht werden könne. Sie empfahlen uns, Kontakt mit einem Psychologen aufzunehmen.


passen wunderbar ins Bild.

Mehr muss man dazu nicht schreiben.


Am meisten erschüttert bin ich über diesen Satz:


Zitat:
Es interssierte sie nicht, dass mein Sohn vorher psychisch und auch körperlich von diesem Kind verletzt wurde.



Einen Termin beim Psychologen halte ich auch für eine gute Idee, aber nicht wegen dem Verhalten Deines Kindes, sondern wegen dem Verhalten dieser Lehrer bzw. dieser Klassenlehrerin.


Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen würde ich auf jeden Fall schreiben!

Ganz liebe Grüsse, vor allem an Deinen Sohn

Petra Litzenburger

P. S. Kann Dich die EMGS in dieser Sache unterstützen?
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Erika
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BeitragVerfasst am: 07.05.2007, 20:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

Zitat:
Worüber ich allerdings stolpere ist der zweite Brief. Es gab eine Klassenkonferenz nachdem die Mißbilligung abgeschickt war?


Ja, die Mitteilung über das Ergebnis der Klassenkonferenz kam eine Woche später, ohne dass etwas Neues vorgefallen ist.

Wenn mir schon schriftlich mitgeteilt wird, dass die Negativreaktionen der anderen nur ein Spiegel des Verhaltens meines Sohnes sind, weiß ich doch schon jetzt, was die Lehrerin mir erzählt - nämlich dass mein Sohn ärgert, nervt oder sonst was. Die psychischen Verletzungen, auf die er überzogen reagiert, zählen ja nicht "Geärgert wird immer mal".

Ich weiß, dass mein Sohn sicher kein Unschuldslamm ist und auch gerne bei allen möglichen Ärgereien mitmischt - das scheint ja bei den Kindern in dem Alter leider üblich zu sein - ständig höre ich so etwas - auch ohne dass mein Sohn beteiligt ist.

Trotzdem denke ich, dass einige in der Klasse ihn auf dem Kieker haben - wahrscheinlich weil er so empfindlich ist. Ich habe schon soooo oft mit ihm darüber gesprochen und versucht, ihm klarzumachen, dass er möglichst gelassen bleiben soll, dann macht es den anderen Kindern nämlich keinen Spaß mehr zu ärgern/zu beleidigen, wenn von ihm keine Reaktion käme. Das kriegt er trotz guter Vorsätze nicht hin. Dehalb denke ich schon länger darüber nach, etwas zu unternehmen, um sein Selbstbewusstsein zu stärken, denn das ist meiner Meinung nach sein eigentliches Problem. Dann lief alles aber über Wochen und Monate bestens, dass ich immer wieder davon abgekommen bin.

Heute ist wieder etwas vorgefallen. Mein Sohn wurde vom Spielen in der Pause ausgeschlossen, angeblich weil er einen Mitschüler zusammen mit zwei anderen geärgert hatte mit "Du bist verliebt in ...". Die anderen beiden "Mitärgerer" durften jedoch mitspielen. Sein Freund, einer der Mitärgerer sagte mir heute, er verstünde das auch nicht, denn er und noch ein Mitschüler hätten genau so mitgemacht beim Ärgern. Mein Sohn störte daraufhin das Spielen, anstatt einfach wegzugehen, wie wir es schon 1000mal besprochen haben. Daraufhin wurde er von den Mitschülern als Nazischwein besungen und erntete ein paar Kopfnüsse, was ihn auch wieder veranlasste, sich zu wehren.

Der Freund meines Sohnes sieht es übrigens auch so, dass ein "Anführer" in der Klasse andere beeinflusst und diese zusammen meinen Sohn übermäßig demütigen. Zum ersten Mal ging mein Sohn heute zur Klassenlehrerin und berichtete von dem Vorfall. Wie glaubwürdig ist jedoch ein Einzelner, wenn sich andere zusammenrotten? Sie empfahl zum Streitschlichter zu gehen, was die anderen aber nicht wollen.

Leider sind die anderen Kinder so geschickt und lassen sich von Lehrern nicht beim "Trietzen" erwischen, bekannt sind nur die Reaktionen meines Sohnes - sozusagen wie aus heiterem Himmel.

Das hört sich jetzt vielleicht so an, als wenn es in den letzten bald 2 Jahren ständig irgendwelche Vorfälle gegeben hätte - das war definitiv nicht der Fall - meistens lief es gut - mir sind nur die oben erwähnten Ereignisse bekannt.

Viele Grüße
Erika
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BeitragVerfasst am: 07.05.2007, 21:15    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Petra,

vielen Dank für deine Antwort. Ich wüsste nicht, wie EMGS helfen könnte. Es müsste in der Schule einen Fachmann für Mobbing geben, den es aber nicht gibt. Aufgrund des Hinweises der erwachsenen Person hatten wir uns ja an die Beratungslehrerin gewandt. Wie aus den Briefen der Schule zu entnehmen ist, liegt ja angeblich alles nur an meinem Sohn. An Negativreaktionen scheint dann wohl alles grenzenlos erlaubt zu sein. Wie soll ein Mensch dabei positives Verhalten entwickeln?

Es gibt auch andere Meinungen über meinen Sohn. Nach dem letzten Sommerlager der Pfadfinder schwärmte eine mitgefahrene Mutter förmlich von meinem Sohn. Bei den Pfadfindern oder auch vom Schwimmverein gibt es NIE irgendwelche Beschwerden.

Auch in der Klassenkonferenz wurde laut Elternvertreterin, die ich anschließend befragte, über meinen Sohn nicht als "schweren" Fall gesprochen. Da gäbe es ganz andere... Es wurde auch erwähnt, dass er intelligent, redegewandt und wissbegierig sei, seine anfangs vom Interesse abhängige Aufmerksamkeitsfähigkeit sich sehr gebessert hätte, er auch Rückhalt in der Klasse hätte (scheint im Augenblick mal wieder nicht so zu sein). Davon steht aber nichts in diesen Briefen, und die kommen in die Schulakte.

Manchmal denke ich, um so mehr man mit Schule freundlich! redet, um so schlimmer werden Situationen. Irgendwie scheinen die sich immer nur rechtfertigen zu wollen - bloß nichts einsehen, schon gar nicht tätig werden, weil sie einfach damit überfordert sind.

Viele Grüße
Erika
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BeitragVerfasst am: 07.05.2007, 22:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Du hast es erfasst:

Die Schulen wollen nichts tun, weil es viel Arbeit machen würde.

Da ist es einfacher, die Opfer zum Täter zu machen. Das geschieht übrigens nur bei besorgten und engagierten Eltern.

Eltern, die frech auftreten, drohen und einfach in Verweigerungshaltung gehen, die kommen durch und haben mehr Erfolg.

Das sind dann die Eltern der Mobber unserer Kinder.

Was lernen wir daraus? Wir müssen unangenehm werden.

Das Grundproblem deines Sohnes kenne ich von meiner Tochter, aber Du musst am Ball bleiben, immer wieder predigen - nach dem Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein.

Die Message kommt irgendwann an und wird auch umgesetzt.

Meine Tochter hat dazu viele Jahre gebraucht und ist jetzt mit fast 15 so halbwegs in der Lage, sich zu steuern und vieles gelassener zu sehen.

Das braucht Zeit und viel Geduld.

Bedenke auch, dass eine verletzte Seele lange leidet.

Doris
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 08.05.2007, 07:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Erika,

du schreibst: "Wie soll ein Mensch dabei positives Verhalten entwickeln?" Das frage ich mich auch häufig. Dazu bräuchten Kinder Lehrer, die ihnen Vorbild sind, die eine positive Einstellung zu Kindern auf allen Stufen ihrer Entwicklung haben und unterschiedliche Persönlichkeiten akzeptieren und natürlich Kompetenz im Umgang mit Menschen haben. Das Fehlen ist ein Grund, der Schule für manche Kinder so schwierig macht.

Ich würde auch eine Stelllungnahme schreiben, weil du deinen Sohn am besten kennst und auch genau weißt was in der Vergangenheit gelaufen ist,. Du kannst auch beschreiben, dass er außerschulisch aktiv ist und dass er dort keine Probleme hat. Ich würde es allerdings nicht tun, ohne mit der Lehrerin vorher gesprochen zu haben. Weil man dann gegen die aktuellen Vorurteile am besten argumentieren kann ( im Gespräch am... haben Sie gesagt,... ) und nicht auf eine allgemeine Ebene gerät. Da machen Lehrer sofort dicht. Mich würde in dem Gespräch besonders interessieren, warum sie meint, dass du Kontakt mit einem Psychologen aufnehmen sollst.
Zitat:
Erika: Einmal kam mein Sohn weinend nach Hause, weil er eine Strafarbeit machen musste, die er als ungerecht empfand. Mehrere Jungs störten den Unterricht - mein Sohn strengte sich besonders an und machte nicht mit - später sprach er 2-3 Wörter und sollte dafür aufschreiben, warum er das getan hätte, welche Folgen es für ihn und die Mitschüler hätte und wie er gedenke, es wieder gutzumachen. Er erzählte, dass ein Mädchen kurz vorher ebenfalls 2-3 Wörter sprach und keine Strafarbeit bekam.

Ich weiß nicht mehr wie oft meine Kinder nach Hause kamen und empört über oben beschriebenes Lehrerverhalten berichteten. Das scheint ein typischer Fehler zu sein, nicht auf das schwere Vergehen zu reagieren, sondern auf den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Irgendwann ist es der Lehrerin dann zu viel und die Frage an den Tischnachbarn, z.B. ob man mal das Lineal nehmen dürfe, ist dann ausreichend um auzurasten und den Schüler wegen einer Lapalie zu beschimpfen und heftig zu bestrafen. Auch meine Kinder hatten den Eindruck: immer bin ich es! Das stimmt natürlich nicht, nur wenn sie selber ungerecht behandelt wurden, fühlten sie sich besonders betroffen, wenn es andere betraf, empfanden sie es gar nicht so schlimm, manchmal sogar als gerechtfertigt.

In seinem Beitrag "Was macht guten Unterricht aus?" beschreibt Rainer Dollase als gutes "Classroom Management" auch das 'Dabeisein' des Lehrers, der signalisiert, "dass er über die Vorgänge im Klassenraum Bescheid weiß. Die Schüler glauben und wissen, dass er alles mitbekommt" "der Lehrer macht bei Disziplinierungsfällen keine Objekt- und Zeitfehler, d.h. er bemerkt abweichendes Verhalten sofort und signalisiert, dass er es gemerkt hat bzw. er trifft immer auch den Urheber oder tadelt schwereres Fehlverhalten bei gleichzeitigem Vorliegen von leichteren Verfehlungen statt umgekehrt." http://www.finland.de/dfgnrw/dfg043a-pisa27.htm In der Praxis sieht es aber häufig anders aus.

Doris
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BeitragVerfasst am: 08.05.2007, 22:16    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

Zitat:
du schreibst: "Wie soll ein Mensch dabei positives Verhalten entwickeln?" Das frage ich mich auch häufig. Dazu bräuchten Kinder Lehrer, die ihnen Vorbild sind, die eine positive Einstellung zu Kindern auf allen Stufen ihrer Entwicklung haben und unterschiedliche Persönlichkeiten akzeptieren und natürlich Kompetenz im Umgang mit Menschen haben. Das Fehlen ist ein Grund, der Schule für manche Kinder so schwierig macht.


Darin sehe ich auch ein großes Problem. Wie ich bisher erleben durfte, wollen Lehrer wie die überwiegende Anzahl der Mitmenschen "Normkinder" und leben es förmlich vor, dass derjenige, der zum Beispiel Schwierigkeiten mit der Aufmerksamkeit hat, bestraft/ausgesondert wird, als wenn das lediglich eine Unerzogenheit ist. Mangelnde Aufmerksamkeit ist auch damit verbunden, dass man Signale seiner Mitmenschen nicht rechtzeitig wahrnehmen kann. Wie du ja weißt, lag die Ursache beim Kiss-Syndrom. Diese Aufmerksamkeitsprobleme haben wir zurzeit - auch zusätzlich dank einer Nahrungsergänzung - gut im Griff. Nur der Teufelskreis läuft schon lange - hatte Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung, insbesondere das Selbstbewusstsein. Dann kommt noch das Schubladendenken der Mitmenschen dazu - es ist verdammt schwer, aus einer Schublade herauszukommen.

Im Augenblick scheinen die Mobbingattacken der Mitschüler (ja, inzwischen bin ich ziemlich sicher, dass es kein normales Ärgern mehr ist) zu eskalieren. Heute gab es wieder sogar während des Unterrichts Beschimpfungen wie "Nazischwein" usw. Ich kann hier nicht alles niederschreiben, jedenfalls scheinen einige Kinder meinen Sohn bis zum Geht- nicht-mehr zu provozieren mit Beschimpfungen, Geschubse und Ausgrenzungen, bis er dann auch zurückschlägt. Er ist heute morgen mit sehr guten Vorsätzen in die Schule gegangen - aber das ist einfach zu viel, was die sich erlauben. Das schafft er nicht.

Jetzt sollen Streitschlichter eingeschaltet werden - bin sehr skeptisch, dass die etwas bewirken können. Die Lehrerin hat wohl inzwischen immerhin mitbekommen, dass unser Sohn nicht an allem Schuld ist. Trotzdem werden die Mobbingattacken heruntergespielt. Mein Mann hat heute mit der Lehrerin gesprochen - ich fühle mich derzeit nicht in der Lage dazu, emotionslos mit ihr zu sprechen. Mein Mann meinte, das Gespräch wäre gut gewesen und die Lehrerin wüsste, dass unser Sohn nicht an allem Schuld sei. Ja, merkwürdig, in den Briefen steht es aber ganz anders. Die Empfehlung, psychologische Hilfe zu suchen begründet sie damit, das Selbstbewusstsein zu stärken und zu lernen, mit seinen Emotionen besser umzugehen - also Mobbing besser verkraften zu können?

Ich frage mich wirklich, was ist schlimmer, ein Schlag ins Gesicht oder regelmäßige Beschimpfungen, Herabsetzungen usw. Seelische Verletzungen zählen so gut wie gar nicht - dafür gibt es keine schriftlichen Missbilligungen.

Sicher werde ich noch eine Stellungnahme auf die Briefe schreiben. Geschrieben hatte ich sie ja schon, dann aber zurückbehalten, da ich nichts aufbauschen wollte und ich die letzten zwei Wochen den Eindruck hatte, alles liefe ganz gut. So schlimm wie die letzten Tage war es offensichtlich bisher auch nie.

Viele Grüße
Erika
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In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und abgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.

(A. Jean Ayres)
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Erika
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BeitragVerfasst am: 18.05.2007, 20:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

inzwischen war mein Sohn mit einem Mitschüler bei einem Streitschlichter. Die beiden haben einen Vertrag miteinander geschlossen. Jeder der beiden hat darin zum Ausdruck gebracht, welche Veränderungen er sich wünscht.

Seitdem ist die Welt zurzeit scheinbar wieder in Ordnung. Mein Sohn wird zurzeit nicht mehr ausgeschlossen in den Pausen, nicht beschimpft und beleidigt (nur einmal mit Tinte bespritzt worden) und ist dadurch auch ein ganz anderer Mensch, ausgeglichen und zufrieden - mal sehen, wie lange das anhält. Das Kind, mit dem mein Sohn den Vertrag geschlossen hat, unterstützte ihn (hatte mein Sohn sich gewünscht), als ein anderes Kind ihn ausschließen wollte. Dieses stand dann zunächst plötzlich selber alleine da. Ich weiß nicht, ob die Lehrerin noch mit anderen Kindern gesprochen hatte. Jedenfalls rief auch noch ein anderer Mitschüler, der sich länger nicht mehr gemeldet hatte, nachmittags an und wollte sich mit meinem Sohn verabreden.

Dann habe ich ein Gespräch mit einer Psychologin geführt, da wir uns ja um psychologische Unterstützung bemühen sollten. Ich habe ihr alles erzählt, was ich wusste. Danach sah sie keinen Therapiebedarf für meinen Sohn und meinte, dass wir ja schon alles Menschenmögliche tun würden, um sein Selbstbewusstsein und emotionale Ausgeglichenheit aufzubauen. Mehr könne sie da auch nicht tun. Seine emotionalen Reaktionen fand sie nachvollziehbar, meinte außerdem, dass bei den Jungen in diesem Alter ständig etwas los wäre.

Am liebsten würde ich das nun der Lehrerin so mitteilen (mit meiner übrigen Stellungnahme zu den Briefen) und ihr anbieten, doch selbst einmal mit der Psychologin Kontakt aufzunehmen. Was haltet ihr davon?

Viele Grüße
Erika
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(A. Jean Ayres)
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Doris Schmitt



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BeitragVerfasst am: 19.05.2007, 08:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich würde die Psychologin bitten eine kurze Stellungnahme zur "Therapiebedürftigkeit" deines Sohnes zu verfassen.

Das sieht zum Einen gut aus, zum anderen wirst Du es nur sehr schwer erreichen, dass sich ein Lehrer mit einer Fachkraft in Verbindung setzt.

Das hatte uns und auch eine Therapeutin sehr viele Nerven gekostet. In Klasse 6 die Klassenleitung hat sich extrem versucht der Kontaktaufnahme zu entziehen. Es bedurfte sage und schreibe 6 Versuchen, bis die Psychologin die Lehrerin in der Schule erreichte.

Gebracht hatte das Gespräch leider nicht sehr viel, weil zum Einen laut Psychologin die Lehrerin mehr als unsicher war und die Psychologin ja nun leider nicht die Meinung der Schule vertrat (so eine böse Psychologin).

Aber diese Erfahrungen, so wurde mir gesagt, sei normal, nicht nur bei dieser Fachkraft, sondern auch bei anderen.

Schön finde ich, dass der Junge nun Unterstützung hat - hoffentlich bleibt es so - denn ihm tut es sicher gut.

Ansonsten schreibe deinen Brief.

Doris
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Doris Carnap
Moderatorin


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BeitragVerfasst am: 19.05.2007, 09:58    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Erika,

ich finde das Streitschlichtermodell gut und wie du es beschreibst scheint es auch gut zu funktionieren. Es ist auf alle Fälle besser die Kids ihre Probleme auf Augenhöhe lösen zu lassen, als dass eine Gruppe Erwachsener stehend mit erhobenen Zeigefinger die Kinder belabert. Ich habe da eine bestimmte Szene in dem Film einer Mannheimer Ralschule vor Augen. Ein Alptraum wie die Lehrer sich da verhalten haben und das auch noch filmen lassen! Beschämung ein deutscher Komplex - und die Meisten finden das normal.

Wenn du deinen Brief schreibst, vesuche sachlich zu bleiben und verpacke den Mangel (M) zwischen Lob, Interesse und optimistischen Aussichten - du kennst doch das LIMO Prinzip? Wenn du willst, lese ich mir den Brief durch und kommentiere ihn.
Ich würde ihr zum Beispiel das Ergebnis deines Gesprächs mit der Psychologin in einer kurzen Zusammenfassung mitteilen - mehr nicht.

Doris
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Erika
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BeitragVerfasst am: 19.05.2007, 23:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ihr zwei,

dass die Situation so bleibt, glaube ich noch nicht so ganz. Das Schuljahr ist aber bald zu Ende, dann wird wieder neu gewürfelt. Insgesamt habe ich eigentlich das Gefühl, dass meinem Sohn immer mehr klar geworden ist, was ihn zum "Mobbingopfer" gemacht hat. Wir haben uns auch schon mehrfach darüber unterhalten. Sicher hat er (hoffentlich) daraus gelernt. Insgesamt sehe ich eigentlich, dass sein Selbstbewusstsein in den letzten Jahren zugenommen hat. Zurzeit finde ich ihn wieder oberklasse und kann absolut keine Therapiebedürftigkeit erkennen.

Ich werde in meiner Stellungnahme mitteilen, was mir die Psychologin gesagt hat. Wenn ich anbiete, dass die Lehrerin gern mit ihr telefonieren kann, zeige ich mich doch kooperationsbereit oder nicht? Wenn die Lehrerin es nicht tut, dann habe ich auf jeden Fall alles versucht. Ich habe kein Problem damit, wenn sie da anruft. Sollte dabei herauskommen, dass mein Sohn doch eine Therapie braucht, weil die Lehrerin der Psychologin etwas zu erzählen hat, was sie von mir vielleicht nicht erfahren hat, bin ich gern bereit etwas zu unternehmen, wenn ich das irgendwie als hilfreich nachvollziehen kann.

Doris C., ja danke für das Angebot. Ich werde dir meine Stellungnahme schicken - muss mich endlich mal aufrappeln dazu.

Viele Grüße
Erika
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