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Dünkelrepublik Deutschland

 
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 12.07.2007, 17:46    Titel: Dünkelrepublik Deutschland Antworten mit Zitat

Zitat:
Dünkelrepublik Deutschland

Von Henrik Müller

Die bestmögliche Bildung für die größtmögliche Anzahl von Menschen - das ist die wirksamste Antwort auf Globalisierung und Vergreisung. Leider verharrt unsere Oberschicht in Klassendenken: Lieber die Mehrheit dumm halten, lieber eine kleine Elite heranzüchten - und dann über Fachkräftemangel klagen. Diskutieren Sie mit.

Kürzlich saß ich mit einigen Experten zum freien Gedankenaustausch in der Staatskanzlei eines deutschen Bundeslandes zusammen - leitende Beamte, Wissenschaftler, Vordenker verschiedener Thinktanks. Es ging um die großen Themen: Globalisierung, Wettbewerbsfähigkeit, die wachsende Unterschicht, Deutschlands Zukunft überhaupt.

rgendwann kamen wir, logisch, auf die Bildungspolitik. Und wie so häufig pflegte man ein entschiedenes Klassenbewusstsein. Tenor: Man müsse verhindern, dass die gymnasiale und die akademische Bildung "verwässert" werde - durch Leute nämlich, die dort nichts zu suchen hätten.

Eine verbreitete Haltung, leider. In der Dünkelrepublik Deutschland verharren die gehobenen Kreise in überkommenem Klassendenken: Lieber die große Mehrheit von höherer Bildung aussperren und eine kleine, feine Elite heranzüchten, als entschlossen akademisch aufzurüsten, wie es die meisten Länder der entwickelten Welt seit 1990 tun.

Auch viele Manager und Unternehmer haben sich eine prämoderne Sicht auf die Gesellschaft bewahrt. Das zeigt eine Umfrage der Personalberatung Egon Zehnder, für die Führungskräfte in Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den USA zum Thema Bildung befragt wurden; die Ergebnisse haben wir im Märzheft des manager magazins und bei manager-magazin.de exklusiv veröffentlicht.

Ein Befund der Erhebung: 55 Prozent der deutschen Manager - ein weit größerer Anteil als in den übrigen Nationen - wünschen mehr Eliteförderung. Bildung für alle? Mehr Durchlässigkeit? Ach nein. Nur 5 Prozent sehen "Chancengleichheit" als Reformziel, viel weniger als unter den Wirtschaftsführern anderswo.

Dabei ist längst klar, dass das Bildungssystem unser ökonomisches Problem Nummer eins ist. Die bestmögliche Bildung für die größtmögliche Zahl - das ist die wirksamste Antwort auf Globalisierung und demografische Krise.

Das deutsche Bildungssystem hingegen, so belegen alle einschlägigen internationalen Vergleiche, arbeitet hochgradig selektiv; es schließt weite Teile der Bevölkerung von höherer Bildung aus; ja, es tut letztlich so, als ob Intelligenz und Bildungsfähigkeit irgendwie genetisch bedingt wären (wenn dem so wäre, zögen wir alle immer noch als schriftlose, keulenschwingende Jäger und Sammler durch die Wälder).

Andere Länder machen es vor: Beginnend in Kindergärten und Schulen wird dort versucht, möglichst viele Jugendliche zum Hochschulzugang zu befähigen. In Schweden und Finnland etwa fangen mehr als 70 Prozent eines Jahrgangs ein Studium an. Deutschland hinkt weit hinterher. Weil hierzulande auch viele das Studium abbrechen, liegt der Akademikeranteil bei den 25- bis 34-Jährigen heute 20 Prozentpunkte unter dem OECD-Durchschnitt.

Hier liegt die Ursache für den sich nun verschärfenden Fachkräftemangel, nicht im derzeit wieder mal rituell beklagten angeblichen "Lehrstellenmangel": Wo es zu wenig Hochqualifizierte gibt, fallen hochproduktive Investitionen aus, entstehen weniger Jobs für schwächer Qualifizierte. Der Bildungsdünkel wirkt als Wachstumsbremse.

Politökonomisch ist das deutsche Beharrungsvermögen übrigens leicht zu erklären: Das Bildungssystem behindert soziale Mobilität und schützt die gehobenen Schichten vor lästigem Wettbewerb durch hungrige Aufsteiger. Parallel dazu schreckt das restriktive Einwanderungsrecht aufstiegswillige Immigranten ab. So bleiben die Spitzen der Gesellschaft weitgehend unter sich. Es ist doch so bequem.

Nebenbei bemerkt: In dem Staatskanzleigespräch outete ich mich als Anhänger der kompetitiven Gesamtschule und erzählte von meinen Erfahrungen als Austauschschüler auf einer staatlichen US-Highschool (ja, ich weiß, da läuft auch nicht alles super), wo im zwölften Schuljahr von Kursen auf Sonderschulniveau bis zum Collegelevel alles angeboten wurde. Eine wettbewerbsintensive, durchlässige Lernlandschaft. In Deutschland einstweilen chancenlos.
http://www.manager-magazin.de/forum/blogs/0,2828,491328,00.html

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Silke
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BeitragVerfasst am: 16.07.2007, 18:29    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

was Henrik Müller da beschreibt ist bildungspolitische Realität in Deutschland - leider. Es ist überhaupt nicht vorstellbar was hier an Ressourcen verschleudert wird, und das Schlimmste ist, dass der Großteil der Lehrer leider genauso denkt, wie diese Manager.

Im Spiegel-Forum gibt es unter Uni + Bildung einen Beitragsstrang, der nennt sich "Wie radikal muß die Bildungspolitik umsteuern?", da ist mir vor längerer Zeit ein Beitrag in`s Auge gefallen, der ziemlich genau die Realität hier in Deutschland widerspiegelt:

http://forum.spiegel.de/showthread.php?p=1014327#post1014327

Ich lese da ab und zu mal mit und schreibe auch ab und an mal einen Beitrag; ein grosser Teil derer, die sich an diesen Diskussionen beteiligen sind allerdings wohl Lehrer, wie man unschwer an der Art und Weise der Argumentation feststellen kann.
Auf wirklich wichtige Fragen bzgl. unseres Bildungssystems wird
entweder überhaupt nicht, oder wenn doch, oftmals arrogant und
abwertend reagiert.

Liebe Grüsse
Silke
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Silke
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BeitragVerfasst am: 18.07.2007, 12:55    Titel: Antworten mit Zitat

Zu diesem Thema passt auch ein Artikel in der ZEIT vom 12.07.2007, der sich mit der Schaffung einer Gemeinschaftsschule für alle Kinder auf der Insel Fehmarn befasst; dort musste man reagieren, da die Schülerzahlen stark rückläufig sind.

http://www.zeit.de/2007/29/gesamtschule?from=rss

Besonders interessant wird es dann, wenn man sich die Leserkommentare zu diesem Artikel durchliest.
Es muss noch viel passieren hier in Deutschland, besonders in den Köpfen der Menschen, bis wir eine humane Schule für alle Kinder, Lehrer und Eltern verwirklicht haben.

Viele Grüsse
Silke
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