Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V.
www.emgs.de
 

Der Verein von Eltern für Eltern

Das Schreiben von Beiträgen ist nur registrierten Usern gestattet

Elterninitiative-Startseite

 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Therapie nach Noten für verhaltensauffällige Kinder

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht -> Rechenschwäche/Dyskalkulie
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Erik
vorübergehend gesperrter User


Anmeldedatum: 30.08.2006
Beiträge: 50

BeitragVerfasst am: 12.09.2007, 12:11    Titel: Therapie nach Noten für verhaltensauffällige Kinder Antworten mit Zitat

Heute war im Darmstädter Echo zu lesen, wie unsere Handball-Weltmeister, allen voran der Nationaltorhüter Henning Fritz, sich aus einem absoluten Leistungstief mit dieser Therapie befreit haben... und wie erfolgreich diese Therapie bei Kindern mit LRS, ADS, ADD, ADHD, Dyskalkulie u.v.m. angewendet werden kann:

Zitat:
Audio-Visuelle-Wahrnehmungs-Förderung (AVWF) nutzt die Musik als Impulsträger. Entwickler Ulrich Conrady: ?Ob Klassik oder Pop ist völlig unerheblich. Entscheidend sind die modulierten Schallwellen, die auf einen kaum bekannten Muskel im Mittelohr einwirken. (Tonhöhen- und Längen-Unterscheidung)." Das Geheimnis der ?Therapie nach Noten" sind also modulierte Schallwellen, die verkürzt und verändert werden. Die aufbereitete Musik - über Kopfhörer oder Raumakustik - erreicht und reizt Gehirnströme und Herzfrequenz - wirkt entspannend wie im Tiefschlaf. Sie nimmt zugleich Einfluss auf die Gefühls- und Bewegungskontrolle, die innere Ruhe und Sicherheit - dämpft damit den permanenten Alarmzustand im Kopf. Das autonome Nervensystem kehrt zurück in die Balance.
Die Behandlung beginnt mit der Diagnostik (Befundung). Die AVWF dauert dann zehn Sitzungen (je eine Stunde) mit Klangbeschallung und Beratung eines Förderkonzepts, 1530 Euro kostet das Paket. Die Kassen zahlen diese Therapie bisher nicht. Der Erfinder beschrieb eine Depotwirkung, die er über acht Jahre gemessen hat. In diesem Zeitraum erwiesen sich Gehör und Gehirn nach den Impulsen noch als lernfähig.
In Griesheim (bei Darmstadt) wurde inzwischen das Zentrum für Wahrnehmungsförderung Hessen ins Leben gerufen. Heinz Nothnagel leitet es. In Blomberg hat sich der ?Verein zur Förderung und Unterstützung bei "Wahrnehmungsdefiziten" gegründet. Vorsitzender ist der frühere Handball-Nationalspieler Daniel Stephan (Lemgo), Stellvertreter Markus Baur, Schatzmeister Henning Fritz. Die Handball-Helden möchten damit Schulprojekte mit AVWF anschieben und gerade verhaltens- und sozialschwachen Kindern die Chance eröffnen, von Gonradys ?Therapie nach Noten" zu profitieren.
Internet: www.avwf.de. Mail: avwf@pfergo.de


Wegen einer Kostenübernahme bzw. Beihilfe sollte man sich in jedem Fall mit dem zuständigen Jugendamt in Verbindung setzen mit dem Verweis (bei LRS etc.) auf die Eingliederungshilfe gemäß § 35a Abs.1 Nr.1 Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII)
Zitat:
§ 35 Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung

Intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung soll Jugendlichen gewährt werden, die einer intensiven Unterstützung zur sozialen Integration und zu einer eigenverantwortlichen Lebensführung bedürfen. Die Hilfe ist in der Regel auf längere Zeit angelegt und soll den individuellen Bedürfnissen des Jugendlichen Rechnung tragen

.....§ 5 Wunsch- und Wahlrecht

(1) Die Leistungsberechtigten haben das Recht, zwischen Einrichtungen und Diensten verschiedener Träger zu wählen und Wünsche hinsichtlich der Gestaltung der Hilfe zu äußern. Sie sind auf dieses Recht hinzuweisen.
(2) Der Wahl und den Wünschen soll entsprochen werden, sofern dies nicht mit unverhältnismäßigen Mehrkosten verbunden ist. Wünscht der Leistungsberechtigte die Erbringung einer in § 78a genannten Leistung in einer Einrichtung, mit deren Träger keine Vereinbarungen nach § 78b bestehen, so soll der Wahl nur entsprochen werden, wenn die Erbringung der Leistung in dieser Einrichtung im Einzelfall oder nach Maßgabe des Hilfeplanes (§ 36) geboten ist.


in Form der Kostenübernahme dieser Therapie. Und nicht sofort abweisen lassen, wie es gerne und eigentlich getan wird. Ich habe in anderer Sache die Erfahrung gemacht, dass eine Störung der gewohnten Kreise im Beamtenalltag in Form der Androhung einer Einstweiligen Anordnung per Eilantrag nicht willkommen war und zu einer spontanen Zahlungsbereitschaft führte.

Also in keinem Fall als Bittsteller sondern als Anspruchsteller auftreten, denn es geht um das Kindeswohl - und da haben Richter sehr wenig Verständinis für das Machtgepränge staatlich bestallter Verwaltungs-Exekutoren.

Viele Grüße
Erik
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
Fred Steeg
Moderator


Anmeldedatum: 24.03.2006
Beiträge: 60
Bundesland: Rheinland-Pfalz

BeitragVerfasst am: 17.09.2007, 13:23    Titel: Die Debatte um "Therapie nach Noten" Antworten mit Zitat

Hallo Leute,

zunächst mal würde ich Euch (Petra, Erik, Silke usw.) bitten, die gelaufenen Beiträge wieder in das Thema einzustellen, sonst meint noch jemand, EMGS hätte etwas zu verbergen oder müßte peinliche Daten löschen. Das ist ja wohl nicht so! Man muß auch zu seinen Debatten stehen können, auch wenn es einem vielleicht dabei mal schwindelig wird. Stimmts!

Zu dem Beitrag von Erik habe ich folgende Frage:

Was hat "Therapie nach Noten" mit Rechenschwäche (evtl. auch mit Legasthenie oder ADHS) zu tun? Die Aussage, sie wirke auch bei Rechenschwäche, Legasthenie, ADHS, erweckt Hoffnungen, stellt aber selbst kein nachvollziehbares Argument dafür dar.
_________________
Gruß Fred Steeg
http://www.rechenschwaecheinstitut-volxheim.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 17.09.2007, 18:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Fred,

ich finde inhaltlich gaben die Beiträge nicht viel her. Grundsätzlich sehe ich aber kein Problem darin, eine kontroverse Debatte zur Sache zur führen.

Ich will mal versuchen deine Frage zu beantworten, was "Therapie nach Noten" mit Dyskalkulie, Legasthenie oder ADHS zu tun haben könnte.

Ich nehme mal als Beispiel die Legasthenie. Sie kann verschiedene Ursachen haben, sich auch ganz unterschiedlich zeigen. Manche Kinder sprechen sehr spät und haben eine Sprachstörung und kein Rhythmusgefühl, andere wieder haben größte Probleme zu lesen, andere wiederum lernen es schnell, dann gibt es auch Kinder, die früh sprechen, unauffällig lesen lernen und eine überdurchschnittlich hohe Fehlerzahl in der Rechtschreibung haben, bei manchen wächst es sich aus, manche behalten diese Schwäche ein Leben lang.

Es werden unzählige Therapien angeboten: Rechtschreibförderung, die phonologische Bewusstheit wird trainiert, das Lesen wird früh gefördert, Davis Training, Blick Labor, Irlen Brille, Feldenkrais, Kinesiologie, Neurofeedback, Brain Boy (und noch vieles mehr) und nun auch AVWF.

Wie Menschen auf Stress reagieren hat Ponges, Psychiater Und Direktor des BBC (Brain - Body- Center) in seinem Artikel ?Neuroception - A Subconscious System for Detecting Threats and Safety? beschrieben http://www.psych.uic.edu/bbc/pdf/Neuroception.pdf , den Artikel gibt es auch auf deutsch http://www.stephenporges.info/index....w&id=16&Itemid=99
Ein anderer Artikel über die Polyvagal - Theorie ist auch interessant: http://www.stephenporges.info/index....w&id=15&Itemid=99

Legastheniker ?funktionieren? in der Schule nicht wie die anderen Kinder, das bedeutet Stress pur. Wie sich dieser Stress auf das Gehirn und den Körper auswirkt hat Porges untersucht und beschrieben. Eltern von dermaßen gestressten Kindern mit negativer Schulerfahrung erleben das manchmal als ?volle Blockade?. Erst wenn diese Blockade gelöst ist, gelingt es mit den Kindern überhaupt wieder zu lernen. Und wahrscheinlich trägt die Klangtherapie dazu bei.

Meine Einschätzung: interessant, aber relativ teuer. Allerdings, wenn ich gelegentlich höre, wie viele Tausend Euro manche Eltern für verschiedene Therapien ausgeben, wäre das Geld sicher gut angelegt, wenn es funktioniert wie beschrieben. Gut wären sicher weitere Studien von neutralen Stellen.

Doris
_________________
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Fred Steeg
Moderator


Anmeldedatum: 24.03.2006
Beiträge: 60
Bundesland: Rheinland-Pfalz

BeitragVerfasst am: 23.09.2007, 08:44    Titel: Re: alte Beiträge / zum Thema "Therapie nach Noten" Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

in einem Forum haben Beiträge und Antworten einen Verlauf. Auch wenn sie letztlich den Themenkreis vielleicht nicht wesentlich weitergebracht haben, so zeigen sie doch die Historie, die der unvoreingenommene Leser wissen sollte, um sich ein Urteil - auch über emotionale Begleitumstände - bilden zu können. Wenn solche Beiträge dann - auf Beschluß einer (Teil-) Moderatorenkonferenz - gelöscht werden, so werde ich das Gefühl nicht los, dass da etwas unter den Teppich gekehrt werden soll. Allerdings besteht dafür meiner Ansicht nach gar kein Grund, denn ich gehe davon aus, dass alle Beitragsschreiber ihre ehrliche Meinung zum Ausdruck gebracht haben. Soll man sich dafür neuerdings etwa schämen müssen?

So und nun zu Deinem inhaltlichen Beitrag:

Du reduzierst Zweck und Wirkungsweise der "Therapie nach Noten" auf den Abbau von Stress. Das klingt zunächst vernünftig und bescheiden, weil es ja auch begründet, warum eine unspezifische Stressabbautherapie bei so speziellen Problemen wie Legasthenie oder Rechenschwäche angewendet werden sollte. Nach dem Stressabbau, so argumentierst Du, könnten die Kinder überhaupt erst wieder vernünftig lernen. Die Wirkung der Therapie sei also so etwas wie die Stärkung dieser Voraussetzung des Lernens.

Damit unterstellst Du richtigerweise:

1. dass in der Schule rücksichtslos Stress für Kinder erzeugt wird: durch Arbeitsdruck, Bewertungsdrohung, Herabwürdigungen, falsche Förderung, fehlerhaften Unterricht, selektionsorientierte Leistungsdisziplinierungen !!!

Die werden durch "Therapie nach Noten" nicht angegriffen oder abgebaut, sondern es wird sozusagen der illusionäre und verständnisferne Standpunkt eingenommen, man könne Kinder dadurch fit machen, diesen Stress auszuhalten. Das ist allerdings - sogar jenseits eines evtl. Wirkungsnachweises von "Therapie nach Noten" - eine ziemliche Zumutung. Was ist daran dann eigentlich noch besser als Ritalinmedikation, außer dass es vielleicht körperlich weniger schadet? Die seelische und geistige Notlage der Kinder wird da genausowenig ernstgenommen.

2. dass angeblich Blockaden die Kinder daran hindern würden ihre geistigen Fähigkeiten zu nutzen, was aber einen Haken hat: Kann nämlich sein oder auch nicht! In der Regel ist es - Blockade hin oder her - für rechenschwache Kinder meistens schon so spät in Sachen Grundbegriffe nachlernen, dass selbst die Aufhebung einer evtl. Blockade ihnen nicht mehr hilft. Wer jahrelang sich mit auswendiglernen und Phantasieregeln durch den Unterricht gemogelt hat, weil er es nicht besser wußte, durch ewiges Zählen fast verzweifelt ist, als faul beschimpft wurde oder als unkonzentriert, der wird nach dem Aufheben "seiner Blockaden" auch nicht von heute auf morgen gleich lernen wie geschmiert. Erst mal muß dann das Wissensloch langwierig wieder aufgebaut werden, damit ein Selbstvertauen und eine neue Lernweise erst wieder greifen können.

Ob Eltern das Geld dafür ausgeben können oder wollen oder ob es vielleicht ein bißchen dazu beiträgt, dass Kinder danach wieder besser lernen können - wenns wahr wäre - ändert nichts daran, dass die professionellen Anbieter solcher Anti-Stress-Therapien für Kinder schlicht und einfach die Notlage der Familien ausnutzen, dafür aber gar nichts nachweisbar Nützliches anzubieten haben. Man braucht nur die Werbung der Anbieter zu lesen und wird auf lauter unspezifische Behauptungen und Glaubenssätze stoßen. Die Tatsache, dass solche Leute auch mal studiert haben und womöglich in einschlägigen Berufsverbänden organisiert sind, macht die Sache nicht besser - im Gegenteil! Ich erinnere an die Tomatistherapie, die auch von "seriösen" Medizinern angeboten wurde, zu denen dann Scharen von Familien hingingen. Haarsträubende Theorien (unter Wasser Mozart hören auf dem Bauch der Mütter usw.) ließen sich werbemäßig gut beim esoterisch angehauchten Publikum unterbringen. Heute hört man nichts mehr davon. "Therapie nach Noten" gibt sich heute säkularer und deutet ganz bedeutungsstrotzend auf "kleine unbekannte Mittelohrknöchelchen". Muß man das noch kommentieren?

Aber egal. Wenn Kinder Matheprobleme haben, dann muß man sich um diese Matheprobleme kümmern. Das herumdoktern an irgendwelchen vermeintlich grundlegenden Voraussetzungen (Blockaden, Gene, Psyche, Konzentrationsfähigkeit, Lerneinstellung) geht sowieso ins Leere, solange die Kinder einfach nicht verstanden haben worum es bei Zahlen und Rechnen geht. Eine spezielle Voraussetzung für den Zugang zu Zahl und Rechnen kann es auch nicht geben, denn fast alle diese Kinder können wunderbar denken, haben Phantasie und sind in der Lage Alltagsprobleme zu erfassen. Was sollte sie also grundsätzlich daran hindern Mathematik verstehen zu können? Wer die Kinder bei ihren mathematischen Problemen ernstnimmt und sie wie die Pädagogen sagen "abholt wo sie stehen" in vertrauensvoller konstruktiver Gesprächsatmoshäre, der kann ihnen eventuell dazu verhelfen, dass das mathematische Lernen neu beginnt und weitergeht.
_________________
Gruß Fred Steeg
http://www.rechenschwaecheinstitut-volxheim.de


Zuletzt bearbeitet von Fred Steeg am 01.11.2007, 23:31, insgesamt 2-mal bearbeitet
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 23.09.2007, 11:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Fred,

der Vorstand hat beschlossen, den Thread abzuhängen und im geschlossenen Vorstandsforum zu diskutieren was damit geschehen soll. Schämen soll sich niemand, aber vielleicht aus den gemachten Fehlern lernen.

Danke für deine Einschätzung.

Ob die Therapie nach Noten auf "kleine unbekannte Mittelohrknöchelchen" wirkt oder nicht: Wir wissen es nicht wirklich - ?Kann nämlich sein oder auch nicht!? Wir diskutieren hier ja über unsere Annahmen, darüber was wir aufgrund unserer Erfahrungen glauben.

Das ist das das eigentliche Problem:
Zitat:
Fred: 1. dass in der Schule rücksichtslos Stress für Kinder erzeugt wird: durch Arbeitsdruck, Bewertungsdrohung, Herabwürdigungen, falsche Förderung, fehlerhaften Unterricht, selektionsorientierte Leistungsdisziplinierungen !!!

Die Kinder werden vorschnell von Lehrern mit laienhaften Vorstellungen in die Schubladen gesteckt: dumm und/oder faul und/oder verhaltensgestört.
Zitat:
Fred: Wer die Kinder bei ihren mathematischen Problemen ernst nimmt und sie wie die Pädagogen sagen "abholt wo sie stehen" in vertrauensvoller konstruktiver Gesprächsatmosphäre, dann geht auch ziemlich bald das Lernen wieder weiter.

Ja, es könnte so einfach sein ? doch die Realität ist oft anders.

Mein Ziel ist es zum Einen die Schulsituation für die Kinder grundlegend zu verbessern, zum Anderen dem einzelnen Kind ganz speziell zu helfen. Und da muss man immer die einzelne Situation betrachten. Und im Einzelfall kann auch eine vorübergehende(!) Ritalingabe notwendig sein. Aber wenn eine Therapie nach Noten eine ähnliche oder sogar bessere Wirkung hätte, würde ich die bevorzugen.

Zu den Kosten: Kann man anderen vorwerfen, dass sie sich das bezahlen lassen, was sie vielleicht sehr zeit- und kostenaufwändig entwickelt haben? Ob nun 1 Stunde für 150? oder 1 Stunde für 50? , auf die Menge der Stunden, die etwas benötigt kommt es letztendlich an. Und die Summe, die Eltern für verschiedene Therapien ausgeben, ist oft horrende. Wenn noch die Kosten für Privatschulen dazukommen, landet man schnell bei Beträgen bis zu 20 000? und mehr.

Hast du dir die Examensarbeit zum Thema mal angeschaut? http://www.avwf.de/Examensarbeit.pdf Immerhin waren die Ergebnisse so, dass sich die Schule zu einer weiteren Zusammenarbeit entschlossen hat. Und auch die "Hauptschule Brake hat sich auf Grund der Ergebnisse aus diesen Projekten und durch die langjährige gute Zusammenarbeit mit Herrn Conrady entschlossen, ihren Förderunterricht nach den Grundsätzen der von ihm entwickelten Konzeption auszurichten". http://www.avwf.de/Zentren/hs-brake.html

Doris
_________________
"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Fred Steeg
Moderator


Anmeldedatum: 24.03.2006
Beiträge: 60
Bundesland: Rheinland-Pfalz

BeitragVerfasst am: 25.09.2007, 12:14    Titel: Kritik des Ansatzes "Therapie nach Noten" Antworten mit Zitat

Also fangen wir mal an einer Stelle der Examensarbeit an:

Zitat:
Sämtliche Testergebnisse werden automatisch tabellarisch sowie grafisch gespeichert, was die spätere Auswertung erleichtert. Diese gibt Aufschluss darüber, in welchen Bereichen des Gehirns die Datenverarbeitung verlangsamt ist, was in den meisten Fällen gleichzeitig eine Erklärung für die spezifischen Schulprobleme der einzelnen Schüler darstellt.

Aufbauend auf diesen Computerergebnissen besteht dann die Möglichkeit, die aufgrund der Testreihe nach Köhler eindeutig lokalisierbaren beeinträchtigten Bereiche im Gehirn anhand einer Klangtherapie zu stimulieren und somit deren Aktivität zu steigern. Dazu hören die Kinder in zehn einstündigen Sitzungen Musik, deren Frequenzen allerdings individuell auf ihre spezifischen Defizite abgestimmt sind. Nach einer solchen Therapie sollen laut des Begründers dieser Form einer Klangtherapie, Ulrich Conrady, die Hirnfunktionen so weit stimuliert worden sein, dass zwar nicht sämtliche bereits versäumten Unterrichtsinhalte beherrscht werden, dass aber zumindest die Voraussetzung dafür geschaffen worden sein soll, den Lernstoff nun durchschauen und verarbeiten zu können.


In der Arbeit wird unterstellt, dass Lernprobleme eine Frage der "Datenverarbeitung im Gehirn" seien. Nun kann man sich natürlich leicht alles Denken (ohne dabei auf Denkfehler inhaltlich eingehen zu müssen) so zurechtlegen, dass man es als "Datenverarbeitung" bezeichnet, damit hat man aber zunächst nur gesagt, das Kind sei ein Fall von gestörter Datenverarbeitung, ohne wirklich Aussagen darüber gemacht zu haben, was das sein soll. Klar, wird der Autor der Methode dann sein ganzes kinesiologisches Gedankengebäude auffahren, um genau dies plausibel zu machen. Dies ist aber eben bloß eine willkürliche Annahme über die angebliche Zusammenarbeit der Gehirnhälften, auf die dann alle möglichen Defizite geschoben werden, wenn gemäß der vertretenen "Datenverarbeitungs-Theorie" etwas nicht so funktioniert, wie es soll! An so etwas muß man erst mal glauben. Dass es viele Bücher darüber gibt, gehört natürlich zum Geschäft.

An den Haaren herbeigezogen ist die Behauptung, dies "stelle in den meisten Fällen gleichzeitig eine Erklärung für die spezifischen Schulprobleme der einzelnen Schüler dar." Ausgerechnet das völlig Unspezifische soll nun die Erklärung für spezielle Probleme sein, die mal so mal so aussehen - woher weiß man das?

Die "Stimulation der Gehirnfunktionen" soll nun alles leisten aufzuarbeiten, was an Defiziten bekannt ist. Das ist sensationell! Ein Argument dafür wird nicht geliefert. Die Erhöhung der Aktivität, die man natürlich mit den passenden Messinstrumenten messen kann (!), ersetzt alle evtl. Nachfragen.

" ... dass aber zumindest die Voraussetzung dafür geschaffen worden sein soll, den Lernstoff nun durchschauen und verarbeiten zu können." ... ist nun auch wieder bloß aus dem Standpunkt abgeleitet, durch die "Stimulation" seien Defizite in der "Datenverarbeitung" aufgehoben worden. Da würden sogar Gehirnphysiologen staunen, wenn man ihnen das erzählt.

Ob man die Stimmung der Schüler mit Musik heben kann, würde ich nie in Frage stellen. Ich würde allerdings die Schüler vorher fragen, welche Musik ihnen am besten gefällt, dann hilfts bestimmt.
_________________
Gruß Fred Steeg
http://www.rechenschwaecheinstitut-volxheim.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Fred Steeg
Moderator


Anmeldedatum: 24.03.2006
Beiträge: 60
Bundesland: Rheinland-Pfalz

BeitragVerfasst am: 25.09.2007, 18:49    Titel: Kritik der "Therapie nach Noten" - Fortsetzung Antworten mit Zitat

Liebe Doris, Du schreibst:

Zitat:
Ja, es könnte so einfach sein ? doch die Realität ist oft anders.


Ich könnte hier ein persönliches Motto dagegen setzen, aber ich will es einfach als Kritik an Deinem Satz (oben) machen:

"Die Realität ist nicht anders, sondern sie ist entweder die Realität oder sie ist es nicht!"

Wer daher seine Kritik an den vorgefundenen Verhältnissen in der Schule ernst nimmt, der wird dagegen angehen und nicht versuchen sein Kind für diese oft gesundheits- und geistschädigende Veranstaltung herzurichten - weder durch Medikamente, noch durch "pseudomedizinisches Voodoo"!

Du schreibst:

Zitat:
Mein Ziel ist es zum Einen die Schulsituation für die Kinder grundlegend zu verbessern, zum Anderen dem einzelnen Kind ganz speziell zu helfen. Und da muss man immer die einzelne Situation betrachten. Und im Einzelfall kann auch eine vorübergehende(!) Ritalingabe notwendig sein. Aber wenn eine Therapie nach Noten eine ähnliche oder sogar bessere Wirkung hätte, würde ich die bevorzugen.


Der Einzelfall ist eben ein Einzelfall und gerade deshalb muß ich zunächst einmal feststellen, welche Probleme die Kinder jeweils haben und nicht gleich das Urteil der Schule, das etwas schwierig ist oder das etwas defizitär sei, als Urteil über das Kind vollstrecken! Wirkungen gibt es viele - je unspezifischer desto unzweckmäßiger.

Zitat:
Zu den Kosten: Kann man anderen vorwerfen, dass sie sich das bezahlen lassen, was sie vielleicht sehr zeit- und kostenaufwändig entwickelt haben? Ob nun 1 Stunde für 150? oder 1 Stunde für 50? , auf die Menge der Stunden, die etwas benötigt kommt es letztendlich an. Und die Summe, die Eltern für verschiedene Therapien ausgeben, ist oft horrende. Wenn noch die Kosten für Privatschulen dazukommen, landet man schnell bei Beträgen bis zu 20 000? und mehr.


Kosten sollte man nur dann auf sich nehmen, wenn man sie wirklich als nützliche Kosten betrachten kann. Das Angebot der "Therapie nach Noten" ist aber ein - vorsichtig ausgedrückt - im Ansatz bereits als Bluff zu verdächtigendes Spiel mit den Hoffnungen der Eltern. Auch die medikamentöse Therapie als Vergleich hat nicht viel zu bieten. Wenigstens weiß man hier um welche pharmakologischen Wirkungen es geht: Ruhigstellung und allseitige Dämpfung der Stimmungen, die den (Lern-) Alltag stören könnten!

Zitat:
Und auch die "Hauptschule Brake hat sich auf Grund der Ergebnisse aus diesen Projekten und durch die langjährige gute Zusammenarbeit mit Herrn Conrady entschlossen, ihren Förderunterricht nach den Grundsätzen der von ihm entwickelten Konzeption auszurichten".


Dass Lehrer und Behörden sich von solchen Angeboten einwickeln lassen ist kein Wunder. Das Selektionssystem Schule hat ein Interesse daran, dass die Schulkarrieren in geordneten Bahnen ablaufen und unterstützt oft - auch weniger gut begründete - Versuche, die schwierigen Kinder in unspezifischer Form wieder auf den "rechten Weg" zu bringen - Hauptsache man muß am Prinzip der Schule nichts ändern! Die Kompetenzen dafür, echt hilfreiche Angebote in der Schule zu machen reichen oft nicht aus und der Alltag der Lehrer hält genügend Härten bereit, um zweckmäßige Projekte für Förderung und Rücksichtnahmen schon gleich gar nicht auf die Tagesordnung zu setzen, eben weil sie schon rein praktisch das System sprengen würden. Man will was tun, was genau ist dann schon gar nicht mehr wichtig!
_________________
Gruß Fred Steeg
http://www.rechenschwaecheinstitut-volxheim.de
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden Website dieses Benutzers besuchen
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elterninitiative gegen Mobbing und Gewalt an Schulen (EMGS) e.V. Foren-Übersicht -> Rechenschwäche/Dyskalkulie Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Sie können keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Sie können auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Sie können Ihre Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Sie können an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de