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Schrift-Noten gerechtfertigt?

 
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Marlene Mayer



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Beiträge: 271
Bundesland: Bayern

BeitragVerfasst am: 13.02.2007, 17:14    Titel: Schrift-Noten gerechtfertigt? Antworten mit Zitat

Hallo,

ich finde Noten in Schrift nicht gerechtfertigt, ebenfalls in Sport sowie Musik oder Kunst, eigentlich bin ich gegen Noten, ziehe schriftliche Beurteilung vor.

Wie übt man am besten mit einem Kind, dessen Schrift eher unschön ist, kaum leserlich?

Reicht es aus oft nur den Stift zu wechseln?

Welche Erfahrungen habt ihr mit euren Kindern hier gemacht?

Oder ist eine unschöne Schrift meist nur bei Legastheniker das Problem?


Info:Zur Zeit wird das Thema "Noten" bei der Virtuellen Akademie diskutiert, www.virtuelle-akademie.de

Bin gespannt auf eure Erfahrungen, Meinungen, Vorschläge, danke?

Liebe Grüße

Marlene Mayer
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 05.06.2007, 08:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Marlene,

aus graphologische Sicht ist die Schrift ein Merkmal der Persönlichkeit. Man kann an der Schrift auch erkennen unter welchen Bedingungen sie auf das Papier gebracht wurde. Bei Legastheniker zeigt die Schrift deutlich, welchen Stress diese Kinder beim Schreiben haben - die 'schlechte' Schrift ist bei Legasthenikern eine typische Begleiterscheinung. Deswegen die Forderung nach ?mehr Zeit? für diese Kinder in allen LRS Verordnungen.

Interessant ist laut einem Artikel in der FAZ am Sonntag vom 1.6. 2007, dass Schriftnoten nur in folgenden Ländern noch bewertet werden: Schleswig-Holstein, Rheinland- Pfalz, Baden- Württemberg und dem Saarland, Wert wird dort auf ein ?klares, leserliches Bild? gelegt.

In Hessen wurden die Noten laut Kultusministerium per Erlass vor ewigen Zeiten schon abgeschafft. Auch in NRW sei die Benotung der Schrift in den Zeugnissen in den achtziger Jahren abgeschafft worden.

In Sachsen, Sachsen- Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wurde die DDR- Note ?Schreiben? Anfang der neunziger Jahre abgeschafft, weil die damaligen Lehrplanreformer sie ?für nicht mehr sinnvoll und zeitgemäß erachteten? laut Auskunft des Kultusministeriums in Dresden.

In Niedersachsen gibt es die Zensur Schrift seit 2006 nicht mehr , in Bayern seit 2004. http://www.faz.net/IN/INtemplates/f....48BD-BB66-1B77C72A38ED%7d

Aber wie sieht es in der Realität aus?

Doris
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Erika
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BeitragVerfasst am: 05.06.2007, 21:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

bei uns in S-H. gibt es in der Grundschule eine Note für "Schrift". Im Gymnasium nicht - allerdings gibt es Punkteabzug für schlechte Schrift und unordentliche Heftführung.

Meinst du an einer Handschrift sehen zu können, ob jemand überfordert, unterfordert, gelangweilt ist, feinmotorische Störungen oder Ärger mit Mitschülern/Lehrern hat, ob einfach Zeit fehlt, um ordentlich zu schreiben, aufgrund von Legasthenie keine Kapazitäten mehr frei sind für eine gute Handschrift oder ein Nährstoffmangel, z.B. Zink vorhanden ist?

Mein Sohn hat eine Sauklaue, bei Klassenarbeiten geht es ganz gut - da strengt er sich etwas mehr an. Bei ihm glaube ich inzwischen, dass dieses Gekrakel an "null Bock" liegt.

Solange etwas lesbar ist, bin ich auch gegen Zensur bzw. Punkteabzug für Schrift. Einige können es wirklich nicht besser. Ein Punkteabzug finde ich voll daneben.

Viele Grüße
Erika
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Doris Carnap
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Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 07.06.2007, 09:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Erika,

ich glaube, das gilt auch in den drei anderen Bundesländern nur für die Grundschule.

Ich kann aus der Schrift nicht direkt erkennen, ob jemand überfordert oder unterfordert ist. Das kann ich dann nur daraus schließen, wenn ich weiß, wie viel z.B. das Gehirn eines Legasthenikers arbeiten muss, um gleiches zu leisten wie ein Nichtlegastheniker. Aber wie weit die Feinmotorik entwickelt ist, kann man an der Handschrift gut erkennen. Die Feinmotorik vieler Jungen entwickelt sich erst nach Ende der Pubertät. Dass die meisten Jungen eine ?schlechtere? Handschrift haben, als die meisten Mädchen ? in beiden Gruppen gibt es Ausnahmen - gehörte früher zum ?Allgemeinwissen? der Menschen. Das hängt mit der Gehirnentwicklung zusammen, das ist also normal. Stress sorgt zusätzlich für eine Verspannung der Muskulatur, besonders im Nackenbereich ? du nennst es KISS ? und diese Verspannung hat auch einen Einfluss auf das Schriftbild und diese Verspannung kann man dann behandeln und dadurch wird auch das Schriftbild besser. Unter Zeitdruck schreiben die Menschen schneller und die Schrift wird flüchtiger und ungenauer.

Natürlich kann schlechte Schrift in der Pubertät auch anzeigen, wie wenig die Kids motiviert sind, selbst Kinder die an sich ?schön? schreiben können, schmieren auf einmal regelrecht, das kann man bei den hingeschmierten Hausaufgaben gut erkennen. Aber sie können auch vorrübergehend überfordert sein. Das Gehirn ist in der Pubertät ja eine Baustelle, es wird komplett umstrukturiert und Bereiche werden zum ersten Mal aktiviert. Deswegen ist der Pädagoge Hartmut von Hentig fest davon überzeug, dass zwei Stunden ?formaler Unterricht? pro Tag für die Pubertierenden ausreiche. Aber wie sieht es häufig aus? Im fragend-entwickelnden Unterricht müssen die Jungen, obwohl man ja mittlerweile auch weiß, dass die meisten Jungen nur eine Hirnhälfte beim Zuhören benutzen: zuhören, verstehen, das Wichtige heraushören, mitschreiben und mitdiskutieren. Dieser Prozess fließt häufig in die Note für sonstige Mitarbeit mit ein ? aus Sicht der Fachleute ist das ein grober Fehler, aber trotzdem die Praxis. Mädchen gelingt das besser, ihr Gehirn beherrscht Multitasking besser. Lehrer empfinden dann häufig, dass die Heftführung der Jungen noch nicht mal Hauptschulniveau habe und schließen dann leicht auf die sonstigen Fähigkeiten. Die Mitschriften dieser Kinder sind oft so minimal und sind aber oft das Einzige was diese Kinder zum Lernen haben. Kein Wunder also wenn die Noten schlechter werden. Allerdings entwickelt sich das Gehirn und auf einmal sind auch diese Jungen in der Lage ordentliche Mitschriften anzufertigen.

Doris
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Erika
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Beiträge: 147
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BeitragVerfasst am: 08.06.2007, 23:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

Zitat:
Stress sorgt zusätzlich für eine Verspannung der Muskulatur, besonders im Nackenbereich ? du nennst es KISS ? und diese Verspannung hat auch einen Einfluss auf das Schriftbild und diese Verspannung kann man dann behandeln und dadurch wird auch das Schriftbild besser.


Ich sehe das immer noch umgekehrt - beschäftige mich nun seit 6 Jahren mit Kiss und Zusammenhängen. Mein Sohn kam mit Kiss (kopfgelenkinduzierte Symmetriestörung) zur Welt, daraus entwickelte sich Gleichgewichtsstörung, zu wenig Muskelspannung, feinmotorische Störung, unübliche Stifthaltung (ist inzwischen behoben). Auditive - und/oder visuelle Störungen können ebenfalls eine Folge davon sein. Es können sich z.B. auch eine Legasthenie/Dyskalkulie entwickeln, emotionale Störungen ergeben und zu 100 % ADS-Symptome oder auch Autismus oder Epilepsie. Durch Kiss oder HWS-Syndrom oder -Instabilität oder wie man es sonst nennen mag, kommt es immer zu vermehrtem Stress, allein schon deshalb weil der Sympathiskus ständig aktiviert wird mit weiteren Folgen, die sich dann u.a. auch in Allergien, Asthma, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und noch viel mehr äußern können. Eine instabile HWS kann u.a. für Minderdurchblutungen (bis zu 80 %), Darmruhigstellung sorgen - am Ende werden dann die Zellen nicht mehr ausreichend mit Nährstoffen versorgt und können absterben. Hier kann man sehr gut mit Mikronährstoffen gegensteuern (ist ja mein neustes Thema). Das Ganze ist natürlich viel komplizierter. Auch HB sehe ich in dem Zusammenhang - das Gehirn entwickelt sich anders - es kann zu besonderen Begabungen in bestimmten Bereichen führen und auf der anderen Seite zu Defiziten.

Alles hängt zusammen und trotzdem rennen die meisten Menschen zu einzelnen sogenannten Spezialisten, die einzelne Körperteile behandeln.

Doris, das war jetzt mehr für die anderen - wir haben ja vor längerer Zeit schon sehr ausgiebig darüber diskutiert.

Da die Handschrift meines Sohnes in der Vergangenheit schon einmal besser war, tippe ich im Augenblick auf pubertätsbedingtes Null-Bock-Syndrom bzw. Baustelle im Gehirn. Seine Mitschriften in der Schule und Engagement für die Schule lassen zurzeit ebenfalls zu Wünschen übrig, genauso wie die Hausaufgaben - einfach so lustlos auf die Schnelle hingeschmiert - immer alles nur kurz und knapp. Noch liegen seine Zensuren im Dreierbereich - auch öfter mal ne 2 und auch mal ne 4(selten) - damit kann ich ja eigentlich noch zufrieden sein und noch einigermaßen beruhigt auf die Weiterentwicklung seines Gehirns warten.

Zurzeit scheint die Welt übrigens immer noch in der Schule wieder in Ordnung zu sein - mal sehen, wie lange.

Viele Grüße
Erika
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 09.06.2007, 07:20    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Erika,

das hört sich für einen Jungen recht normal an.

Gut, dass sich die Lage in der Schule entspannt hat .

Doris
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Courage



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BeitragVerfasst am: 14.11.2009, 01:24    Titel: Antworten mit Zitat

Auch wenn dieser Thread ja schon etwas älter ist, möchte ich ein paar Gedanken dazu formulieren.

An der Hauptschule haben wir häufig Schüler mit besonderen Schwierigkeiten im Erlernen des Lesens und Schreibens (Rechtschreibens). Im 5. und 6. Schuljahr bieten wir Sprachförderunterricht an. Nach ein paar Wochen (vorher läuft Diagnostikauswertung, Konzentrationsübungen und allgemeine Rechtschreibübungen, die also noch nicht auf individuelle Defizite ausgerichet sind) übe ich mit den Schülern immer eine gewisse Zeit das "Schöne Schreiben". Mit einem von mir vorgestellten Tafelanschrieb (rechtschreiblich fehlerfrei, aber unleserlich) erarbeite ich mit den Schülern die "Regeln" für "Schönes Schreiben". Die Gründe für diese Übungen ist den meisten Schülern sehr bewusst. Wie oft können einige von ihnen selbst nicht mehr lesen, was sie kurz zuvor (oder bei den Hausaufgaben) geschrieben haben.

Von der Einsicht in die Notwendigkeit bis zur Umsetzung ist aber für einige Schüler ein weiter Weg. Und auch da wieder das weiter oben Beschriebene: Die Mädchen mögen solche Übungen lieber, die Jungen sind zwar erst mal froh, keine schwierigeren Übungen machen zu müssen, drücken sich aber häufiger vor dieser Übungsphase.
Zum Üben verwende ich die Lineatur der Grundschule (meist zur Einführung 2. Sj, später dann 3. Sj.). Die Auswahl der Texte überlasse ich meist den Schülern (am Anfang finde ich es schon sehr schön, wenn sie einzelne Wörter, z. B. den eigenen Namen bzw. die Namen der Mitschüler, passend zwischen die Linien platzieren können), sie suchen sich oft kurze, übersichtliche Texte aus.

Diese Übungsphase wird selbstverständlich nicht benotet (abgesehen, dass ich mir evtl. Notizen zur Leistungsbereitschaft mache - Kopfnoten).

Ich bewerte im Normalfall die Schrift meiner Schüler nicht. Aber bei der Heftgestaltung notiere ich mir schon Unterschiede. Meist kann man sehr gut einschätzen (aufgrund von langfristiger Beobachtung), ob sich ein Schüler Mühe gegeben hat oder nicht. Es geht in meinen Fächer in der Regel um Schnellhefter, das heißt, nicht-gelungene Seiten könnten von den Schülern auch überarbeitet werden und so die Schnellheftergestaltung positiv verändern.

Das "Schöne Schreiben" macht den Schüler auch bewusst, warum eine lesbare Schrift (und auch eine rechtschreibsichere Schrift) für sie wesentlich ist: dadurch wird eine bessere Kommunikation erreicht. Gleichzeitig fällt den Schülern auch auf, dass sie, bei konzentrierterem Arbeiten auch mehr den Blick auf möglichst fehlerfreies Schreiben lenken. Gerade den rechtschreibschwachen Schülern (so sieht es unsere Konferenzvereinbarung zur Umsetzung des "LRS-Erlasses" vor), lassen wir mehr Zeit.

Was mir aber auch in den letzten Jahren vermehrt auffällt: Es gibt einige Schüler die mit der Schreibschrift aus der Grundschule schon Probleme mitbringen. Die dortigen Lehrer gaben den Schülern und Eltern die Empfehlung, bei Schwierigkeiten mit der Schreibschrift doch lieber zu "drucken". Nach einigen Versuchen mit der schönen Schrift, sind die Schüler dann oft erstaunt, dass sie doch eine lesbare Schreibschrift haben. Mir geht es nicht darum, die Druckschrift als minderwertig abzutun, aber zur Förderung der Feinmotorik halte ich die Schreibschrift für unverzichtbar.

In "Prüfungssituationen" wie Klassenarbeiten zwinge ich die Schüler jedoch nicht, die Schreibschrift anzuwenden. Für Übungen und Hausaufgaben versuche ich die Schüler soweit zu motivieren, dass sie es immer wieder mit der Schreibschrift zu versuchen.

Die Diskussion um die Bedeutung der Schrift (Kriterium ist natürlich die Lesbarkeit, ich selbst stehe der sogenannten vereinfachten Ausgangsschrift zwar kritisch gegenüber, aber die von den Schülern verwendete Varianz ist mir "wurscht", ich muss es lesen können, da ich schon sehr versiert bin im Entziffern von Hieroglyphen o. ä. bin ich nicht sehr anspruchsvoll) ist zwar schon sehr alt, aber meiner Meinung nach immer noch aktuell.

Rechtschreibschwachen Schülern empfehle ich überdies, bestimmte Hausaufgaben mit Hilfe des Computers zu schreiben, das dient dann zwar nicht der Schriftbildung, schafft aber einen besseren Überblick über das eigene geschriebene Wort (auch unabhängig von Rechtschreibprogrammen).

Das war jetzt mal ein längerer Gedankenerguss, ich kann mich leider nicht immer kurz fassen.

Liebe Grüße, courage
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sprachlos



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BeitragVerfasst am: 12.03.2010, 14:45    Titel: Antworten mit Zitat

Ich poste jetzt mal einfach in diesen Thread, auch wenn mein Kind kein Legastheniker ist.
Es passt aber so gut zu diesen Schriftnoten.
Mein Kind hat eine ganz normale Schrift, was man gemein hin als normal bezeichnet. Und trotzdem zieht ein Lehrer diesem Kind bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit für seine Schrift Punkte von den Arbeiten ab.

Kann ich dagegen vorgehen? Falls ja wie? -- Ich suche nach einer möglichst effektiven Methode : Je zeitiger der Erfolg da ist, um so besser wäre dies, für die Motivation und das seelische Wohlbefinden meines Kindes.
(Ich möchte mein Kind auch nicht aus der Klasse nehmen -- warum sollte mein Kind von seinen Freunden weggehen, und der Lehrer darf dort bleiben? - sehe ich nicht ein!).
Ich finde diese Schriftnoten ohnehin den absoluten Humbug. (Früher, in meiner Schulzeit gab's das auch; aber wenigstens wurden uns keine Punkte von unserer tatsächlich erbrachten Leistung abgezogen. - Diese Note in Schönschreiben konnte man demzufolge auch schön ignorieren, falls man damit Schwierigkeiten hatte. Allerdings zeigt mein Erfahrungswert, dass die Schönschreiber zu einem großen Teil auf der Strecke geblieben sind. Die Leute mit der Doktorschrift hingegen haben heute die Abkürzung "Dr." auch vor ihrem Namen stehen .... )

Sind diese Schriftnoten und Punktabzüge für Schrift überhaupt zulässig?
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Courage



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BeitragVerfasst am: 12.03.2010, 17:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo sprachlos,

das ist in den Bundesländern unterschiedlich geregelt.
In NRW gilt, dass man Punkte für Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit abziehen darf (bzw. eine Minderung der Gesamtnote), dabei wird sich auf den Erlass "Deutsch in allen Fächern" bezogen. Dies wird weitgehend (noch) nicht umgesetzt.

Ich arbeite an einer Hauptschule. Ich bewerte nicht die Schönschrift (siehe mein vorheriger Beitrag), aber wenn ich ein Wort nicht mehr lesen kann, ist das Wort falsch, und das kann dann zu Punktabzügen führen (das gilt auch für unleserliche Zahlen in Mathematik).

Wenn du das Bundesland und die Schulart nennst, kann ich versuchen, Erlasstexte oder ähnliche bindende Aussagen zu finden. Ich fürchte jedoch, dass dies dann oft noch in Schulen laut Fachkonferenzbeschluss unterschiedlich gehandhabt wird.
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NIKI



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BeitragVerfasst am: 14.03.2010, 09:07    Titel: Antworten mit Zitat

Moin- moin ( würde mein Zwergl jetzt sagen, wenn er nicht noch schliefe Cool ),

also unser Exemplar von Kind wäre wohl inzwischen auf einer der niedrigsten Sonderschulen, wenn Lehrer nicht absolute Phantasie anwenden, um das entziffern zu können, was das Kind schreibt bzw. schriftlich von sich gibt.

Dies ist aber leider nicht seine Schuld, denn wir Eltern baten eindringlich darum, dass dieses Kind, was bis zur Einschulung ausschließlich Striche / Labyrinths malte, die Druckschrift erlernen und durchweg anwenden darf.
Das wurde aber vehement abgelehnt und nur durch eine absolut super tolle und engagierte Sonderpädagogin, ( die ihn auch sehr, sehr liebte) erlernte er die Schreibschrift halbwegs.
Nach einem Jahr sagte dann die Kl zu uns, das es für ihn besser gewesen wäre die Druckschrift zu erlernen! Ach- was??? Auf einmal???

Tja und da ein Umlernen nicht mehr möglich war müssen seitdem alle ( einschließlich Kind) damit leben und sich rumquälen.

Eine benotung dafür kann es gar nicht geben, denn das wäre mehr als ungerecht. Ein Rollstuhlkind wird ja auch nicht für Ausdauerlauf zu Fuß bewertet.

Mein 2. Kind hatte anfangs eine wunderschöne Schrift- jeder Buchstabe wurde gemalt und dementsprechend langsam war es.
Inzwischen ist es eine Klaue sondersgleichen- aber naja.......

Früher gab es zwar Noten für Schrift- aber das war ein eigenes Fach auf dem Zeugnis. Ich finde so etwas mehr als unfair, denn nicht jedes Kind, was saumäßig schreibt, kann es besser und macht das aus sonstwie beeinflussbaren Gründen.
Deshalb bin ich absolut gegen eine solche Bewertung und vorallem dann, wenn dies fächerspezifisch erfolgt und in die Gesamtnote einfließt!
Was hat es mit Fachwissen ( z.B. Physik) zu tun, wenn ein Kind "unter aller Sau" schreibt, aber alles ( fachspezifisch) weiß???

Außerdem haben viele Berühmtheiten und auch Ärzte, eine Schrift die so niemand entziffern kann Wink Cool

Gruß

NIKI
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Courage



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Bundesland: NRW

BeitragVerfasst am: 14.03.2010, 20:14    Titel: Antworten mit Zitat

NIKI hat Folgendes geschrieben:

Ich finde so etwas mehr als unfair, denn nicht jedes Kind, was saumäßig schreibt, kann es besser und macht das aus sonstwie beeinflussbaren Gründen.
Deshalb bin ich absolut gegen eine solche Bewertung und vorallem dann, wenn dies fächerspezifisch erfolgt und in die Gesamtnote einfließt!
Was hat es mit Fachwissen ( z.B. Physik) zu tun, wenn ein Kind "unter aller Sau" schreibt, aber alles ( fachspezifisch) weiß???

Außerdem haben viele Berühmtheiten und auch Ärzte, eine Schrift die so niemand entziffern kann Wink Cool

Gruß

NIKI


Ich hoffe, du beziehst dich nicht auf meinen Beitrag. Mir ging es um die Lesbarkeit...
Was nützt Fachwissen, wenn man das Fachwissen nicht mehr erkennen/erlesen kann?
Tja, die Ärzte... Mein Arzt musste ein handschriftliches Gutachten noch einmal getippt abgeben, weil die weiteren Stellen sein Geschreibe nicht verstehen konnten.

Und, es gibt Kinder, die sehr wohl könnten, aber durch die Schmiererei einfach nur Unlust zeigen wollen! Es gibt tatsächlich Schüler, die es für eine Unverschämtheit halten, dass im Unterricht überhaupt geschrieben werden muss. Selbst im Deutschunterricht gibt es da so Experten...

Meist kann ein Lehrer (oder sollte es können!) da schon unterscheiden. Bei "meinem" Autisten muss ich zwar zum Teil sehr phantasiebegabt sein, werde ihm das aber keinesfalls "ankreiden". Mein "Schlöri" darf dann aber schon mal eine Hausaufgabe, damit ich sie überhaupt lesen kann (und er auch Wink ) noch einmal schreiben. Bei ihm liegts nicht am Können, sondern am Nicht-immer-Wollen.

Niki, darf denn dein Sohn auch computergestützte Hausaufgaben abgeben bzw. anfertigen? Das empfehle ich manchen "Schmierern", vor allem, wenn ich davon ausgehen kann, dass zu Hause nicht Oma, Tante, Nachbar, Vater... die Sachen übernehmen. Die Übung der Schrift erfolgt dann überwiegend im Unterricht, obwohl ich zunehmend auch da am Computer arbeiten lasse. Was nützt heute noch eine handschriftliche Bewerbung, die sollen die Schüler lieber sofort am Rechner üben.
Andererseits erwarten wir von den Schülern auch getippte Praktikumsberichte oder Langzeitarbeiten (Vorstufen zur späteren Facharbeit an Gymnasien, aber auf einfacherem Niveau).
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NIKI



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Beiträge: 495

BeitragVerfasst am: 15.03.2010, 20:30    Titel: Antworten mit Zitat

Nee Courage,

war nicht als Kritik an dich gemeint, sondern allgemein dazu.

Ich z.B. bin umgepolter Linkshänder, sodass mir das längere Schreiben per Hand sehr schwer fällt- ich aber schöne, verschiedenste Handschriften an den Tag legen kann. Da hat mir beim Studium doch glattweg die Deutschlehrerin unterstellt, dass das z.T. Aufzeichnungen von anderen wären. Shocked Rolling Eyes Confused

Ich bin ja bald explodiert, zumal sie mir nicht sagen konnte von wem! Ich hasse solch Ungerechtigkeit und bin todehrlich- da könnt ich echt explodieren!!!

Ja, ich weiß, dass es durchaus Schüler gibt, die das schon besser können und nur Null- Bock- Phasen haben= schrieb ich ja schon.
Aber meiner Einer kann es eben nicht!
Ob er will oder nicht.

Oftmals kann man wirklich bei ihm vieles nur "erahnen"- aber darin geben sich die Lehrer echt Mühe!

Was soll ich denn tun??? Das Gericht lehnte eine Schreibhilfe ab- und allein einen Laptop für die Schule zu kaufen, davor scheue ich mich noch. Auch, weil der ganz sicher nicht immer gesichert weggeschlossen werden kann.

Die Schule hat zwar wohl Laptops und Computer- aber die sind in bestimmten Medienkabinetten und nicht in den normalen Schulräumen.

Hausis und Co machen wir schon auch sehr oft am Compi.
Aber ne Schriftnote würd ich eben nie akzeptieren, denn ohne seine Dr......... hätte er nie im Leben das Schreiben erlernt- leider.

Gruß

NIKI
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BeitragVerfasst am: 15.03.2010, 22:14    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, wenn besagtes Kind wenigstens noch eine Sauklaue hätte, die keiner mehr lesen kann, dann wäre für mich zumindest der Hauch eines Ansatzes dafür gegeben, diese Machenschaften irgendwie zu verstehen.
Wenn aber ein Kind unter Zeitdruck ein Diktat, Aufsatz, Arbeit o.ä. schreibt oder aber auch wenn die Arbeit ganz sauber ist, und der Lehrer dennoch nicht lesen kann ... dann tut mir das echt leid. --- Für mich sieht das hier eher nach etwas Ähnlichem wie Mobbing aus. Sad Und diese Kopfnoten lassen sich ja leider sehr gut für solche Sachen missbrauchen.
Schade, dass hier jede Schule ihr eigenes Süppchen brauen kann. Uns fehlen wirklich bundesweit einheitliche Vorschriften, die dann auch für jeden und alle gelten. Evil or Very Mad
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Beiträge: 29

BeitragVerfasst am: 15.03.2010, 22:21    Titel: Antworten mit Zitat

Mal eine Frage nebenbei, zu diesem Thema:

Courage hat Folgendes geschrieben:

In NRW gilt, dass man Punkte für Verstöße gegen die Sprachrichtigkeit abziehen darf (bzw. eine Minderung der Gesamtnote), dabei wird sich auf den Erlass "Deutsch in allen Fächern" bezogen. Dies wird weitgehend (noch) nicht umgesetzt.


.... dann gibt es in NRW sicher auch mehr als genügend Förderung für Ausländer? Ich meine: für Kinder, deren Eltern kein Deutsch sprechen? So dass sich jemand in Form von Förderunterricht richtig viel Zeit für sie nimmt?

Ich habe solches hier direkt an Schulen leider nur sehr selten gesehen. D.h. ich kenne auf Anhieb im näheren Umfeld 2 Schulen, die das zumindest 1x wöchentlich anbieten. Etwas weiter weg gab es mal eine Schule, da gab es DaF 3x pro Woche (mit eigens dafür engagierter Lehrkraft). Ansonsten hatte die Stadt dafür mal 'nen Kurs, aber ob es den noch gibt, weiß ich nicht. Kann sein, dass das schon eingeschlafen ist, weil ja überall die Mittel gekürzt werden. (Leider).
Aber ohne solche Extra-Veranstaltungen, ist/wäre eine solche Bestimmung für meine Begriffe irgendwie in sich selbst widersprüchlich.
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