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Legastheniker-Förderung mit Mitteln nach KJHG § 27

 
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geloescht



Anmeldedatum: 07.02.2008
Beiträge: 0

BeitragVerfasst am: 04.04.2006, 20:39    Titel: Legastheniker-Förderung mit Mitteln nach KJHG § 27 Antworten mit Zitat

Liebe Momo,
ich stelle hier noch mal den Haupttext ein, dann fällt er besser auf.

Hallo an alle,

ich möchte heute mal auf die

"Hilfe zur Erziehung" nach § 27 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) für Legastheniker

hinweisen, das ein Bundesgesetz ist und deshalb auch in allen Bundesländern gleich gilt.

Die Eltern selbst sind nach dem Grundgesetz zur Pflege, Sorge und Erziehung verpflichtet - so gut sie es können.

Legastheniker brauchen meistens eine Förderung, die weit über Abschreibe- und Diktatübungen hinausgeht. Legasthenikertherapie können normale Eltern nicht leisten. Also brauchen sie in diesem Bereich eine
"Hilfe zur Erziehung" nach KJHG § 27.

Die Hilfepersonen / Therapeuten können Sie sich normalerweise selbst aussuchen, wenn diejenigen die nötigen Qualifikationen nachweisen.

Den Antrag auf Übernahme der Kosten stellen Sie beim Jugendamt.
Dort werden oft Formulare benutzt und von den Angestellten teilweise vorweg ausgefüllt. Des Öfteren wird dort aber "§ 35 a" eingetragen.
Wehren Sie sich dagegen und bestehen Sie auf § 27 - ändern Sie selbst es zur Not von Hand. Warum ?

Wie oben beschrieben geht es bei § 27 um "Hilfe zur Erziehung", insoweit Sie diesen Bereich hochqualifizierter Legasthenikerföderung nicht selbst durchführen können.
Bei § 27 sind Sie, die Eltern, daher auch die Antragsteller. Hier dürfte die Unterschrift eines Elternteiles genügen. Bei der "Vertretung des Kindes durch die Eltern" im Falle des § 35 a werden meistens - für mich fragwürdig - beide Unterschriften verlangt.
Ich kenne Fälle, in denen ein Elternteil die Unterschrift verweigert hat.

Ganz anders sieht es inhaltlich bei Anträgen nach dem in der Vergangenheit vorwiegend versuchten Anspruch nach § 35 a aus:
Förmlich ist dann schon mal das betroffene Kind selbst Antragsteller, vertreten durch seine - beiden - Eltern.
Inhaltlich werden nach § 35a nur Kinder und Jugendliche gefördert, denen eine seelische Behinderung droht oder die schon seelisch behindert sind.

Oft werden dann die durch die Legasthenie hervorgrufenen Angstsymptome und weiteres genannt. Das bescheinigt notwendigerweise ein Arzt, möglichst Psychiater.
Sie werden sich vorstellen, dass die Beschreibung seelischer Behinderungen vielen Eltern peinlich ist, und Sie werden sich auch vorstellen können, dass Bürokraten diesen "inneren" Bereich des Kindes nicht so gut abschätzen können und viel leichter einen Ablehnungsgrung (er-)finden, der Schaden liege nicht genügend vor und Ihr Antrag wird abgelehnt.

Die Vorraussetzung für Anspruch nach § 35a ist also viel höher und weniger genau zu beschreiben als bei Anspruch nach § 27 auf Erziehungshilfe.

Bei § 35 a muss ihr Kind schon einen deutlichen seelischen Knacks haben oder es müssen wenigstens deutliche Symptome für einen baldigen seelischen Knacks bescheinigt werden. Es muss schon fast "in den Brunnen gefallen" sein.
Soweit sollten Sie es ja gar nicht kommen lassen.

Um Anspruch nach § 27 zu haben genügt es, dass z.B. von der Schule oder einer anderen Fachperson die vorhandene Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) / Legashtenie bescheinigt wird und dass die schulischen Förderhilfen nicht ausreichen.

Die Ergebnisse standartisierter Tests wie DRT (Deutscher Rechtschreibtest) sind in der Bürokratie immer gern gesehen, aber nicht nötig. Ich kann auch ohne solche Tests anhand der Klassenarbeiten und sonstigen Schriftstücke anhand von Fotokopien, und falls Lesen auch schwierig ist, aufgrund von Leseproben eine vorhandene Legasthenie klar beschreiben. In Hessen ist nach den LRS-Richtlinien Punkt 4.1 und 4.8 der einzelne normale Deutschlehrer ohne spezielle Zusatzausbildung für die "Erfassung dieser Schülerinnen und Schüler verantwortlich". Nicht die Klassenkonferenz !

Es sei auch hier noch mal betont: zur Feststellung der LRS / Legasthenie kommt es nicht auf eine bestimmte typische Art von Fehlern an, sondern nur und ausschließlich auf die hohe Gesamtzahl der Rechtschreibfehler !!!

Lesen Sie bitte auch hierzu in den Vorschriften Ihres Bundeslandes. (www.legasthenie.net : Schule)

Nach dem KJHG haben Sie bei Vorliegen der Schwierigkeiten einen Anspruch auf die staatliche finanzielle Hilfe. Die Ausrede "kein Geld da" zieht nicht. Dann muss der Staat es sich eben bei denen ausleihen, denen er gerade die Steuern kräftig senkt, den Hochverdienern.

An dieser Stelle möchte ich ein grundsätzliches politisches Problem ansprechen:

Wir Bürger und Wähler können nicht dauernd nach Steuersenkung rufen - vorrangig wird sie den schon Wohlhabenden gegeben (Senkung Höchststeuersatz) - und gleichzeitig die leeren öffentlichen Kassen beklagen, die dann nicht genug Lehrer bezahlen, Schulen nicht ordentlich erhalten und die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfen wie nach dem KJHG nicht aufbringen können. Dass Sie es selbst bezahlen sollen, nennt die "Partei der Besserverdienenden" beschönigend "Sie sollen mehr Selbstverantwortung" bekommen.
Fallen Sie auf solche Parolen noch rein ?
Sie entscheiden bei den Wahlen und schon in politischen Diskussionen vorher.

Mit freudlichem Gruß,
GEORG MOHR
Unabhängiger schulpädagogischer Berater - Gutachter - Lehrer
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