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Das Ende der Förderschulen naht...

 
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Legolas



Anmeldedatum: 20.11.2006
Beiträge: 379
Bundesland: Niedersachsen

BeitragVerfasst am: 06.11.2009, 11:23    Titel: Das Ende der Förderschulen naht... Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

sehr interessanter Bericht:

Zitat:
Ausgesondert
Ausgesondert
Die meisten Kinder mit Behinderungen gehören in normale Schulen. Nur Deutschland hat das noch nicht verstanden

Als Martina Siebenhaar* ihren Sohn vor einem Jahr das erste Mal auf der Bühne sah, dachte sie erschrocken: Vielleicht haben wir doch die falsche Entscheidung getroffen. Einen Jungen mit Asperger-Syndrom, einer Form des Autismus, ausgerechnet auf eine theaterbetonte Schule zu schicken! Ihren Simon zu ermuntern, sich vor hundert unbekannten Menschen zu präsentieren, wo es ihm doch schon im Alltag schwerfällt, Kontakt zu Gleichaltrigen aufzunehmen! Stocksteif brachte er damals seinen kurzen Part hinter sich, versteckt hinter einer Maske.

Ein Jahr später scheint ein anderer Simon auf der Bühne zu stehen. Diesmal hat der Junge eine Hauptrolle übernommen, freiwillig. Geschmeidig schleicht er in der Rolle des Räubers über die Bühne. Ohne Verhaspeln spricht er seinen Text und genießt den Applaus. Am Ende heißt es, er sei einer der besten Schauspieler gewesen.

An der Erika-Mann-Schule kann man viele solcher kleinen Erfolgsgeschichten hören. Vom mutistischen Mädchen, das anfangs mit niemandem sprach und jetzt einen Vortrag vor der Klasse hält. Von dem Sonderschüler, der den Sprung auf die Realschule schaffte, oder dem Jungen mit starker Lese-Rechtschreib-Schwäche, der bald aufs Gymnasium wechselt. Seit zehn Jahren hat sich die Berliner Grundschule der Integration von behinderten Kindern verschrieben. Acht Prozent der Schüler haben hier einen besonderen Förderbedarf, wie es pädagogisch korrekt heißt. Sozial auffällige Kinder sind darunter, extreme Stotterer, Schüler mit Downsyndrom, Jungen mit Lernschwächen. Im Unterricht sitzen sie neben anderen Schülern, und häufig spielen alle gemeinsam Theater, denn dies ist eines der wichtigsten Integrationsinstrumente an der Erika-Mann-Schule. »Beim Theater merkt jeder Schüler, dass er wichtig für das Ganze ist«, sagt Schulleiterin Karin Babbe.

Am kommenden Montag erhalten die Direktorin und ihr Team gemeinsam mit zwei anderen Schulen den Jakob-Muth-Preis zugesprochen. Mit der Auszeichnung prämieren die Bertelsmann Stiftung, die Behindertenbeauftragte des Bundes und die deutsche Unesco-Kommission erstmals Schulen, die sich für das gemeinsame Lernen behinderter und nicht behinderter Schüler einsetzen. Der Preis, benannt nach einem frühen Vorkämpfer der Integration, kommt zum rechten Zeitpunkt. Denn seit März dieses Jahres gilt auch in Deutschland die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (siehe Kasten). Sie garantiert allen Schülern mit einem geistigen oder körperlichen Handicap das Recht, zusammen mit ihren gesunden Alterskollegen unterrichtet zu werden. Die Vereinbarung stellt damit das bisherige System der Sonderschulen infrage. Im Lichte der UN-Konvention erscheint es nun als höchst fragwürdig, Kinder, die nicht ins Raster der Normalität passen, in Spezialeinrichtungen abzusondern.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland das Schlusslicht

Mehr als achtzig Prozent aller behinderten Kinder in Deutschland werden in Sonderschulen unterrichtet. Dabei zeigen sich viele Probleme des deutschen Bildungswesens in den Schulen für Lern-, Körper- oder geistig Behinderte in zugespitzter Form: die extreme föderale Zersplitterung, die unterschiedlichen Entwicklungschancen von Schülern je nach Wohnort, die soziale Schieflage, die jahrzehntelange Reformresistenz der Politik.

International gilt Deutschland längst als Sonderfall. »Was Integration angeht, sind wir Schlusslicht«, sagt die Berliner Erziehungswissenschaftlerin Jutta Schöler, eine der Initiatoren des Jakob-Muth-Preises. Während Nationen wie Italien ihre Sonderschulen schon vor dreißig Jahren abgeschafft haben, Länder wie Großbritannien, Norwegen oder Schweden nur rund ein Prozent aller Schüler in Spezialschulen unterrichten, liegt die Sonderschulquote hierzulande bei über fünf Prozent. Angesichts dieser Zahl muss man statt von einem drei- längst von einem viergliedrigen deutschen Schulsystem sprechen.

Im Frühjahr 2006 hatte der UN-Sonderberichterstatter Vernor Muñoz der Bundesrepublik in seinem Landesbericht deshalb ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Doch während seine Kritik an der frühen, leistungsbezogenen Aufteilung der Schüler auf Haupt-, Realschulen und Gymnasien heiß diskutiert wurde, ging seine weitaus schärfere Rüge an dem diskriminierenden Charakter der Sonderschule fast unter. Die »vergessenen« Kinder nennt der Hamburger Professor für Lernbehindertenpädagogik Karl-Heinz Wocken die Sonderschüler zu Recht. Selbst die Pisa-Studie, ansonsten für jede aufgeregte Debatte über unser Bildungssystem gut, hat daran wenig geändert. Kein Wunder, tauchen die Förderschulen für Behinderte im Leistungsvergleich gar nicht erst auf.

In Deutschland hält man es immer noch für normal, dass

•in allen Bundesländern Kinder einer Sonderschule zugewiesen werden können, selbst wenn die Eltern dies nicht wollen,

•Migrantenkinder doppelt so häufig auf diesen Schulen landen wie ihre Alterskameraden,

•Schüler, die blind, körperbehindert oder gehörlos sind, sich geistig jedoch völlig normal entwickeln, nur selten Abitur machen, weil es kaum Spezialschulen mit einer Oberstufe gibt.

Kein anderes Land der Welt pflegt ein so hoch differenziertes Sonderschulwesen wie die Bundesrepublik. Acht verschiedene Kategorien kennt die Statistik der Kultusministerkonferenz: vom »Förderschwerpunkt Lernen« über das »Hören, Sehen und Sprechen« bis zum »Förderschwerpunkt soziale Entwicklung«, sprich Verhaltensauffälligkeit. Für nahezu jede Behinderung gibt es Schulen mit eigenen Lehrplänen, besonderen Pädagogen, die in gesonderten Ausbildungsgängen mit eigenen Professoren ausgebildet werden.

Die ursprünglichen Gründe für die exklusive Beschulung waren durchaus achtbar. Nach der mörderischen Euthanasiepolitik der Nazis ließ sich das teure Sonderschulwesen als Teil der Wiedergutmachung an den Behinderten verstehen. Auf dem Feld der Heilpädagogik ist Deutschland international bis heute führend. Deutschland baute seine Spezialschulen immer weiter aus, auch noch, als andernorts längst die Integration postuliert wurde. Hierzulande sei man eben »immer besser im Aussortieren als im Einsortieren«, sagt die Bundesbehindertenbeauftragte Karin Evers-Meyer.

Die Geografie entscheidet darüber, wer zum Förderfall wird und wer nicht

Nur eine Minderheit der Regelschulen entscheidet sich bis heute bewusst gegen diese Abschiebepädagogik, ganz wenige tun dies mit solchem Nachdruck wie die Erika-Mann-Schule. An der Berliner Schule im Brennpunktstadtteil Wedding stammen drei Viertel aller Jungen und Mädchen aus Migrantenfamilien. Da hier jedes Kind etwas anders ist, fallen die Schüler mit einem Handicap kaum auf. »Alle Kinder brauchen Förderung«, erklärt Schulleiterin Babbe die Philosophie ihrer Schule, »die einen etwas mehr, die anderen etwas weniger.«

Die Selbstverständlichkeit, mit der an der Erika-Mann-Schule gemeinsam gelernt wird, hat die Jury des Jakob-Muth-Preises besonders beeindruckt. So muss man in der Englischstunde der 6C schon genau hinschauen, um die vier Schüler mit Lernbehinderungen und Verhaltensauffälligkeiten sowie jenes eine Kind mit Autismus ausfindig zu machen. Im »Drachenzimmer«, einem Raum mit schiefen Ebenen und schrägen Sitzgelegenheiten, proben sie mit ihren Mitschülern in Dreiergruppen, wie man sich in der fremden Sprache vorstellt. Während die einen sich mit variantenreichem Vokabular präsentieren, beschränken die anderen sich auf wenige Worte. Bei Klassenarbeiten bieten die Lehrer Aufgabenblätter mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden an.

Binnendifferenzierung heißt die pädagogische Methode der Wahl: Jeder Schüler lernt nach seinen Talenten und Interessen. Lehrer, die diese Unterrichtstechnik beherrschen, kommen leichter mit besonderen Schülern zurecht, egal ob sie langsamer oder schneller lernen, behindert oder nicht behindert sind. Simon zum Beispiel hat Probleme, sich vor den anderen zu äußern. Doch im Rechnen gehört er, wie viele Asperger-Kinder, zu den Besten und löst die Aufgaben für Zweitklässler. Eine Sonderpädagogin ist die meiste Zeit in seiner Nähe.

Fünf zusätzliche Lehrer mit einer speziellen Ausbildung unterstützen das Kollegium bei der Integration der behinderten Schüler. In den ersten beiden Schuljahren sind alle Stunden doppelt besetzt. Sogenannte Schulhelfer unterstützen die Förderschüler, wenn nötig, beim Anziehen und Essen oder begleiten sie in einen anderen Raum, wenn sie wie Simon mal eine Auszeit von dem Trubel in der Klasse brauchen.

Martina Siebenhaar hätte ihren Sohn auch an einer Sonderschule anmelden können oder an einer anderen Grundschule, welche alle Autisten in einer Klasse zusammenfasst. Beides lehnte sie ab. »Ich möchte, dass Simon sich unter normalen Kindern bewährt«, sagt die Mutter. »Später im Leben muss er das ebenso schaffen.«

Die Mutter hat Glück, dass sie in Berlin wohnt. Denn die Chancen für einen Förderschüler, eine normale Schule besuchen zu dürfen, sind zwischen den Bundesländern höchst ungleich verteilt. Während die Integrationsquoten in Berlin, Bremen oder Schleswig-Holstein bei über dreißig Prozent liegen, betragen sie in Niedersachsen oder Sachsen-Anhalt gerade einmal fünf Prozent. Besonders die »Pisa-Siegerländer« Sachsen oder Bayern bestehen auf einer weitgehend getrennten Beschulung. Zwar änderten sich wie überall die Namen: Aus der »Hilfsschule« wurde erst die Sonder-, dann die Förderschule. Die Pädagogik der Isolation blieb dieselbe.

Häufig entscheidet schon die Geografie darüber, ob jemand überhaupt zum Förderfall wird: In Hessen gelten fünf Prozent aller Kinder als Sonderschüler, in Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen sind es rund doppelt so viele, obwohl der Behindertenanteil im Osten objektiv nicht höher sein dürfte als im Westen der Republik. Das föderale Wirrwarr wird komplett beim Blick auf einzelne Förderfelder. Brandenburg integriert Kinder mit dem Förderschwerpunkt körperliche Entwicklung zu rund achtzig Prozent, Rheinland-Pfalz verzichtet fast völlig darauf. In Schleswig-Holstein besuchen alle blinden Kinder eine Regelschule, im Nachbarland Hamburg sind es nur zwölf Prozent.

Für Gymnasien ist es einfacher, geistig Behinderte aufzunehmen

Dabei ist ein gemeinsamer Unterricht im Prinzip überall in Deutschland vorgesehen. Einige Bundesländer räumen der Eingliederung offiziell sogar Vorrang ein vor der Sonderbeschulung. Doch das Versprechen der Integration gilt nur im »Rahmen der Möglichkeiten«, wie es in den meisten Schulgesetzen heißt. Und dieser Rahmen ist eng gesteckt. Vor allem nach der Grundschule finden lern- oder körperbehinderte Kinder kaum eine Regelschule, die bereit ist, sie aufzunehmen. Mal sind die Räume zu klein, oder das Schulgebäude ist nicht für Behinderte geeignet, mal mangelt es an sonderpädagogisch geschulten Lehrern. Und überall fehlt das Geld, daran etwas zu ändern. »Das Elternwahlrecht gibt es nur auf dem Papier«, kritisiert Sibylle Hausmanns von der Bundesarbeitsgemeinschaft Gemeinsam leben – gemeinsam lernen. »Fast überall müssen Eltern für ihr Recht kämpfen.« Viele Jahre war dies ein einsamer Kampf. Nun spüren die Anhänger der Integration durch die UN-Konvention Rückenwind. Beschämend ist, dass der Anstoß zur Veränderung wieder einmal von außerhalb kommt. Noch streiten Elternverbände und Bildungsministerien, was die deutsche Regierung da genau unterschrieben hat. Kaum jemand zweifelt jedoch daran, dass es gegen den Geist der internationalen Vereinbarung verstößt, wenn mehr als achtzig Prozent aller behinderten Kinder in Sonderschulen unterrichtet werden.

Einige Bundesländer haben reagiert. Bremen plant, alle Förderschulen für Lern- und Sprachbehinderte abzuschaffen, Schleswig-Holstein will die Zahl der Sonderschüler, die auf eine Regelschule gehen, verdoppeln. Modell könnten die Förderzentren für Blinde in Norddeutschland sein, von denen Sonderpädagogen ausschwärmen, um ihre Schüler in einer Regelschule zu unterstützen. Selbst im konservativen Süden können sich die Kultusbehörden dem Trend nicht mehr entziehen und zeigen sich zwangsweise experimentierfreudig. So wurde einer Waldorfschule im badischen Emmendingen nach jahrelangem Streit der gemeinsame Unterricht von behinderten und nicht behinderten Schülern gestattet.

Gleichzeitig zeigen Schulen wie das Werner-von-Siemens-Gymnasium in Bad Harzburg, dass viel mehr möglich ist als bisher angenommen. Seit zwei Jahren integriert die Oberschule drei Kinder mit Downsyndrom und ein mehrfach behindertes Mädchen in den Schulalltag. In den meisten Stunden lernen die Förderschüler mit ihren Klassenkameraden in einem Raum. Die Unterrichtsinhalte sind – so weit wie möglich – aufeinander abgestimmt. Anfangs zeigten sich viele Lehrer skeptisch. »Das ist nicht unsere Aufgabe«, hieß es, oder: »Wir haben genug zu tun.« Heute ist die Schule stolz auf den Versuch. Lehrer und Eltern aus ganz Deutschland wollen wissen, wie die Eingliederung funktioniert. »Für Gymnasien ist es einfacher, geistig behinderte Schüler zu integrieren, als etwa für Hauptschulen, die viel größere soziale Probleme haben«, sagt Konrektor Wilfried Eberts.

Doch nicht nur die Regelschulen gilt es von den Vorteilen der Integration zu überzeugen. Auch viele Sonderpädagogen sehen das gemeinsame Lernen skeptisch. Sie argwöhnen, dass Förderlehrer eingespart werden sollen und ihre Schüler an den Regelschulen am Ende schlechter betreut werden als heute. Zugleich fürchten viele von ihnen die Arbeit an einer normalen Schule, wo statt 10 Kindern wie an der Förderschule plötzlich 25 Schüler in einem Klassenraum sitzen und das Klima oft rauer ist. Ullrich Reuter, Schulleiter der Nürnberger Jakob-Muth-Schule, nennt die Förderschule ein »Nest«, das nicht jeder Lehrer gern verlässt.

Vom kommenden Jahr an geht Reuters Förderschule den umgekehrten Weg. Statt wie bisher sogenannte Außenklassen an Nürnberger Grundschulen einzurichten, will die Jakob-Muth-Schule zwei Klassen mit Regelschülern im eigenen Gebäude eröffnen. Ein gemischter Unterricht ist noch nicht vorgesehen, jedoch so viel Zusammenarbeit wie möglich. Für Bayern ist das schon ein Fortschritt.

Der Druck auf die Politik wächst: Eltern wollen die Integration

Förderschulen werden zu Schulen für alle – wovon Reuter noch träumt, ist im brandenburgischen Birkenwerder schon Wirklichkeit. Die einstige Sonderschule für Körperbehinderte hat sich dort mit einer Gesamtschule zusammengetan und bietet einen Unterricht von der Grundschule bis zum Abitur an. In jeder Klasse sitzen drei bis vier Kinder mit Handicap, einige von ihnen schwerstbehindert und im Rollstuhl. Die Regine-Hildebrandt-Schule, mit vielen Preisen ausgezeichnet, gilt als Beispiel für eine gelungene Integration zweier Schulsysteme. Besonders den Eltern der Region scheint das Modell zu gefallen, auch weil die Schule kleinere Klassen und eine Nachmittagsbetreuung hat. Jedes Jahr muss die Schulleitung mehr Bewerber ablehnen, als sie aufnehmen kann.

Berlin oder Bad Harzburg, Nürnberg oder Birkenwerder – »einen großen Aufbruch« diagnostiziert die Erziehungswissenschaftlerin Jutta Schöler. Ob die Sonderschulen in Deutschland am Ende weitgehend überflüssig werden, lässt sich noch nicht abschätzen. Das Beispiel anderer Nationen zeigt, dass es meist für eine lange Übergangszeit zwei Systeme nebeneinander gibt, die immer mehr zusammenwachsen. Dabei wird der Druck auf die Politik weiter wachsen. »Wenn Eltern eine echte Wahl haben, wollen die meisten für ihre Kinder die Integration«, sagt Jutta Schöler. Gleichzeitig steht Deutschland jetzt international unter Beobachtung. In drei Jahren muss die Bundesregierung den Vereinten Nationen Bericht erstatten. Es wäre peinlich, sollte die Regierung keine Fortschritte vermelden können.
Quelle: http://www.zeit.de/2009/36/B-Integration

Bleibt nur die Frage was dann die Lehrer machen die schon seit Jahren erfolgreich aussondieren, wenn sie plötzlich integrieren müssen.... Wink

VG Legolas


Zuletzt bearbeitet von Legolas am 06.11.2009, 15:00, insgesamt einmal bearbeitet
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NIKI



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BeitragVerfasst am: 06.11.2009, 18:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, Legolas, danke für diesen tollen Artikel!

Ich kannte ihn schon aus ganz persönlichen Gründen;) Und er hat mir sehr viel Mut gemacht! Wink

Was dann aus diesen Lehrern wird? Sie haben Sonderpädagogen an ihrer Seite und können sich weiterhin auf ihre superschlauen Lieblinge voll und ganz konzentrieren..... Rolling Eyes
Allerdings mögen das auch wieder viele nicht...... eine zweite Lehrkraft, die ihnen zuschaut..... oder gar ne fremde Person in Form eines Einzelfallhelfers. Confused

Schwierige Sache..... ich denke die betrifft es besonders hart und ohne deren eigenen Willen und ihr Engagement wird Integration nicht gelingen!

Übrigens sind behinderte Kinder nicht gleich geistig retardiert! Gerade das hier beschriebene Störungsbild des Asperger- Autismus betrifft vorrangig durchschnittlich bis hoch intellgente Menschen! Ebenso mutistische Verhaltensweisen.

NIKI
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Courage



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BeitragVerfasst am: 06.11.2009, 23:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich mag Integration, aber bisher kann sie nur teilweise gelingen. In einem 8. Schuljahr mit 28 Schülern gibt es eine Schülerin für den Gemeinsamen Unterricht, die Sonderschulpädagogin fördert sie drei Stunden die Woche (alleine oder im Klassenverband), ein ehemaliger Förderschüler (Asperger) hat einen Integrationshelfer, ein anderer Schüler (der wahrscheinlich auf einer Förderschule Emotionalität besser aufgehoben wäre) hat auch eine Integrationshelferin.

Das hört sich doch fast traumhaft an, oder? Die I-Helfer sind nett, ja! Der eine ist Zivi, die andere scheint pädagogisch vorgebildet zu sein. Was kann der Zivi machen? Er ist da, kümmert sich wenig, der Aspergerjunge möchte das auch nicht, er will möglichst viel alleine erledigen, was ja auch sehr gut ist, also der Zivi sitzt meist einfach nur da. Die andere Fachfrau mischt sich öfter ein (die Störung des Unterrichts ist dann aber schon geschehen). Die Sonderpädagogin ist nur ganz selten in der Klasse. Das heißt, die meisten Fachlehrer haben 28 Schüler, viele von ihnen mit "normalen" Verhaltensauffälligkeiten, die wir eben auch so ertragen und verbessern müssen. Die ganz friedlichen Schüler sind dann auch mal überfordert. Einige Schüler können mit der vermeintlichen Bevorzugung der Förderkinder ganz schlecht umgehen, fühlen sich übergangen und strapazieren die Geduld der Lehrer mehr als z. B. der Aspergerjunge. Das GU-Kind ist eine ganz friedliche, die bei uns (ein bisschen leider Außenseiterkind) sehr gut mitkommt und auch eine nette Freundin hat. Soweit die z. T. guten Erfahrungen.

Seit diesem Schuljahr meinte der Schulrat uns auch Kinder mit Förderschwerpunkt Emotionalität zuweisen zu müssen. Im fünften Schuljahr sammeln sich also in einer Klasse neben den manchmal auch anstrengenden "normalen" Hauptschülern mehrere Förderkinder, die allesamt (noch) nicht integrierbar sind. Einer musste bereits wieder zur Förderschule zurück (Gefahr für sich und andere Schüler). Die Sonderschulpädagogen sind leider nicht immer dabei, die normalen Lehrer rotieren und können z. T. kaum mehr als Wissensvermittler wirken, arbeiten "nur" noch pädagogisch. Das ist frustierend. Ziel der Integration soll die zielgleiche Ausbildung sein, davon kann aber keine Rede sein (Sprachförderschüler sind bei uns sehr gut zu integrieren!!!). Alle sollen bei uns die Möglichkeit des HS-Abschlusses haben oder auch höherwertige Abschlüsse. Bei dieser Politik ist das kaum machbar. Auch mit Theaterprojekten, die sicherlich gut sind, kann das Dilemma mit der Wissensvermittlung in einer solch durchmischten Klasse kaum behoben werden.

Dem im Artikel geäußerte "Verdacht", dass sich die Integration im Gymnasium besser durchführen lässt, kann ich nur zustimmen. Zwei, drei Schüler mit Förderbedarf sind besser in einer ansonsten lernwilligen, unproblematischen Gruppe zu integrieren als in einer Klasse, die an sich schon viele verhaltensschwierige Kinder hat.

Über die Integration von Körperbehinderten noch groß zu reden, ist hier fast überflüssig (jaja, ich weiß Düsseldorf und Duisburg konnten noch nicht einmal beim U-Bahn-Bau, im Jahr der Behinderten, an einen Zugang für Behinderte denken). Leider ist unsere Schule nicht ganz barrierefrei (Technikraum im Keller, Informatik im 1. Stock - ohne Aufzug, alle anderen Fachräume und viele Klassenräume sind ebenerdig).

Ich teile die Bedenken der Sonderschulpädadogen, dass hier (in der Politik) nicht in erster Linie an Integrationsmöglichkeiten gedacht wird, sondern an Kostenersparnis. So geschehen auch beim Wegfall des Schulkindergartens, dort wurde bei uns früher auch Wege der Integration gegangen! Wir haben leider zu große Klassen und können dann nicht bei dem Personalschlüssel auf die wirklichen Bedürfnisse der Kinder eingehen. Das hört sich vielleicht an wie eine Ausrede, aber bei aller Fortbildungswilligkeit sind uns auch erst mal durch äußere Gegebenheiten Grenzen gesetzt. Merkwürdig dann nämlich auch, dass, wenn wir mehr Lehrerstunden fordern (damit die Integration gelingt), dann gesagt wird, es ist kein Geld da. Denn das soll ja gespart werden. Wenn Förderkinder an einer Regelschule genauso viel Geld kosten wie an einer Förderschule, sind die Politiker nicht zufrieden. Nachtigall, ik hör dir trappsen...

Ich bin weiter auf der Suche nach einer Lösung. Der Blick auf andere Länder ist schon so oft täuschend gewesen (siehe Pisa-Studie: Finnland, das Vorzeigeland - hat ganz viele Schüler mit Schwierigkeiten (z. B. ausländische Kinder, bzw. ganze Schulen) nicht teilnehmen lassen - so kann man auch gute Ergebnisse erzielen.)

Ich behaupte, dass manche Kinder in einer Förderschule besser aufgehoben sind, weil sie dort wirklich besser gefördert werden können. Ich gebe zu, dass viele Kinder bestimmt gut zu integrieren sind, das aber nicht optimal umgesetzt wird.

Und jetzt: Schlagt auf mich ein!

Über die Integrationsbereitschaft von Hauptschullehrern könnte man auch folgendes sagen: Wir sind schon froh, wenn wir die "normal" verhaltensschwierigen Schüler in einen Regelunterricht integrieren können. Die Mischung ist eben ganz wichtig. Wenn verhaltensschwierige Kinder "überhand" nehmen, ist eine Integration nicht möglich. In meiner Klasse habe ich einige auffällige Kinder (mir geht es um Verhalten, nicht um Leistung, da gibt es aber auch solche und solche), aber zum Glück auch viele richtig nette, gut erzogene und sozial engagierte Kinder. Meine Klasse ist deshalb bei Kollegen sehr beliebt, weil die Mischung einfach stimmt.

Courage

(die jetzt wieder Probleme mit ihren eigenen Verallgemeinerungen bekommt - bei anderen ärgere ich mich über Verallgemeinerungen und jetzt erwische ich mich auch dabei, Pfui!)
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NIKI



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Beiträge: 495

BeitragVerfasst am: 07.11.2009, 10:22    Titel: Antworten mit Zitat

Nö Courage,

das hast du sehr gut und auch sehr gut nachvollziehbar beschrieben!
Genauso ist es nämlich!
Oft scheitert es auch an den örtlichen und sächlichen Gegebenheiten. In manchen Schulgesetzen tauchen dann so Sätze auf, wie: In einer solchen Klasse ( Integrationsklasse) sollen nicht mehr als 23 Schüler und davon höchstens 4 mit sonderpädagogischem Förderbedarf sein.
Ich weiß jetzt nicht, ob das bei euch auch so steht?

Jedenfalls ist es ein "soll"= Kann- Bestimmung, welche bei höherer angemeldeter Schülerzahl sofort durch Begründung a) b) c) ausgehebelt wird und schwupps sind es dann eben mal 28..., 29 Schüler.
Und das geht nun garnicht- da stimme ich dir voll zu!

Wie auch? Wo gerade verhaltensgestörte Schüler, also mit Förderschwerpunkt " sozial- emotionale Entwicklung, bei je mehr Schülern absolut überfordert sind. Zum Beispiel durch die große Reizoffenheit.
Die Sonderpädagogikstunden kann man knicken- so wie du schon schreibst. Was bitte sind 2 oder 3 Stunden bei zum Teil über 30 in der Woche???
GARNICHTS! Zumal diese auch oft wegfallen, wenn dieser Pädagoge in einer anderen Klasse zur Vertretung gebraucht wird. Alles schon erlebt!

Und das normale pubertierende Schüler in dem Alter auch schwierig sind, wissen wir wohl alle. Übrigens habe ich mal in einer Fortbildung gehört, das ein ADHS- Kind wie 8 "normale" Kinder ist und das stimmt!
Nun kann man mal zählen, wieviele Kinder man dann gerade vor sich sitzen hat! Shocked Confused

Aber auch an Gymnasien sind ja nicht nur sozial engagierte Kinder, sondern oft auch egoistische, neidische und was weiß ich was. Inklusive Eltern, die behaupten ein behindertes Kind, was vielleicht noch dazu einen Einzelfallhelfer hat, gehört nun ja garnicht in diese Klasse und hindert doch nur alle anderen am Lernen... Twisted Evil Twisted Evil Twisted Evil

Es ist ein wirklich diskusionswürdiges Thema und sicher sind nicht alle Kids für Integration geeignet, aber man sollte denen, die es sind, wirklich zumutbare und gerechte Bedingungen bieten und Voraussetzungen schaffen!

Würde dich gern mal zu diesem Thema persönlich sprechen!

NIKI
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Courage



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BeitragVerfasst am: 07.11.2009, 13:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Niki,

schön, dass du mir zustimmst.
Schreib mal ne PN.
Schönes Wochenende,

Courage (die vielleicht doch wieder mutiger wird)
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Courage



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Beiträge: 84
Bundesland: NRW

BeitragVerfasst am: 07.11.2009, 14:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Niki,

ich habe erst hier geantwortet, und dann deine PN gesehen, gelesen und beantwortet. (Ich arbeite die Benachrichtigungsmails immer von alt nach aktuell ab und habe deine PN also erst später gelesen).
Vielen Dank für deine Fragen,
Courage
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