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Kopie: Legasthenikeranspruch § 27 KJHG "Hilfe zur Erzie

 
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Anmeldedatum: 21.01.2006
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BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 10:35    Titel: Kopie: Legasthenikeranspruch § 27 KJHG "Hilfe zur Erzie Antworten mit Zitat

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GeorgMohr
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Erstellt am 15.02.2005 - 16:43 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo an alle,

ich möchte heute mal auf die "Hilfe zur Erziehung" nach § 27 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) hinweisen, das ein Bundesgesetz ist und deshalb auch in allen Bundesländern gleich gilt.

Die Eltern selbst sind nach dem Grundgesetz zur Pflege, Sorge und Erziehung verpflichtet - so gut sie es können.

Legastheniker brauchen meistens eine Förderung, die weit über Abschreibe- und Diktatübungen hinausgeht. Legasthenikertherapie können normale Eltern nicht leisten. Also brauchen sie in diesem Bereich eine
"Hilfe zur Erziehung" nach KJHG § 27.

Die Hilfepersonen / Therapeuten können Sie sich normalerweise selbst aussuchen, wenn diejenigen die nötigen Qualifikationen nachweisen.

Den Antrag auf Übernahme der Kosten stellen Sie beim Jugendamt.
Dort werden oft Formulare benutzt und von den Angestellten teilweise vorweg ausgefüllt. Des Öfteren wird dort aber "§ 35 a" eingetragen.
Wehren Sie sich dagegen und bestehen Sie auf § 27 - ändern Sie selbst es zur Not von Hand. Warum ?

Wie oben beschrieben geht es bei § 27 um "Hilfe zur Erziehung", insoweit Sie diesen Bereich hochqualifizierter Legasthenikerföderung nicht selbst durchführen können.
Bei § 27 sind Sie, die Eltern, daher auch die Antragsteller. Hier dürfte die Unterschrift eines Elternteiles genügen. Bei der "Vertretung des Kindes durch die Eltern" im Falle des § 35 a werden meistens - für mich fragwürdig - beide Unterschriften verlangt.
Ich kenne Fälle, in denen ein Elternteil die Unterschrift verweigert hat.

Ganz anders sieht es inhaltlich bei Anträgen nach dem in der Vergangenheit vorwiegend versuchten Anspruch nach § 35 a aus:
Förmlich ist dann schon mal das betroffene Kind selbst Antragsteller, vertreten durch seine - beiden - Eltern.
Inhaltlich werden nach § 35a nur Kinder und Jugendliche gefördert, denen eine seelische Behinderung droht oder die schon seelisch behindert sind.

Oft werden dann die durch die Legasthenie hervorgrufenen Angstsymptome und weiteres genannt. Das bescheinigt notwendigerweise ein Arzt, möglichst Psychiater.
Sie werden sich vorstellen, dass die Beschreibung seelischer Behinderungen vielen Eltern peinlich ist, und Sie werden sich auch vorstellen können, dass Bürokraten diesen "inneren" Bereich des Kindes nicht so gut abschätzen können und viel leichter einen Ablehnungsgrung (er-)finden, der Schaden liege nicht genügend vor und Ihr Antrag wird abgelehnt.

Die Vorraussetzung für Anspruch nach § 35a ist also viel höher und weniger genau zu beschreiben als bei Anspruch nach § 27 auf Erziehungshilfe.

Bei § 35 a muss ihr Kind schon einen deutlichen seelischen Knacks haben oder es müssen wenigstens deutliche Symptome für einen baldigen seelischen Knacks bescheinigt werden. Es muss schon fast "in den Brunnen gefallen" sein.
Soweit sollten Sie es ja gar nicht kommen lassen.

Um Anspruch nach § 27 zu haben genügt es, dass z.B. von der Schule oder einer anderen Fachperson die vorhandene Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) / Legashtenie bescheinigt wird und dass die schulischen Förderhilfen nicht ausreichen.

Die Ergebnisse standartisierter Tests wie DRT (Deutscher Rechtschreibtest) sind in der Bürokratie immer gern gesehen, aber nicht nötig. Ich kann auch ohne solche Tests anhand der Klassenarbeiten und sonstigen Schriftstücke anhand von Fotokopien, und falls Lesen auch schwierig ist, aufgrund von Leseproben eine vorhandene Legasthenie klar beschreiben. In Hessen ist nach den LRS-Richtlinien Punkt 4.1 und 4.8 der einzelne normale Deutschlehrer ohne spezielle Zusatzausbildung für die "Erfassung dieser Schülerinnen und Schüler verantwortlich". Nicht die Klassenkonferenz !

Es sei auch hier noch mal betont: zur Feststellung der LRS / Legasthenie kommt es nicht auf eine bestimmte typische Art von Fehlern an, sondern nur und ausschließlich auf die hohe Gesamtzahl der Rechtschreibfehler !!!

Lesen Sie bitte auch hierzu in den Vorschriften Ihres Bundeslandes. (www.legasthenie.net : Schule)

Nach dem KJHG haben Sie bei Vorliegen der Schwierigkeiten einen Anspruch auf die staatliche finanzielle Hilfe. Die Ausrede "kein Geld da" zieht nicht. Dann muss der Staat es sich eben bei denen ausleihen, denen er gerade die Steuern kräftig senkt, den Hochverdienern.

An dieser Stelle möchte ich ein grundsätzliches politisches Problem ansprechen:

Wir Bürger und Wähler können nicht dauernd nach Steuersenkung rufen - vorrangig wird sie den schon Wohlhabenden gegeben (Senkung Höchststeuersatz) - und gleichzeitig die leeren öffentlichen Kassen beklagen, die dann nicht genug Lehrer bezahlen, Schulen nicht ordentlich erhalten und die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfen wie nach dem KJHG nicht aufbringen können. Dass Sie es selbst bezahlen sollen, nennt die "Partei der Besserverdienenden" beschönigend "Sie sollen mehr Selbstverantwortung" bekommen.
Fallen Sie auf solche Parolen noch rein ?
Sie entscheiden bei den Wahlen und schon in politischen Diskussionen vorher.

Mit freudlichem Gruß,
Ihr LRS-Moderator Georg Mohr

[Dieser Beitrag wurde am 15.02.2005 - 16:57 von GeorgMohr aktualisiert]




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"lehren" ist "begleiten beim Lernen"
"erziehen" ist hilfreich begleiten beim Erwachsen-Werden und ist vorrangig vor "Stoff eintrichtern"

bombacigno





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Erstellt am 04.07.2005 - 17:17 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo Herr Mohr,
ich war ja ganz verdutzt als ich eben gelesen habe, daß es auch einen §27 gibt.
Mir war bisher nur der §35a bekannt.

Mein Sohn hat LRS und hat eine Hochbegabung. Alleine diese Kombination ist wirklich schwierig.
Im KiNZ Mainz wurde dies diagnostiziert und uns empfohlen die Förderung nach §35a zu beantragen, die natürlich abgewiesen wurde, da mein Sohn ja nicht behindert ist.
Nun werden wir versuchen mit §27 eine Förderung zu bekommen.
Vielen Dank für die Information.

mfg
Bombacigno



bombacigno





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Erstellt am 07.07.2005 - 14:54 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo Hr. Mohr,
habe soeben mit dem zuständigen Jugendamt telefoniert um mir den Antrag für §27 des KJHG geben zu lassen.
Die zuständige Sachbearbeiterin meinte, daß dieser § nur für schon verhaltensauffällige Kinder wäre (Schulschwänzer, Klauer, Herumtreiber usw.).
Sie hat mich wieder auf den §35a zurückgewiesen.
Als ich ihr erklärte, daß wir den schon mal beantragt haben und abgelehnt worden sind weil mein Sohn ja nicht behindert ist, meinte sie, es wäre nicht Aufgabe des Jugendamtes sondern der Schule zur Förderung von Legasthenikern.
§27 wäre nur eine Hilfe zur Erziehung aber nicht zur Legasthenikerförderung.
Die Frage ist: Was soll ich jetzt tun?
Das Jugendamt fühlt sich nicht verantwortlich und wird meinen Antrag ablehnen.

mfg
bombacigno



Momo86





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Erstellt am 07.07.2005 - 21:03 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Da kann ich weiterhelfen

Aus einem für einen Schützling mal formulierten Widerspruch herauskopiert... verwenden Sie es ein bißchen adaptiert auf Ihren Fall:
Grüßle, Momo


.... beantragen zum anderen hiermit bis zu einer Entscheidung in dieser Sache
Erziehungshilfe nach § 27 SGB VIII , auf die wir als Erziehungsberechtigte in diesem Falle Anspruch hätten, denn nach gängiger Rechtauffassung kommt für die besondere pädagogische und die damit verbundene therapeutische Betreuung eines legasthenen Kindes die Hilfe zur Erziehung ebenfalls in Betracht.

Diese Hilfe zur Erziehung ist zu gewähren, wenn eine dem Wohl des Kindes oder des Jugendlichen entsprechende Erziehung nicht gewährleistet ist und die Hilfe für seine Entwicklung geeignet und notwendig ist (§27 Abs.1 SGB VIII).

Gemäß §27 Abs.2 S. 1 SGB VIII ist die Hilfe zur Erziehung insbesondere nach Maßgabe der §§ 28-35 des Gesetzes zu gewähren. Es handelt sich dabei also um keine abschließende, sondern nur um einen beispielhafte Aufzählung (vgl. u.a. Schellhorn/Wienand, aaO, RdNr. 23 zu §27). Art und Umfang der Hilfe richten sich nach dem erzieherischen Bedarf im Einzelfall.

Eine nähere Konkretisierung nimmt das Gesetz nicht vor, um nicht bestimmten Zuschreibungsprozessen (wie etwa Verwahrlosung oder Entwicklungsstörung) Vorschub zu leisten; vielmehr soll mit der Wahl des Begriffs Kindeswohl die Entwicklung bis zu einem gewissen Grad offengehalten werden (VGH Bad.Württ., Urt. V. 29.05.95 ?7 S 259/94-, ESVGH 45, 292 f).
In o.g. Urteil ist weiterhin ausgeführt:

???Für den Rechtsanspruch auf Erziehungshilfe ist deshalb nicht mehr- wie unter Geltung des Jugendwohlfahrtsgesetzes- Voraussetzung, dass die familiäre Erziehung defizitär ist, sondern es wird generell auf Defizitsituationen abgestellt. Entscheidend ist also, ob das, was für Sozialisation, Ausbildung und Erziehung des Kindes oder Jugendlichen erforderlich ist, tatsächlich vorhanden ist.

Dessen Wohl ist demnach dann nicht (mehr) gewährleistet, wenn die konkrete Lebenssituation durch Mangel (z.B. an pädagogischer Unterstützung oder an Ausbildungsmöglichkeit) oder soziale Benachteiligung gekennzeichnet ist und das Sozialisationsfeld des Minderjährigen nicht in der Lage ist, aus eigenen Kräften diese Mangel- und Defizitsituation abzubauen und deshalb erzieherische Hilfsbedürftigkeit besteht.
Gemäß §27 Abs. 3 SGB VIII umfasst Hilfe zur Erziehung insbesondere die Gewährung pädagogischer und damit verbundener therapeutischer Leistungen. Sie soll bei Bedarf Ausbildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen i.S.d. §13 Abs. 2 einschließen. Diese Formulierungen sind erst in den Ausschussberatungen auf eine Anregung des Bundesrats hin eingefügt worden, weil auf die pädagogischen und therapeutischen Hilfeleistungen als wesentliche Bestandteile der verschiedenen Hilfearten nicht verzichtet werden dürfe.
Die Hilfe zur Erziehung soll bei Bedarf generell auch Ausbildungs- und Beschäftigungsmaßnahmen einschließen, unabhängig davon, ob sie in ambulanter, teilstationärer oder stationärer Form gewährt wird. Zu den pädagogischen Leistungen zählen alle Hilfeleistungen und ?maßnahmen, die direkt oder indirekt auf die Entwicklung der Persönlichkeit des Kindes oder Jugendlichen einwirken und seiner Entwicklung zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit im Sinne der allgemeinen Aufgaben- und Zielvorstellungen des §1 SGB VIII dienen.
Im Rahmen der pädagogischen Leistungen ist die zur Zielsetzung notwendige Therapie zu wählen; mit dieser kann es notwendig sein, neben pädagogischen Fachkräften auch andere Fachkräfte wie Psychologen und Ärzte einzubeziehen.?

Sie als Jugendamt und damit auch REHA-Träger stellen berechtigterweise hohe fachliche Anforderungen an die mit Ihnen zusammenarbeitenden Institutionen wie z.B. auch die Lerntherapeutischen Praxen. Wir als Eltern haben sicher nicht die Ausbildung, eine entsprechende pädagogisch ausgerichtete Therapie selbst zu leisten. Insofern wäre hier eine Hilfeleistung nach § 27 nötig und möglich, sofern Sie sie nach § 35a wiederum abschlägig bescheiden. Wir bitten Sie also, Ihrer Pflicht gegenüber dem Kind nachzukommen.

Für weitere Auskünfte, Nachfragen und Gespräche stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.
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