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Petra Litzenburger



Anmeldedatum: 20.01.2006
Beiträge: 669
Bundesland: Saarland

BeitragVerfasst am: 23.02.2008, 13:07    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Abschiebungen

UN-Beauftragter fordert Schutz von Schülern

VON JEANNETTE GODDAR



Der UN-Sonderbeauftragte für das Recht auf Bildung, Vernor Muñoz, hat die Bundesregierung aufgefordert, die Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen lückenlos umzusetzen. Der seit 1992 bestehende Vorbehalt verstoße klar gegen das Menschenrecht auf Bildung, erklärte Muñoz am Donnerstagabend vor dem Bildungsausschuss des Bundestages.

Dass die Kinder von Flüchtlingen "in erster Linie vor ihrem Migrationshintergrund und erst in zweiter als Kinder betrachtet werden", sei "pervers". Hintergrund ist, dass die Bundesregierung unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen kein besonderes Schutzrecht zuerkennen will - und so auch Kinder, die in der schulischen Ausbildung stecken, abgeschoben werden können.


Fortschritte attestierte der UN-Vertreter in der Schulstrukturfrage: Dass Hamburg, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz ein zweigliedriges Schulsystem einführen wollten, seien wichtige Schritte. Muñoz stellte auch klar, dass er eine offizielle Antwort auf seinen 2007 vorgelegten überaus kritischen Bericht über das Recht auf Bildung in Deutschland erwartet: "Solche Dinge brauchen ihre Zeit", erklärte er, "aber natürlich erwarte ich, dass auf meine Berichte reagiert wird." Weder Bundesregierung noch Kultusministerkonferenz haben das bisher getan.

Im Zentrum der Anhörung stand der deutsche Sonderweg, behinderte Kinder getrennt zu unterrichten. "Kinder mit Behinderungen gehören in normale Schulen", sagte Muñoz, "ich fürchte, dass der Weg dorthin in Deutschland noch sehr weit ist."


Eine Parallelgesellschaft

Bundesweit besuchen mehr als 400.000 Schüler mit Behinderungen, Lernstörungen und Verhaltensauffälligkeiten sogenannte Förder- oder Sonderschulen. Karin Evers-Meyer, Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, bestätigte: "Der Besuch einer Sonderschule führt zu 90 Prozent in eine Werkstatt für beschützte Arbeit. Das ist keine Integration, sondern eine Parallelgesellschaft."

Für die SPD forderte Ernst-Dieter Rossmann, auch die Vereinten Nationen sollte sich Bildungsfragen stärker widmen. In Anspielung auf den Klimagipfel fragte er: "Wann gibt es ein Bildungs-Kyoto, Herr Muñoz?" Die Abgeordneten von CDU und CSU blieben der Anhörung allesamt fern.


Quelle: http://www.fr-online.de/in_und_ausl....a48cb0&em_cnt=1292797
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Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 23.02.2008, 15:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

auch interessant ist das Interview mit Munoz vom 21.2. in der FR:
Zitat:
UN-Berichterstatter im Interview
Menschenrechte werden überall verletzt


Herr Muñoz, Ihr Bericht über die Verletzung von Menschenrechten in Zusammenhang mit Bildung hat in Deutschland nicht nur Begeisterung ausgelöst. Gibt es eine offizielle Antwort darauf?

Nein, ich habe sie auch nicht angefordert. Wenn jemand im Bereich Menschenrechte arbeitet, ist er Angriffen ausgesetzt. Ich habe objektive, transparente Arbeit geleistet. Hätte ich keine kritische Position eingenommen, wäre das einfach, aber nutzlos gewesen.
Ist ihr Bericht für Veränderungen genutzt worden?

In Deutschland wird Bildung gelebt. Man nimmt das Thema ernst. Es gab Antworten auf die öffentliche Diskussion.

Mitunter scheint der Druck so groß zu sein, dass die Politik zu Schnellschüssen tendiert und - wie bei der Verkürzung des Abiturs am Gymnasium - nachbessern muss. Wäre es nicht sinnvoller, innezuhalten und dann Reformen einzuleiten, die auch zu Ende gedacht sind?

Natürlich müssen Lehrpläne sinnvoll ausgearbeitet sein, bevor sie umgesetzt werden können. Sie sollten aber auch nicht nur akademischer Natur sein. Bildungssysteme, die das Spielen, die Kreativität, Zuwendung und Bildung für den Alltag nicht berücksichtigen, sind defizitär.

Sie haben die Diskriminierung in Deutschland angeprangert. Was empfehlen Sie?

Ich habe Deutschland nie unterstellt, absichtlich zu diskriminieren. Aber es gibt Herausforderungen. Die frühe Selektion und die Segregation sind solche. Aber: Bund und Länder sind sich der Situation bewusst und sitzen nicht nur mit gekreuzten Armen da.

Ein Plädoyer für längeres gemeinsames Lernen?

Das ist ein heikles und kontroverses Thema. Ich habe vorgeschlagen, die Politik des frühen Selektierens zu überdenken. Sie bedeutet, die Entwicklung von Kindern sehr früh festzulegen. Problematisch ist das auch, weil Lehrer häufig nicht über die Qualifikation verfügen, zu entscheiden, an welche Schule ein Kind wechseln soll.

Mit der Abkehr vom gegliederten Schulsystem tut sich Deutschland aber schwer ?

Es muss zur Kenntnis genommen werden, dass in Deutschland der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg so groß wie in keinem anderen europäischen Land ist. In Gymnasien sind Kinder mit Migrationshintergrund völlig unter-, in der Hauptschule überrepräsentiert. Interessant wäre eine Untersuchung der Folgen der Schulstruktur. Vergessen dürfen wir auch nicht die Kinder mit Behinderung. Auch sie sind in den Regelschulen viel zu wenig integriert.

Wie könnten die Menschenrechte im bestehenden System stärker geachtet werden?


Man könnte für Kinder mit Behinderung architektonische Barrieren abbauen. Das erfordert eine Veränderung des Bewusstseins.

Sie fordern eine andere Einstellung zum Kind?

Die Einstellung zum Kind ist nicht nur ein Problem der Dritten Welt. Die Schaffung einer Gesellschaft, in der das Bemühen, sich um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern, als Wert zählt, ist nirgendwo eine abgeschlossene Aufgabe.

Wenn man die Situation in Deutschland mit der etwa in China, Uganda oder der Türkei vergleicht, sind Menschenrechtsverletzungen hierzulande dann wirklich ein Thema?


Es gibt kein Land ohne Menschenrechtsverletzungen. Der Unterschied liegt nur in der Intensität und der Frage, wie und wo sie vorkommen.

Das Ansehen der Lehrer hat in Deutschland gelitten. Sind die Pädagogen Opfer oder Täter?

Sie sind beides. Einerseits könnten sie von sich aus stärker integrativ arbeiten. Aber es stimmt auch, dass sie in vielen Fällen ungerecht behandelt werden. Sie sollen vielschichtige Probleme lösen, verfügen aber nicht über die entsprechenden Mittel. Lehrer können nicht die Aufgaben der Politik übernehmen. Wenn diese nicht handelt und nicht eine stärkere Integration von Migranten und von Kindern mit Behinderung fördert, können Lehrer das auch nicht.

Sollte der Bund mehr Mitsprache in der Bildung haben?

Vielleicht könnte er direkter handeln und so Gefälle ausgleichen. Aber der Föderalismus hat auch Vorteile. Bildung wird nicht nur von oben beschlossen, sondern es werden Antworten auf Probleme vor Ort gesucht. Sinnvoll ist aber eine große, klare Linie.

Was passiert, wenn sich in Deutschland in punkto Menschenrechte nichts tut?

Man geht davon aus, dass mein Bericht in den Ländern genutzt wird. Ich bin kein Polizist oder Richter.

Interview: Stephan Lüke

Zur Person
Vernor Muñoz schockte vor zwei Jahren die Bildungspolitik. Der UN-Sonderbericht-erstatter, der weltweit die Umsetzung des Menschenrechtes auf Bildung überprüft, tat dies auch in Deutschland. Muñoz kritisierte nach einem Besuch vor Ort das dreigliedrige Schulsystem, das vor allem Kinder aus sozial schwachen und zugewanderten Familien benachteiligt. 2007 legte er den Vereinten Nationen seinen Deutschlandbericht vor. Derzeit ist er wieder zu Gast. Nach der Didacta besucht er heute den Kongress "Arbeitsplatz Bildung" in Essen.
http://www.fr-online.de/in_und_ausl....g/aktuell/?em_cnt=1291490

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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