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Die Gewalt an Schulen hat eine neue Dimension erreicht ...
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 04.09.2006, 07:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo NightRunner,

du schreibst:
Zitat:
"Heute haben wir Platzwunden von Eisenstangen und Steinen, Knochenbrüche von Stiefeln oder Baseballschlägern, Stichverletzungen von Springmessern, und zum bösen Schluss noch die Krönung: Schussverletzungen. [...] ergo: Die Gewalt hat zugenommmen."


Wo ist dir denn diese Art der Gewalt begegnet?

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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Braunauge



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BeitragVerfasst am: 04.09.2006, 13:08    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Wo ist dir denn diese Art der Gewalt begegnet?


Meinem Sohn ist diese Gewalt begegnet u. zwar ausgehend von Grundschülerinnen im Alter von 9-11 Jahren. L. wollte sich von dieser Mädchenclique nich länger quälen lassen und setzte sich vegement zur Wehr (passiert während der Pausenzeit). Folgen : tellergroße Bisswunde am Oberarm , Prellungen am Brustkorb, blaue Flecke am Rücken u. Beinen u. tiefblaues Gesäß . Diese Geschehnisse wurden aber schon in der Schule geklärt. Leider hielt das die Mädchen nicht auf , meinen Sohn in der Freizeit mit einer Eisenstange zu bedrohen (Racheakt) . Ihm gelang Gott sei Dank die Flucht. Ich möchte mir gar nicht vorstellen wie das hätte enden können.

Gewalt wird also auch bei den Mädchen viel heftiger ausgeführt wie noch früher. Da ist nix mehr mit Haareziehen und kneifen.

Allgemein scheint es überhaupt keinen "Ehrenkodex" mehr bei den Kids zu geben, wann man von seinem Gegener abzulassen hat. Bei uns war das früher ein einfacher Satz wie "Ich ergebe mich " oder aber spätestens dann wenn nur ein bischen Blut floss . Auch wenn vom Gegner keine Gegenwehr mehr zu erwarten war.

Den Jungen meiner Freundin haben Sie vor der Schule zusammengetreten obwohl er schon wehrlos am Boden lag. Ein Krankenhausaufenthalt war umungänglich. An einem anderen Tag wurde er vor der Schule mit Schnappmessern bedroht u. mit Hakenkreuzen bemalt.

Der Junge einer anderen Mutter musste fast 9 Stunden in einem geschlossenen Müllcontainer verbringen, weil Schüler in dort einsperrten. Das bei 30 Grad Außentemeperatur.

Ich hätte noch reichlich von diesen Geschichten..... lass es aber mal gut sein.

Gewalt gab es schon immer an den Schulen u. auch Mobbingopfer. Wahrscheinlich ist es wirklich nich mehr wie früher , aber die Form der Gewalt hat sich verändert. Eine Frau die in einer Grundschule in der Betreuung arbeitet sagte mir , das sie es auch sehr erschreckend findet das kaum noch ein Unrechtsbewusssein bei den Grundschülern vorhanden ist. Dort wird lustig darüber gesprochen wen man dann morgen mal vermöbelt oder piesakt .
Auch hier hat die Schule reagiert . Aber ob das bei den Kids auch wirklich was bringt ist fraglich ?

LG Braunauge
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NightRunner



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BeitragVerfasst am: 08.09.2006, 20:48    Titel: wo ist mir diese Gewalt begegnet Antworten mit Zitat

Am Ende meiner Schulzeit (1988/1989) , bei den 16 - 19 - jährigen ist damals der Bruder eines Mitschülers vor einer Diskothek erstochen worden, einem anderen Mitschüler ist aus Versehen in den Fuß geschossen worden (So ein Schuss kann sich eben auch mal ganz aus Versehen lösen, besonders auf dem Schulhof) und ein paar fehlgeleitete Judoka haben Wurftechniken so modifiziert, dass der Gegner keine Chance mehr hatte sich abzurollen, sondern mit dem Kopf aufschlagen mußte.


Heute sind die betreffenden weitaus jünger und Du mußt nur die Zeitung aufschlagen. Oder geh mal in einer Großstadt zu bestimmten Tageszeiten die Wege, die Schüler auf dem Weg von oder zur Schule gehen. Das reicht schon.
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Doris Carnap
Moderatorin


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BeitragVerfasst am: 10.09.2006, 08:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Nightrunner,
Zitat:
NightRunner: Heute sind die betreffenden weitaus jünger und Du mußt nur die Zeitung aufschlagen.

Und den Fernseher anschalten...Darum geht es mir, um den Unterschied zwischen Horrormeldungen in Zeitungen und Fernsehen, die uns sagen, die Gewalt habe zugenommen und die Ergebnisse der Untersuchungnen, die sagen es gibt keine derartige Zunahmen. Ich kritisiere die Berichterstattung der Medien, die allen Angst macht. Ihr Anliegen ist klar, sie wollen nicht informieren, sondern Geld verdienen!

Bei dieser Diskussion geht es um die Annahme, die Gewalt der Schüler untereinander habe zugenommen, habe sogar eine "neue Dimension erreicht". Alle Studien bis etwa 2002 sagen eindeutig: nein, die wirklichen Gewalttaten haben nicht zugenommen. Die Zahl der gemeldeten Delikte allerdings schon - heute werden verbale Ausraster schon als Gewalt betrachtet. Und wenn was Schlimmes geschieht, geht es im Gegensatz zu früher durch alle Zeitungen und Fernsehsender. Auch früher gab es gelegentlich schreckliche Taten, aber die Information darüber gab es nur in der örtlichen Zeitung und heute erfährt man diese Grausamkeiten in ganz Deutschland.

Was alkoholisierte Jugendliche nachts vor einer Disko machen, zähle ich nicht zur Gewalt in Schulen. (Ich mache mir aber Gedanken über die Ursachen.) Und ich sehe auch einen Unterschied, ob mit einer Eisenstange gedroht wird, wie Braunauge berichtet (was sicher schlimm ist!) oder ob tatsächlich eine Platzwunde durch eine Eisenstange geschlagen wurde.

NightRunner, du schreibst im Beitrag vom 3.9. "Zu meiner Zeit beschränkte sich der Schaden, den ein Schüler davontragen mußte, auf blaue Flecken, die von Fauststößen herrührten... ergo: Die Gewalt hat zugenommen" und im Beitrag vom 8.9. berichtest du von einem außerschulischen Ereignis zum Ende deiner Schulzeit, (... ist damals der Bruder eines Mitschülers vor einer Diskothek erstochen worden) und von einem Schuss in den Fuss eines Mitschülers - geschah das damals in der Schule?

Innerhalb welchen Zeitraums hat die Gewalt nach deiner Einschätzung zugenommen?

Doris
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Braunauge



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BeitragVerfasst am: 10.09.2006, 14:26    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
oder ob tatsächlich eine Platzwunde durch eine Eisenstange geschlagen wurde.


Sollte mein Sohn stehen bleiben um das zu testen ? Wenn er nicht das Gefühl gehabt hätte , das die Lage ernst war , wäre er wohl nicht geflohen .

Übrigends ist das unter Erwachsenen sehr wohl ein Straftatbestand jemanden mit einer Eisenstange zu bedrohen .

Also bitte , wo fängt für Dich Gewalt an u. was ist noch akzeptabel ?
Für mich ist die Drohung mit einer Eisenstange genauso wenig akzeptabel , wie wenn mich ein Erwachsener "nur" mit einem Messer bedroht aber letztendlich nicht zusticht .

Sorry ich kann Deine Ansichten überhaupt nicht nachvollziehen.
Man muss schon irgendwo eine STOP-GRENZE ziehen um Unrechtsbewusstsein zu lehren. Wie gesagt : Erst isses eine Eisenstange später eine Schusswaffe . Mit beidem kann man nur drohen . In der Gruppe lässt man sich auch schneller zu etwas verleiten, ohne vorher die Konsequenzen bedacht zu haben.

Meine Erlebnisse sind nicht aus den Medien. Die Erlebnisse die mir von anderen Eltern berichtet wurden auch nicht. Alles keine neue u. gefährlichere Form von Gewalt ?

Doris ich war als Kind auch auf einer Schule an der Gewalt sehr oft anzutreffen war. Dennoch musste nie jemand um sein Leben fürchten oder gar mit schweren Verletzungen ins Kh eingeliefert werden. Es gab diesen Ehrenkodex - irgendwie gab es da immer diese gewisse STOP-GRENZE .

Wie gesagt , für mich ist das heute gefühlte härtere Gewalt . Auch der Umgang unter den Kids ist verbal viel rauher geworden.

LG Braunauge
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Doris Carnap
Moderatorin


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BeitragVerfasst am: 12.09.2006, 08:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Braunauge,

die einzelne Tat bleibt doch unakzeptabel, auch wenn die "gesamtgesellschaftliche" Einschätzung eine andere ist, denn nur darum geht es mir!

Ich suche nach einer Erklärung, was wirklich los ist, wenn es zu Entgleisungen kommt. Sind daran die aus unerklärlichen Gründen brutaleren Kinder Schuld? Oder kann das auch mit dem größeren Druck in der Schule zu tun haben? Oder ist die Wahrnehmung heute eine andere?

War früher das übliche 'Mobbing' in der Schule überhaupt ein Thema oder wurde das strenge Bestrafen von Abweichung nicht eher als 'normal' betrachtet? Mir fällt es schwer zu glauben, dass man zu Zeiten in denen die Kinder (Jungen) in der Schule verprügelt wurden (das habe ich noch erlebt) und manche sogar noch zu Hause, soviel sensibler gewesen sein soll.

Heute sieht man doch bei den Migranten einen Zusammenhang mit ihrem Verhalten und ihrer zum Teil noch sehr strengen Erziehung, in den Familien ist es immer noch üblich, dass Kinder geschlagen werden. Sollte das damals bei uns wirklich anders gewesen sein?

Doris
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Braunauge



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BeitragVerfasst am: 12.09.2006, 21:52    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich suche nach einer Erklärung, was wirklich los ist, wenn es zu Entgleisungen kommt. Sind daran die aus unerklärlichen Gründen brutaleren Kinder Schuld? Oder kann das auch mit dem größeren Druck in der Schule zu tun haben? Oder ist die Wahrnehmung heute eine andere?


Nein, ich glaube nicht das wir Eltern heute sensibler sind wie früher .

Ich gaube die Ursachen sind eine Mischung aus vielen unterschiedlichen Negativeinflüssen. Kinder sind sich heutzutage viel öfter selbst überlassen , da meist beide Elternteile arbeiten müssen oder das Elternteil alleinerziehend ist. Hier fehlt vielen Kindern wohl oft der direkte "vertraute" Ansprechpartner für Probleme. Dann spielen noch die Medien eine große Rolle . Wenn ich mir so ansehe was Mittags schon in den Sendern läuft gruselt es mich oft. Da ist Gewalt in jeglicher Form an der Tagesordnung. Die Sprache/Kommunikation in vielen Sendungen nur noch Gassenjargon der übelsten Art. Nun sitzen oben beschriebene Kinder noch zusätzlich , mittags unbeaufsichtigt vor diesen "lehrhaften" Programm. Shocked Wie nehmen Kinder das wohl auf ? Wie verarbeiten sie diverse gewaltsame Szenen ? Mische ich mal weiter : Abends kommen dann die Eltern u. das Kind zeigt die vermasselte Klassenarbeit. Eltern schimpfen , hauen ? , drängen das Kind zu besseren Leistungen usw. Das Ganze aber ohne dem Kind weitere Hilfe anzubieten. Das Kind ist wieder allein. Mit seinem Frust u. seiner Angst u. viel Wut im Bauch. In der Schule gibt es dann mit viel Pech noch mehr Druck von den Lehrern , das straffe Lehrpensum ohne Rücksicht auf Verluste , der Druck des bevorstehenden Schulwechsels usw. usw.
Gaaaaaaanz viel Druck aber kein Ventil ..................... wohin damit ?
Zuhauen als Ventil ?

Das mag vielleicht nicht immer der Grund sein, aber ich denke schon das Kinder heute mehr unter Druck stehen wie zu unserer Zeit.

LG B.
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Erika
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BeitragVerfasst am: 12.09.2006, 22:07    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

nur wenige Menschen interessieren sich dafür, warum jemand aggressiv oder gewalttätig geworden ist. Doris, ich finde es gut, dass dich die Ursachen interessieren. Ich sehe es als gesellschaftlichen Mangel an, dass Gewalttäter lediglich bestraft und ausgesondert werden. Dadurch wird NICHTS besser - eher schlimmer. Dieser Artikel hat mir gefallen: http://www.mobbingwerkstatt.de/portal/ErfurtGewalt/erfurt.htm

Ausschnitt:

Zitat:
Ich glaube, dass jeder von uns zu einem Mord fähig ist, wenn der entsprechende Auslöser bzw. Verletzung gegeben ist. Es gibt in unserer Gesellschaft so viel versteckte, psychische Gewalt, Gewalt, die man oft nicht einmal gleich klar benennen kann. Mich wundert es nicht, wenn einige Menschen diesen psychischen Druck nicht mehr aushalten und in einer solchen Form ausrasten.


Mein Sohn ist zwar kein Gewalttäter in dem Sinne gewesen - allerdings hatte er in der 2. Klasse im Zeugnis stehen "er tut anderen bewusst weh". Dafür könnte ich die Lehrerin heute noch würgen. Mein Sohn ist ein sehr sensibler, harmoniebedürftiger Mensch. Einige Eigenarten, die in Lehreraugen nicht der der Norm entsprachen, haben Lehrer dazu veranlasst, ihn bloßzustellen, ihn rauszuschmeißen und zu demütigen. Das war auch für die Kinder ein Freibrief zum Abschuss - sozusagen. Seine Reaktion war Aggression.

Wie du schon richtig angedeutet hast, Doris, hat Aggression meiner Meinung nach auf jeden Fall auch sehr viel mit Druck in der Schule zu tun. Aber bekanntlich spielen oft mehrere Faktoren eine Rolle.

Mein Sohn hatte ein Kiss-Syndrom (HWS-Syndrom). Die Folge waren noch vorhandene frühkindliche Reflexe. Er ist damit kein Exot - es wimmelt nur so von Gleichgesinnten. In seiner jetzigen Klasse gibt es vier betroffene Kinder - drei behandelt - einer nicht (hat eine Ärztin als Mutter, die es besser weiß) U.a. gibt es einen Moro-Reflex, der dafür sorgt, dass der Betroffene ständig in Alarmbereitschaft ist. Diese Menschen fühlen sich sehr schnell bedroht. Eine instabile HWS löst u.a. Sympathicusstress aus - einer der Folgen ist Vitamin- und Mineralstoffmangel, u.a. B6. B6 ist u.a. beteiligt am Serotoninspiegel. Seitdem ich mich neuerdings mit dem Thema Ernährung näher auseinandersetze, frage ich mich, ob nicht ganz viel Krankheit, psychische wie physische Probleme, Lernstörungen, Gewalt und mehr an unserer heutigen Ernährung liegen? Ich frage mich nicht nur, ich bin schon ziemlich überzeugt davon. Kürzlich habe ich über eine Studie gelesen, nach der 70 bis 80 % der Strafttäter nach Verabreichung von Vollwertkost nicht wieder straffällig geworden sind.

Viele Grüße
Erika
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In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und abgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.

(A. Jean Ayres)
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 14.09.2006, 09:49    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
Zitat:
Braunauge: Nein, ich glaube nicht das wir Eltern heute sensibler sind wie früher.

Natürlich sind es nicht alle Eltern, das hat etwas mit der Schicht zu tun, aus der die Menschen kommen. Und Lehrer kommen zum guten Teil selbst aus der Mittelschicht und häufig aus Beamtenfamilien, deswegen reagieren die Lehrer und Schuleiter sozialisationsbedingt auch wesentlich sensibler auf Gewalt.
Zitat:
Braunauge: Kinder sind sich heutzutage viel öfter selbst überlassen , da meist beide Elternteile arbeiten müssen oder das Elternteil alleinerziehend ist. Hier fehlt vielen Kindern wohl oft der direkte "vertraute" Ansprechpartner für Probleme.

In meiner Kindheit waren die meisten Mütter berufstätig. Selbst in dern 70er Jahren als ich aufs Gymnasium ging, das damals noch eher von Kinder aus der Oberschicht besucht wurde, kann ich mich nur an eine einzige Mutter im Freundeskreis erinnern, die nicht berufstätig war! Das ist doch heute ganz anders! Viel mehr Mütter sind heute zu Hause und unterstützen ihre Kinder bei den Hausaufgaben und entlasten die Lehrer. Und da wo die Mütter nicht da sind, wird die Mithilfe von den Lehrern schmerzhaft vermisst!
Wir waren früher auch uns selbst überlassen, allerdings nicht allein vor der Glotze, sondern auf der Straße in einer Gruppe Gleichaltriger und diese Sozialisation fehlt heute den meisten Kindern, denn die Straßen gehören heute den Autos.

Zum Thema "Das bürgeliche Familienideal" gibt es eine Vorlesung von Peter Kraft (Uni Bielefeld), er fragt sehr kritisch:
Zitat:
"Warum werden heutige Zustände immer mit den damaligen verglichen (Steigerungsraten von Scheidungen, von nicht-ehelichen Kindern, von Alleinerziehenden usw. beziehen sich immer auf die "Tiefststände", die in der Adenauer- und Nach-Adenauerzeit zu beobachten waren)? Warum werden solche selbstbestimmten, von Frauen (mit)bestimmten Lebensformen bzw. Lebensverläufe so oft (und offensichtlich z.T. unbegründet) mit defizitären Folgen gekoppelt? Wer betreibt eigentlich dieses "Geschäft" (einer Restauration mit dem Ziel der Wiedereinsetzuung der drei K's) und warum finden solche Behauptungen z.B. in der Lehrerschaft soviel Zustimmung?[...]
Der derzeitige Wandel, den einige Autoren als "Verfall der Familie" beklagen, sollte daher auch weniger negativ als "zunehmende Pluralisierung der Lebensformen" beschrieben werden - und dies ist in demokratisch verfaßten Gesellschaften eine Normalität, der sich auch die bundesdeutsche Gesellschaft langsam nähert." http://www.prof-kraft.de/familie/text_2.htm

In einer anderen Vorlesung "Die Mär vom Geburtenrückgang und der Mythos von der Vorherrschaft der Ein-Kind-Familie" setzt sich Peter Kraft mit dem Thema der veränderten Kindheit auseinander:
Zitat:
Rezeption neuerer Kindheitsforschung durch die Lehrerschaft
Die Ergebnisse der Kindheitsforschung und die Diskussionen um die veränderte Kindheit dürften vor allem deshalb in den Schulen auf so viel Resonanz gestoßen sein, weil hier den Lehrerinnen und Lehrern plausible Erklärungen für die zunehmenden Schwierigkeiten, die sie in den vergangenen Jahren mit den Kindern hatten, geliefert wurden: Die Familienverhältnisse, die Berufstätigkeit der Mütter, der Medienkonsum, die reduzierten Bewegungserfahrungen, der "Terminkalender" der Kinder etc. schienen und scheinen immer noch die Ursachen aller Übel um Unterricht zu sein! Es wurde durch diese Studien offensichtlich, daß es vor allem diese außerschulischen Erfahrungen der Kinder sind, die den Lehrerinnen und Lehrern die Wahrnehmung ihrer eigentlichen pädagogischen Aufgabe erschweren. Diese sehen sie vor allem darin, möglichst allen Kindern den Stoff zu vermitteln, der ihnen durch den Lehrplan vorgegeben ist. Immer mehr Kinder reagieren mit Abwendung, Gleichgültigkeit, Unruhe, Störung oder gar Aggression im Unterricht - auch wenn die Lehrerinnen und Lehrer ihn noch so gründlich vorbereiten und planen, wie sie es in ihrer Ausbildung gelernt haben. Diese Lehrerinnen und Lehrer, die in den 60er und 70er Jahren ausgebildet wurden - und das dürften ca. 70 % der heute unterrichtenden Pädagogen sein - sind auf zumeist frontal geführten lehr- und lernzielorientierten Unterricht vorbereitet worden[...]
Immer mehr Kinder benötigen und fordern die individuelle Aufmerksamkeit der Lehrerinnen und Lehrer; von vielen KollegInnen wird Unterricht vor allem als "gestörter Unterricht" wahrgenommen, da er immer wieder durch unangemessene Reaktionen einzelner Kinder unterbrochen wird. Denn kennzeichnend für die veränderten Probleme der Lehrer mit ihren Schülern ist, daß nicht so sehr Intelligenzdefizite, sondern eher die Verhaltens- und Aufmerksamkeitsprobleme vieler SchülerInnen das Unterrichten erschweren...
Man kann zusammenfassend festhalten, daß die sozialwissenschaftlich ausgerichtete empirische Kindheitsforschung der 80er Jahre die Wahrnehmung der Lehrerinnen und Lehrer gegenüber den Veränderungen in der Lebenswelt der Kinder und damit für Probleme, die Kinder in der Schule haben und machen, geschärft hat. Das Selbstverständnis der Lehrer wurde allerdings nicht wesentlich verändert, denn als Verursacher für die Verhaltensauffälligkeiten der Kinder werden weiterhin die familialen und gesellschaftlichen Einflußfaktoren haftbar gemacht und als Ursachen externalisiert
http://www.prof-kraft.de/mythos/text.htm

Ich denke aus der Diskrepanz zwischen dem was Kinder heute benötigen und dem was Lehrer aufgrund ihrer unzureichenden Ausbildung immer noch nicht bieten können, geraten die Kinder sehr unter Druck und auch dieser Druck ist es, der zu Entgleisungen führen kann!

Hartmut von Hentig fordert seit vielen Jahren, dass die Schulen anders werden müssen, weil die Kinder anders geworden sind! Auf diese Veränderung wurde in anderen Ländern schon vor langer Zeit reagiert.

Doris
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NightRunner



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BeitragVerfasst am: 16.09.2006, 21:59    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:


Innerhalb welchen Zeitraums hat die Gewalt nach deiner Einschätzung zugenommen?

Doris


Sie nimmt ständig zu. Ich brauche keine Medien, um das zu wissen.
Der erwähnte Schuss fiel nicht in der Schule, sondern vor der Schule. Die Entwicklung, die ich dort beschreibe, bezieht sich auf einen Zeitraum von ca. 5 Jahren (1985 bis 1990)

Dass das erste Mal Lehrer erschossen wurden, kam meines Erachtens nach später, allerdings nachdem eine regelrechte Mode in Sachen Schußwaffen oder aber zumindest Shuriken und Butterfly-Messer in der Schule aufkam.

Ich halte das keinesfalls für einen Medien-Gag, immerhin war ich in meinen letzten Schultagen noch life dabei.
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NightRunner



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BeitragVerfasst am: 16.09.2006, 22:05    Titel: Antworten mit Zitat

Doris Carnap hat Folgendes geschrieben:
Hallo Braunauge,

die ...

Heute sieht man doch bei den Migranten einen Zusammenhang mit ihrem Verhalten und ihrer zum Teil noch sehr strengen Erziehung, in den Familien ist es immer noch üblich, dass Kinder geschlagen werden. Sollte das damals bei uns wirklich anders gewesen sein?

Doris


Ich denke, es hat einerseits mit der veränderten Erziehung durch viel zu oft "anderweitig beschäftigter" Eltern und mit der Überforderung alleinerziehender Mütter zu tun, die dem Irrglauben erliegen, sie könnten einen Vater ersetzen. Hinzu kommt die Situation von sozial benachteiligten Familien und häufig damit einhergehende Suchterkrankungen.

Die Respektlosigkeit dem Kind und dem Menschen gegenüber, die manche Lehrer an den Tag legen, sorgen dann für den Rest.
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NightRunner



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BeitragVerfasst am: 16.09.2006, 22:11    Titel: Antworten mit Zitat

Braunauge hat Folgendes geschrieben:
Dann spielen noch die Medien eine große Rolle . Wenn ich mir so ansehe was Mittags schon in den Sendern läuft gruselt es mich oft. Da ist Gewalt in jeglicher Form an der Tagesordnung. Die Sprache/Kommunikation in vielen Sendungen nur noch Gassenjargon der übelsten Art.


Ich halte es für eine Farce, dass Medien daran Schuld sein sollen, das ist nur eine verantwortungslose Ausrede.
Ich bin mit Filmen wie Rambo, Terminator, Executer, Das Ende, Muttrertag, Tanz der Teufel und Gesichter des Todes großgeworden und trotzdem nicht gewalttätig.

Was damals die Filme waren sind heute Videospiele - Als damals ein 14-jähriger eine Lehrerein erschossen hat, war das groß in der Diskussion. Vollkommener Schwachsinn, wenn ihr mich fragt - letztendlich ist die Art und Weise wie ein Kind solche Bilder verarbeitet eine Sache der Erziehung und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Kind.

Und mir gehen diese Ausreden tierisch auf den Wecker.
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Braunauge



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BeitragVerfasst am: 17.09.2006, 01:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich halte es für eine Farce, dass Medien daran Schuld sein sollen, das ist nur eine verantwortungslose Ausrede.


NightRunner , das habe ich so auch nicht geschrieben wenn Du noch mal genau nachliest . Ich sprach von einer fatalen Mischung mehrerer Negativumstände.

Zitat:
ch bin mit Filmen wie Rambo, Terminator, Executer, Das Ende, Muttrertag, Tanz der Teufel und Gesichter des Todes großgeworden und trotzdem nicht gewalttätig.
Wie alt warst Du da ? Ich kenne Grundschüler die sich schon solche Filme angeschaut haben. Das kann es ja wohl nicht sein. Ich glaube nicht das man das in dem Alter schon vernünftig verarbeiten kann.

Zitat:
letztendlich ist die Art und Weise wie ein Kind solche Bilder verarbeitet eine Sache der Erziehung und der intensiven Auseinandersetzung mit dem Kind.
Richtig ! Man darf Kinder mit gewissen Eindrücken , neuen Erlebnissen (auch mit Gewalt) nicht allein lassen . Nur nehmen sich viele Eltern dafür gar nicht mehr die Zeit . Deswegen fatale Mischung.

Zitat:
Und mir gehen diese Ausreden tierisch auf den Wecker.
Das finde ich zu einfach. Ich glaube nämlich schon das vernachlässigte Kinder sich oft an gewaltätigen Vorbildern orientieren. Die sind in Kinderaugen mutig, dürfen alles , sind stark , knallhart , oft ohne Gefühl u. dürfen ihre Wut ungestraft mit Gewalt zum Ausdruck bringen.

LG B.
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Doris Schmitt



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BeitragVerfasst am: 17.09.2006, 09:54    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich glaube auch nicht, dass Gewalt zugenommen hat, aber dass oft von Eltern und Lehrern weniger eingeschritten wird.

Meine Tochter ist leider das typische Opfer für Mobbing.

Sie ist sehr klein für ihr Alter, sehr zierlich ( 14 Jahre, 141 cm groß und 35 kg) und vor allem sehr impulsiv. Sie hat ADHS und musst vor allem früher sehr damit kämpfen, ihr Temperament unter Kontrolle zu bringen.

Da sie so klein und zart ist, kann und soll sie vor allem keine Ranzen auf dem Rücken tragen. Also hat sie einen Trolleyrucksack bzw. hatte früher Ranzen zum Nachziehen (aber die Motive sind ihr mittlerweile zu kindisch).

Ihr wird an die Schultasche getreten, sie wird geschubst, ihr wird das Bein gestellt, sie wird verhöhnt, geschlagen ect...

Von der Schule wird das entweder ignoriert oder es gibt so gut gemeinte Ratschläge der Schulsekretärin wie:

"Was muss sie auch eine Ausnahme machen, hätte sie den Ranzen wie andere, gäbe es doch kein Problem"

Eine Gesundheitsgefährdung wegen Skoliose hält sie für unerheblich.

Früher hätten die Lehrer eingeschritten und hätten sich die Herrschaften zur Brust genommen.

Heute weiß ich nicht einmal, ob die Schule ihrer Pflicht der Aufsicht nachkommt.

Was wir schon erlebt haben, an einer ganz normalen Realschule (leider im Schulzentrum mit einer HS), ist grauenhaft.

Es gab Anfänge von Happy-Slapping, meine Tochter musste systematische Erniedrigung ertragen und wenn sie sich einmal wehrt, dann wird sie auch noch erwischt und erhält einen Tadel.

Auch finden viele Eltern es nicht mehr für notwendig, mal zu kontrollieren, was ihre lieben Kinderchen so treiben.

Was noch zu meiner Grundschulzeit in den Anfängen erstickt wurde und zwar von Eltern und Lehrern, wird heute einfach laufen gelassen.

Lehrer haben doch auch oft gar keine Machtmittel mehr. An unserer Realschule lacht man sich doch schon seit den Schulzeiten meines Mannes ins Fäustchen, weil diese Tade inflationär verwandt werden und nichts getan wird dafür, dass eine Besserung eintritt. Mein Mann war und ist ein friedlicher Mensch, aber auch er wurde gemobbt, in Schlägereien verwickelt, die komischerweise immer da stattfanden, wo der Lehrer keinen Einblick hatte - einmal unter dem Sekretariat der Schule.

Es gab zwar auch Tadel (nach der Prügelei), aber das Grundproblem wurde nicht gelöst.


Man kann m.E. auch die Ursachen nicht unbedingt in sozialen Hintergründen suchen.

Täter von Mobbing und Gewalt sind in allen Schulformen, aus allen sozialen Schichten, vielleicht ist gemeinsam, dass sich kaum jemand kümmert um die Kinder und Jugendlichen.

Die einen sind auf sich gestellt, weil die Eltern arbeiten und kaum Zeit haben, die anderen erleben leider, wie die Eltern wegen der sozialen Umstände wie Hartz IV keine Kraft mehr haben, ihren Kindern eine Stütze zu sein.

Viele Eltern pflegen auch einen Erziehungsstil, der darauf abzielt, dass Kinder möglichst ohne Grenzen, Pflichten ect... aufwachsen. Daraus erwächst aber auch der Mangel an sozialen Kompetenzen, vorallem wenn keine positiven Vorbilder da sind.

Grenzen setzen ist ja nichts schlimmes, wird von einigen Eltern aber als altmodisch und als Einschränkung der persönlichen Freiheit angesehen.


Auch wird oft die Ellenbogenmentalität schon in der Gs geprägt und toleriert.

Das Grundprobleme von Gewalt und Mobbing ist m.E. die Erziehung von Elternhaus und Schule. Wobei die Schule nichts tun kann, wenn Eltern keine Vorarbeit leisten.

Ich bin mittlerweile, auch im Interesse meiner Tochter sehr deutlich gegenüber solchen Vorfällen und melde auch jede Kleinigkeit.

Nur geändert hat sich bisher wenig. In der eigenen Klasse wurde es etwas besser, nachdem meine Tochter einen Lehrer gefaltet hat, der eine Mitschülerin so fertiggemacht hatte, dass diese weinte. Weil das Mädchen lieb und nett ist, hat meine Tochter ohne Nachzudenken, dem Lehrer die Meinung gesagt.

Aber ich bin gespannt, was sich tut nach dem Referat meiner Tochter über Mobbing. Es fiel ihr sehr schwer, neutral zu bleiben und sich rein an die Fakten zu halten, denn ihre Erfahrungen sind sehr schmerzlich. Aber sie war mehr als überrascht, dass sie nicht alleine ist.

Doris
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Doris Carnap
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Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 18.09.2006, 07:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Doris,

willkommen bei EMGS.

Du beschreibst wie deine Tochter, die sich in Einigem von ihren Mitschülern unterscheidet, von den Gleichaltirgen behandelt wird. Da läuft mit Sicherheit einiges falsch! Auch erschreckt mich die Aussage der Sekretärin:
Zitat:
"Was muss sie auch eine Ausnahme machen, hätte sie den Ranzen wie andere, gäbe es doch kein Problem."
Das deutet darauf hin, dass für die Ursachen von Mobbing an dieser Schule kein Bewußtsein besteht! Kinder sind gnadenlos was Schwächen und Abweichungen betrifft, aber die Erwachsenen sollten doch wissen, wie sie zu reagieren haben.

Über die anderen Eltern schreibst du:
Zitat:
"Auch finden viele Eltern es nicht mehr für notwendig, mal zu kontrollieren, was ihre lieben Kinderchen so treiben."
und
Zitat:
"Viele Eltern pflegen auch einen Erziehungsstil, der darauf abzielt, dass Kinder möglichst ohne Grenzen, Pflichten ect... aufwachsen. Daraus erwächst aber auch der Mangel an sozialen Kompetenzen, vorallem wenn keine positiven Vorbilder da sind."

Eltern können meist gar nicht wissen, wie sich ihre Kinder außerhalb der Familie in der Gruppe der Gleichaltrigen verhalten, wenn man es ihnen nicht sagt. Wie kontrollierst du, was deine Tochter in der Schule 'so treibt'?

Ich wurde in der vierten Klasse Grundschule (1966) von einem Jungen (der vom Lehrer regelmäßig übel verprügelt wurde) auf dem Heimweg öfter "geärgert", das eskalierte und er verletzte mich an der rechten Hand, so dass ich etwa eine Woche nicht schreiben konnte. Meine Eltern haben die Eltern des Jungen eingeladen, und zusammen haben sie beschlossen, dass er, solange ich nicht schreiben kann, zu mir kommt und meine schriftlichen Hausaufgaben macht. Mir war das eher unangenehm, aber für mich ist als interessante Beobachtung in Erinnerung geblieben, dass wir uns nach dieser Woche gut verstanden haben, weil wir uns kennengelernt haben und es gab keine weiteren Vorfälle.

Als vor einigen Jahren in der Klasse meines Sohnes sich einge Klassenkameradinnen in der 5. Klasse mobbten, waren es die Mütter, die aktiv wurden. Das Mobbing war ganz schnell vorbei, nachdem sich alle darüber verständigt haben, dass das Verhalten inakzeptabel ist. Die zuständigen Lehrer hatten das gar nicht mitbekommen. Auch für mich wäre es, der erste Schritt, zu sehen, ob man über die Eltern etwas klären kann. Vorraussetzung für ein Gespräch ist aber, dass man in der Lage ist ruhig und höflich zu bleiben.

Das große Desinteresse der Eltern an Erziehungsdingen, habe ich noch nicht beobachten können. Mir sind bis jetzt nur Eltern begegnet, die großes Interesse am gutem Benehmen ihrer Kinder haben, nur muss man mit ihnen auch reden.
Zitat:
Doris: "Lehrer haben doch auch oft gar keine Machtmittel mehr."

Lehrer brauchen keine Machtmittel! Sie müssen 'nur' für ein gutes Klassenklima sorgen und für eine gute Klassengemeinschaft. Sie sollten keine Schüler niedermachen und ausgrenzen, denn die Kids geben den Druck direkt an andere, schwächere weiter.
Zitat:
Doris: Früher hätten die Lehrer eingeschritten und hätten sich die Herrschaften zur Brust genommen.

Ich glaube nicht, dass es früher überhaupt ein Bewußtsein für Mobbing gab. Damals haben sich die Erwachsenen allgemein mehr zurückgehalten.

Heute erwartet man aber von den Lehrern, dass sie sich entsprechend verhalten, wenn es um Mobbing geht. Dieser Text der Schulberatung Bayern gibt wieder, was heute von Lehrern erwartet wird:
Zitat:
Maßnahmen gegen Mobbing
Als Grundsatz sollte gelten: Nicht ignorieren!
Wenn in einer Schule ein Konsens zwischen allen Beteiligten besteht, dass es sich bei Mobbing um Gewaltausübung handelt, werden Aussenstehende solche Prozesse sensibler wahrnehmen und klarer reagieren. Wo immer Mobbing bekannt oder offensichtlich wird, sollten Lehrkräfte klar Standpunkt beziehen und versuchen, zumindest den "zusehenden" Mitschülern, möglichst aber auch den Tätern einen Perspektivenwechsel zu ermöglichen und ihnen die psychischen Folgen für die Opfer in einer solchen Situation klar zu machen.
Im Einzelfall bietet sich an:

3.8.1 Innerschulisch:
Thematisieren in Klassengespräch und Kollegium (Pädagogische Konferenz)
Intervenieren: Einzelgespräch mit Opfern und Tätern (Problem: viele Schüler vermeiden konkrete Aussagen!), Vereinbarungen (Täter-Opfer-Ausgleich), Schulstrafen, Elterngespräche
Streitschlichter-Programm
Anti-Mobbing Programm nach
http://www.schulberatung.bayern.de/vpmob.htm

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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