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Kopie: Lernbehinderung und Legasthenie

 
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BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 11:02    Titel: Kopie: Lernbehinderung und Legasthenie Antworten mit Zitat

» Legasthenie/LRS Allgemein » Lernbehinderung und Legasthenie ???


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Brit





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Erstellt am 24.03.2005 - 14:11 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Noch ein Thema würde ich hier sehr gern zur Diskussion stellen, da es mir auch sehr auf der Seele liegt.

Also, bislang ist es meines Wissens so, dass es zur Anerkennung der Legasthenie Voraussetzung ist, dass keine weitere Sinnesbeeinträchtigung vorliegt. D.h., der IQ muss mindestens bei 90 Punkten liegen.
So weit, so gut. Hintergrund ist der, dass man damit ausschließen möchte, dass diese Probleme nicht aus dieser anderen Beeinträchtigung erwachsen und es sich hier somit wirklich um eine Teilschwäche handelt.

Nun ist es aber so, dass es auch unter diagnostiziert Lernbehinderten an Förderschulen Kinder gibt, die im Lesen/ RS mehr Probleme haben als die anderen Lernbehinderten, Probleme, die halt ganz nach Legasthenie ausschauen. Jaaa, nun sind diese Kinder doch irgendwo benachteiligt gegenüber ihren "nur" lernbehinderten Gefährten? D.h., sie können unter den gleichen Bedingungen nicht die Leistungen erbringen und versagen in denselben Bereichen in der Förderschule, wie es z.B. durchschnittlich intelligente Legastheniker an den Regelschulen tun?

Ja, und was ist mit den Kindern, die nicht lernbehindert sind, aber auch nur im unteren Leistungsdurchschnitt, verglichen mit den Fähigkeiten ihrer Altersgefährten, also, IQ unter 90, z. auch 88 oder so, aber halt über 80. Haben es die "legalen" Legastheniker, die über etwas bessere geistige Fähgkeiten verfügen, nicht sogar einfacher, diese Teilschwächen zu kompensieren als z.B. Kinder, die zwar lernschwach, aber nicht lernbehindert sind?!!

Und ist für alle diese Kinder nicht Förderung mindestens genauso wichtig wie für die anerkannten? Würde man ihnen denn mit Nachteilsausgleich auch ein Stück entgegenkommen und bessere Angleichung von Chancen schaffen?

Habe im letzten Jahr mal von einem Schulprojekt an einer Förderschule gehört, wo es genau um Abchecken dieser Frage ging, leider hab ich weiter keine Infos darüber.

Gibt es evt. andere Infos? Wie ist eure Meinung?

LG Brit




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DorisCarnap
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Erstellt am 09.04.2005 - 19:32 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Liebe Brit,

Du schreibst: ???Also, bislang ist es meines Wissens so, dass es zur Anerkennung der Legasthenie Voraussetzung ist, dass keine weitere Sinnesbeeinträchtigung vorliegt. D.h., der IQ muss mindestens bei 90 Punkten liegen.?

Hier hast du ein wichtiges Thema angesprochen, den Zusammenhang von Legasthenie und IQ. Eigentliche Idee diese beiden Punkte zusammenzubringen war die Beobachtung, dass Legastheniker in einigen Bereichen überdurchschnittlich begabt sind (siehe auch mein Beitrag zur ???Vernachlässigung individueller Begabungsstrukturen im deutschen Bildungswesen? "http://www.foren.de/system/thread-dievernachlaessigungindividuellerbegabungsstrukturenimdeutschenschulsystem-emgs-284141-1020209.html" - die Leseprobe ist es Wert gelesen zu werden)!

Nur Bayern unterscheidet zwischen Legasthenie und LRS und erfordert eine außerschulische Testung. Die meisten Verordnungen der anderen Bundesländer für Kinder mit Schwierigkeiten beim Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechtschreibens verlangen aber keinerlei Tests, weil ja Lehrer für das Erkennen und Fördern zuständig sind und die haben keine Ausbildung in dieser Hinsicht. Schwierigkeiten beim Lesenlernen, beim Schreibenlernen und eine schwache Rechtschreibung sollten dem Lehrer genügen, um eine besondere Förderung in die Wege zu leiten. PISA hat aber im Zusammenhang mit dem Lesenlernen große diagnostische Schwächen bei Lehrern festgestellt, sie bemerken überhaupt nicht, ob ein Schüler gut lesen kann oder nicht. Und ich kenne nicht wenige Eltern, die diese Schwierigkeit bei ihrem Kind beobachtet haben und entweder dem Kind selbst geholfen haben oder sich an einen Lerntherapeuten gewandt haben.

Schon die Empfehlungen der KMK (Kultusministerkonferenz) von 1978 enthielt, "dass besondere Fördermaßnahmen allen lese-rechtschreibschwachen Kindern zugute kommen und nicht nur den intelligenten Legasthenikern (In den 70-er Jahren waren tatsächlich in einigen Bundesländern schwachbegabte Schüler/innen mit LRS aus den Fördergruppen ausgeschlossen!)", das schreibt Renate Valtin in ihren Beitrag ???Brauchen wir die Legasthenie?

Also obwohl es nicht sinnvoll ist Legasthenie und IQ zusammenzubringen, wird es in der Praxis immer noch gemacht. Es gibt verschiedene Aussagen zum Verhältnis Intelligenz und Legasthenie, das heißt eine Legasthenie wird attestiert

- zum Einen wenn ein mindestens durchschnittlicher IQ nachgewiesen wird, die Grenze wäre etwa 85
- zum Anderen sollten zwischen dem IQ ? Test und Rechtschreibtest eine oder bei manchen Autoren sogar zwei Standartabweichungen liegen.

In der Testpraxis sind die möglichen Fehlerquellen für eine Fehlbeurteilung reichhaltig. Ich habe beobachtet, dass zum einen der IQ ? Test zu schlecht ausfallen kann (z.B statt IQ 106 der IQ von 78!) und/oder der Rechtschreibtest zu einfach ist, besonders wenn die Hamburger Rechtschreibprobe verwendet wird, in beiden Fällen wurde nicht gefördert, obwohl die Rechtschreibung in der Schule auffallend schlecht war!

Ein anderes Berispiel aus einer Gesamtschule, dort werden alle Schüler der 5. Klassen mit dem Deutschen Rechtschreibtest geprüft, häufig sind die (durch die Eltern) gut geförderten Legastheniker dort nicht auffällig, schreiben aber in Arbeiten in den Fächern Deutsch und Englisch Fünfen und Sechsen, fallen aber trotzdem aus der Notenbefreiung und den schulischen Förderkursen raus.

Besonders problematisch wird es, wenn z.B. eine auditive Wahrnehmungsstörung sehr ausgeprägt ist oder eine Dyskalkulie dazukommt.

Du schreibst über die Kinder in den Förderschulen: ???Und ist für alle diese Kinder nicht Förderung mindestens genauso wichtig wie für die anerkannten? Würde man ihnen denn mit Nachteilsausgleich auch ein Stück entgegenkommen und bessere Angleichung von Chancen schaffen??

Für Kinder, die an einer Förderschule unterrichtet werden sollte doch jegliche Förderung bei Legasthenie selbstverständlich sein und mindestens genauso stattfinden wie an einer anderen Schule, um auch diese Kinder nicht zu entmutigen, Notenschutz und Nachteilausgleich sollten also auch dort die ersten Schritte einer Förderung sein!!

Eine mir wesentlich sympathischere Einstellung ist die, dass man davon ausgeht, wie in Finnland, alle Kinder können unbhängig vom ihrem IQ, das Lesen, Schreiben und eine Fremdsprache lernen und allen wird nach ihren Bedürfnissen dabei geholfen!

Grüße

Doris

[Dieser Beitrag wurde am 09.04.2005 - 19:58 von DorisCarnap aktualisiert]



Brit





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Erstellt am 10.04.2005 - 00:39 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo, Doris, ist ja interessant, da ist also der HH LRS-ler ein anderer als der hessicsche oder bayrische oder M-V-ler, darüber hab ich noch gar nicht nachgedacht... Liegts evt. am Dialekt?
Na, jedenfalls schön, dass du drauf antwortest, dachte schon, interessiert keinen weiter, ich empfinde das als ziemliche Benachteiligung und hoffe auf Korrekturen. Und wir können ja nun nicht alle nach Finnland schicken, es muss ja hier was passieren! Nur: Was können wir tun?
Das war´s auch schon, ich finde nur immer, es muss doch was passieren, und bevor was passiert, muss man an den richtigen Stellen was machen! LG Brit




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DorisCarnap
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Erstellt am 10.04.2005 - 11:35 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo Brit,

dadurch, dass die einzelnen Bundesländer für ihre eigene Bildungpolitik verantwortlich sind, versucht jedes Land nach seiner Facon etwas zu ändern, d.h. worauf sich die Parteipolitik festgelegt hat. Die Aufnahme neuer Verhandlungen der Förderalismuskomission lässt zwar wieder etwas hoffen, dass sich in der Bildung etwas ändert, aber...

Unser deutsches Problem ist, dass es alle Erkenntnisse zu wichtigen Themen schon lange gibt, sie ausführlich beschrieben sind, dieses Wissen aber nicht an die Basis gelangt. Lehrer sich regelrecht weigern weiterzubilden und sich bis vor kurzem (TIMSS, PISA) niemand dafür interessiert hat.

Der Blick nach Finnland oder nach Schweden ? das Land hat mehr Ähnlichkeiten mit Deutschland, es hat einen ähnlich hohen Ausländeranteil,- ist deswegen wichtig, weil wir da sehen können wie es erfolgreich gemacht werden kann, wir brauchen das Rad also nicht neu erfinden. 1991 wurde dort die nationale Agentur für Bildung, Skolverket gegründet. Die Gründung erfolgte im Zusammenhang mit dem Wechsel der Verantwortung für das schwedische Schulsystem: Die staatliche Kontrolle wurde ersetzt durch ein ziel-orientiertes System mit bedeutenden lokalen Verantwortlichkeiten. Den Kommunen wurde die Verantwortung für die Schulorganisation, das Personal und die Ressourcen übertragen. Bei Sinn e.V. ist das ausführlich beschrieben www.sinn-ev.de/sinn/beitrag/beitrag_3.php

Skolverket überprüft regelmäßig, ob die Ziele erreicht werden. Hier ist ein ganz wichtiges Stichwort ???ziel-orientiertes System?. Das bedeutet es wird ein zu erreichendes Ziel anvisiert, um nach einem gewissen Zeitraum zu kontrollieren, ob es auch erreicht wurde! In diesem Zusammenhang sehr wichtig ist die Erkenntnis, dass man aus Fehlern lernen kann, ja sogar muss. Dazu werden die Mißstände und Fehler beschrieben und besprochen. Dies System fehlt bei uns auf fast allen Ebenen ? im Bildungswesen genauso wie im Gesundheitswesen. Bei uns hat es ja System, dass Fehler geleugnet werden und das macht es so schwer, wenn nicht sogar unmöglich, etwas zu ändern und zu verbessern.

Was wir tun können? Versuchen politischen Einfluss zu nehmen. Sich mit den Bildungsprogrammen der Parteien zu beschäftigen und aufhören zu hoffen, dass die Partei, die verspricht die Steuern zu senken, auch die beste Bildungspolitik mache. Solange wir Bürger nicht bereit sind wesentlich mehr in die Bildung zu investieren, wird sich nur wenig ändern.

In einigen Bundesländern wurden ja auch ???Bildungsagenturen? eingerichtet, die finanzielle Austattung ist aber nicht vergleichbar. Jetzt muss erst mal verfolgt werden, wie die überhaupt arbeiten und was die erreichen.

Was wir als Elterngruppe der EMGS tun könnten, ist es Mißstände zu beschreiben und innerhalb unserer Bundesländer eine Änderung einzufordern. Das ist natürlich nur dann erfolgsversprechend, wenn wir zahlenmäßig zunehmen oder uns mit anderen Gruppen verständigen.

Wichtig erscheint mir aber erst mal Eltern über ihre Rechte zu informieren, denn bis jetzt agieren die meisten als ???Einzelkämpfer? und fühlen sich ziemlich hilflos dabei!

Grüße

Doris



GeorgMohr
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Erstellt am 11.04.2005 - 07:50 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo Brit und Doris Carnap und alle Leser,

ich will noch mal auf die Begriffe hinweisen:

1) Sinnesbeeinträchtigungen sind Probleme mit Augen, Ohren, Nase etc.
Sie haben weder mit Intelligenz noch mit Legasthenie zu tun und müssen so weit wie möglich durch Geräte wie Brillen und Hörgeräte behoben werden.

2) Wahrnehmungsstörungen / Teilleistungsstörungen spielen sich nicht in Augen und Ohren ab sondern im Gehirn !
Die Sinneseindrücke kommen richtig bis ins Gehirn, können dort im Gehirn aber nicht hinreichend verarbeitet werden - die Sinneseindrücke können nicht richtig bewußt "im Gehirn wahrgenommen" werden.
"Ich hab das Tempo-60-Schild zwar gesehen, aber gar nicht richtig wahrgenommen. Jetzt, da Du sagt, dass das doch da stand, wird es mir erst richtig bewußt."

3) Diagnose / Tests / Diagnosefähigkeit :

In fast allen Bundesländer bedarf es keiner Tests - ich glaube nur in Bayern für deren schon wieder sehr umstrittenes Verfahren zu den "Edel-Legasthenikern".

Mit den Wörten wird Schindluder getrieben. Ich sag's mal knallhart: Die PISA-Autoren wollen mit dem so wissenschaftlich klingenden Begrff "mangelnde Diagnosefähigkeit" ganz einfach sagen, dass sich viele deutsche Lehrer zu doof anstellen und einen monologisierenden Unterricht abhalten, bei dem sie nicht merken, ob ihre Schüler Lese- und Schreibprobleme haben. Aber unter Klassenarbeiten "5" und "6" können sie ganz fleißig schreiben! Eigentlich schon unbedingt in einem guten Unterricht, aber doch spätestens bei so benoteten Diktaten müssten diese Ignoranten doch merken, dass es jene Probleme gibt. Die hessische Verordnung ist formuliert: "besondere Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben und Rechtschreiben". Welche Lehrerin kann zwar "6" hinschreiben, braucht aber auf Staatskosten noch mal ein "Diagnose-Aufbaustudium" zur bloßen Feststellung der besonderen Schwierigkeiten?
Wenn die Leistungen auf diesen Teilgebieten des Schriftbildes unter dem sonstigen Leistungsvermögen liegen, dann sind hier "besondere Schwierigkeiten" vorhanden.

Eine ganz andere Ebene ist für die speziellen Förderer die Diagnose des Grundes der Wahrnehmungsstörung, um einen dementsprechenden individuellen Föderplan aufzustellen ! Dafür benötigt man eine Spezialausbildung.

Mit dem Wort der Diagnoseunfähingkeit reden sich viele Lehrer von ihrer Pflicht zur bloßen Feststellung frei, was ich nur mit ihrer "Fehler-Geilheit", "5" und "6" zu schreiben, bissig und empört vermuten kann.

Für die schulische Festellung der Legasthenie im weiteren Sinne des Wortes bedarf es keines einzigen Tests !!!

Ich empfehle die Lektüre meiner Beiträge "Kurzfassung", "mehr Zeit" und "Art der Fehler" in dieser Rubrik.

Brit, Ihr Anliegen für die lernbehinderten Schüler teile ich voll und ganz.

Auch sie können zusätzlich eine besondere Lese-Rechtschreibschwäche haben und sollten den besonderen Schutz und eine gezielte Föderung bekommen.

In der hessischen Verordnung v.22.10.1985 sind sie auch gar nicht ausgenommen ! Erst die untergeordneten Richtlinien kann man so verstehen. Das entspricht aber nicht den Aussagen des Schulgesetzes, dass jedes Kind die ihm angemessene individuelle Hilfe und Förderung bekommen soll.
Berufen Sie sich doch innerhalb ihrer pädagogischen Freiheit auf diese Argumentation !

Sehr wichtig ist, dass wir schnellst möglich einen parteiunabhängigen Elternverband gründen, der als e.V. erst eine juristische Person ist und vor allen relevanten Entscheidungen anzuhören ist - und auch solche anstoßen kann. 7 (sieben) Leute genügen für den Anfang. Wir sollten das gesamte Spektrum Schulleben im Auge haben.

Ich will nicht nur hier klagen und informieren - ich will mit ein paar engagierten Mitstreiterinnen und Mitstreitern Verbesserung wirklich erreichen. Noch in diesem Jahr gilt es, eine eklatante Verschlechterung der hessischen Regelungen zu verhindern (nur noch im Einzelfall Notenschutz und Nachteilsausgleich auf Antrag der - unwissenden - Eltern).
Der Vorstand des Landesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie ist zu einer effektiven Interessenvertretung total unfähig !!!

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie Brit, sich mal direkt mit Doris Carnap oder mit mir per Mail und Telefon in Verbindung setzen.

Mit herzlichen Grüßen, Georg Mohr



[Dieser Beitrag wurde am 11.04.2005 - 09:36 von GeorgMohr aktualisiert]




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"lehren" ist "begleiten beim Lernen"
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Erika





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Erstellt am 11.04.2005 - 23:02 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo,

zum Thema Wahrnehmungsstörungen möchte ich noch erwähnen, dass es außer dem visuellen und auditiven Wahrnehmungssystem noch folgende gibt, deren Betrachtung oft vernachlässigt wird:

die taktile Wahrnehmung -Tasten und Fühlen

die vestibulare Wahrnehmung - das Gleichgewicht

die propriozeptive Wahrnehmung - die Stellung und Spannung der Muskeln, Sehnen und Gelenke

die gustatorische Wahrnehmung - das Schmecken

die olfaktorische Wahrnehmung - das Riechen

"Zahllose "Bits" sinnlicher Wahrnehmungen erreichen in jedem Augenblick unser Gehirn nicht nur
von den Augen und Ohren her, sondern auch von jedem Teil unseres Körpers. Keiner der Sinne entwickelt sich isoliert oder funktioniert nur für sich. Sowohl das Sehen wie das Gehör sind vom Gleichgewichtssystem abhängig; trotzdem arbeiten Beschäftigungstherapeuten und Hörspezialisten getrennt voneinander und erfahren vielleicht nie, dass sie beide mit denselben Kindern arbeiten - solchen, deren Hauptproblem sich im Innenohr befindet. Es ist unbedingt notwendig, die Sinne und die Art, wie sie einander ergänzen, zu verstehen, wenn wir jene Kinder unterstützen wollen, für die die Welt keinen Sinn ergibt und die deshalb Schwierigkeiten mit den herkömmlichen Methoden des Lernens haben." (Sally Goddard)

Als großes Problem sehe ich u.a. das fehlende Wissen über diese Zusammenhänge und über entsprechende Fördermöglichkeiten bei vielen Schulmedizinern.

Schade, jetzt wollte ich hier eine Grafik einfügen, klappt aber nicht.

Petra, ist das möglich, eine Grafik einzustellen? Was muss ich tun?

Da Legastheniker oder auch Kinder mit anderen Lernproblemen meistens auch andere Auffälligkeiten zeigen (man muss allerdings in der Lage sein, sie zu erkennen), wäre es m.E. unbedingt notwendig, dass Lehrer "diagnosefähiger" werden, auch als Präventionsmaßnahme gegen Mobbing. Hierzu bedarf es keiner speziellen langjährigen Ausbildung, das Lesen einiger Bücher und/oder eine kleine Fortbildung würden reichen.

Die Lehrer bräuchten weniger lange zu rätseln, ob das Kind gerade seine Grenzen austestet, den Lehrer provozieren will usw. Vieles wäre klarer zu erkennen.

Hier ein Beispiel für das Rätselraten ohne entsprechende Kenntnisse:

19087.rapidforum.com/topic=100578685830

Dieses Beispiel erinnert mich an meinen Sohn, der in der 1. und. 2. Klasse auch zu langsam war, weil er erst spät mit dem Arbeiten anfing, erst nach mehreren Ermahnungen tätig wurde. Da er als intelligent galt, kam die Lehrerin nicht im Traum darauf, dass er nicht anders konnte. "Er kann ja, wenn er will." In den Augen der Lehrerin wollte er jedoch nicht und wurde entsprechend behandelt.

Auch weniger Intelligente können Legastheniker sein oder sonstige Lernprobleme durch Wahrnehmungsstörungen haben. Daher sollten sie auch die gleichen Rechte wie z.B. Notenschutz und Anrecht auf Förderung (aber richtige!!!), haben.

Viele Grüße
Erika

[Dieser Beitrag wurde am 12.04.2005 - 09:33 von Erika aktualisiert]




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GeorgMohr
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Erstellt am 12.04.2005 - 23:30 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Sinneseindrücke ./. Wahrnehmungen

Achtung ! Achtung !

Zum Thema "Legasthenie" ist es sehr wichtig, diese beiden Begriffe scharf zu trennen und auseinander zu halten.

Mit den 5 Sinnen werden "nur" Sinnes-Eindrücke gesammelt - wenn das Sinnesorgan (Ohr, Auge, Haut ...) richtig funktioniert. Diese Eindrücke werden auf den Nerverbahnen an das Gehirn weitergeleitet - wenn die Leitung (Nerven) in Ordnung ist.

Erst wenn diese Eindrücke im Gehirn verarbeitet worden sind, ensteht eine "Wahrnehmung" .

Manchmal reagiert das Gehirn gar nicht auf den Sinnesreiz, manchmal falsch, manchmal nur schwach oder nur teilweise. DANN handel es sich um eine Wahrnehmungs-störung / Teilleistungs-störung.

Liebe Grüße, Georg Mohr




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Erika





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Erstellt am 13.04.2005 - 22:25 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Warum Achtung! Achtung? Was will uns Georg Mohr hier vermitteln?

Hier noch einmal eine Definition des Wortes "Sinneswahrnehmung" von wikipedia:

de.wikipedia.org/wiki/Sinneswahrnehmung

s. auch hier:

de.wikipedia.org/wiki/Gleichgewichtsorgan

Jean Ayres hält den Gleichgewichtssinn für "das alles vereinende Bezugssystem." Sie weist darauf hin, dass vestibulare Informationen das gesamte Nervensystem zu einer "wirkungsvollen Funktion" anhalten und dass die Verarbeitung anderer Empfindungen unregelmäßig und ungenau wird, wenn das vestibulare Sinnessystem nicht korrekt funktioniert.

"Das Gleichgewichtssystem überwacht den Austausch aller Sinneswahrnehmungen zwischen dem Gehirn und dem Körper - in beide Richtungen. Probleme mit dem Gleichgewichtssystem wirken sich auf sämtliche andere Funktionen aus. Sie beeinträchtigen die sensorischen Systeme, da alle Sinneseindrücke das vestibuläre System auf Hirnstammebene passieren, bevor sie weitergeleitet und analysiert werden." schreibt Sally Goddard.

Ein kleines Beispiel, was passieren kann, wenn vestibulare und/oder visuelle Wahrnehmungungsstörungen vorliegen:

Das Vestibularsystem hat einen wesentlichen Anteil am Muskelaufbau. Es veranlasst z.B. die Augenmuskeln automatisch zu ausgleichenden Augenbewegungen. Kommt es hier zu Störungen, sind die Augen z.B. nicht in der Lage, den gleichen Punkt in einem Text zu fixieren (Winkelfehlsichtigkeit), und an das Gehirn kann kein klares Bild weitergeleitet werden.

Mögliche Auswirkungen s. hier:

www.winkelfehlsichtigkeit.de/Informationsblatt1.doc.pdf

Trotzdem behaupten viele Augenärzte "Das Kind sieht wie ein Adler", weil sie nicht dafür ausgebildet sind und über die entsprechenden Messgeräte verfügen.

Zum Gleichgewichtsgefühl tragen auch die von den Augen aufgenommenen Informationen bei. Ca. 20 % der Botschaften von den Augen, von der Retina und den äüßeren Augenmuskeln gehen in Bereiche des Gehirns, die für Gleichgewicht zuständig sind.

Das war aber nur ein kleiner Ausschnitt vieler Möglichkeiten, was schief laufen kann in der kindlichen Entwicklung.

Schöne Grüße
Erika




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Erika





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Erstellt am 14.04.2005 - 23:17 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo,

noch ein Nachtrag zum Thema Vestibularapparat und Hörverarbeitung:

"Das Gehör wird zwingend von Informationen beeinflusst, die den Vestibularapparat passieren, ebenso wie der Vestibularapparat von Geräuschen beeinflusst wird. Störungen im Vestibularapparat beeinträchtigen denjenigen Punkt in der Informationsverarbeitung, an dem das auditive System seine Aufgabe aufnimmt, und Probleme im auditiven System können ihren Ursprung in einem vestibulären System haben, das überlastet ist, da es Schwierigkeiten zu kompensieren versucht" schreibt Sally Goddard.

Viele HNO-Ärzte stellen jedoch nichts fest oder stellen eine Diagnose ohne Therapieempfehlung.

Nachfolgend ein Artikel aus der renommierten Zeitschrift Gehirn und Geist (Gehirnforschung)von 01/04 zum Hörverarbeitungstraining nach Fred Warnke, von dem ich sehr überzeugt bin - allerdings heilt ein Hörverarbeitungstraining allein meist nicht alle Wunden.

www.meditech.de/download/gug-1-2004-nachhilfe-ade.pdf

Die richtige Förderung zu finden ist wie ein Puzzlespiel.

Gruß Erika




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Erika





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Erstellt am 23.04.2005 - 23:25 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändernBeitrag löschen

Hallo,

hier ist die Grafik (am 11.4. bereits versucht einzustellen), die sehr gut darstellt, wie die kindliche Entwicklung funktioniert, nämlich wie eine Pyramide:



Gruß
Erika





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