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Kopie: Entwicklungsstörungen

 
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BeitragVerfasst am: 22.01.2006, 11:31    Titel: Kopie: Entwicklungsstörungen Antworten mit Zitat

» Allgemeine Diskussionen über Schulprobleme » Entwicklungsstörungen

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DorisCarnap ...
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... Erstellt am 11.02.2005 - 17:14 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Hallo an Alle,

Erika schrieb im Thread ?Ist das auch Mobbing?:?Erzieher und Lehrer fühlen sich oft nicht zuständig...Dennoch glaube ich, dass ihnen mehr Wissen über einige Ursachen von Lern- und Verhaltensstörungen das Leben erheblich erleichtern könnte...M.E. setzen Hilfsmaßnahmen...an den Symptomen an. Ich denke jedoch, dass wirkliche Hilfe an den Ursachen ansetzen sollte, und das sind für mich diese Entwicklungsstörungen, die ein Zeichen unserer Zeit sind.?

Wo liegen die Ursachen eigentlich? Inwiefern sind die Störungen wirklich ein Zeichen unserer Zeit? Oder werden nicht oft normale Unterschiede auf einmal zu krankhaften Zuständen? Früher hieß es z.B. ?Jungen haben keine ordentliche Handschrift?, heute haben etwa 70% der Jungen, die einer Schulärztin zur Einschulung wegen besonderer Aufälligkeiten vorgestellt wurden ?feinmotorische Störungen.? (persönliche Mitteilung).

Ich hatte mich vor einiger Zeit auf die Suche gemacht, ich wollte anhand von Zahlen sehen was sich im Laufe der Zeit negativ verändert hat. Ich musste aber feststellen, dass es gar keine alten Untersuchungen gibt mit denen man vergleichen könnte wie es früher war. ?Vor 100 Jahren reichte eine relativ schlichte amtliche Statistik aus, die gesundheitliche Situation von Kindern und Jugendlichen angemessen zu beschreiben. Sie bestand vor allem aus der Mortalitätsstatistik und der über die meldepflichtigen Infektionskrankheiten.? Es hat in der Zwischenzeit ein Paradigmenwechsel stattgefunden. ?Als Mitte des 20. Jahrhunderts die Weltgesundheitsorganisation gegründet wurde, war ihr Motto:?Add years to life? ? ?Dem Leben Jahre hinzufügen?. Neuerlich wurde dieses Motto umgekehrt in: ?Add life to years? ? ?Den Jahren Leben hinzufügen.? Mehr zu diesm Thema kann man hier lesen:
http://www.kinderumweltgesundheit.d....index2/pdf/gbe/6106_1.pdf

Hier Zahlen von Untersuchungen: Im Jahr 2000 wurden bei insgesamt 15,6% der Schulanfänger auffällige Befunde im Bereich der Koordination festgestellt, bei deutlichen geschlechtsspezifischen Unterschieden: Betroffen sind 21,2% der Jungen und 9,6% der Mädchen. Im Bereich der Feinmotorik liegen die Werte bei 25,6% (Jungen) und 10,2% (Mädchen). Die Daten aus weiteren Gesundheitsberichten bestätigen das Auftreten der beschriebenen geschlechtsspezifischen Auffälligkeiten. In Nürnberg (1999) wurden bei 3,2% der Mädchen, aber bei 10,3% der Jungen motorische
Koordinationsstörungen festgestellt, in Solingen liegen die Werte bei 3,6% (Mädchen) und 9,5% (Jungen).?

Wenn in den Schulen teilweise die Leistung und das Verhalten von Mädchen als Maßstab genommen wird, bekommen die Jungen ein Problem! Ist so das Problem das die Jungen in der heutigen Zeit haben zu erklären? ?Nachdem das Dogma von den diskriminierten Mädchen lange die schulpädagogische Debatte beherrschte, seien heute Studien über und Förderprogramme für Jungen dringend erforderlich, moniert etwa der Berliner Erziehungswissenschaftler Ulf Preuss-Lausitz: "Schulversagen ist vor allem ein Jungenproblem. Wer sich als Geschlechterforscher darum nicht kümmert, dem muss man sagen, dass er - oder sie ? sich vor der wichtigsten schulischen Thematik drückt." Jenseits der Klassenzimmer setzen sich die Nöte der Jungen fort. Sie sind die modernen Sorgenkinder. Sie leiden öfter unter Sprach-, Lese- und Schreibstörungen, sind häufiger geistig behindert, zeigen mehr Verhaltensauffälligkeiten. Sie sind doppelt so häufig Bettnässer wie Mädchen, stottern viermal so oft, und siebenmal wahrscheinlicher ist, dass bei einem Jungen das "Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom" (ADS) diagnostiziert wird. Was unter anderem zur Folge hat, dass mehr Jungen medikamentös "ruhig gestellt" werden. Auch die Gewalt, die sie - weit mehr als Mädchen - ausüben, stecken sie überwiegend selber ein: Jungen erleiden doppelt so oft wie gleichaltrige Mädchen Körperverletzungen und werden achtmal häufiger beraubt.? ?Neuer Mann ? was nun?
http://www.mann-als-opfer.com/downl....tefrauengeowissen2000.pdf


Aber auch diese Zahlen einer Untersuchung aus dem Jahr 1996 sind interessant:
23,7 % der untersuchten Jungen haben Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen im Vergleich zu
16,1 % der Mädchen

Sehen wir uns die 23,7 % Jungen näher an, dann haben
10,3% einen Minimalbefund, der kontrollbedürftig ist
3,7 % benötigen Abklärung und Behandlung
9,2% erhalten bereits eine Behandlung
0,4 % haben eine Behinderung oder benötigen sonderpädagogische Förderung.

Das sieht dann schon weniger dramatisch aus, leider ist nicht näher definiert was den sogenannten Minimalbefund (10,3%) ausmacht von dem fast die Hälfte der Fälle betroffen ist.

Einen Zusammenhang zwischen Übergewicht (Adopositas) und grobmotorischer Störungen belegen Daten aus Köln. Interessant ist hier das gehäufte Auftreten beider Befunde bei Kindern aus sozial benachteiligten Stadtteilen.

Alle Zahlen stammen aus dem Bundesgesundheitsblatt 11/2002.

Weiter geht es mit den Teilleistungsschwächen. Die Legasthenie, die Schwäche mit dem Lesen, Schreiben und Rechtschreiben, ist auch ?ein Talentsignal?. Die Kinder benutzen andere Bereiche in Hirn und können, wenn sie nicht entmutigt werden große Stärken auf anderen Gebieten entwickeln. Auch die Rechenschwäche (Dyskalkulie) offenbart unerwartetes: ?Die Lehrerinnen und Lehrer, die bei LAMP mitarbeiteten, haben allesamt erfahren, dass die sogenannten schulschwachen Kinder immer wieder Fähigkeiten bewiesen [die Hochbegabten zugeschrieben werden].? So heißt es in einem abschließenden Bericht zum englischen ?Low Attainers in Mathematics Project? (LAMP), in das etwa 40 000 Kinder einbezogen waren (Trickett & Sulkie 1993, 3Cool. ?Dies sollte jeden, der sich in irgendeiner Form mit Mathematikunterricht beschäftigt, dazu veranlassen, sich zu fragen, was er tun kann, um die Talente seiner ?schulschwachen? Kinder besser zu fördern. Die Entfaltung der mathematischen Fähigkeiten unserer Schüler darf nicht länger durch unsere geringen Erwartungen behindert werden? fordert der Mathematikdidaktiker Erich Wittmann. http://www.mathematik.uni-dortmund.....nen/pdf/foerderansatz.pdf

Werner Nestle über die ?Ursachen von ?Rechenschwäche? bzw.
?Schwierigkeiten im Mathematikunterricht? und notwendige Hilfen:
?Rechenschwäche? bzw. ?Schwierigkeiten im Mathematikunterricht? können verursacht sein durch eine schwierige Lernsituation des Schülers, eine schwierige Lehrsituation der Lehrkraft und/oder durch eine schwierige Lebenssituation des Schülers. Diagnosen dürfen deshalb nicht den auch
in der Sonderpädagogik gepflegten Mythos festigen, wonach die Ursache für ?Rechenschwäche? und Schwierigkeiten primär beim Kind liege und nur dort zu diagnostizieren und zu therapieren sei.? http://www.heilpaedagogik-online.co....aedagogik_online_0104.pdf

Anneliese hat auf ihrer Seite ?Eigensinn? die Merkmale von ADS und Hochbegabung nebeneinander gestellt. http://eigen-sinn.bei.t-online.de/merkmale.htm Mir fällt es schwer da große Unterschiede zu erkennen.

?Alle starren nur auf die Defizite und Fehler der Schüler. Unsere Kinder werden regelrecht pathologisiert?, kritisiert die Professorin für Allgemeine Grundschulpädagogik Renate Valtin in der TAZ http://www.taz.de/pt/2004/11/24/a0230.nf/text.ges,1 ?Pisa macht die Kinder krank?? wird sie gefragt. ?Nicht Pisa?, ist ihre Antwort sondern ?unsere Vorstellung tut das. Die Alltagsversion der Pathologisierung ist die mangelnde und bildungsresistente Begabung. Die medizinische Variante ist die so genannte Teilleistungsstörung. Das Kind leidet, so die Diagnose, an Rechenschwäche oder an Legasthenie, an Hyperaktivität, an ADS und AHD. Wenn ich die Apothekerblättchen ernst nehmen würde, gäbe es 60 Prozent kranker Kinder. ?Was kann man dagegen tun?? Wir könnten zur Abwechslung mal nicht nach Fehlern suchen, sondern Kindern mit Zutrauen und Bildungsoptimismus begegnen. In Finnland zum Beispiel ist man überzeugt: Jeder kann lesen, schreiben, rechnen und eine dritte Sprache lernen. Iglu und Pisa geben ihnen Recht.?

Doris





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Erika ...
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... Erstellt am 13.02.2005 - 00:00 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Hallo,

sind Lernstörungen wirklich ein Zeichen unserer Zeit? Ja, die Welt hat sich verändert. Unsere schnelllebige, fortschrittliche, hochtechnisierte Welt mit Waschmaschine, Auto, Fahrstuhl, Computer, Gameboy, Babysitzschalen, Babyspielgestelle, Baby-Gehfrei usw. sorgt für eine andere Wahrnehmung und für Bewegungsmangel. Ebenso bewirkt das Kiss-Syndrom eine Bewegungseinschränkung, die tiefgreifende Folgen haben kann. Durch Bewegung werden weitere Verbindungen zwischen dem Vestibularapparat und den höheren Zentren des Gehirns geschaffen, und das bereits lange vor der Geburt. Lernen findet im Gehirn statt; jedoch werden Informationen über den Körper aufgenommen und Wissen über ihn wieder ausgedrückt.

Bewegung ist sozusagen der Herzschlag des Lernens.

Mehr über dieses Thema wollte / will ich hier noch unter ?Förderung allgemein? schreiben (Wenn ich doch bloß mehr Zeit hätte!).

Vielen Menschen fällt es schwer (mir ging es früher auch so), motorische Störungen mit Lern- und auch Verhaltensstörungen im Zusammenhang zu sehen. Nicht alle motorischen Störungen sind für den Laien sichtbar. Fragt doch einmal bei den Legasthenikern nach, wie viele von ihnen nicht gekrabbelt oder nur kurz gekrabbelt sind. Ich kenne jedenfalls ganz viele.

Zahlen über die Zunahme von Entwicklungsstörungen habe ich keine gesammelt, allerdings in einigen Büchern und sonst wo darüber gelesen. Beweis genug für einen drastischen Anstieg ist für mich schon meine nähere Umgebung und Personen, mit denen ich im Internet Kontakt habe. Ich habe den Eindruck, dass es nur so wimmelt von Kindern mit Entwicklungsstörungen, obwohl die meisten Eltern dieser Kinder nichts davon wissen wollen. Wenn ich Kinder mit Lernstörungen sehe oder von ihnen höre, finden sich fast immer motorische Auffälligkeiten oder Störungen beim Sehen oder Hören, die teilweise nur erkannt werden können, wenn man sich näher mit diesen Themen auseinandergesetzt hat. Leider gibt es noch wenige Schulmediziner, die sich auskennen.

Ergotherapiepraxen, Krankengymnasten, Logopäden, Kiss-Ärzte, INPP-Therapeuten, Optometristen und Hörverarbeitungsspezialisten usw. können sicher auch bestätigen, dass die Anzahl der Kinder mit motorischen, zentralen Seh- und Hörstörungen und gleichzeitigen Lernproblemen zugenommen hat.

Jungen sind stärker von Entwicklungsstörungen und Lernproblemen betroffen, da besteht kein Zweifel. Eine Erklärung für mich ist ihr anders strukturiertes Gehirn. Dass von den Jungen in den Schulen die gleichen Leistungen wie von Mädchen erwartet werden, verstärkt ihre Probleme enorm. Kritik und Leistungsdruck wirken sich verheerend auf Motivation, Lern- und Arbeitsverhalten sowie das Arbeitsergebnis aus.

ADS ist für mich nur ein Sammelbegriff vieler Auffälligkeiten, denen u.a. Entwicklungsstörungen zugrunde liegen. Sprach-, Lese- und Schreibstörungen, Verhaltensauffälligkeiten, Bettnässen und Stottern sind zu einem großen Teil Ergebnisse von Entwicklungsstörungen. Auch Aggressivität und Gewalt sind zum Teil eine Folge davon. Körperkontrolle ist eine der Voraussetzungen für Selbstkontrolle (Impulskontrolle und Fähigkeit, die Körpersprache anderer zu lesen). Außerdem führt der Teufelskreis, in dem sich die unverstandenen Jungen befinden, zu Aggressivität und vermehrter Gewaltbereitschaft.

Es ist wohl richtig, dass z.B. Legasthenie u.a. Teilleistungsschwächen auch ein Talentsignal sein können, weil diese Kinder andere Areale im Hirn für einige Aufgaben benutzen und dadurch in Teilgebieten große Stärken entwickeln können. Teilweise sind diese Kinder aber andererseits nicht in der Lage, einfache notwendige Alltagsaufgaben mühelos zu erledigen. Wenn ich da an vergangene Jahre mit meinem Sohn und an die Erfahrungen anderer Mütter mit ihren Kindern denke, finde ich es persönlich wichtiger, diese Kinder dazu zu befähigen, so zu handeln und sich so zu benehmen, dass es für sie selbst und für die Mitmenschen keine Qual ist. Besonders wichtig ist mir für meine Kinder soziale Integration. Ich glaube nicht, dass Außenseiter glückliche Menschen sind, auch wenn sie durch besondere Begabungen berühmt werden.

Eine Rechenschwäche kann m.E. durch einen ungeeigneten Unterricht oder schlechte Qualifikation der Lehrer verstärkt werden. Doch auch hier sehe ich die Wurzel in einer Entwicklungsstörung. Kinder mit Dyskalkulie haben oft taktile Wahrnehmungsschwierigkeiten. Ihr Körperchema ist nicht zuverlässig gespeichert. Zusätzlich zu intensiver Körpererfahrung müssen besonders diese Kinder Materialien zuerst im wahrsten Sinne des Wortes ?begreifen, ?erfassen?, um später sicher mit ihnen umgehen zu können. Handlungsorientierter Unterricht ist zwingend notwendig.

?Wir sollten nicht nach Fehlern bei den Kindern suchen? kann ich nur bestätigen. Wir sollten nach Wegen suchen, den Kindern zu helfen.

Für die, die sich mehr über kindliche Entwicklungsstörungen, Gehirnfunktionen, Zusammenspiel von Wahrnehmung und Motorik informieren möchten, empfehle ich folgende Bücher, aus denen ich viel gelernt habe:

"Greifen und Begreifen" von Sally Goddard

" Flügel und Wurzeln" von Dorothea Beigel (für den Laien leichter zu verstehen)Frau Beigel hat den Ansatz von Sally Goddard aufgegriffen. Sie ist/war u.a. 25 Jahre lang Lehrerin, ist diplomierte Legasthenietrainerin und leitet seit 1998 die Abteilung für neurophysiologische Kindesentwicklung im Schulamtsbezirk Wetzlar)

"Bausteine der kindlichen Entwicklung" von Jean Ayres (Sie hat das Behandlungsprogramm "Sensorische Integration" entwickelt)

Schöne Grüße
Erika


Signatur"In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und abgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz normaler Zustand."
(A. Jean Ayres)

DorisCarnap ...
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... Erstellt am 15.02.2005 - 16:43 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Liebe Erika,

auch ich besitze eine Waschmaschine, mein Sohn saß im Gehfrei, er ist Legastheniker. Allerdings steht meine Waschmaschine im Keller, meine Wohnung liegt im dritten Stock, meine Sohn saß nur im Gehfrei, während ich diese Waschmaschine bedienen musste. Mein Sohn ist Legasteniker genau wie sein Vater und Großvater. Alle drei haben etwas gemeinsam: Sie sind sehr sportlich, sehr kreativ, überdurchschnittlich intelligent, ihre Rechtschreibung ist aber nur unterdurchschnittlich. Großvater und Vater hatten, noch bevor es überhaupt eine Regelung im Umgang mit LRS gab, keine wesentlichen Schwierigkeiten in der Schule, zum Abitur hat ihre Begabung immerhin gelangt. Der jüngste in der Reihe hatte bis zum ersten ungeübten Diktat scheinbar auch keine Schwierigkeiten. Auf einmal stand in einer Riesenziffer die Note 5 unter der Arbeit. Früher wussten Lehrer, dass manche Kinder länger brauchen, um das Rechtschreiben zu lernen und sie die nie ganz sicher beherrschen werden. Heute sagen Lehrer ?das Kind ist zu dumm oder zu faul?. Und dann sind erst mal die Eltern am Zug.

Du schreibst: ?Ich habe den Eindruck, dass es nur so wimmelt von Kindern mit Entwicklungsstörungen.? Diesen Eindruck kann ich nicht bestätigen. Auch in meiner Umgebung werden Kinder die Sprachprobleme haben zum Logopäden, mit Bewegungsproblemen zur Ergotherapie, Feldenkrais oder Yoga geschickt. Aber wirkliche Störungen haben auch diese Kinder nicht, vielleicht ist Verzögerung ein passenderer Ausdruck? Ansonsten geht man in Krabbelgruppen, verbringt viel Zeit gemeinsam auf dem Spielplatz, Mutter und Kind Sportgruppen, die Kinder werden zur musikalischen Früherziehung, Malen für Kleinkinder, Schnitzen im Vorschulalter geschickt und so weiter! Manchmal wäre vielleicht weniger mehr ? denke ich. Das Aufwachsen in der Kindheit hat sich verändert, früher wurden die kleinen und die großen Kinder auf die Straße geschickt und blieben sich selbst überlassen. Heute werden die Kinder unter der Aufsicht von Erwachsenen großgezogen und speziell gefördert.

Was allerdings offensichtlich ist, ist der Zusammenhang mit Problemen aller Art von denen vor allen Dingen die sogenannten bildungsfernen Schichten betroffen sind. Da wäre natürlich eine gute Betreuung der Eltern wichtig, wie sie in Australien z.B. selbstverständlich ist. Gesunde Ernährung, genügend Bewegung, das sollten doch alle Eltern wissen wie wichtig das ist. Dann frühfördernde Kindergärten, die auch in den meisten Ländern selbstverständlich sind. Interessant ist doch, dass es in kaum einem anderen Land Schulen für Kinder mit Lernbehinderungen gibt, auf die unsere Schüler so schnell abgeschoben werden können. In den anderen Ländern geht man einfach davon aus, dass alle Kinder Lesen, Schreiben und eine Fremdsprache lernen können und sie besuchen alle gemeinsam die gleiche Schule bis zur 9. oder 10. Klasse. Sind deutsche Kinder dümmer? Natürlich nicht. Entwicklungsstörungen, Lernstörungen ? das Kind hat ein Defizit, ist nicht ausreichend begabt, ist nicht so wie wir es brauchen.

Aber ich denke wir sind uns da einig, ein Kind sollte dort abgeholt werden, wo es ist. Und das ist unter Umständen heute schwieriger als früher. Bei Kindern, die in die erste Klasse eingeschult wurden, wurden Entwicklungsunterschiede von bis zu vier Lebensjahren beobachtet. Das heißt, wenn sechsjährige gemeinsam eingeschult werden, haben manche die Reife von vierjährigen, andere die von achtjährigen. Das macht das Unterrichten in der herkömmlichen Form unmöglich und auch deswegen sind Binnendifferenzierung und Methodenvielfalt so wichtig! Damit können aber viele deutsche Lehrer überhaupt nichts anfangen. Unter gutem Unterricht wird immer noch verstanden: Der Lehrer erzählt vorn und die Kinder lauschen (gelangweilt), nach dem Motto: Wenn alles schläft und einer spricht, so nennt man dieses Unterricht. Ein interessanter Artikel aus dem Stern ?Spass am Lernen? Selten bei uns?, schön auch das erste Fotos: http://www.ggg-nrw.de/Presse/STERN.2004-11-25.PISA2.html

Sind die schnellen Bilder, verbunden mit viel action, die das Fernsehen liefert, verantwortlich für die Langeweile im Unterricht? Ich habe mich vor über 30 Jahren schon bei Lehrern gelangweilt, die schlechten und langweiligen Untericht machten, da geht es meinen Kindern überhaupt nicht anders! Und viel zu selten sind die Lehrer, die gut vorbereitet sind, Spaß an ihrem Job haben und auch noch Menschen mögen. Wenn alle Lehrer so wären wie diese Ausnahmen, da sind sich meine Kinder einig, würde Schule auch in Deutschland Spaß machen. Schlechter Unterricht ist und bleibt unakzeptabel.

Mir scheint es sinnvoll nicht so schnell von Störungen zu sprechen und genauer hinzusehen, ob es sich nicht eher um eine ?normale? Verzögerung handelt. Denn eine Definition was normal ist und was nicht oder was eine Entwicklungsstörung ist, gibt es gar nicht! Wir sollten die Definition von Normalität nicht den diversen Praxen und Spezialisten überlassen, die dann mit der angeblichen Abweichung davon ihr Geld verdienen.

Für die Eltern bedeutet eine Diagnose zuerst eine Erleichterung, ?unser Kind ist nicht dumm oder faul oder schlecht erzogen?, wie der Lehrer es behauptet hat, es hat eine Störung. Leider bleiben die Eltern auf den Kosten für Diagnose und Förderung sitzen, denn Lehrer fühlen sich für diese Kinder nicht zuständig. Und entziehen sich so mit Eleganz ihrer Aufgabe.

?Zentrale Hörverarbeitungs- und Hörwahrnehmungsschwächen, die bei einem nicht geringen Anteil unserer Schulanfänger in mehr oder weniger ausgeprägtem Maße vorliegen, sind eines der ganz wesentlichen Hindernisse auf dem Weg zum Lesen und Schreiben. Anders als motorische Entwicklungsverzögerungen oder Verhaltensauffälligkeiten werden diese diese Entwicklungsschwächen jedoch leider nur sehr selten rechtzeitig oder als eigentliche Hörwahrnehmungsschwächen bemerkt. Auditiv schwache Kinder gelten häufig statt dessen als minderbegabt, verhaltensgestört oder aufmerksamkeitsschwach - die Reaktion der Umgebung ist meist aus Sicht der Kinder unangemessen im Sinne von lediglich "mehr Druck' und führt allenfalls zu einer dann als sekundär zu bezeichnenden Verhaltensstörung. Diese Verhaltensstörungen unterliegen einer im Einzelfall gut verständlichen Psvchodynamik, belasten den Schulalltag für alle ganz enorm und erschweren oder verhindern gar jede gezielte Förderung und Therapie...Das ist sicher keine weitere vermeintliche Zusatzaufgabe für die Lehrkräfte. Im Gegenteil: hier haben wir es mit einer urpädagogischen Herausforderung zu tun, der man sich nicht entziehen kann, bei deren Bewältigung aber zumindest zwei lohnende Ziele winken.?. Das schreibt Bettina Langenbruch, sie ist Fachärztin für Kinderheilkunde und Amtsärztin, in einem Aufsatz. http://www.schure.de/schools/gs/svbl0601.htm Zum einen werden die sekundären Verhaltensprobleme vermieden und zum anderen können bei sinnvoller Förderung Defizite in diesem Bereich noch in erstaunlichem Maße aufgefangen werden und so mit dem Kinde eine echte Lern-Basis erarbeitet werden.

Du schreibst über Legasthenie: ?Teilweise sind diese Kinder aber andererseits nicht in der Lage, einfache notwendige Alltagsaufgaben mühelos zu erledigen. Wenn ich da an vergangene Jahre mit meinem Sohn und an die Erfahrungen anderer Mütter mit ihren Kindern denke, finde ich es persönlich wichtiger, diese Kinder dazu zu befähigen, so zu handeln und sich so zu benehmen, dass es für sie selbst und für die Mitmenschen keine Qual ist.? Was verstehst du unter ?einfache, notwendige Alltagsaufgaben?? Den Mitmenschen keine Qual zu sein ist selbstverständlich eine wichtiges Erziehungsziel,? einen ursächlichen Zusammenhang mit einer Legasthenie sehe ich da aber nicht. Oder reagierten die Kinder sensibel auf die abfälligen Bemerkungen ihrer Lehrer und wurden renitent, entwickelten also sekundäre Verhaltensprobleme?

Doris




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besorgteMami



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... Erstellt am 16.02.2005 - 21:49 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Hallo.
Ich würde auch noch gerne zu dem Beitrag von "Erika" etwas ergänzen.
Mit unseren beiden mittlern Kindern waren wir längere Zeit bei einer Kinäsiologin in Behandlung. Sie referiert auch an Schulen über "Brain gym", ist von Hause aus eine Dipl.Psychologin, führt Hynosebehandlungen durch und ist auch gelernte Krankenschwester, die bei einem britischen Hirnprofessor zwei Jahre im OP dabei sein durfte. Soviel zu ihrer Qualifikation.
Diese Dame wurde auch gefragt, ob es eine Zunahme von Kindern mit Lernproblemen gäbe. Ihre Antwort war ein klares Ja. Und weiter führte sie auch aus, dass es unter anderem mit der Reizüberflutung unserer Zeit zu tun hat. Aber auch nach neusten Erkenntnissen aus der Neurologie mit dem stets zunehmenden Elektrosmog, dem sich niemand entziehen kann. Wenn ich hier nun kurz überlege, wann der Anstieg dieser "Problemkinder" begann, trifft das ziemlich genau mit dem Einsetzen der Mikrowellen-Geräte, der Funktelefone, der SAT-Anlagen, usw. zusammen. Ich meine, einer Häufung der genannten Geräte. (Vor 20 Jahren war in kaum einem Haus etwas der Genannten zu finden.) Darüber hinaus brachte die Trainierin aber noch folgenden Punkt in die Diskussion ein: Man sollte die Belastung mit Schwermetallen keinesfalls unterbewerten. Dass die Amalganfüllungen nicht sehr menschenfreundlich sind, ist inzwischen medizinischer Fakt. Wenn man sich nun an seinen Chemieunterricht zurückerinnern, Schwermetalle lagern sich über lange Zeiträume im Körper ein und sind nur schwer abbaubar. Unsere Eltern - ich spreche jetzt von einer Generation um die 60 - bekamen damals als medizinische Neuerung diese ewighaltbaren Quecksilberfüllungen. Sie wurden Eltern, die Anreicherung des Metalls geht in Spurenelementen an das Neugeborene. Wir wurden größer, die Welt wurde schneller um uns, wir wurden noch größer und bekamen auch unsere Zahnfüllungen. Als ob das noch nicht reicht an Belastung für den Organismus kamen die Atomkraftwerke mit ihren Unfällen, die die Umwelt und unsere Nahrungskette verunreinigten. Wir wurden nun Eltern, und gaben unseren Kindern diese in uns schon eingelagerten Abfall-Stoffe mit. Niemandem muss ich erklären, wie feinstofflich Embryos reagieren. Unsere Kinder sind das Produkt vieler kleiner Faktoren, aber auch die Addition dieser kleinsten Bausteine kann eine große Rechnung ergeben.
Das Buch "Greifen und Begreifen" kann ich übrigens nur wärmstens empfehlen. Es ist leicht verständlich geschrieben, also auch ohne medizinischen Hintergrund lesbar. Und es gibt nützliche Anregungen zur Betrachtung des eigenen Nachwuchses, mit denen man zu Fachpersonen gehen kann (z.B. Ergotherapeuten, Krankengymnasten).
So, das war´s von mir zu dem Thema.
Bis dann






Erika ...
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... Erstellt am 21.02.2005 - 22:18 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Hallo an alle,

Enja, ich freue mich, dass hier endlich jemand das Buch ?Greifen und Begreifen? kennt und sogar empfiehlt. Hieraus kann man wirklich eine ganze Menge lernen über Lernen.

Doris, wir sind uns einig darüber, dass Kinder da abgeholt werden müssen, wo sie gerade stehen.
Wir sind uns auch darüber einig, dass Kinder sich unterschiedlich entwickeln und nicht alle das Gleiche zur gleichen Zeit lernen können. Lernschwache oder auch Hochbegabte werden momentan so gut wie nicht gefördert. Kinder aus bildungsschwachen Familien sind benachteiligt. Wir stimmen überein, dass das derzeitige Schulsystem diese Faktoren nicht berücksichtigt. Das Schulsystem ist darauf ausgerichtet, Wissen abzuprüfen und Fehler vorzuhalten. Wer nicht der ?Norm? entspricht, wird entsorgt. Viele Kinder werden gemobbt und müssen leiden, weil ihnen zu oft gesagt wird, was sie nicht können und kaum ein Lehrer zwischen ?Nichtkönnen? und ?Nichtwollen? unterscheiden kann. Einig sind wir uns auch darüber, dass nicht von Eltern verlangt werden kann, dass sie ihre Kinder so ?zurechttherapieren? lassen, bis diese der gewünschten Norm entsprechen. Gesundheits- und Bildungsministerien müssten dafür Sorge tragen, dass alle Kinder ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden. Hierbei ist sehr wichtig, die Schulen und Lehrer passend für die Kinder zu machen und nicht umgekehrt. Ich sehe es außerdem als besonders wichtig an (und jetzt gehen unsere Meinungen auseinander), rechtzeitig den immer häufiger auftretenden Störungen in der kindlichen Entwicklung entgegenzuwirken (Anzeichen für mögliche Lern- und Verhaltensstörungen sind teilweise bereits im Säuglingsalter erkennbar). Förderung muss an den ?Wurzeln? beginnen.

Aus einigen deiner Ausführungen erkenne ich, dass du dich mit den Zusammenhängen von Wahrnehmung ? Motorik ? Hören - Sehen ? Lernen ? Verhalten nicht näher auseinandergesetzt hast. Als Enja in einem anderen Beitrag schrieb, sie glaube nicht wirklich an Graphologie, hast du ihr geantwortet, dass sie nicht daran glaube, weil sie sich nicht damit beschäftigt hätte. Ich denke, dass du keine entwicklungsgestörten Kinder siehst, weil du dich nicht damit beschäftigt hast.

Ergotherapie beinhaltet z.B. viel mehr als nur eine Bewegungsförderung http://de.wikipedia.org/wiki/Ergotherapie. Du räumst selbst ein, dass Störungen in der zentralen Hörverarbeitung bei einem nicht geringen Anteil der Schulanfänger vorliegen. Das sind doch Entwicklungsstörungen. Leider werden diese nur sehr selten rechtzeitig oder überhaupt (von Schulmedizinern) festgestellt. Also gehe ich im Augenblick zu anderen Fachleuten, die damit Geld verdienen, oder warte noch 20 Jahre, bis die Kosten von den Krankenkassen bezahlt werden oder die Bildungsministerien sich zuständig fühlen.

Die sensorischen Systeme entwickeln sich in Abhängigkeit voneinander. Das Gehör arbeitet sehr eng mit dem Gleichgewichtssinn zusammen. Vestibuläre Impulse sind von Bedeutung für die Verarbeitung akustischer Sinneswahrnehmungen im Hirnstamm. Sinneswahrnehmungen aus dem Gleichgewichtsorgan werden gemeinsam mit denjenigen aus Muskeln und Gelenken sowie vom Sehorgan im Gehirn verarbeitet. Bei Entwicklungsstörungen zeigt oft das Hörorgan Störungen am deutlichsten. Kinder mit Sprachproblemen haben oft Hörprobleme sowie ein schlecht funktionierendes Gleichgewicht bzw. Probleme mit der Mundmotorik.

Wahrnehmungsstörungen haben auch Auswirkungen auf das Verhalten. Das Gehirn reagiert anders, der Betroffene handelt möglicherweise anders, als es die Umstände erfordern. Die Fähigkeit, die Signale der Mitmenschen wahrzunehmen und richtig zu deuten, kann u.a beeinträchtigt sein. Die soziale Integration leidet. Betroffene können mit Emotionen schlecht umgehen. Viele Faktoren spielen eine Rolle, Erziehung ist nur ein wichtiger Faktor.

Die größten Probleme entstehen m.E. durch den Teufelskreis, in dem sich diese Kinder ganz schnell befinden. Sie werden oft abgelehnt, nicht verstanden oder sogar gemobbt.

Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Entwicklungsstörungen von allein auswachsen. Kinder lernen zwar einiges zu kompensieren, das eine Kind mehr, das andere weniger. Wie gesagt spielen viele Faktoren eine Rolle. Die Kinder werden sich aber immer mehr anstrengen müssen als andere Kinder und oft nicht ihr volles Potenzial zeigen können. Einige gehen auch den Bach ´runter.

Was hast du eigentlich gegen Entwicklungsförderung? Das ist eine Hilfe für Kinder und keine Belastung. Belastend für Kinder sind eher die Probleme beim Lernen, Nachhilfestunden, Legasthenietraining usw. Das ist keine Geldmacherei für dich oder? Das Argument Geldmacherei höre ich täglich von Müttern, bei deren Kindern ich ganz deutlich Entwicklungsstörungen erkennen kann. Diese Mütter lassen dann lieber die Folgeschäden beim Orthopäden behandeln z.B. mit Schuheinlagen bei Plattfüßen oder unterschiedlichen Beinlängen; die schlechte Handschrift und unübliche verkrampfte Stifthaltung wird mit einer Verkürzung der Archillessehne erklärt. Die Legasthenie wird als gegeben hingenommen, weil der Vater es ja auch schon hatte. Teures Legasthenietraining bei der VHS und Nachhilfestunden werden nicht als Geldmacherei gesehen und gern bezahlt.

Die Schulen könnten eine Menge dazu beitragen, diesen Kindern zu helfen. Der 1. und wichtigste Schritt wären Kenntnisse über Entwicklungsstörungen. Erste Ansätze für Entwicklungsförderung in einzelnen Schulen gibt es. Die sind nur leider wie eine Nadel im Heuhaufen zu finden.

ankewz.bei.t-online.de
www.legasthenie.de/Methoden/erfl-warnke.htm

Herzliche Grüße
Erika





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(A. Jean Ayres)

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... Erstellt am 24.02.2005 - 08:29 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Liebe Erika,

du hast recht, wir sind uns über weite Strecken einig! Unsere Wege trennen sich bei der Definition von Störungen. Du behandelst Entwicklungsstörungen als seien sie ein eigenständiges genau umschriebenes Krankheitsbild. Du schließt aus meiner anderen Meinung, ich hätte mich nicht genügend mit der Problematik auseinandergesetzt. Und übersiehst meinen anderen Ansatz. Für mich ist es etwas besonderes beobachten zu können wie normal unterschiedlich Kinder sich entwickeln. Die einen laufen mit acht Monaten, die anderen mit achtzehn Monaten! Und alle lernen es und können es! Was hilft uns bei der Entscheidung was normal ist. Der Durchschnitt vielleicht? Das ist nur ein rechnerischer Wert, der wenig über Normalität aussagt. Ich halte es da eher mit Janusz Korczak : ?Wann sollte ein Kind laufen und sprechen? Dann wenn es läuft und spricht!? ?"Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist" erarbeitete Korczak aus der Einsicht, dass jedes Kind ein einmaliges und unvergleichliches Wesen ist. Es hat das Recht auf seine individuelle Entwicklung, auf Selbstbestimmung und Entfaltung seiner Persönlichkeit... Der Erzieher hat dabei die Aufgabe, die im Kinde schlummernden Kräfte zu wecken und zu fördern. Er muss Freiräume bereitstellen, in denen das Kind sich entwickeln kann.? http://www.janusz-korczak.de/korczak_dimensionen.html

Für mich sind Kinder keine gestörten Mangelwesen sondern so wie sie sind gut und richtig. Ich habe zuallererst größte Achtung vor ihnen und ihren Begabungen! Und mein nächster Schritt ist, wenn etwas nicht gut läuft zu analysieren, warum das so ist.

Gegen Entwicklungsförderung habe ich überhaupt nichts. Ganz im Gegenteil, ich schrieb wir brauchen ?frühfördernde Kindergärten, die auch in den meisten Ländern selbstverständlich sind? damit man auch die Kinder erreicht, die von ihren Eltern nicht ?automatisch? gefördert werden. In meinem Zitat geht es um ?Zentrale Hörverarbeitungs- und Hörwahrnehmungsschwächen, die bei einem nicht geringen Anteil unserer Schulanfänger in mehr oder weniger ausgeprägtem Maße vorliegen?.

Du schreibst: ?Der 1. und wichtigste Schritt wären Kenntnisse über Entwicklungsstörungen.? Ich meine, der erste Schritt wären Kenntnisse über die normale Entwicklungsspanne von Kindern! Um dann entsprechend auf die Kinder einzugehen, die Unterstützung brauchen.

Ich kann zwar nachvollziehen, dass dir die Erkenntnis ?meine Kinder haben eine Störung? weitergeholfen hat, ich benötige diese Hilfe nicht (mehr).

Doris




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... Erstellt am 24.02.2005 - 23:07 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Liebe Doris,

du schriebst: ?Du behandelst Entwicklungsstörungen als seien sie ein eigenständiges genau umschriebenes Krankheitsbild?

Wie kommst du darauf? Von Krankheit habe ich nie geredet, von ?einheitlich? schon gar nicht. Auch habe ich nie behauptet, dass alle Kinder zur gleichen Zeit laufen lernen müssen. Kinder sind individuell verschieden und werden es auch bleiben.

Wenn aber z.B. bereits im Säuglings- oder Kleinkindalter zu erkennen ist, dass ein Kind Störungen mit dem Gleichgewicht und der Muskelspannung hat, sollte unbedingt etwas getan werden (leider kann man sich hier nicht immer auf die Kinderärzte verlassen). Allein durch die Verknüpfungen des vestibularen und visuellen sowie des vestibularen und auditiven Bereichs können weitere Folgen wie visuelle Wahrnehmungsprobleme und/oder auditive Verarbeitungsstörungen und/oder Sprachstörungen die Folge sein, die dann zu Lern- und/oder Verhaltensauffälligkeiten führen. Es gibt sogenannte sensible Phasen in der Gehirnentwicklung z.B. für die visuelle, auditive oder Sprachentwicklung, während derer sich Schaltkreise im Gehirn entwickeln. Werden diese Phasen nicht genutzt, entstehen Schäden, die später nur schwer wieder behoben werden können.

Eine Schule, die Rücksicht auf die Individualität der einzelnen Kinder nimmt, wäre zwar wünschenswert, jedoch wird sie nicht in der Lage sein, diese Störungen wegzuzaubern.

Glaubst du, dass diesen Kindern ihr Recht, so zu sein wie sie sind, lieber ist als eine rechtzeitige Förderung, die ihnen das Lernen erleichtert?

?Der Erzieher hat die Aufgabe, die im Kinde schlummernden Kräfte zu wecken und zu fördern? kann ich nur bestätigen. Deshalb habe ich mich für eine neurophysiologische Förderung entschieden. Allerdings bin ich schon der Meinung, dass hier die Zuständigkeit eigentlich bei den Gesundheits- und Bildungsministerien liegen sollte.

Du betonst Hörverarbeitungs- und Hörwahrnehmungsschwächen im Gegensatz zu ?störungen. Was willst du damit sagen? Es sind Schwächen, die hingenommen und unveränderlich sind oder was? Störungen kann man mindern oder sogar ganz beseitigen, ebenso wie eine Verkehrsstörung oder eine Verdauungsstörung.

Mir hat nicht die Erkenntnis ?meine Kinder haben eine Störung? weitergeholfen (so ein Blödsinn, den man auch immer wieder in der Presse liest!!) sondern die Erkenntnis, dass ich etwas dagegen tun kann, und zwar so, dass meine Kinder so leicht wie möglich (ohne gesetzliche Anerkennung einer Legasthenie, Legasthenietraining oder Nachhilfe) lernen können. Dir hat die Erkenntnis ?mein Kind hat eine Schwäche, die der Vater/Großvater ebenfalls hatte, an der ich nichts ändern kann? weitergeholfen.

Jeder muss eben für sich selbst entscheiden, ob er sein Kind fördern bzw. sich für Förderung durch die Gesundheits- bzw. Bildungsministerien einsetzen möchte, oder sich mit den Lern-/ bzw. Teilleistungsstörungen abfinden will, ohne neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zu berücksichtigen, die einigen Kindern das Lernen und Leben erheblich erleichtern können.

Schöne Grüße
Erika








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... Erstellt am 25.02.2005 - 09:36 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Liebe Erika,

natürlich muss man etwas tun wenn ein Kind Störungen oder Schwächen hat! Nur sollten wir doch nachdenklich werden, wenn auf einmal etwa 60% der Schulkinder Störungen haben. Welche Störungen hatten deine Kinder bevor sie in die Schule kamen? Und welche Störungen haben sie behalten, nachdem sie die Schule gewechselt haben?

Die Störungsdiagnosen, die meine Kinder im deutschen System bekamen, war auch lang. Und sie standen zum Teil im krassen Gegensatz zu den Diagnosen im anderen Schulsystem!

Du schreibst: "Dir hat die Erkenntnis ?mein Kind hat eine Schwäche, die der Vater/Großvater ebenfalls hatte, an der ich nichts ändern kann? weitergeholfen. Wie kommst du zu diesem Schluss? Für mich war erstmal klar, dass mein Kind nicht gestört ist sondern ein Problem hat wie viele andere in der Familie. Bei uns ging es um die Diagnose des Lehrers, das Kind kann kein Legastheniker sein, weil es zu intelligent ist, es ist nur faul! Dieses Urteil hat meinem ehrgeizigen, lernbereiten Sohn größte Probleme bereitet! Der ansonsten wirklich gute Unterricht des Lehrers hatte einen Haken! Der Lehrer ging davon aus, dass die deutsche Sprache lauttreu sei und er erzählte seinen Schülern sie brauchen doch nur zu schreiben wie sie es hören. Mein Sohn schrieb: Der Vatter vert Farat. Vollkommen richtig, genau wie er es hörte. Unter seinen Diktaten stand aber in Riesenziffern die Note ?fünf? und ?sechs?. Also musste ich meinem Sohn erklären, dass die deutsche Sprache nicht lauttreu ist. Einen interessanter Beitrag zu diesem Thema: Der Mythos der Lauttreue. Für eine andere Präsentation der Schrift. http://home.ph-freiburg.de/roebersi/Daten/mythos_lauttreue.pdf

Das Ergebnis ist, dass meine Sohn die Rechtschreibung mittlerweile fast altergerecht beherrscht. Jedenfalls besucht er ein Gymnasium, genau wie dein Sohn. Ich habe schon einigen Kindern allein dadurch geholfen, dass ich ihnen erklärte worin ihr Problem liegt und worauf sie achten müssen. Die Rechtschreibung der Kinder ist nicht perfekt, aber sie verbesserte sich auffallend! Ich denke, jeder geht den Weg den er für richtig hält. Und der Erfolg gibt uns beiden recht. Du hast einiges Geld investiert in diverse Therapien, das Geld habe ich gespart. Allerdings blieb auch unsere Familie nicht von den Querelen der Schule verschont, der Lehrer beharrte halsstarrig bis zum Ende auf seiner Einstellung.

Doris




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... Erstellt am 27.02.2005 - 00:33 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Hallo Doris,

ich bleibe dabei, dass die Zunahme der Lernprobleme vieler Kinder ein Zeichen unserer Zeit und/oder die Folge eines Kiss-Syndroms sind.

Gerade deshalb müssen allerdings auch die Schulen und die Unterrichtsmethoden passend für die Kinder gemacht werden.

Die Schulen, DIE Lehrer (die ich zumindest bisher kennen gelernt habe), die Unterrichtsmethoden und -gestaltung sind wirklich die größten Stolpersteine auf dem Weg zu einem erfolgreichen Leben für viele Kinder.

Ich unterstelle den Lehrern keine böse Absicht und kann auch wirklich verstehen, dass sie einen harten Job haben, aber für ihre Lernresistenz und ihre besserwisserische Haltung den Eltern gegenüber habe ich kein Verständnis mehr.

Du fragtest, welche Störungen meine Kinder hatten, bevor sie in die Schule kamen. Die Auffälligkeiten sind mir erst bewusst geworden, nachdem ich viel über kindliche Entwicklung gelesen hatte. Abgesehen von einigen Auffälligkeiten im Säuglingsalter, die aber kein Kinderarzt für besorgniserregend angesehen hatte (leider!)fiel mir mein Großer ab ca. 3 Jahren dadurch auf, dass er sich nicht anziehen konnte bzw. ständig abgelenkt war, nicht oder versetzt auf Ansprachen reagierte, einfach nicht das tat, was der Situation angemessen war. In Spielgruppen z.B. reagierten alle Kinder auf die Anforderungen ?Jetzt ist Schluss und alle Kinder ziehen ihre Schuhe an?, nur mein Großer rannte noch mehrmals durch den Raum. Beim Schwimmunterricht fragte mich seine Schwimmlehrerin einmal, ob mein Sohn etwas mit den Ohren hätte. Alle Kinder sprangen z.B. ins Wasser, wenn es angesagt wurde, nur mein Sohn erst, wenn man ihn noch einmal oder sogar mehrmals aufforderte. Lange Zeit suchte ich nach Erziehungsfehlern, die Eltern ja ständig von allen Seiten eingeredet werden. Ich las viele Bücher und machte mir viele Gedanken. Mein Sohn war bis ca. 5 Jahren trotz der Auffälligkeiten ein lieber, gutmütiger kleiner Teddybär, der sich eher eines auf die Mütze hauen ließ, anstatt sich zu wehren. Je größer die Anforderungen an ihn, desto auffälliger wurde sein Verhalten. Im Kindergarten tobte er lieber als zu basteln oder zu malen. Am Ende der Kindergartenzeit hatte er einmal kurzzeitig einen Tic. Ein Kinderarzt äußerte mir gegenüber als Grund eventuell Unterforderung. Auffälligkeit sollte unbedingt ignoriert werden, sonst wäre Verschlimmerung zu erwarten. Die Erzieherinnen grenzten ihn jedoch deswegen aus. Er musste z.B. in einer anderen Gruppe weiteressen.

Ich könnte sicher noch Stunden weiterschreiben, auch noch über meinen jüngeren Sohn, der andere weniger deutliche Auffälligkeiten zeigte, die mir erst bewusst wurden, nachdem ich mich damit beschäftigte. Das 1. Schuljahr bei dem Großen verlief dann ja ganz gut, wahrscheinlich wegen der Großzügigkeit der Lehrer den Schulanfängern gegenüber. Danach galt er dann als sehr verhaltensauffällig. Er wurde als sehr intelligent eingestuft. Wie du auch sagtest, gerade bei intelligenten Kindern wird dann alles, was nicht so funktioniert, wie es die Lehrer erwarten, als Erziehungsfehler, Faulheit, Unlust, Bockigkeit usw. gesehen. Die Kinder leiden enorm, alle Auffälligkeiten verstärken sich, neue kommen dazu. Aus einigen Kindern werden Monster gemacht, weil die Lehrer sie nicht verstehen können und es auch nicht wollen.

Mein Großer hat gerade leider einen Rückfall in Sachen Kiss, was seine Konzentrationsfähigkeit und auch sein Verhalten beeinträchtigt. Alles Denken und Tun ist zurzeit enorm anstrengend für ihn. Leider muss ich wieder einmal feststellen, dass von den Lehrern Probleme im häuslichen Umfeld gesucht werden. Keiner hat Verständnis für seine Probleme. Eine Strafe jagt die nächste, was sich negativ auf sein Verhalten auswirkt. Alle Lehrer sind sich wieder einmal einig. ?Er könnte ja, wenn er nur wollte.? Kritik wie ?Dir beim Lesen zuzuhören, macht keinen Spaß mehr. Nimm dir ein Beispiel an xx (Legastheniker).? Letztes Jahr war mein Sohn noch Leserbester der Klasse beim Lesewettbewerb. Unter der letzen Klassenarbeit stand: ?Gerade noch 2? usw. Es hagelt eigentlich schon wieder von negativen Reaktionen und/oder Kommentaren durch die Lehrer. Mit sämtlichen fachlichen Informationen über die Hintergründe seiner zurzeit vorhandenen Probleme renne ich wie gewohnt gegen Wände. Einige Kinder reagieren mit Rückzug, andere rebellieren gegen das Unverständnis der Lehrer. Mein Sohn rebelliert, ist sehr sensibel und schon wieder völlig verzweifelt, weil ihn keiner mag und versteht.

Wenn es Ärzte wären, würde ich mir andere aussuchen, den Lehrern bin ich mehr oder weniger hilflos ausgeliefert. Ich kann ja nicht ständig die Schule wechseln.

Herzliche Grüße
Erika

[Dieser Beitrag wurde am 27.02.2005 - 11:40 von Erika aktualisiert]




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... Erstellt am 15.03.2005 - 18:42 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Liebe Erika,

da sind wir einer Meinung ?dass die Zunahme der Lernprobleme vieler Kinder ein Zeichen unserer Zeit?sind. Beim KiSS Syndrom als Ursache bin ich nicht mehr ganz dabei, weil dafür Probleme auf eine ?durch die Geburt entstandene Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung? (KiSS) reduziert werden. Das KiSS Syndrom, dann verantwortlich für Probleme der Fein- und Grobmotorik, Kraftdosierung, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Verhaltensauffälligkeiten und Kopfschmerzen sein soll (http://www.kiss-info.de/KIDD.html) erscheint mir zweifelhaft. Ich sehe für diese Probleme andere Ursachen.

Hier nochmal andere Beobachtungen:

-Bei einer schulärztlichen Untersuchung in Baden- Württemberg, die zur Einschulung gemacht wurden und dann nochmal in der vierten Klasse, wurde festgestellt, dass sich innerhalb dieser vier Jahre alarmierende Veränderungen bei den Kindern beobachten ließen.

-Eine Freundin von mir, die sich als Feldenkraispädagogin auf Kinder spezialisiert hat, bestätigt diese Beobachtung. Auch sie empfindet es als alamierend welche Veränderung bei Schulkindern zu beobachten sind. Es handelt sich im wesentlichen um erhebliche Verspannungen. Die besonders im Nacken- und Rückenbereich als Folgen Konzentrationsstörungen, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne, Schlafstörungen und Nervosität haben können.

-An der örtliche Sonderschule ist ein Beratungs- und Förderzentrum (BFZ) angeschlossen, die dort angestellten Sonderschullehrer gehen an ?normale? Schulen, um dort Lehrer bei auftreten Problemen zu unterstützen. Vor einiger Zeit bat ich den damaligen Leiter der Sonderschule um Beispiele für derartige Einsätze. Seine Beispiele überraschten mich, denn alle Fälle von denen er berichtete, handelten davon, dass Lehrer sich falsch verhalten haben, Schüler darauf reagierten, die Angelegenheit eskalierte und dann um Unterstützung gebeten wurde. Vor kurzem fragte ich eine befreundete Sonderschullehrerin, die 1 ½ Jahre für dieses Zentrum gearbeitet hat, ob sie diesen Eindruck aus ihrer Erfahrung bestätigen kann, sie konnte.

-Hier zitiere ich nochmal aus dem Aufsatz von Bettina Langenbruch (Fachärztin für Kinderheilkunde und Amtsärztin): ? Auditiv schwache Kinder gelten häufig statt dessen als minderbegabt, verhaltensgestört oder aufmerksamkeitsschwach - die Reaktion der Umgebung ist meist aus Sicht der Kinder unangemessen im Sinne von lediglich "mehr Druck' und führt allenfalls zu einer dann als sekundär zu bezeichnenden Verhaltensstörung. Diese Verhaltensstörungen unterliegen einer im Einzelfall gut verständlichen Psvchodynamik, belasten den Schulalltag für alle ganz enorm und erschweren oder verhindern gar jede gezielte Förderung und Therapie...Das ist sicher keine weitere vermeintliche Zusatzaufgabe für die Lehrkräfte. Im Gegenteil: hier haben wir es mit einer urpädagogischen Herausforderung zu tun, der man sich nicht entziehen kann, bei deren Bewältigung aber zumindest zwei lohnende Ziele winken. Zunächst entspannt sich die Situation für das einzelne auditiv schwache Kind und auch für die Lehrkraft, wenn diese weiß: "Hänschen kann unter bestimmten Bedingungen auch beim besten Willen nicht wirklich hören, was ich sage. Das hat nichts mit seiner Motivation oder meiner Unfähigkeit zu tun." Werden die sekundären Verhaltensprobleme auch nur teilweise verhindert, so dürften dies schon den Grundschulalltag deutlich entlasten. Zum Anderen unterliegt die kindliche Hörwahrnehmung einem Reifungsprozess, der nicht mit Schulbeginn abgeschlossen ist. Bei sinnvoller Förderung können Defizite in diesem Bereich noch in erstaunlichem Maße aufgefangen werden und so mit dem Kinde eine echte Lern-Basis erarbeitet werden.? http://www.schure.de/schools/gs/svbl0601.htm

Ich kritisiere vor allen Dingen, dass Eltern für aus der Unwissenheit von Lehrern verursachte und entstehende Probleme, verantwortlich gemacht werden und dann auch noch viel Geld für Diagnosen und u.U. Therapien ausgeben müssen, z.B.:

- für eine aufwändige Diagnose von auditiven Wahrnehmungsstörungen und die Förderung der Kinder
- für eine Diagnose der Verhaltensstörung und die Therapie
- für eine aufwändige und teure Diagnose einer Lese- Rechtschreibschwäche und die Therapie
- für eine aufwändige und teure Diagnose, wenn Minderbegabung angenommen wird und Normal- oder sogar Hochbegabung herauskommt

Du schreibst: ?Mein Großer hat gerade leider einen Rückfall in Sachen Kiss, was seine Konzentrationsfähigkeit und auch sein Verhalten beeinträchtigt. Alles Denken und Tun ist zurzeit enorm anstrengend für ihn.?

Ich weiß nicht wie alt dein Sohn ist, es könnte sich aber auch um Probleme handeln, die mit der beginnenden Pubertät zusammenhängen. ?Anders als bisher angenommen strukturieren sich die Gehirne von Jugendlichen in der Pubertät weiter und zum Teil dramatisch um.? Das Gehirn von Jugendlichen ist einen Baustelle, ein Beitrag der sich mit damit beschäftigt heißt: ?Wegen Umbaus vorübergehend geschlossen - Gehirnentwicklung in der Pubertät.? http://www.learn-line.nrw.de/angebo....banlass/lernen/pub_2.html ?Ab dem 10. / 12. Lebensjahr verdünnen sich die grauen Zellen mit einer Rate von 0.7% pro Jahr.? Auch für die pubertären Veränderungen der Kinder haben viele Lehrer kein Verständnis. Und auch hier wird die sorgfältige Heftführung und die bessere Rechtschreibung der meisten Mädchen als normal angenommen und die unzureichenden Leistungen der meisten Jungen als nicht normal.

Du schreibst: ?Die Schulen, DIE Lehrer (die ich zumindest bisher kennen gelernt habe), die Unterrichtsmethoden und -gestaltung sind wirklich die größten Stolpersteine auf dem Weg zu einem erfolgreichen Leben für viele Kinder.? Sie müssen es nicht sein, aber wenn sie es sind, hat sich bis jetzt kaum jemand dafür interessiert. Nicht umsonst haben die einzelnen Bundesländer eine veränderte Ausbildung der Lehrer in die Wege geleitet. Unser Problem ist Folge einer mangelnden Auswahl der angehenden Lehrer, einer unzureichenden Aus- und Weiterbildung. Außerdem gibt es bis jetzt keine wesentliche Kontrolle und Rückmeldung zur Leistung nach Beendigung des Referendariats. Dieses Thema wurde bei uns jahrelang sträflich vernachlässigt. In anderen Ländern wird das anders gehandhabt, wie eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung (DIPF) http://www.ggg-nrw.de/Qual/DIPF.PISAVergl2003.pdf Ob die Veränderungen, die in den einzelnen Bundesländern in die Wege geleitet wurden ausreichen, bleibt abzuwarten.

Grüße

Doris Carnap




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... Erstellt am 16.03.2005 - 22:32 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Hallo Doris,

leider ist es so, dass sich nur einige Betroffene und wenige über ihren Tellerrand hinausschauende Kinderärzte mit dem Thema Kiss und Folgen näher beschäftigen. Diejenigen, die sich wirklich damit auseinandersetzen und sich näher informieren, sind auch von der Existenz und den Auswirkungen überzeugt. Wer die Meinung der Mehrheit einfach übernimmt, wird nicht zu überzeugen sein.

Sogar Lehrer aus dem Lehrerforum, allerdings hier nur zwei persönlich Betroffene, sind inzwischen überzeugt. Scheinbar sind nur Betroffene bereit, sich näher zu informieren.
http://19087.rapidforum.com/topic=100579910574&startid=1

Wer glaubt, dass eine Kissbehandlung bei Kindern nach dem 1. Lebensjahr ausreicht, wird auch leicht in Versuchung kommen, den Behandlungserfolg anzuzweifeln. Bei einigen Kindern scheint allein eine Kiss-Behandlung Wunder zu bewirken. Allerdings bei vielen sind noch frühkindliche Reflexe vorhanden, die auch große Auswirkungen auf Lernen und Verhalten haben können.

Außerdem möchte ich nochmals betonen, dass es auch ohne Kiss zu Entwicklungsstörungen kommen kann. Kiss kommt allerdings häufig vor.

Auf beginnende Pubertätserscheinigungen wurde ich auch schon von anderer Seite aufmerksam gemacht. Dazu passen einige Auffälligkeiten jedoch nicht.

Bei meinem Sohn wurde festgestellt, dass seine Augen zurzeit zu wenig Gleichgewichtsinformationen bekommen (ein kurzer postrotatorischer Nystagmus ist ein Zeichen dafür). Andere Auffälligkeiten, die ich jetzt hier nicht alle aufzählen möchte, deuten ebenfalls nicht auf Vorpubertät hin.

In "Bausteine der kindlichen Entwicklung" von Jean Ayres habe ich danach gelesen:

...dass ein kurzer postrotatorischer Nystagmus ein Zeichen dafür ist, dass die vestibulären Kerne im Hirnstamm keine ausreichenden Informationen von seinem Gleichgewichtsorgan erhalten oder diese Informationen nicht richtig verarbeiten

... Die vestibulären Kerne im Hirnstamm senden elektrische Impulse durch das Rückenmark, das seinerseits Impulse an die Muskeln weiterleitet, wodurch diese Informationen erhalten, wann und in welchem Ausmaße sie sich zu kontrahieren haben.

... Sämtliche Muskeln des Körpers müssen zur Kontraktion in der Lage sein, um das Gleichgewicht aufrecht erhalten zu können.

...Das vestibuläre System trägt mit einem großen Anteil sensorischer Informationen, die in das retikuläre Warn- und Wecksystem eingespeist werden, dazu bei, einen Menschen wach- und abwehrbereit zu halten.

... Jede Störung in der Verarbeitung von Sinnesinformationen aus dem Gleichgewichtssinn, von den Augen und der Halsmuskulatur wird wahrscheinlich die visuelle Wahrnehmung erheblich beeinträchtigen.

...Die Halsmuskeln benötigen besondere Beachtung, da die Sinneswahrnehmungen aus ihnen einen erheblichen Beitrag zur visuellen Wahrnehmung liefern.

Mir erscheint das alles logisch nachvollziehbar erklärt. Wenn ich dann noch eigene Erfahrungen und die anderer Betroffener, die Erfolge erzielt haben dazu nehme, kann ich eigentlich nicht anders als davon überzeugt zu sein.

Abgesehen davon kann ich dir sonst nur zustimmen. Durch Berücksichtigung der Besonderheiten einiger Kinder kann viel Unheil vermieden werden. Viele Probleme enstehen dadurch, dass Lehrer nicht mit nicht genormten Kindern umgehen können. Sie können wahnsinnig viel kaputt machen, Lernstörungen und Verhaltensauffälligkeiten enorm verstärken oder sogar auch erst auftreten lassen.
Gesundheitsministerien und Bildungsministerien sind m.E. verantwortlich, die Kinder rechtzeitig zu fördern - und diese Förderung kann bei vielen Kindern bereits im Säuglingsalter beginnen.

Darauf zu warten, dass sich die Auffälligkeiten einiger Kinder auswachsen bzw. durch individuelle Förderung von allein verschwinden, ist laut einiger Fachleute ein falscher Weg. Jedes Kind wird lernen, mit mehr Anstrengung im Laufe seines Lebens einiges besser zu kompensieren, aber warum sollen wir es ihnen antun, wenn rechtzeitige neurophysiologische Förderung das Leben leichter machen kann. Je früher die Förderung, deso größer der Erfolg!

Einen schönen Abend noch!

Erika

[Dieser Beitrag wurde am 16.03.2005 - 22:37 von Erika aktualisiert]




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... Erstellt am 19.03.2005 - 16:07 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Liebe Erika,

ich sehe das KiSS Syndrom als Verursacher kritisch, aber nicht die Therapie dagegen: ?behandelt wird das KISS-Syndrom durch eine Lösung der HWS-Blockade. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten und Methoden. Manualtherapeutisch kann z.B. mit der Chirotherapie, der Atlastherapie, Dorn-Therapie oder der HIO-Technik gearbeitet werden. Die Osteopathie und die craniosacrale Impulsregulation (CSIR) sind ebenfalls Methoden zur Lösung der Blockade.? (http://www.bredner.de/KISS.html#definition) Es wäre für mich interessant zu erfahren womit dein Sohn behandelt wird. Ein anderer Ansatz ist, den Beckenschiefstand für ähnliche Symptome verantwortlich zu machen.

Grundsätzlich ist das menschliche Skelett genial aufgebaut, es ist aber nur ein ?rein passives System? wie es im Gesundheitsbrockhaus so schön heißt, ?das erst durch das Spiel der Muskeln zu den vielfältigen Bewegungen befähigt wird.

Moshe Feldenkrais, er war Physiker und Judolehrer, hat aus der Erkenntnis, dass Muskeln (und Sehnen und Bänder) für die volle Funktion des Skeletts verantwortlich sind, eine Methode entwickelt, die die Funktionstüchtigkeit aller Muskeln übt - die Feldenkrais Methode. Diese Methode ist hilfreich bei Beschwerden die durch Verspannungen verursacht werden, aber auch bei sehr schweren Erkrankungen wie z.B. Schlaganfall, MS und Morbus Bechterew.

Noch mal zum Überdenken:

Das Beispiel Vorpubertät weist du mit dem Argument zurück: dass ?seine Augen zurzeit zu wenig Gleichgewichtsinformationen bekommen (ein kurzer postrotatorischer Nystagmus ist ein Zeichen dafür)?

Das Gleichgewichtsorgan sitzt im Ohr, die Verbindung zu den Augen findet über das Gehirn statt durch die Verarbeitung und Verbindung der verschiedenen Wahrnehmungen. Wenn das Gehirn in der Pubertät dermaßen umstrukturiert wird, erscheint es mir nicht unwahrscheinlich, dass solche Störungen pubertätsbedingt auftreten können.

Du zitierst Ayres: ...? Jede Störung in der Verarbeitung von Sinnesinformationen aus dem Gleichgewichtssinn, von den Augen und der Halsmuskulatur wird wahrscheinlich die visuelle Wahrnehmung erheblich beeinträchtigen.? Auch dabei werden alle eingehenden Informationen im Hirn verarbeitet.

Du zitierst ?Das vestibuläre System trägt mit einem großen Anteil sensorischer Informationen, die in das retikuläre Warn- und Wecksystem eingespeist werden, dazu bei, einen Menschen wach- und abwehrbereit zu halten.?

Hier ist schon bewiesen, dass sich das System aufgrund einer veränderten Melatoninausschüttung in der Pubetrtät verändert: ?Neue Forschungen haben ergeben, dass Schüler nicht genug schlafen. Wenn Jugendliche in die Pubertät kommen, wird dieses Problem besonders deutlich. Denn dann verschieben sich die Schlafzeiten aus biologischen Gründen nach hinten: Die Jugendlichen werden am Abend später müde und dafür am nächsten Morgen später wach.? Der Schlafforscher ?Jürgen Zulley fordert deshalb, dass die Schulen ihre Stundenpläne reformieren und dem natürlichen Schlafzyklus der Heranwachsenden anpassen. Ein späterer Beginn des Unterrichts kommt nach Meinung des Regensburger Biologen nicht nur dem menschlichen Biorhythmus entgegen. Dadurch werde auch die Leistungsfähigkeit der Schüler erhöht. Auch die Appetitlosigkeit am Morgen schade den Schülern, so Zulley. Könnten sie länger schlafen, würde das Frühstück besser schmecken, argumentiert der Wissenschaftler. Und die Qualität des Schlafs würde verbessert werden. Zudem seien die Schüler dann weniger anfällig für Krankheiten und der Unterricht mache mehr Spass.? (http://www.cityinfonetz.de/tagblatt/archiv/2002/02/15/schlaf.phtml )
Hier ein Interview mit Jürgen Zulley: http://www.wdr.de/tv/service/familie/inhalt/20020123/b_3.1.phtml

Diese Erkenntnisse haben in Amerika bereits zu Konsequenzen geführt, an vielen weiterführenden Schulen fängt der Unterricht deswegen erst um 9Uhr an. Während sich unsere Lehrer über die müden Pubis aufregen und von Vernachlässigung durch die Eltern reden, wenn die Kids nicht gefrühstückt haben!

Du forderst: ?Gesundheitsministerien und Bildungsministerien sind m.E. verantwortlich, die Kinder rechtzeitig zu fördern - und diese Förderung kann bei vielen Kindern bereits im Säuglingsalter beginnen.?

Auf Bundesebene ist Renate Schmidt immerhin aktiv geworden, auf Länderebene haben Bayern, Berlin und Hessen sich Vorschläge zur Entwicklung von Bildungs- und Erziehungsplänen von Wassilios Fthenakis machen lassen, er ist einer der wenigen, die sich mit Frühpädagogik beschäftigt haben. http://www.ifp-bayern.de/cms/Fruehfoederung.pdf

Im einem Interview mit der Zeitschrift ?Betrifft Kinder? 7/2004 http://www.fthenakis.de/cms/Int-AufdenAnfang.pdf auf Seite 10 kann man das Anliegen von Wassilios Ftenakis lesen, dass man aber nicht nur einzelne Problembereiche sehen soll, sondern alle Problembereiche in einen übergeordneten Ansatz einzubetten. ?Wie gehen wir mit Differenzen um? Eine Dimension ist die kulturelle Dimension. Andere Dimensionen sind das Geschlecht, Stärken und Schwächen von Kindern oder Kinder mit besonderen Bedürfnissen im Unterschied zu Kindern, die solche Bedürfnisse nicht haben. Das heißt, wir brauchen ein übergeordnetes Konzept wie wir philosophisch mit Differenzen umgehen. Bis jetzt haben wir die Differenzen als Bereicherung ignoriert oder eliminiert. Ich schlage vor, dass wir Differenzen als Bereicherung betrachten, sie begrüßen, sie für mehr Lernerfahrung nutzen und dadurch auch für mehr Integration.?

In diesem übergeordneten Ansatz ist Platz für alle Kinder, egal welches Geschlecht sie haben, welche Nationalität, welche Stärken oder Schwächen! Wir sind uns einig, dass in unserem System die Kinder mit Entwicklungsstörungen genauso vernachlässigt werden, wie alle anderen Kinder die von der Norm abweichen. Unsere unterschiedliche Einschätzung kommt dadurch zustande, dass ich die Entwicklungsunterschiede etwas differenzierter betrachte.

Grüße

Doris




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... Erstellt am 20.03.2005 - 01:19 Beitrag zitieren Beitrag melden Beitrag verändern Beitrag löschen

Hallo, Doris!
Also, ich werde jetzt nur kurz auf deine Skepsis gegenüber HWS-Blockade (häufig benannt als Kiss- Syndrom) als mögliche Ursache für Lern- und Verhaltensstörungen eingehen bzw. wiss. Pro und Contras einbringen, sondern einfach nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten.
Ich selbst bin Mutter 3-er Kinder, beruflich Lehrerin. Im Juli vergangenen Jahres wurde bei meinem Baby (da. 8 Wo. alt) eine Blockade der beiden oberen HW festgestellt. Nach Behandlung bei einem darauf spezialisierten Arzt konnte sie plötzlich nicht nur den Kopf dre
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