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Hessen - Unterrichtsgarantie PLUS und verlässliche Schule

 
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 27.04.2006, 18:39    Titel: Hessen - Unterrichtsgarantie PLUS und verlässliche Schule Antworten mit Zitat

Hallo,

das hessiche Kultusministerium hat eine neue Kampagne gestartet zur verlässlichen Schule. Leider wird jeder, der von Unterrichtsgarantie PLUS liest, auf der Stelle mißtrauisch. Wenn die Unterichtsgarantie, die es in der Vergangeheit schon nicht gab, noch mit einem Plus versehen wird, welche Bedeutung kann das 'Plus' eigentlich haben?

Dabei ist die Idee, die dahintersteckt, gut. Auf kurzfristig entstehenden Unterrichtsausfall soll vor Ort schnell reagiert werden können. Die einzelnen Schulen sollen auf eine Gruppe von Personen zurückgreifen können, die in der Lage sind kurzfristig einzuspringen. Das Kultusministerium hat eine lesenswerte Handreichung dazu herausgegebenen:
http://www.verlaessliche.schule.hessen.de/material/

"Mit dem von Kultusministerin Karin Wolff angekündigten Projekt "Unterrichtsgarantie plus" soll vom kommenden Schuljahr an garantiert sein, dass auch bei Erkrankungen von Lehrern kurzfristig Vertreter eingestellt werden. Geschehen soll das zum Beispiel durch pensionierte oder beurlaubte Lehrer, durch Eltern und Referendare. Laut Wolff können bisher 2,5 Prozent des Gesamtunterrichts der Klassen eins bis zehn nicht schulintern abgedeckt werden. Um das zu ändern, sollen Schulen aus einem 42 Millionen Euro umfassenden Topf Vertretungspools aufbauen", konnte man am 25.4. im Wiesbadenenr Kurier lesen

Aber gleich wird auf typische deutsche Art knallhart zwischen GEW und CDU um Porsitionen gekämpft, statt nach einer guten Lösung zu suchen. Und eine immer besonders schlecht informierte hessische Lehrerin aus dem Lehrerforum, weiß natürlich genau was falsch ist: Es werden 1?-Jobber eingestellt.

Die Probleme die die GEW Hessen hat, sind hier nachzulesent:
http://www.gew-hessen.de/uploads/mi..../Material_zur_U-Plus.pdf:

"Die CDU-Fraktion befürchte nun, dass die Lehrer-Gewerkschaft GEW "unter Missbrauch personalvertretungsrechtlicher Bestimmungen die Erreichung des Ziels einer verlässlichen Schule sabotieren will", sagte Wagner. Der GEW warf er "ideologisch gefärbte Verbandspolitik" und "Totalblockade" vor. Personalräte dürften sich "für GEW-Boykott-Politik" nicht "instrumentalisieren lassen". Mit der Verbreitung von "Musterablehnungsbegründungen" und "Bedienungsanleitungen" zur Verhinderung des Vertretungsprojekts mache die Gewerkschaft laut CDU-Fraktionschef Stimmung gegen die "Unterrichtsgarantie plus". Wagner räumte ein, die Welle der Kritik der GEW an dem Vorhaben unterschätzt zu haben. Er gab auch zu, dass noch unklar sei, wie die Vertreter-Anstellungsverträge juristisch konkret ausgestaltet sein müssen. Da seien sich die Fachleute noch nicht einig. Gemeinsam mit dem Kultusministerium lasse die CDU derzeit prüfen, wie dem drohenden Veto der GEW und der von ihr dominierten Personalräte juristisch begegnet werden könne, sagte Wagner und betonte mit Blick auf eine Gesetzesänderung zum Mitbestimmungsrecht bei Vertreter-Verträgen: "Ich bin für alles offen."

"Das an sich lobenswerte Modell der Unterrichtsgarantie muss praktikabel nachgebessert werden. Es sollte nicht die von der CDU angedrohte Gesetzesänderung sein, die zudem im Landtag im Eilverfahren bis zur Sommerpause durchgepeitscht werden müsste. Vermutlich gibt es auch eine Nummer kleiner eine Lösung. Schließlich geht es nicht um eine Machtdemonstration zwischen CDU und GEW, sondern um den Bildungsanspruch von Schülern, denen in Hessen bisher 70 000 Unterrichtsstunden pro Jahr fehlen."
Wiebadener Kurier

Bei diesem Hickhack gerät der gute Ansatz gleich ins Hintertreffen.
FAZ

Welche Möglichkeiten es innerhalb von Europa gibt, mit mit dem Mangel an Vertretungskräften umzugehen, kann man bei "Eurydice - Das Informationsnetz zum Bildungswesen in Europa" nachlesen:
http://www.eurydice.org/News/Communique/de/PR%20KT32%20_DE_.pdf

Der Schritt in Richtung selbstständige Schule fällt schwer. Es ist einfacher über die Versäumnisse von "oben" zu jammern oder zu schimpfen, als Verantwortung zu übernehem.

Doris
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Ulrike
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BeitragVerfasst am: 10.05.2006, 19:07    Titel: Unterrichtsgarantie.... aber wie! Antworten mit Zitat

?Schule sucht ehemalige oder pensionierte Lehrer, Lehramtsstudenten,Eltern oder andere Interessenten, die Kinder kurzfristig betreuen oder Vertretungsunterricht übernehmen.?
So und ähnlich lauten die Stellenanzeigen in den regionalen Tageszeitungen.


?Unterrichtsgarantie Plus? heißt das neue Zauberwort unserer Ministerin Karin Wolff.

Sie garantiert uns: kein Unterrichtsausfall mehr! bei Krankheitsfällen der Lehrer!

Dafür darf/muss: Alles in den ?Unterricht? was auf den Beinen stehen kann.

Eltern werden ausdrücklich aufgerufen, sich als Aufsicht oder Betreuer von Projekten für die Schulen zur Verfügung zu stellen.
Dumm ist nur, dass viele Bewerber keine Lehrbefähigung oder Unterrichtserlaubnis haben, also nur als ?Betreuer?. Eingesetzt werden können.

Pro Lehrerstelle werden den hesss. Schulen 1000,-? zur Verfügung gestellt. Daraus stellen die Schulleitungen einen Vertretungs-Pool (aus den o.g. Personen) zusammen, die dann frei nach dem Motto : Bei Anruf Unterricht! geschwind in die Schulen ?rasen?.

Aber halt, erst muss der Bewerber noch seine 15 Vertragsformulare ausfüllen und unterzeichnen:
von der "Niederschrift über die förmliche Verpflichtung" und die "Erklärung zum Familienstand" bis zum "Merkblatt mit Empfangsbestätigung zur Korruptionsbekämpfung in der Landesverwaltung". Und danach muss er noch aufgeklärt werden über den "Verwahrungsbruch", den "Verrat in irriger Annahme eines illegalen Geheimnisses" usw.

Ihr ahnt es: die Bewerber ?drängeln sich geradezu?. Shocked

Großstädte mit Hochschulen könnten vielleicht Lehramtsstudenten als Praktikanten einsetzen, aber versucht mal diese in Windeseile nach Waldeck-Frankenberg, den Vogelsbergkreis etc. zu locken!

Ja, der hessische Unterricht wird garantiert, durch Qualität?
Die seit sieben Jahren versprochene Unterrichtsgarantie ist bis heute nicht umgesetzt worden und nun kommt daran noch ein PLUS!
Dabei sah es anfangs der Regierungszeit weit hoffnungsvoller aus.

Warum nur kann es keinen Lehrerzuweisungserlaß geben, der die alljährlich bekannten Stundenausfälle berücksichtigt?

Hat Frau Wolff je bedacht, was sie eventuell Kindern in Schulen antut, wenn Unterrichts-Mutter X das Verhalten von Kind Y beim nächsten "Geburtstagskaffee" zum Besten gibt?


Ziel verfehlt Frau Wolff! !..... oder werden Sie selbst (als Frau mit Lehrbefähigung) für 15?-20? ab November bei Nebel, Eis und Schnee ins Waldecksche, die Rhön, in den Vogelsberg etc. fahren?

Gruß

Ulrike
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 11.05.2006, 09:46    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Uli,

ich bin aufgrund meiner Auslandserfahrungen von den Vorteilen einer selbstständigen Schule überzeugt. Für mich bedeutet es, dass sich Schulleiter und alle Lehrer dafür verantworlich fühlen was in ihrer Schule geschieht und endlich aufhören, die Verordnungslage, die falsche Politik oder was auch immer verantwortlich zu machen und sich als Opfer von wem auch immer zu sehen.

Es werden ja Eltern gesucht, die selbst Lehrer sind oder einen interessanten Beruf haben - bei uns gibt es reichlich gut ausgebildetet Mütter.

Aus dem vorgeschlagenem Text für eine Zeitungsanzeige:

Zitat:
"Die hessische Landesregierung stellt ab 01.08.2006 jeder Schule gesonderte Finanzmittel für Vertretungsunterricht zur Verfügung.

Sind Sie an einer Mitarbeit interessiert?

Haben Sie Erfahrung im Umgang und in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?

Haben Sie eine Qualifikation für die Erteilung von Fachunterricht?"


An unserer Schule sind sowieso schon einige pensionierte Lehrer wieder eingestiegen, um den Bedarf in den Mangelfächern zu decken.

Und wo ist der Nachteil, wenn eine Mutter motiviert in die Klasse kommt, anstelle eines vollkommen generveten Fachlehrers. Der Fachlehrer ist stocksauer, weil er nicht über seine Freistunde verfügen darf und stattdessen z.B. eine Mathestunde vertreten soll, er herrscht die Schüler an, sie mögen das was sie tun leise tun und ihn bei seiner Zeitungslektüre gefälligst nicht stören. Selbst wenn ein Lehrer nicht dermaßen schlecht gelaunt in die zu vertretende Klasse kommt, wird sehr selten wirklicher Vertetungsunterricht gemacht, meist ist der Lehrer nur anwesend während sich die Schüler selbst beschäftigen. Kürzlich sagte ein Deutschlehrer auf Nachfrage, er wisse ja gar nicht, wenn er in eine fremde Klasse komme, was die momentan machen, deswegen könne er in einer Vertretungsstunde auch keinen Fachunterricht geben. So professionell, wie du dir erhoffst, sind teuer bezahlte Fachlehrer also auch nicht immer Wink

Zitat:
Uli:
Warum nur kann es keinen Lehrerzuweisungserlaß geben, der die alljährlich bekannten Stundenausfälle berücksichtigt?

Das ist in Deutschland, wie in allen anderen Ländern auch, eine Geldfrage. Und in Deutschland ist das Geld besonders knapp und deutsche Lehrer sind besonders teuer.
Zitat:
Uli:
Hat Frau Wolff je bedacht, was sie eventuell Kindern in Schulen antut, wenn Unterrichts-Mutter X das Verhalten von Kind Y beim nächsten "Geburtstagskaffee" zum Besten gibt?

In vielen Berufen gibt es eine Schweigepflicht, warum sollten nun ausgerechnet deutsche Frauen damit ein Problem haben?
Zitat:
Uli:
Aber halt, erst muss der Bewerber noch seine 15 Vertragsformulare ausfüllen und unterzeichnen:
von der "Niederschrift über die förmliche Verpflichtung" und die "Erklärung zum Familienstand" bis zum "Merkblatt mit Empfangsbestätigung zur Korruptionsbekämpfung in der Landesverwaltung". Und danach muss er noch aufgeklärt werden über den "Verwahrungsbruch", den "Verrat in irriger Annahme eines illegalen Geheimnisses" usw.

Na ja, wenn man die Verletzung des Datenschutzes verhindern will und ansonsten die Arbeitsbedingungen klären will, muss man Informationen zur Verfügung stellen und sich das Wichtige auch unterschreiben lassen. Das ist zum Wohle der Kinder einfach notwendig.

Doris
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Ulrike
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BeitragVerfasst am: 11.05.2006, 19:50    Titel: Antworten mit Zitat

@ Doris,

was wird uns denn mit einer solchen Unterrichtsgarantie verkauft?

Betreuung - Unterricht light und kostengünstig.

Selbständigkeit von Schulen ist für mich mehr als "Löcher stopfen" und ich möchte auch nicht, dass dieses Wort Selbständigkeit mit solchen Notlösungen an Wert einbüßt.
Unsere Auffassung von Selbständigkeit der Schulen geht mit Sicherheit weit über das hinaus, was Frau Wolff darunter versteht.
Ähnlich wurde ja auch der Begriff Ganztagsschulen strapaziert.
Frau Wolff sieht darin die (alte) Halbtagsschule mit etwas (möglichst durch Eltern und Vereine etc.) organisierter Betreuung an ein paar Nachmittagen.
Rhytmisierten Ganztagesunterricht ohne Hausaufgaben meint sie jedenfalls nicht.

Zum jetzigen Zeitpunkt bezweifle ich, dass die Schulleitungen für innovative Selständigkeitskonzepte genügend qualifiziert sind.

Das alles ist doch Etikettenschwindel.

Wie Du richtig bemerkst, müssen mancherorts Schulen schon jetzt in Mangelfächern auf ihre Pensionäre zurückgreifen.
Manch abgehaltene Unterrichtsstunde ist genauso wertvoll wie eine nicht abgehaltene, das wissen wir auch aus Erfahrungen.
Wie schlecht Vertretungsunterricht innerhalb der Schule organisiert sein kann hast Du ja beschrieben. Da gibt es sicherlich intelligentere Modelle.
Ob aber eine motivierte Mutter schon ein Qualitätsmerkmal ist, bezweifle ich!

Um Kinder zu unterrichten und pädagogisch zu begleiten bedarf es schon weiterer Fähigkeiten.
Gerade weil ich die Auffassung vertrete, dass wir für unsere Kinder die besten Pädagogen brauchen, die Spreu vom Weizen getrennt haben will, kann ich auch solche Ersatzlösungen nicht akzeptieren.

Gewiss, das Gejammere über schlechte Rahmenbedingungen verführt Schulen und ihre Lehrer oft dazu, vor lauter Verordnungsblindheit, keine Frei- und Spielräume mehr zu nutzen. Erst einmal die Opferrolle angenommen, fehlt es dann auch am wirklichen "Wollen", sie werden auch noch "betriebsblind".

Doris:
Zitat:
Und in Deutschland ist das Geld besonders knapp und deutsche Lehrer sind besonders teuer.

In Deutschland ist das Geld nicht besonders knapp, es wird falsch verteilt! Auch daran erkennen wir was uns unsere Kinder wert sind.

Aber auch Geld scheint nicht alles zu sein, wie wir an den weniger teuren Lehrern aus Skandinavien wissen.

Es wird hier wieder einmal ein Symptom mit einer unausgereiften Aktion behandelt, ohne die wirklichen Ursachen in Angriff zu nehmen.

Gruß

Ulrike
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 13.05.2006, 08:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Uli,

warum siehst du als Notlösung an, was in anderen Ländern durchaus auch üblich ist? Hier ein Auszug aus der Pressemitteilung von Eurydice:
Zitat:
"Häufig besteht ein Mangel an Vertretungskräften
Häufig entstehen große Schwierigkeiten im Bereich der Besetzung von Vertretungsstellen, und dies auch in Staaten, die sonst eigentlich keinen Lehrermangel kennen. Hier lassen sich zwei Arten von Lösungen beobachten: die prioritäre Nutzung der vorhandenen Ressourcen oder aber die Einstellung von zusätzlichem Vertretungspersonal. Letztere Möglichkeit wird nur in Schottland favorisiert. Manche Staaten überlassen die Wahl der Methode den zuständigen örtlichen Behörden, welche die Verantwortung in der Regel wiederum an die Schulleitung der Einzelschule weitergeben. Dies gilt für die meisten nordischen Staaten (Dänemark, Schweden, Finnland und Island), die Niederlande, die Tschechische Republik und Lettland.
http://www.eurydice.org/News/Communique/de/PR%20KT32%20_DE_.pdf


Sicher könnten auch wir Geld anders ausgeben, wenn wir wie fast alle anderen Länder auch, auf das Sitzenbleiben verzichten würden und die teuren Sonderschulen auflösen würden. Laut Klaus Klemm (FR Interview) müssten unsere Ausgaben aber um 35 Milliarden steigen, um mit Schweden mithalten zu können. Schweden hat einen Mehrwertsteuersatz von 25% und leistet sich einen vorbildlichen Sozialstaat. Bei uns wird ja jetzt schon heftig über die kommende Mehrwertsteuererhöhung geklagt.

In Kanada und Australien z.B. ist es üblich, dass Eltern die Lehrer bei der Arbeit unterstützen. In diesen Ländern ist auch das Eltern - Lehrerverhältnis ein ganz anderes. Schulen schotten sich bei uns ja regelrecht ab, ein Unterrichtsbesuch durch Eltern muss beantragt werden und kann abgelehnt werden. Außer zum Kuchenbacken und Feste organisieren, ist bei uns Elternmitarbeit häufig nicht erwünscht.

Uli:
Zitat:
Zum jetzigen Zeitpunkt bezweifle ich, dass die Schulleitungen für innovative Selständigkeitskonzepte genügend qualifiziert sind.

Das alles ist doch Etikettenschwindel


Das ist richtig, dass die meisten Schulleiter noch nicht ausreichend qualifiziert sind, für Etikettenschwindel halte ich das aber nicht. Irgenwie muss man ja anfangen - der Bedarf wird festgestellt, es wird in der Öffentlichkeit diskutiert, ist Schwerpunkt der Fortbildung und in einigen Jahren wird hoffentlich auch bei uns funktionieren, was in anderen Ländern selbstverständlich ist - Schulleiter mit Leitungsfunktion und -fähigkeit.

Uli:
Zitat:
Es wird hier wieder einmal ein Symptom mit einer unausgereiften Aktion behandelt, ohne die wirklichen Ursachen in Angriff zu nehmen.


Das sehe ich nicht so, ich halte das für einen guten Beitrag zur Verbesserung der Situation (es ist aber auch nur ein Puzzleteil), auch wenn das Ganze noch einige Flüchtigkeitsfehler hat.

Doris
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 18.06.2006, 15:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
"Ministerin Wolff straft Schulleiter ab" das steht in der aktuellen Frankfurter Rundschau - ob frau so die Probleme lösen kann und die Lehrer mitnehmen kann, das bezweifele ich. Wahrscheinlich sind es dann wieder die Schwächsten, die Kinder, an denen der Frust ausgelassen wird, wenn man nach oben buckeln muss...

Zitat:
Ministerin Wolff straft Schulleiter ab
Streit um "Unterrichtsgarantie plus" / Kritischen Rektoren droht der zeitweilige Wechsel ins Schulamt

Das hessische Kultusministerium will nach Informationen der Frankfurter Rundschau Schulleiter abstrafen, die kritisch zur "Unterrichtsgarantie plus" stehen. Sie sollen für drei bis sechs Monate an Staatliche Schulämter abgeordnet werden. Das Ministerium bestätigte die Informationen indirekt.

Frankfurt - Die Staatlichen Schulämter in Hessen sind angewiesen, dem Kultusministerium die Namen von Schulleitern zu nennen, die sich öffentlich besonders kritisch zur "Unterrichtsgarantie plus" geäußert haben. Auch Schulleiter, die nicht die geforderten Vertretungspools gegen Unterrichtsausfall einrichten, sollen bis Ende des Schuljahres gemeldet werden. Ihnen droht die zwangsweise Abordnung an eines der 15 Staatlichen Schulämter. Wie die Frankfurter Rundschau aus zuverlässiger Quelle erfuhr, sollen die Schulleiter dort drei bis sechs Monate bleiben. Nach Vertretungen für diesen Zeitraum wird bereits gesucht.


Ministerium betont Loyalitätspflicht

Ministeriumssprecher Christian Boergen bestätigte die Informationen am Freitag zum großen Teil indirekt. In dem Antwortschreiben auf die Anfrage der FR heißt es, "Loyalität gehört zu den Dienstpflichten der hessischen Schulleiterinnen und Schulleiter. Zeitweilige Abordnungen an Staatliche Schulämter sind kein unübliches Verfahren."

Wenn die "vorgesehenen Vertretungspools entgegen bindender politischer Vorgaben" nicht gebildet würden, habe das "zwingend Gespräche mit der verantwortlichen Schulleitung zur Folge". Vom Verlauf dieser Gespräche hänge das weitere Verfahren ab.

Im Zusammenhang mit der Einführung der "Unterrichtsgarantie plus" gab und gibt es an den Schulen große Unruhe. Zahlreiche Kollegien haben sich in offenen Briefen an Kultusministerin Karin Wolff (CDU) gewandt und kritisiert, mit der Unterrichtsgarantie werde der Lehrerberuf entwertet, weil unqualifiziertes Personal eingestellt und zudem außerhalb des Tarifs für Lehrkräfte bezahlt werde. Schulleiter und -leiterinnen beklagten einen hohen bürokratischen Aufwand bei der Verpflichtung von Vertretungspersonal - und die Schwierigkeiten, überhaupt geeignete Personen zu finden.

Die öffentlich gemachten Briefe der Lehrkräfte an Wolff sind teils in recht barschem Ton formuliert. Einzelne Kollegien sollen die offiziellen Informationsschreiben der Ministerin zur Unterrichtsgarantie an die Schulen sogar mit einer Banderole "Alles gelogen" versehen an das Ministerium zurückgeschickt haben.

Am Rande der nicht-öffentlichen Sitzung des Landesschulbeirats am vergangenen Dienstag hatte Wolff nach Aussagen von Teilnehmern gesagt, das Verhalten einiger Schulleiter im Zusammenhang mit der "Unterrichtsgarantie plus" sei "jenseits des Akzeptablen", eine "besondere Behandlung" möglicherweise erforderlich.

Einer dieser Teilnehmer, der grüne Schulexperte Mathias Wagner, hält das Vorgehen des Ministerium für einen "unglaublichen Vorgang". Wolff offenbare einen "unmöglichen Führungsstil", die Bedenken zur "Unterrichtsgarantie plus" seien absolut berechtigt. Die Ministerin solle, statt zu strafen, lieber auf die Kritik eingehen und das Konzept ändern. Um dieses durchzusetzen, hat die Landesregierung bereits die Mitspracherechte von Personalräten bei der Einstellung der Vertretungskräfte gegen den scharfen Protest der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) verringert.

Der GEW-Landesvorsitzende M. Nagel kündigte rechtliche Schritte gegen mögliche Abordnungen an. Die GEW werde das Verhalten der Ministerin nicht akzeptieren, sagte Nagel der FR. Zwangsweise Abordnungen von Schulleitern hätten auf die betroffenen Schulen katastrophale Auswirkungen und könnten keinesfalls hingenommen werden. Peter Hanack http://www.fr-aktuell.de/frankfurt_....en/aktuell/?em_cnt=907163



Zitat:
Kommentar

Dünnhäutig

VON PETER HANACK

Schulleiter sind keine Aufwiegler. Auch stänkern sie gemeinhin nicht öffentlich gegen ihre Dienstherren und -damen. Nun aber scheint ein in seiner Größe noch nicht bestimmbares Grüppchen von Schulleitern den Bogen doch einmal überspannt zu haben. Und zwar mit seiner Kritik an der "Unterrichtsgarantie plus" von Kultusministerin Karin Wolff, öffentlich vorgetragen oder im Stillen geübt durch die Weigerung, das Konzept wie angeordnet umzusetzen.

Die Ministerin ist erbost. Solcherlei Ungehorsam ist sie nicht gewohnt - und sie kann ihn nicht tolerieren.

Der Vorgang macht zweierlei deutlich: Der Leidensdruck an den Schulen hat ein Maß erreicht, das selbst besonnene und in der Regel sehr gesittete Beamte zur mehr oder weniger offenen Unbotmäßigkeit gegen die Dienstherrin drängt. Und im Ministerium treibt das den Blutdruck nach oben und lässt den Wunsch nach Strafe wachsen.

Die Dünnhäutigkeit muss nicht verwundern. Der Streit um die Unterrichtsgarantie währt Jahre und hat zuletzt an Schärfe zugenommen. Widerspruch und Widerstand von Lehrern, Eltern, Gewerkschaften und Schülern gegen zahlreiche von Wolffs Reformplänen machen jedes Vorankommen im Sinne des Ministeriums zu einem sehr mühsamen Geschäft.

Da kann einem der Kragen schon mal platzen. Sollte Karin Wolff aber tatsächlich Schulleiter auf Zeit aus deren Amt jagen, tut sie sich nichts Gutes. Die Öffentlichkeitswirkung einer solchen Strafaktion wäre verheerend, der Schaden für die Schulen groß - der für Wolffs Reputation wohl noch größer. http://www.fr-aktuell.de/frankfurt_....en/aktuell/?em_cnt=907159


Doris
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 19.06.2006, 08:54    Titel: Antworten mit Zitat

Über den Vertretungsunterricht in Finnland schreibt Renate Hendricks:
Zitat:
Schließlich gehören zum pädagogischen Personal einer finnischen Schule auch Vertretungslehrer. Wenn Lehrer krank werden, springen sie an der Schule ein. Unterrichtsausfall gibt es an finnischen Schulen nicht, da die Kinder ja in der Regelnicht einfach nach Hause geschickt werden können und die Betreuung in den Kindertagesstätten an feste Zeiten gebunden ist. Jede Kommune legt Listen von Vertretungslehrern für ihren Zuständigkeitsbereich an, die von den Schulen im Bedarfsfall ?abtelefoniert? werden können. Vertretungslehrer sind in der Regel pensionierte Lehrer oder Hausfrauen mit Lehrerausbildung, die derzeit ihren Beruf nicht voll ausüben oder auch Stundenlehrer mit ?freien Kapazitäten?. Langfristige Vertretungen sind innerhalb dieser Organisationsstrukturen weniger ein Problem als bei uns. Schwieriger sind da schon kurzfristige Erkrankungen von Lehrern, da manchmal Vertretungslehrer nicht gleich verfügbar oder anderweitig eingesetzt sind. Dann müssen die Schulen intern und improvisiert die Vertretung ?schultern? (Parallellehrer übernehmen den Unterricht mit, Schulassistenten betreuen Stillarbeit etc.).

http://www.renate-hendricks.de/.net....CC/html/9030/welcome.html

Doris
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