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Zivilcourage!

 
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 13:26    Titel: Zivilcourage! Antworten mit Zitat

Viele von uns mussten erleben, dass sie in den schweren Stunden, in denen sie versuchten den Konflikt um ihre misshandelten und gedemütigten Kinder zu bearbeiten und zu verarbeiten allein waren. Alleine gelassen.

Nicht selten hatte die Vertuschungsmaschinerie sie gezielt isoliert, möglicherweise sogar andere Eltern gegen sie aufgebracht, sie gezielt diskreditiert.

Nicht alle Betroffenen stehen das durch. Einige knicken ein, geben auf, beugen sich letztendlich der Gewalt.

Menschlich ist das verständlich. Schlaflosigkeit, weinende Kinder, sowie physische und psychische Stresssymptome treiben zur Kapitulation. Vielleicht fragt man sich "Was nützt dieser Kampf meinem Kind?" oder "schade ich dem Kind nicht?"

Meiner persönlichen Erfahrung nach ist es auf die lange Sicht für die Kinder wesentlich besser und wertvoller miterlebt zu haben, dass ihre Eltern sich für eine gerechte Sache eingesetzt haben, sie beschützt haben und gegen Unrecht Widerstand geleistet haben.

Was soll aus Kindern werden, die gezwungen sind die Ungerechtigkeit herunterzuschlucken und zu schweigen? Werden sie starke selbstbestimmte und hilfsbereite Erwachsene werden? Oder führt diese frühe Frusterfahrung nicht eher zu einer Abstumpfung?

Folgenden Text habe ich gefunden, der Eltern Mut machen kann ihren Weg weiter zu gehen. Einen Text über das Zauberwort ZIVILCOURAGE von Prof. Kurt Singer:
http://www.prof-kurt-singer.de/buch-zivilcourage.pdf
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 05.05.2006, 16:25    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Optimistin!

Hier sind die Bilder zu deinen Gedanken:


http://www.fairplayer.de/fpcms/medi....se/Poster_nichtssehen.pdf

http://www.fairplayer.de/fpcms/medi....e/Poster_nichtshoeren.pdf

http://www.fairplayer.de/fpcms/medi....se/Poster_nichtssagen.pdf


Viele Grüße

Angelika
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 08:11    Titel: danke! Antworten mit Zitat

Danke Angelika!

Ich wünschte, ich könnte die von Dir eingestellten Poster als Buttons an meiner Kleidung tragen....
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 08:52    Titel: experten: die zivilcourage lohnt sich Antworten mit Zitat

Die Frage, ob Eltern durch ihren Widerstand gegen Lehrergewalt ihrem Kind schaden, beantworten Experten so:

Prof. Dr. Kurt Singer (www.prof-kurt-singer.de):

(...) Es gibt ?Einzelfälle? seelischen Lehrer-Sadismus
ohne dass Eltern und Lehrerkollegen den psychisch verletzten und im Lernen gestörten Kindern beistehen. Diese ?Einzelfälle? kränken nicht nur die einzelnen Kindern, verletzen deren Selbstwertgefühl und machen sie krank. Sie wirken überdies wie ein Virus krankmachend in das Schulsystem hinein. Unpädagogisches Handeln weniger Lehrer stört das Lernen vieler Kinder. Die großen Schrecken kränkenden Lehrerverhaltens setzen sich in den kleinen Schrecken des Schulalltags fort: in der Furcht vor Prüfungen, vor Versagen und Blamage, Schüler werden zu bewerteten Menschen gemacht.

Eltern lassen ihre Kinder oft allein,
wenn diese durch uneinfühlsame Lehrer in Not geraten. Aus eigener Schulängstlichkeit heraus, oder weil sie meinen, ihr Einspruch könnte den Schülern schaden, schweigen sie zum Unrecht, statt ihre Kinder zu schützen. Tatsache ist, dass sie Kindern und Jugendlichen helfen könnten, wenn sie sich in einer Erziehungspartnerschaft bereit finden, die Schule mit zu gestalten und für ein lernförderliches Lernklima einzutreten. (...)


und die Psychologin und Kindheitsforscherin Dr. Alice Miller (www.alice-miller.com) so:

(...)Zahlreiche Untersuchungen haben nachgewiesen, dass körperliche Strafen zwar am Anfang zum Gehorsam führen, aber später schwere Charakter- und Verhaltensstörungen verursachen, wenn nicht bereits aufgeklärte Menschen helfend eingreifen. (...)
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 10:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo optimistin,

Die grosse Frage stellt sich für mich: Wann schreite ich zum Schutz meines Kindes ein, um es nicht zu seinem Nachteil werden zu lassen.

Dazu möchte ich ein Beispiel beschreiben.
Im ersten Drittel des Schuljahres 2004/2005 stellte sich am Elternabend, der bis dahin zum dritten Mal gewechselte Klassenlehrer unserer Tochter mit der Aussage vor:

"Bei mir bekommen Ihre Kinder nicht so leicht eine Eins".

Nach unserer herkömmlichen Schulvorstellung eine von allen Eltern verständlicherweise durch zustimmendes Kopfnicken sanktioniertes Lehrerverhalten.

Ich, "schwedenverdorben", frage ihn 3 Mal wozu das gut sein soll.
Schliesslich würde ich meine Tochter ja nicht wegen der Noten in die Schule
schicken, sondern wegen des Lernens.

Er wurde dann ewas unsicher und konnte mir keine Antwort darauf geben, die dann die Elternvertreterin mit den Worten übernahm:
"Wenn Ihnen das nicht passt, dann schicken Sie Ihre Tochter doch in eine Waldorfschule". Punkt - Ende der Diskussion

Eigentlich hätte ich in diesem Moment aufstehen müssen und sagen, "Ja, danke für den Tipp, mache ich."

Zu diesem Zeitpunkt hätte ich meine Tochter "schützen" können, vor dem, was danach kam.
Unterrichtsbesuch wurde mir nie gestattet, ich konnte letztendlich nur aus den Reaktionen meiner Tochter schliessen, dass etwas falsch läuft,

nur, dann ist es längst zu spät.

Und das, was falsch läuft, steht wiederum in direktem Zusammenhang mit meiner schwedischen Erziehungserfahrung in Bezug auf respektvolles Behandeln eines Kindes.

Die meisten Eltern finden es völlig normal, dass der Lehrer mit der Faust im Mathe-Unterricht an die Tafel haut, "damit die Kinder morgens aufwachen".

Die meisten Eltern finden es völlig normal, dass der Lehrer mit den Augen rollt, oder die Mundwinkel verzieht, wenn die falsche Antwort kommt.

Die meisten Eltern finden es völlig normal, dass der Lehrer Regeln aufstellt, die er strikt von den Kindern einfordert, aber selbst nicht einhält.

Die meisten Eltern finden es völlig normal, dass der Lehrer die Schüler nur dann sprechen lässt, wenn er sie aufruft, dass er sie nur dann auf die Toilette lässt, wenn sie um Erlaubnis fragen, dass er sie nur dann trinken lässt, wenn der Pausengong kommt, dass er nur dann frische Luft ins Klassenzimmer lässt, wenn er meint, es sei soweit.

und das 12 lange Jahre !!!

Deshalb nochmals die Gretchenfrage:

Wo und wann setze ich den Schutz genau an???

liebe Grüsse
menthlius
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 11:25    Titel: Re: danke! Antworten mit Zitat

optimistin hat Folgendes geschrieben:
Danke Angelika!

Ich wünschte, ich könnte die von Dir eingestellten Poster als Buttons an meiner Kleidung tragen....



Hallo Optimistin!

Ich habe mir die Bilder ausgedruckt. Sie eignen sich sehr gut als Deckblatt für Dienstaufsichtbeschwerden und Anfragen Wink

Angelika
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 14:16    Titel: sofort! Antworten mit Zitat

lieber menthelius,

was du da beschreibst, kann ich sehr gut nachvollziehen.

auch für uns war es sehr schwer mit der pädagogik dort zurecht zu kommen, wo wir jetzt leben. davor hatten sich meine kinder in einem deutlich liberaleren, friedensorientierteren und demokratischeren pädagogischen umfeld bewegt.

in diesem zusammenhang finde ich es übrigens bemerkenswert, dass die wertediskussion hier so verstanden wird, dass die kinder in der schule "werte" üben sollen, die gar nicht in eine zivilisierte demokratie passen: obrigkeitshörigkeit, ausgrenzung "frecher" mitschüler, häme, seltsames körper- und gesundheitsbewusstsein (nicht trinken, nicht auf s clo, keine hygienischen sanitäranlagen, kein clopapier, keine schulmilch, stundenlanges stillsitzen in mieser luft...) usw.

wo du anfangen sollst dein kind zu schützen?

sofort, bei der ersten kleinigkeit, die dir auffällt. nur, wenn sich unbeirrbare für die besserung der zustände einsetzen und emsigkeit an den tag legen, besteht dauerhaft die möglichkeit die situation für alle schüler zu lindern.

meiner traurigen erfahrung nach geht es sehr schnell, dass eltern bei lehrern "unten durch sind". danach haben sie wohl für immer verspielt. der auslöser kann simpel sein, dass du einmal unangenehme berechtigte kritik geäußert hast oder eine frage stelltest, die dich als intelligenten, gebildeten (also: gefährlichen) menschen zeigte.

wie sagte wilhelm busch?
ist der ruf erst ruiniert, lebt sich 's völlig ungeniert....

das gilt auch in den fällen, in dem das mobbing aus dem schulischen umfeld bereits gewaltige schäden im leben der betroffenen angerichtet hat. wer auf dem scheiterhaufen steht, sollte sich nun keine sorgen mehr darum machen, ob dieser ein oder zwei meter höher oder niedriger ist.

es gibt viele kinder die noch dringend der hilfe couragierter erwachsener bedürfen.
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 17:25    Titel: Re: sofort! Antworten mit Zitat

Liebe optimistin,

optimistin hat Folgendes geschrieben:

wo du anfangen sollst dein kind zu schützen?

sofort, bei der ersten kleinigkeit, die dir auffällt. nur, wenn sich unbeirrbare für die besserung der zustände einsetzen und emsigkeit an den tag legen, besteht dauerhaft die möglichkeit die situation für alle schüler zu lindern.
.

....und wie hätte ich es schützen sollen?
Durch Wechsel an eine andere Schule? Da bestünde die Gefahr eines Umzuges vom Regen in die Traufe. Verlust ihrer besten Freundin, längere Schulwegzeiten und sicherlich die gleichen "Kleinigkeiten", die ich oben beschrieben habe.
Hätte ich möglicherweise gar nicht reagieren dürfen auf die Vorstellung ihres Klassenlehrers? Wie soll das in der Praxis aussehen?

optimistin hat Folgendes geschrieben:


meiner traurigen erfahrung nach geht es sehr schnell, dass eltern bei lehrern "unten durch sind". danach haben sie wohl für immer verspielt.
.


Scheint so zu sein, ja.


lg menthelius
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 17:33    Titel: was meinst du mit "beschützen"? Antworten mit Zitat

das Kind vor der Konfliktsituation bewahren, dass sein Vater sich eben so gibt wie sein Vater eben ist und sein Lehrer wie sein Lehrer ist?

Mich hat schon manch ein Elternabend an eine Soiree am Hofe Ludwigs des 14. erinnert, mit einem Sonnengott um den ein Sammelsurium intriganter und unehrlicher Hofschranzen herumkatzbuckelt. Nicht selten haben eben diese ihren Sonnenkönig kurz darauf hinterrücks verbal nieder gestochen. Dann nämlich, wenn sie wieder unter sich waren. Is that your kind of company?

Du kannst Dein Kind beschützen, indem Du ihm ein Vorbild bist, ein aufrechter Mensch, der Werte durch Beispiel weitergibt und mutig ist.
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 17:56    Titel: Antworten mit Zitat

Ob das wohl meiner Tochter den gewünschten Erfolg gebracht hat?

Lust auf Schule hat die überhaupt keine momentan und es sind diese winzig-kleinen Übel, die ein Sensibelchen, weil emotional intelligent, demotivieren.
Nun ist in knapp 2 Monaten alles vorbei.
Dann wird die Schule gewechselt.
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 18:46    Titel: menthelius, Antworten mit Zitat

die schulunlust deiner tochter, lastet du sie dir an?

meinst du, sie fände die schule spannender und schöner, wenn sie einen angepassteren vater hätte?

ich kann dich gut verstehen. bei uns ist es ähnlich. mein sohn tut sich schwer mit der stupidität der aufgaben, die man den schülern gibt, mit dem gleichschritt.
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menthelius



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BeitragVerfasst am: 06.05.2006, 22:56    Titel: Re: menthelius, Antworten mit Zitat

optimistin hat Folgendes geschrieben:
die schulunlust deiner tochter, lastet du sie dir an?

meinst du, sie fände die schule spannender und schöner, wenn sie einen angepassteren vater hätte?

ich kann dich gut verstehen. bei uns ist es ähnlich. mein sohn tut sich schwer mit der stupidität der aufgaben, die man den schülern gibt, mit dem gleichschritt.


Die Kinder hatten in den ersten eineinhalb Jahren eine ganz hervorragende Lehrerin, eine "Seiteneinsteigerin", die psychologisch pädagogisch ausgezeichnete Arbeit leistete. Ein Hinweis ihrer Lehrerin an mich über die Unausgewogenheit ihrer lateralen Denkstruktur mit Tipps zur Selbsthilfe, analog schwedischer Pädagogik, sehr philantropisch. Spass an der Schule, mal mehr, mal weniger, viel Zeit zum Spielen, wie es sein muss.
Dann ein halbes Jahr Vertretung, eine junge Lehrerin, die gerade aus dem Referendariat kam. Die Mädchen fingen an, sich über den Lärmpegel in der Klasse zu beschweren. Die Vertretung wurde dann abgelöst durch ihren jetzigen Klassenlehrer, der aber nur Mathe gibt, Deutsch teilt er sich mit einer Kollegin. Insgesamt hat sie 8 Lehrer/-innen, die aber auch ständig in den Nebenfächern wechselten.
Die Geschichte mit der Nicht-Empfehlung lief mega schräg ab, die mich erst richtig auf den Plan rief. Nachdem die Kleine davon erfuhr, kam sie plötzlich abends wieder zu uns ins Bett, oder brauchte eine Wärmflasche.
Da gingen dann bei uns alle roten Lampen an (oder aus, wie man`s nimmt.) Seitdem lasse ich mir jede Kleinigkeit aus ihrem Unterricht erzählen und die Liste an kleinen "Üblichkeiten" wird mit jedem Schultag länger.
Logisch mache ich mir jetzt Vorwürfe, dass ich nicht die Schule wechselte vor eineinhalb Jahren. Ich hatte das damals ernsthaft in Erwägung gezogen und Gespräche mit dem Direktor der Grundschule aus dem Nachbarort geführt.
Ich unterliess den Wechsel nur deshalb, weil die Kleine nicht wollte und das verstand ich auch.
Andererseits vertraue ich auf die teleologische Entwicklung ihrer Laufbahn.
Vielleicht ist es die harte Schule in dieser "hieb-und stichfesten" Gesellschaft.
Falls es im Gymnasium nicht funktioniert, bleibt uns noch die ultimative Lösung, wieder nach Schweden zu gehen.
Oder mit einem guten Rechtsanwalt die nichterbrachten Leistungen zu definieren und die Grundschule auf Schadensersatz zu verklagen. Rolling Eyes

Man müsste eigentlich damit anfangen, diese Selection in einer Sammelklage
wegzuklagen. Die ist schlichtweg nicht vereinbar mit der Würde des Menschen.
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 07.05.2006, 07:26    Titel: politische schritte Antworten mit Zitat

lieber menthelius,

mir sagte neulich ein pädagogischer psychologe, dem ich meine beobachtung aus dem schulleben meiner kinder schilderte sinngemäß: "sie haben ja recht. sie sehen sehr viel. aber, wenn man das alles abstellen wollte, dann müsste man die mehrzahl der deutschen schulen schließen....das geht doch nicht."

mit dieser kulturpessimistischen einstellung machen sich viele an's werk, um kinder zurecht zu biegen für den täglichen "schulwahnsinn".

"passend machen!" ist die devise. das deutsche schulwesen scheint mir in fast neurotischer weise machtorientiert und mächtelchen-orientiert.

dem herrn habe ich damals übrigens geantwortet: "was revolutionen angeht, bin ich gar nicht so pessimistisch. als berlinerin erlebte ich hautnah mit, wie ein ganzes land, dessen system nicht gut war und nicht funktionierte einfach den laden dicht machte. warum sollten wir das mit einem maroden schulsystem nicht tun können?"

revolutionen sind möglich. meiner meinung nach kann sich evolutionär im schulwesen nichts ändern, weil es strukturell zu lahm ist. seine entwicklung vollzieht sich einfach nicht zeitgleich parallel mit der gesellschaftlichen. darum haben wir ja nun den salat an allen ecken und enden. (rütli, schulabrecher, pisa und co.)

deine gedanken mit sammelklagen etwas voranzubringen kann ich daher gut verstehen.
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 07.05.2006, 11:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

als ich vor nun fast neun Jahren anfing in den Klassen meiner Kinder kritische Fragen zu stellen, wurde mir einge Male hinterher anerkennend gesagt, ich hätte Zivilcourage. Ich fand das anfänglich ungeheuerlich, brachte ich das Wort doch eher mit Widerstand im Nationalsozialismus zusammen. Es fiel mir anfänglich schwer zu erkennen, welche Macht Lehrer in unserem System haben. Das habe ich aber schnell lernen müssen. Die Bücher von Singer haben mir bei diesem Lernprozess sehr geholfen.

Und was meine Kinder in unserem, zum Teil doch erheblich undemokratischen Schulsystem lernen, steht im direkten Widerspruch zu meinen Erziehungszielen!

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 08.05.2006, 07:51    Titel: Schule: In einem Klima der Anpassung wächst keine Zivilcoura Antworten mit Zitat

Ich schrieb in meinem vorherigen Beitrag, "was meine Kinder in unserem, zum Teil doch erheblich undemokratischen Schulsystem lernen, steht im direkten Widerspruch zu meinen Erziehungszielen."

Hier noch ein anderer Beitrag von Kurt Singer, gefunden in der Bundeszentrale für politische Bildung: Zivilcourage in der Schule - eine demokratische Tugend lernen

Zitat:
SCHULE: IN EINEM KLIMA DER ANPASSUNG WÄCHST KEINE ZIVILCOURAGE

Für demokratisches Handeln ist Zivilcourage eine grundlegende Tugend. In der Schule können Kinder und Jugendliche besonders gut darauf vorbereitet werden. Hier verbringen sie einen großen Teil ihrer Lebenszeit und finden Bedingungen, unter denen sozialer Mut nicht nur gelernt, sondern auch praktisch angewandt werden kann.

In meiner Beratungs-, Gruppen- und Seminararbeit mit Lehrern, Schülern und Eltern taucht immer wieder die Frage auf: Wie kann ich meine ?Eigen-Bewegung" gegen den Zwang zur Anpassung bewahren? In der Schule ist wenig ziviler Mut anzutreffen. Dabei herrschen hier Bedingungen, die dazu herausfordern müssten, gegen den Strom zu schwimmen. Doch die oftmals unzureichende Qualität des Unterrichts wird nicht bemängelt, abhängig machende Lehrmethoden werden beharrlich beibehalten, Lehrer, die ihre Macht missbrauchen, lässt man gewähren.

Schülerinnen und Schüler trauen sich nicht aufzumucken, weil sie fortwährend das Machtungleichgewicht zwischen sich und den Lehrern erleben. Sie fürchten, Widerspruch könnte sich nachteilig auswirken. Sie sind abhängig, weil sie fortwährend zensiert werden, weil Lehrer vom Verweis bis zum Schulausschluss über eine Fülle von Strafmaßnahmen verfügen, weil manche Lehrer die Schüler durch ängstigendes Abfragen in Schach halten, sie mit nicht angekündigten Tests erschrecken, ihr Vorrücken ?gefährden", sie mit Noten disziplinieren. Mit dem resignierten Satz: ?Der Lehrer sitzt ja doch am längeren Hebel" begründen Schüler ihren geringen Mut zum Widerspruch.

Auch Eltern halten ihre Kritik zurück und mischen sich aus Angst vor Autoritäten nicht ein: Sie sehen ihre Kinder als ?Geiseln" in der Hand von Lehrern. Sie meinen, sie dürften sich deshalb nicht rühren: Die Schüler müssten es sonst ?büßen". In Wirklichkeit aber ist es ihre eigene Angst vor Autorität, die Eltern den Mund verschließt. Zivilcourage gegen-über Lehrern ist selten anzutreffen; denn Schule ist der Ort, an dem bei vielen Menschen der Grund für Autoritätshörigkeit gelegt wurde. Die tief eingewurzelte Angst vor den ?mächtigen" Lehrern wird neu belebt, wenn Eltern mit den Lehrern ihrer Kinder reden und das Gefühl in ihnen aufsteigt, als säßen sie selbst wieder auf der Schulbank. Manche Mütter und Väter nehmen aus dieser Autoritätsangst heraus die schützende Hand von den Kindern, wenn sie diese als ?Schüler" an die Schule ?abgeben".

Lehrerinnen und Lehrer führen gehorsam aus, was vorgeschrieben ist. Widerspruch kommt selten auf, er wird von Behörden bürokratisch zurückgewiesen. Der Gehorsam gegenüber dem ?Dienstherren" spielt eine prägende Rolle. Lehrer halten sich an das, was angeordnet wird, auch an unpädagogische Vorschriften. In ihrer Mehrheit sind sie für Kritik von außen wenig offen. Diese wird schnell als ?Lehrerschelte" zurückgewiesen.Die PISA-Studie könnte pädagogisch engagierte Lehrer darin unterstützen, sofort mit sozialem Ungehorsam gegen die herrschenden unpädagogischen Bedingungen zu revoltieren: das Lernen störende System der Zensuren, das unsoziale Selektionsprinzip, die fehlende Mitbestimmung von Schülern, der Mangel an demokratischen Strukturen im Schulalltag. Aber es fehlt an zivilem Mut, sich gegen fragwürdige Vorschriften zu wehren und als Minderheit in die Mehrheit hinein zu wirken.

[...]

DER AUTORITÄRE CHARAKTER BEI LEHRERN:


BEHERRSCHEN UND SICH UNTERWERFEN

Menschen mit autoritärem Charakter wollen über andere Macht ausüben und gleichzeitig den Mächtigen untertan sein. Sie streben danach, andere von sich abhängig zu machen ? dazu eignen sich machtlose Kinder. Es kommt vor, dass Lehrer die Jugendlichen im Sinne Schwarzer Pädagogik beherrschen: ?Wir meinen es mit den Schülern ja nur gut; sie werden uns später dankbar sein." In Wirklichkeit beherrschen sie die Kinder.

Zweifellos brauchen Lehrer ?Erziehungs-Macht", um eine Ordnung zu schaffen, in der Schüler gut lernen können. Da viele Lehrer teilweise unzureichend pädagogisch ausgebildet sind und sich zu wenig fortbilden, fühlen sich etliche von ihnen psychologisch, didaktisch und pädagogisch wenig kompetent. In der Supervision beklagen sie, dass sie versucht sind, fehlende Fähigkeiten durch Zwang auszugleichen und dabei ihre Macht zu missbrauchen.

[...]

Die Jugendlichen berichten, wie sich der autoritäre Charakter auf sie auswirkt. Sie leiden unter erniedrigenden Worten jener Lehrer, die sie mit angeblich oder tatsächlich missglückten Arbeiten bloßstellen, verächtlich machen, mit ironischen Bemerkungen kränken. Die gefürchteten Lehrer geben Noten öffentlich bekannt, rufen Schüler auf, ohne dass sich diese zu Wort gemeldet hätten; Kinder werden einfach ?dran genommen". Solche Lehrer bedrohen Schüler mit schlechten Zensuren, überfallen sie mit nicht angekündigten Proben, lassen Schwache hilflos zurück. Sogar Begriffe aus der Foltersprache sprechen sie ungeniert aus: ?Wenn ihr nicht pariert, muss ich die Notenschraube anziehen."

Vielerlei Schulbedingungen machen Schülern Angst; das ist keine förderliche Voraussetzung, Zivilcourage zu lernen. Es verletzt die Menschenwürde, Kinder in Furcht zu versetzen. Aber das ist in der Schuldiskussion kaum Thema, obwohl die furchtsame Unterordnung nicht nur den Charakter verbildet, sondern auch die Leistungsfähigkeit stört. Die Schulstrukturen selbst enthalten Elemente der Angst, durch die Schüler ?klein gemacht" werden. Da kann sich sozialer Mut nicht entwickeln.

Beherrschen ist die eine Seite des autoritären Charakters. Die andere ist die Neigung zu untertänigem Gehorsam
. Lehrer mit autoritärem Charakter unterwerfen sich auch sinnlosen Anordnungen. Die Gehorsamsbereitschaft entspringt nicht nur der Entmündigung durch die Behörden; mehr noch ist sie Selbstentmündigung. Bei einer Untersuchung von H. Walter (Walter 1990) über junge Lehrer zeigte sich, was mir in jahrzehntelanger Super-vision und Seminararbeit mit Lehrern bis heute begegnet: Die überzogene Anpassung lässt Züge sozialer Selbstdeformation erkennen. Während eines Schulratsbesuchs hat ein Großteil der Lehrer nicht den Mut, sich gegen eine falsche Beschuldigung zu wehren. 79 % der Junglehrer geben angepasstes Verhalten an. Nur 19 % riskieren, ihre eigene Überzeugung auszudrücken. 75 % der Junglehrer beteuerten, ihre Wunschreaktion wäre, mutiger zu sein. Sie würden gern ihre persönliche Meinung sagen, wenn dem nicht äußere Zwänge entgegen stünden. Es ist wie bei Karl Valentin: ?Mögen hätten wir schon wollen, aber dürfen haben wir uns nicht getraut." Das Thema ?Autoritätshörigkeit" ist bei der psychologisch-pädagogischen Arbeit mit Lehrergruppen oft vordringlicher als die Konfliktregelung mit Kindern.

Manche Lehrer denken vor allem darüber nach: Was will der Direktor sehen, der Schulrat hören, was muss ich dem Fachbetreuer demonstrieren? Sie versuchen, die Wünsche des Vorgesetzten zu erraten, sich selbst geben sie auf. Viele verlieren ihren pädagogischen Antrieb nicht erst durch Druck von oben. Sie opfern sich, wie unwillkürlich auch immer, von vornherein freiwillig einer Obrigkeit, die sie noch gar nicht auf die Probe gestellt haben. Schon Andeutungen der Vorgesetzten genügen, um ängstliche Lehrer von den Wegen abzulenken, die einzuschlagen sie selbst für gut befunden hatten. Manche gewöhnen sich dabei ihre pädagogische Sensibilität ab.

Mancher Lehrer begeht dadurch Unrecht, dass er streng das Vorgeschriebene befolgt... http://www.bpb.de/files/4VC4JC.pdf


Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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