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Die Integrations-Lüge

 
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optimistin



Anmeldedatum: 21.01.2006
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 15.05.2006, 14:37    Titel: Die Integrations-Lüge Antworten mit Zitat

Meine Kinder besuchten bis zu dem Konflikt mit dem tretenden Lehrer eine Ganztagsgrundschule mit Schwerpunkt Integration.

Dort gehen verhaltensauffällige, körperlich und geistig behinderte in eine Regelschule. Zur Verstärkung der Lehrer hat man "pädagogische Fachkräfte" angeheuert.

Auf dem Papier mag alles nach Plan laufen, aber die Realität....sie ist schlicht unglaublich.

Mein Sohn wurde in der zweiten Klasse eingeschult, da wir aus einem anderen Bundesland zugezogen waren. Seine neue Lehrerin, eine junge Dame mit Sonderpädagogikschwerpunkt im Studium und Einserprüfung, wie ihre Kollegen stolz berichteten, unterrichtete 23 Kinder. Zeitweilig wurde sie von weiteren Pädagoginnen unterstützt. Manchmal waren drei Kräfte gleichzeitig in der Klasse.

Wir freuten uns auf eine zeitgemäße Pädagogik mit Schwung. Doch weit gefehlt. Die Lehrerin erwies sich bereits nach kürzester Zeit als vollkommen überfordert. Sie stritt vor den Kindern mit ihrer Kollegin, sie weinte bei Stufenkonferenzen und reagierte auf jede Form von Kritik bockig und patzig.

Unser ruhiger, verunsicherter Junge bekam keine Chance sich einzugewöhnen. Es hatte keine Begrüßung für ihn gegeben, keine Unterstützung zur Integration in die neue Klasse. Dafür aber fast täglich Einträge in's Elternheft: Er arbeite nicht mit, starre vor sich hin (er hatte 39,5 Fieber), er könne nicht die richtige lateinische Schrift und müsse den gesamten Schreibkurs nachholen (Stoff eines halben Jahres)....

Alles, was er in dem anderen Bundesland gelernt hatte, inklusive der dortigen lateinischen Schrift (minimaler Unterschied), redete sie verächtlich in Grund und Boden.

Ich konnte mein Kind buchstäblich verwelken sehen.

Als ich die Dame in der Sprechstunde aufsuchte und meinen Sohn wegen des langsamen Arbeitens unter Fieber entschuldigte, war ihre Reaktion nicht Betroffenheit und Mitleid mit dem kranken Kind. Nein. Sie wurde auf unreife Art bockig und verlangte immer wieder "sagen Sie es nicht dem Chef!".

Ich fragte sie, ob unser Sohn nicht Förderunterricht bekommen könnte, um die Schrift zu erlernen. Da antwortete sie: "Das geht nicht. Der ist doch viel zu intelligent für den I-Tisch!"

Ich erfuhr nun, dass die "Integrationskinder" hier "I-Kinder" waren, die sie an einem speziellen Tisch im Saal platziert hatte. Für mich stand der Integrationsgedanke auf dem Kopf.

Was sollte mein Kind hier lernen? Dass Integrationskinder ein Etikett tragen und somit "I" sind? ich war entsetzt.

Die Lehrerin argumentierte heftig und störrisch, begeistert von ihrem engstirnigen Konzept. So frisch von der Uni...was lernen die Studenten dort bloß?

Ich war reichlich verzweifelt. Es war kein Gespräch möglich. Ich hatte den Eindruck mit einem bornierten, verwöhnten Kind zu reden, das Schule spielen möchte und sich beschwert, dass die Puppen sich bewegen und mich auffordert diese festzuhalten.

Im weiteren Verlauf des Schuljahres gab die Dame noch weitere erschütternde Kostproben ihres Könnens. Gedeckt und getragen von der Schulleitung: Grausamkeiten und illegale Strafen als Standardprogramm.

Die Stimmung in der Klasse wurde immer mieser, die Kinder immer aggressiver und fahriger. Fast täglich musste ein ADS-Junge (7 Jahre alt) alleine vor der geschlossenen Saaltüre auf dem Flur sitzen. Die anderen Kinder durften ihn bestrafen, indem sie Striche an die Tafel malten, wenn er sich nicht gut betrug. Dann durfte er nicht in die Pause, sondern musste, wieder alleine, im Saal bleiben und stumpfsinnige Sätze mehrfach abschreiben.

Die Lehrerin war dann nicht bei ihm. Sie ließ sich kaffeetrinkend im Lehrerzimmer als Küken von den älteren Kolleginnen bemitleiden für ihren "Wahnsinnsstress".

Auf Elternberichte, dass ihre Kinder wieder das Bettnässen begonnen hätten oder Angstträume hätten und den Namen der Lehrerin riefen, reagierte sie giftig und begab sich selbstmitleidig in eine Opferrolle ("ich werde ja so gemobbt").

Welche Erfahrungen hab ihr mit dem Schulalltag von Integrationskindern?


Zuletzt bearbeitet von optimistin am 15.05.2006, 19:38, insgesamt einmal bearbeitet
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kinderhaus



Anmeldedatum: 11.05.2006
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 15.05.2006, 19:07    Titel: Antworten mit Zitat

hallo optimistin,

welche erfahrungen ich mit besonderen kindern in der grundschule habe?
wo soll ich anfangen???

als einstieg erstmal ein paar wortgetreu wiedergegebene einträge aus dem sogenannten "mitteilungsheft":

(es geht um ein schwer traumatisiertes kleines mädchen: misshandlung, sexuelle gewalt, vernachlässigung in der herkunftsfamilie)
jahrgang: klasse 1

Zitat:

Eintragung Klassenlehrerin vom 2. 12. 03

Johanna muss mit ihren klabestiften sparsamer umgehen.
achten sie auf die hausaufgaben. sie hat heute keine hausaufgaben gemacht. bitte arbeitsheft bis s. 24 in der nächsten woche nacharbeiten lassen.

Eintragung der Pflegemutter vom 9.12.03:


"Liebe Frau L.,

Johanna (name geändert, d. V.) ist überfordert, wenn wir von ihr die gleichen konstanten leistungen wie von unseren seelisch unversehrten kindern verlangen oder erwarten. Johanna gibt ihr bestes in bezug auf die schule und ich muss aus pädagogisch-therapeutischen gründen in erster linie schutz und halt für Johanna sein, eine position, die ich gefährden würde, wenn ich so massiv auf bestimmte normen und standarts bei den schulischen leistungen achten würde, sie es sonst vielleicht üblich und erwartbar ist. ich würde gerne noch einmal darüber mit ihnen sprechen - gerne auch am telefon; am besten bin ich nach "feierabend" zu erreichen, also ab 20 uhr 30.
herzliche grüße,
XX

antwort der kl frau l.

"Janas Deutsch-Hausaufgabe fehlt."

dieses kind leidet unter anderem an starkem nasenbluten, wenn es aufgeregt oder ärgerlich ist.
die pflegemutter wurde von der schule aufgefordert, einen arzt aufzusuchen - was diese auch tat, obwohl ihr aufgrund ihrer therapeutischen berufserfahrung klar war, dass das nasenbluten eine psychosomatische ursache hat.
ein arztbesuch reichte der kl aber nicht aus, auch die erklärungen, die ein zweiter arzt abgab und die aussage der pflegemutter bestätigte, wurde nicht geglaubt.

Zitat: kl schreibt am 04.07.05

"Sehr geehrte Frau X,

wir haben heute johannas nasenbluten nur mit schwierigkeiten zum stillstand bekommen. bitte lassen Sie sie noch einmal ärztlich untersuchen. Der rechte Knöchel ist auch nicht in Ordnung.
Danke.
Mit freundlichen Grüßen,

C. L."

Zu Beginn der ersten Klasse hatte die Kindertherapeutin von Johanna der kl das angebot gemacht, dieser für jegliche fragen und beratungen gerne zur verfügung zu stehen. die kindertherapeutin übermittelte der kl von johanna über die pflegemutter eine telefonnummer, zu der sie von der kl auch am abend für rückfragen zur verfügung stehe.
davon wurde von der kl nie gebrauch gemacht, statt dessen wurde der pflegemutter mitgeteilt, dass man sich "von ihr doch nicht vorschreiben lasse, wen man anrufen solle."
der leibliche bruder von johanna, der auch in dieser pflegefamilie lebt und genau die gleichen erfahrungen in seiner herkunftsfamilie machen musste, wurde in der schule zeitweilig an einen einzeltisch gesetzt, mit der klasse im rücken und blickrichtung aus dem fenster.

was immer und immer wieder auffiel an der klassenlehrerin von johanna und auch an der zweiten klassenlehrerin von louis (name geändert) war die mangelnde bereitschaft, sich mit den hintergründen verschiedener auffälligkeiten vertraut zu machen.

was zum beispiel das nasenbluten anbelangt: es hätte gereicht, wenn die kl der pflegemutter darüber glauben geschenkt hätte, was in einem fall starken nasenblutens zu tun ist - bzw. sie hätte zuhause anrufen und das kind abholen lassen können.

nein, diese lehrerinnen hatten angst und fühlten sich überfordert. anstatt sich hilfe (auch supervision!!) zu suchen, wälzten sie ihren ärger und ihre angst auf die kinder und später die fachlich versierte pflegemutter ab.
die pflegemutter, die über einen zeitraum von 1 1/2 jahren ihre beiden pflegekinder jeden mittag aus dem klassenraum heraus von der schule abholte, hatte alltäglichen einen spießrutenlauf durchzustehen: "ach frau X, gut dass ich Sie sehe: louis hat schon wieder... jana hat nicht..."
täglich. und jedes mal mit der duetlihen aqufforderung: stellen sie das mal bitte ab.

zum glück sind beide kinder gute schüler - ein versuch, louis auf eine sonderschule zu überweisen - Originalton schulrektor herr r.:"ich habe schon ganz andere kinder von der schule herunter bekommen!" scheiterte am widerstand und der rechtlichen informiertheit der pflegeeltern.

einmal gab es eine sogenannte "konferenz" auf der sich die pflegeeltern in einem kreis sitzend 10 lehrern und fachlehrern ihrer pflegekinder gegenüber sahen.
sie durften nicht sprechen (!!) sondern mussten zuerst alle vorwürfe, welche die lehrer gegen ihren pflegesohn vorzubringen hatten, anhören. eine fachlehrerin (religion!!) sagte zum beispiel:"ich bin ja schon froh über jeden tag, den der louis mal krank ist." - das schien niemanden aus dem kollegium irgendwie zu stören, dass so über ein kind gesprochen wurde.
in dieser konferenz wurde angestrebt, dass louis auf eine sonderschule überwiesen werden sollte. da die überweisung auf eine andere schule als "letzte pädagogische massnahme" gilt, fragten die pflegeeltern, welche bisherigen pädagogischen massnahmen die lehrer von louis denn bisher getroffen häten, um ihm bei seinen verhaltensschwierigkeiten zu helfen.
es gab, ungelogen, empörtes gelächter im kreis der lehrerkollegen.
empörtes gelächter über die frage von eltern nach vorausgegangenen pädagogischen massnahmen! (als pädagogische massnahmen hatten übrigens strafarbeiten, in der pause auf dem stuhl sitzen und ähnmliches stattgefunden...)

6 wochen nach dieser konferenz, die, wie die pflegeeltern schon richtig erkannt hatten, aufgrund von formfehlern gar nicht beschlussfähig war, bekam louis aufgrund seiner schulischen leistungen eine realschulempfehlung.


So, ende teil eins.
teil zwei folgt bei interesse.

liebe grüße,
martina

ps: entschuldigt bitte die rechtschreibung, konnte mich nicht entscheiden, ob ich heute alles klein schreibe, oder die groß- und kleinschreibung beachte...
mein schreibFLUSS war mir wichtiger.
ich gelobe besserung! Rolling Eyes
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 15.05.2006, 19:55    Titel: wow, martina! Antworten mit Zitat

ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich mir nicht vorstellen kann, was Du da beschreibst.

Beim Lesen werde ich sauer und habe das Gefühl, einen Wecker klingeln lassen zu müssen, damit in diesen eiskalten Fischen die Liebe zum Kind und zur Pädagogik wachgerufen wird.

Es ist so schlimm, wie schnoddrig und abgebrüht über Kinder hinweg gegangen werden kann in diesem Land.

Die beschriebene Bequemlichkeit, Dreistigkeit und mangelnde Kultur aus Deinen Beispielen, kenne ich leider auch. Viele kennen das.

Wir dürfen nicht aufhören diese Missstände öffentlich zu berichten.

Was die erwähnte Religionslehrerin angeht: die grausame Lehrerin, die ich oben beschrieb, war auch Religionslehrerin. Sie ließ die Kinder gleich zu Beginn des Schuljahres den lieben Gott malen und hängte die Bilder im Flur auf.

Wir sind keine Anhänger ihrer Religion und waren zutiefst befremdet über diese Aktion in einer Multikulti-Schule. So weit ich weiß, sollen Christen sich ja kein Bild von ihrem Gott machen,... also dürfte eine Mehrheit der Schüler einen Konflikt versprürt haben durch diese Aktion.

Apart fand ich auch das Jesus-Bild, das die Dame über jenen "Katzentisch" hängte, an dem der einsame kleine ADS-Junge immer im kalten Flur sitzen musste.

Ein geübter Beter hätte es vielleicht geschafft, den "Herrn" dazu zu bewegen aus seinem Bilderrahmen herab zu steigen, an die Saaltüre zu klopfen und die Lehrerin darüber zu informieren, was er von ihren Methoden hält.

Eine andere christliche Religionslehrerin wetterte mir neulich folgenden hitverdächtigen Satz entgegen: "Nächstenliebe und Religionsunterricht haben nichts miteinander zu tun".
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kinderhaus



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BeitragVerfasst am: 15.05.2006, 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat: "Eine andere christliche Religionslehrerin wetterte mir neulich folgenden hitverdächtigen Satz entgegen: "Nächstenliebe und Religionsunterricht haben nichts miteinander zu tun".

okay, liebe optimistin (o, ich mag! diesen nick... Laughing ),
die missstände sind mehr als bekannt - aber was machen wir draus?
sollen eltern immer weiter für sich alleine kämpfen? diese seite hier, emgs, ist ein guter anfang.
ebenso gut wie die bücher von gerlinde unverzagt.
wie kann solidarität unter uns eltern besser gelingen, für uns eltern, für unsere kinder?
zur not auch "gegen" lehrer - gegen die zyniker und menschenverächter unter ihnen.
oder, eigentlich noch schlimmer, die dummen, die gleichzeitig ihre eigenen dummheit ignorieren und geradezu lehrbuchmässig diese dummheit auf kinder und ihre eltern projizieren....

was denkst du?

lg
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optimistin



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BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 06:44    Titel: sind sie wirklich bekannt? Antworten mit Zitat

nein, liebe kinderhaus, ich stelle immer wieder fest, dass die missstände eben nicht ausreichend bekannt sind.

noch nicht einmal die menschen, die selbst kinder in der schule haben gehen alle mit offenen augen durch die flure. "also, mein kind hat keine probleme" ist der satz, der diese gleichgültigkeit rechtfertigen soll.

vor der perestroika steht glasnost. in meinen augen geht es darum mehr von dem an s licht zu holen, was in schulen passiert.

langfristig muss sich politisch etwas ändern. die schulen müssen demokratischer und kommunikationsorientierter werden. "mundtot machen", "ausblenden", "totschweigen", "nicht antworten" und andere zur zeit noch zelebrierte unsitten müssen als werte verschwinden.

kinderhaus, du hast so viel erfahrung. teile sie mit. so viel wie möglich.

ja, ich gebe dir recht, dass wir nur gemeinsam etwas erreichen können. dieses forum hier kann dafür ein anfang sein.
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kinderhaus



Anmeldedatum: 11.05.2006
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 08:34    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat: "vor der perestroika steht glasnost. in meinen augen geht es darum mehr von dem an s licht zu holen, was in schulen passiert."

da hast du recht. das ist der punkt, an dem ich auch zu tun habe.
es passiert genug in den schulen: mit den kindern, den eltern und auch den lehrern.
was du da beschreibst: " "also, mein kind hat keine probleme" kenne ich von den eltern unserer dorfgrundschule.
aus meiner arbeit kenne ich jedoch auch verzweifelte eltern, kinder - und auch lehrer - die an der schulsituation leiden.

meine arbeit zwingt mich - zu recht - zum schweigen. ich darf missstände, die mir bekannt werden, nicht öffentlich machen.
und in den privaten gesprächen höre ich von zorn und hilflosigkeit.
früher habe ich mich in meinem privaten umfeld für eltern eingesetzt und wurde dann im regen stehen gelassen: immer dann, wenn es konkret vom reden - über zum handeln kommen sollte.
da bin ich vorsichtiger geworden, denn eltern müssen es selbst wirklich wollen, dies öffentlich machen.

hast du - oder ihr anderen mitlieser hier - ideen, gedanken dazu?
ich würde auch gerne meinungen von lehrern in diesem thread haben.

ein gedanke von mir ist, dass lehrer keine beamten sein sollen, sondern angestellte des staates, mit jährlicher beurteilung durch schulleiter, kollegen, kinder und eltern. lehrer, die selbst stets und ständig andere beurteilen (müssen), sollen auch selbst erfahren, was es BEDEUTET, unter ständiger beobachtung und beurteilung zu stehen.
lehrer, denen es nicht gut geht und die deshalb nicht adäquat ihren unterricht und die beziehung zu ihren anvertauten kindern gestalten können, sollen nicht abgestraft werden, sondern angemessene hilfe und unterstützung bekommen.

ein großer teil der probleme von lehrern resultiert aus ihrer inneren und äußeren einsamkeit in unterricht und unterrichtsvorbereitung.
dieses alleinsein in der arbeit kennen ja z. b. psychotherapeuten auch, deshalb ist es nur sinnvoll, dass hier ständige fortbildung und supervision (übrigens aus eigener tasche bezahlt und in der freizeit) gefordert werden.
viele sorgfältige therapeuten schließen sich balint-gruppen an. die sind hilfreich und unterstützend.
lehrer, die so ausgebrannt sind, dass sie ihre arbeit nicht mehr tun können oder wollen, sollen anderswo eingesetzt werden.

lehrer können so lange nicht öffentlich über ihre schwierigkeiten sprechen, so lange die allgemeinheit von ihnen erwartet, in irgendeiner art perfekt zu sein. will sagen, wenn eltern und öffentlichkeit das introjizierte bild des "allwissenden" und "allmächtigen" beibehalten.

aus welcher position heraus schreibe ich hier gerade? aus der privaten position als mutter, denke ich.
als gestalttherapeutin hätte ich mehr den blick auf den verwicklungen, die im schulischen alltag alle beteiligten binden und manchmal - häufig - handlungsunfähig machen; als politikerin hätte ich mehr den blick auf eine gesellschaft, die kindererziehung und die beschäftigung mit kindern zu einem nebenjob degradiert, den eigentlich jeder machen könnte.

lehrer haben zu leiden unter den veränderten, zum teil verwirrten, verletzten kindern, denen es häufig in dieser gesellschaft nicht mehr gut geht - aber auch wir eltern haben zu leiden unter unseren kindern, wenn wir sie nicht mehr so einfach großziehen können, weil so viele ungute einflüsse, die wir kaum in der hand haben, miterziehen.

Du schreibst: "langfristig muss sich politisch etwas ändern. die schulen müssen demokratischer und kommunikationsorientierter werden. "mundtot machen", "ausblenden", "totschweigen", "nicht antworten" und andere zur zeit noch zelebrierte unsitten müssen als werte verschwinden. "
hast du konkrete ideen dazu? mir fällt es schwer, mir vorzustellen, wie und wo "man" (und wer wäre hier "man"?) ansetzen könnte.
vielleicht noch ein gedanke: "politisch" bedeutet, wir sind alle gefragt, denn alle mitglieder dieser gesellschaft zusammen schaffen die politischen zustände. oder sehe ich das zu radikaldemokratisch?

martina
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 16.05.2006, 16:14    Titel: Re: sind sie wirklich bekannt? Antworten mit Zitat

optimistin hat Folgendes geschrieben:


vor der perestroika steht glasnost. in meinen augen geht es darum mehr von dem an s licht zu holen, was in schulen passiert.




Ich kann dir 2 Beispiele aus unserer ehemaligen Schule geben, die mir heute noch den Magen umdrehen.

Ein Autist wurde "versehentlich" allein eingesperrt. Man hatte "vergessen", dass er noch im Raum war.

Ein Schüler (Autist) bekam nach langem Kampf endlich ein Laptop. Man stellt ihm einen Tisch in den Klassenraum, der zur Wand zeigte. So saß er da - mit dem Rücken zur Klasse - mit dem Rücken zur Lehrerin - mit Blick auf die Rückwand des Klassenraums.
Er wurde auch schon "versehentlich" allein eingesperrt. Man hatte "vergessen", dass er noch im Raum war.

Zum Glück ist seine Mutter eine sehr engagierte Frau und sie hat eine ausgezeichnete Schule für ihn gefunden, in der er sehr glücklich ist und erfolgreich lernt.

Ihr Kommentar: Integration kann man nicht anordnen - die muss man auch wollen und können!


Das 2. Beispiel ist ein Zitat aus der gleichen Schule:

Scheiß Geräte-Medizin! Früher ist sowas im Kreißsaal gestorben, heute habe ich es in den Klassen sitzen.


Nun ein Beispiel aus unserer neuen Schule. Meine Tochter ( 8 ) berichtet ganz verzückt, dass sie auf dem Schulhof einen Jungen getroffen hat. "Mama, der hat die schönsten Augen der Welt, ganz schräg, und wenn er lacht sind sie noch schöner, so schmal und schräg."

Für mich ein wunderbares Beispiel geglückter Integration. Sie sieht kein I-Kind in ihm, weil er wirklich integriert ist - sie sieht auch kein Down-Syndrom, für sie ist er der Junge mit den schönsten Augen der Welt.

Gruß

Angelika
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kinderhaus



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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 07:18    Titel: Antworten mit Zitat

liebe angelika,

die vorfälle, die du da beschreibst, sind unsäglich. sie sind nicht nur mögliche straftatbestände, sondern zumindest im zweiten fall (gerätemedizin) deuten sie auf eine ernsthafte psychische entgleisung der betreffenden lehrkraft hin.

so etwas zu lesen tut schon weh, wie muss es sich anfühlen, diese situation persönlich zu erleben...

diese traumatisierenden situationen lösen bei den opfern eine traumatische stressreaktion aus. alles hinlänglich bekannt.

ich würde gerne von dir hören, was du glaubst, woran es liegt, dass an der neuen schule deiner tochter so viel menschlichkeit möglich ist.
was beobachtest du im verhalten und denken der lehrkräfte?

herzliche grüße,
martina
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geloescht



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BeitragVerfasst am: 17.05.2006, 09:41    Titel: Das Geheimnis glücklicher Schüler Antworten mit Zitat

Hallo Martina!

Wo soll ich anfangen???
In der neuen Schule ist ganz gewiss auch nicht alles ideal, aber eines hat sie ganz gewiss: wesentlich mehr Wärme und Menschlichkeit. Das spürst du in jedem Winkel der kleinen Dorfschule.

Überall stehen und hängen kleine und große Kunstwerke der Schüler, Fotos von den letzten Aktivitäten, Jahreszeiten-Schmuck ... man fühlt sich einfach wohl.

Bei den Lehrern habe ich den Eindruck, dass sie jedes einzelne Kind als Persönlichkeit wahrnehmen, fördern und fordern. Bei Streitigkeiten oder Problemen nimmt man sich schnellstmöglichst die Zeit, diese zu klären, damit sich ganz schnell wieder alle wohlfühlen.

So bekommen alle Kinder die benötigten Werkzeuge und erziehen sich nach kurzer Zeit gegenseitig. Mobben und kränken ist megaout. Ich habe festegestellt, dass schon die ganz Kleinen oft versuchen, sich in ihre Mitmenschen hineinzufühlen.

Besonders auffällig ist im Vergleich zur vorherigen Schule auch die Offenheit, mit der man miteinander umgeht. Wenn Lehrer auch mal zugeben, falsch reagiert zu haben, oder sich die Mühe machen, diese oder jene Reaktion oder Maßnahme den Schülern wirklich zu erklären, schafft es ein ganz anderes Klima, als sture Anordnungen.

Wir sind alle nur Menschen, und die machen nun mal Fehler, haben auch mal schlechte Laune oder sind mit Problemen beschäftigt. In einer offenen Atmosphäre geht man auch mit unschönen Erlebnissen wesentlich besser um.

Durch die Linie, Probleme schnell und gründlich auszuwerten entstehen keine Fronten - die Kids fühlen sich ernst genommen und vor allen Dingen respektiert.

Absolute Respektlosigkeit Kindern und Eltern gegenüber war/ist eines der Hauptmerkmale unserer früheren Schule.

Hinzu kommen ernst gemeinte Weiterbildungsmaßnahmen. Eine Lehrerin unserer Ex-Schule berichtete: Ach, das war furchtbar und laaaangweilig. Ich habe lieber die Schule geputzt als da mitzumachen.
Gute Arbeit kann halt nur mit gutem Handwerkszeug als Basis geleistet werden.


Bildung
Offenheit
Verständnis
Respekt
Disziplin
Konsequenz

... und halt ganz einfach Liebe zum Kind und zum erwählten Beruf ergeben einen erfolgreichen Mix.



Viele Grüße

Angelika
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