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Bildungsreformen brauchen Zeit und Konsens

 
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Doris Carnap
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Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 09.06.2006, 10:29    Titel: Bildungsreformen brauchen Zeit und Konsens Antworten mit Zitat

Zitat:
URL: http://bildungsklick.de/serviceText.html?serviceTextId=29050
Themen-Service
Bildungsreformen brauchen Zeit und Konsens
Experten diskutierten auf den ersten Reckahner Bildungsgesprächen

26.05.2006
(bikl) ?Das Geheimnis der finnischen Schulreform ist der Konsens, den die Finnen erreicht haben.? Dieses Patentrezept erfolgreicher Bildungspolitik formulierte Berlins Bildungssenator Klaus Böger gleich zum Auftakt der Reckahner Bildungsgespräche.
Konsens zeichnet auch die Bildungsstandards aus, die von der KMK seit 2003 festgelegt werden. Doch was bringen sie wirklich? Werden sie tatsächlich die Schulbildung in Deutschland nachhaltig reformieren und den Unterricht verbessern? Antworten auf diese Fragen suchten die Teilnehmer der ersten Reckahner Bildungsgespräche, die der VdS Bildungsmedien in Kooperation mit der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität zu Berlin und der Technischen Universität Dresden am 23. und 24. Mai organisiert hatte.
Knapp fünf Jahre nach den ersten ernüchternden PISA Ergebnissen und knapp drei Jahre nach der Verabschiedung der ersten länderübergreifenden Bildungsstandards durch die Kultusministerkonferenz trafen sich in der historischen Kulisse von Schloss Reckhan in Brandenburg Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft, aus Medien, der Lehrerbildung und der Bildungsverwaltung, um eine erste Zwischenbilanz zu ziehen und den Blick in die Zukunft zu wagen.

Nicht die falsche Reihenfolge
Zweierlei wurde dabei sehr schnell deutlich: Bildungsstandards allein werden die Unterrichtsqualität nicht verändern und Bildungsreformen brauchen viel Zeit. Von ursprünglich veranschlagten zehn Jahren sprach beispielsweise Prof. Heinz-Elmar Tenorth von der HU Berlin und warnte gleichzeitig die Bildungspolitiker vor einer verfehlten Vorgehensweise. ?Es darf nicht die falsche Reihenfolge geben. Nämlich, dass die Länder die Lehrpläne bereits verändert haben, sie anschließend neu interpretieren und erklären: Dort sind die Standards bereits enthalten. Gleichzeitig lassen sie Unterstützungssysteme wie Lehrerbildung oder curriculare Arbeit in der einzelnen Schule dahindümpeln und machen nur die outcome-orientierten Messungen am Ende der Sekundarstufe 1 oder irgendwann in der Grundschule zu einem Messzeitpunkt. Sie tun aber sonst nichts, dann reichen auch zehn Jahre nicht.?
O-Ton Tenorth 1 (.wav)

Aufgabensammlung
Noch seien die Bildungsstandards sehr theoretisch, bekräftigte auch Josef Erhard, Ministerialdirektor im bayerischen Kultusministerium ?Viele Lehrer sagen: Was kann ich damit anfangen? Und das wird erst umsetzbar sein, wenn die normierten Überprüfungsmöglichkeiten vorhanden sind und wenn die Aufgaben in die Schulwirklichkeit Einfluss finden.? Genau dafür soll das von den Bundesländern in Berlin gegründete Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen, kurz IQB, sorgen. Es gehe darum, Unterricht im Sinne der Bildungsstandards zu realisieren, so IQB-Leiter Prof. Olaf Köller: ?Wir wollen Aufgaben verwenden, mit denen Lehrer besser umgehen können.?

Veränderte Schulbücher
Ein Stichwort, bei dem eigentlich die Schulbuchverlage hellhörig werden müssten, sorgen sie doch traditionsgemäß für die notwendigen Unterrichtsmedien. Das IQB also als Konkurrenz zu den Verlagen? Im Gegenteil, betonte Ulrike Jürgens, Geschäftsführerin für den Bereich Grundschule der Verlagsgruppe Schroedel, Westermann, Diesterweg. Denn ?was Aufgabensammlungen gar nicht leisten können, ist, dieses weite Spektrum an Differenzierung angemessen einzubringen, das ich als Lehrerin in meiner Lerngruppe brauche und das ist genau das, was Schulbücher versuchen."
Jürgens lobte ausdrücklich die Arbeit des IQB, das den Fokus auf Aufgaben gerichtet habe, die Problembewusstsein und Problem lösendes Denken initiierten. ?Wir fühlen uns dadurch sehr bestätigt, weil wir seit Jahren versuchen, in dieser Richtung unsere Arbeit zu qualifizieren und weiterzuentwickeln. Leider bekommen wir auf solche Konzepte, die ja ungleich schwieriger in der Entwicklung sind als die gängigen, von Lehrern zu wenig positive Rückmeldung. Ich wünsche mir jetzt, dass genau das durch die Diskussion um die Bildungsstandards über Qualitätsentwicklung forciert wird und wir an dieser Stelle weiterkommen.?
O-Ton Ulrike Jürgens (.wav)

Recht auf eigenen Standard
Dem Ulmer Professor Ulrich Herrmann ging es ebenfalls um Differenzierung, deshalb wollte er erst gar nicht von Bildungsstandard sprechen. ?Was man braucht, sind Messlatten von denen man weiß, dass sie zu überspringen sind. Wenn man eine solche Messlatte nicht hat, das weiß man aus der Trainingslehre des Sports, kann man nicht trainieren.? Diese Messlatten müssten allerdings so konstruiert sein, dass jeder Schüler seine Messlatte findet, weil er sonst unter- oder überfordert würde. ?Daraus resultiert?, so Herrmann, ?was Pestalozzi schon gesagt hat: Vergleiche nie ein Kind außer mit sich selbst. Ich habe es einmal anders formuliert: Jedes Kind muss das Recht haben, sein eigener Standard zu sein.?
O-Ton Ulrich Herrmann (.wav)

Noch nicht nutzbar
Auch Heinz-Elmar Tenorth verbreitete eher vorsichtigen Optimismus und warnte vor zuviel Schönfärberei: ?Wir tun so, als hätten wir die Standards fertig und Minister erklären öffentlich, das steht in unseren Lehrplänen drin.? Bildungsstandards seien aber keineswegs in einer Weise präsent, dass sie wirklich umsetzbar und für den Alltag nutzbar seien. ?Wir müssen sehr aufpassen, dass wir nicht deklarativ einen schönen Text haben, der bei uns auf den Schreibtischen liegt, aber der weder die Realität des Unterrichts erreicht noch das Bewusstsein der Orientierung im Lehreralltag.?
O-Ton Tenorth 2 (.wav)

Schulen werden aufgerüttelt
Von einer solchen Gefahr wollte der Frankfurter Hochschullehrer und Direktor des Deutschen Instituts für Internationale Pädagogische Forschung, Prof. Eckhard Klieme wenig wissen. Bildungsstandards seien keine Beruhigungspille, im Gegenteil: ?Die Bildungsstandards werden zu einer Beunruhigungspille werden - in dem Moment wenn die Bildungsstandards nicht nur - wie viele Lehrpläne - in den Regalen stehen, sondern, wenn sie umgesetzt werden und wenn nach ihnen evaluiert wird. Das wird alle Schulen, die davon betroffen sind, aufrütteln.? Denn schließlich müsse man sich dort dann mit den Standards und den eigenen Ergebnissen auseinandersetzen. Allerdings habe das noch gar nicht angefangen, erklärte er einschränkend.
O-Ton Eckhard Klieme (.wav)

Jetzt über Struktur diskutieren
Wieder anfangen könnte hingegen die Diskussion um die Schulstruktur, die die KMK nach PISA tunlichst hatte vermeiden wollen. ?Ich sehe, dass die Debatte begonnen hat", resümierte der ehemalige PISA-Koordinator der KMK, Dr. Hermann Lange ?Man darf nicht immer nur die großen Themen sehen, also die generelle Ersetzung des dreigliedrigen Schulsystems durch integrierte Systeme, sondern muss all das, was unter Strukturfragen zu diskutieren ist, mit einbeziehen.? Jetzt gebe es die Chance, deutlich zu machen, dass Entscheidungen unausweichlich seien. Rückendeckung erhielt Lange dabei vom Vorsitzenden des Bundeselternrats, Wilfried Steinert, der ?die Schulstrukturdebatte aus dem ideologischen Minenfeld befreien? will und ankündigte, gemeinsam mit den Lehrerverbänden einen Kongress zu diesem Thema zu organisieren.
O-Ton Hermann Lange (.wav)

?Ich habe den Verdacht, dass die Schulstrukturdebatte in der KMK deshalb nicht geführt wird, weil unter der Decke jedes Land eigene Entwicklungen vorantreibt?, so Steinert. Dabei gehe es entweder um eine Verfestigung des bisherigen Systems mit besonderen Unterstützungssystemen für einzelne Schularten oder um eine Veränderung der Schulstruktur, die dann plötzlich auf leisen Sohlen daherkomme und nicht zu Ende gedacht sei. ?Zum Beispiel die Frage: Was passiert eigentlich mit den Sonderschülern, wenn wir nur noch ein zweigliedriges Schulsystem haben oder was passiert mit den Schülern, die sich spät entwickeln? Denn die Durchlässigkeit im zweigliedrigen System wird noch schwieriger als bisher.?
O-Ton Wilfried Steinert (.wav)

Rahmenbedingungen des Lernens verbessern
Welchen Aufgaben sich die Bildungspolitik in den kommen Jahren stellen muss, machte schließlich der Bielefelder Professor und wissenschaftliche Leiter der Laborschule Klaus-Jürgen Tillmann in seinem Schlusswort deutlich.
?Die bildungspolitischen Entwicklungen der nächsten zehn Jahre werden sich gewiss in vielen Detailbereichen darum bemühen müssen, die Rahmenbedingungen des Lernens zu verbessern. Sie werden aber zugleich in massiver Weise Abwehrkämpfe führen müssen. Abwehr gegen weitere Aussonderung benachteiligter Kinder, gegen einen sukzessiven Rückzug des Staates aus seiner Verantwortung, gegen eine zunehmende Privatisierung der Bildungskosten, gegen eine naive Technikgläubigkeit und gegen den immer stärkeren Durchgriff von Marktmechanismen in Bildungssysteme.?
O-Ton Klaus-Jürgen Tillmann(.wav)
?Reden über Bildung in Deutschland? waren diese ersten Reckahner Bildungsgespräche überschrieben. Die Veranstaltungsreihe soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. Und Gesprächsstoff gibt es noch reichlich.
Links:
- [Der Tagungsort: Reckahner Herrenhaus (Rochow-Museum)]
- [Die Bildungsstandards auf der Homepage der Kultusministerkonferenz (KMK)]
- [Homepage des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB)]
- [Homepage des VdS Bildungsmedien e.V.]
- [Mehr zu Bildungsstandards unter bildungsserver.de]
- Meldungen zu Bildungsstandards unter bildungsklick.de


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