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22 Jahre später, Oder: Ein geschlagenes Kind vergisst nie.
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NightRunner



Anmeldedatum: 21.01.2006
Beiträge: 50
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 19.08.2006, 02:10    Titel: 22 Jahre später, Oder: Ein geschlagenes Kind vergisst nie. Antworten mit Zitat

Ich bin nicht sicher, ob das hier hergehört, falls nicht möge es bitte die geschulte Hand des Admins an die richtige Stelle verschieben Wink Es ist ein kleiner Teil meiner eigenen Geschichte, die mich bewegt, hierher zu kommen.

Ich weiß heute nicht mehr genau, wer mir eigentlich den Namen Nightrunner gegeben hat. Aber ich bekam ihn, weil ich mich in meinem Bestreben nach Freiheit nachts mit einem Verlängerungskabel aus dem Fenster im 2. Stock einer Klosterschule abgeseilt habe und dann Stunde um Stunde in den umgebenden Wäldern und Feldern umhergestreift bin?

Stegen bei Freiburg im Breisgau 1982:
Ich war noch nicht einmal 12 Jahre alt, als meine Mutter beschloss, mich auf ein katholisches Internat zu schicken, angeblich , damit ich dort mehr und besser lernen sollte, in Wahrheit jedoch eher, um sich hoffnungslos um ihren alkoholkranken Lebensgefährten kümmern zu können, aber das ist hier Nebensache. Anfangs gestaltete sich das Leben auf diesem Internat sogar recht gut, aber dies war nicht von langer Dauer. Nach ca. einem halben Jahr wechselte der Internatsleiter. Fortan war klar: Pater M. leitete nun das Internat mit eiserner Hand. Für das Zu spät kommen gab es Ohrfeigen, bei nicht gekonnten Lateinvokabeln klatschte es ebenso. Für schwätzen während des Unterrichts oder während der Hausaufgaben hieß es in der Ecke knien ? ich weiß nicht mehr, wie lange. Eine Viertelstunde? Eine halbe Stunde? Einer von uns wurde dabei regelmäßig ohnmächtig, aber das scherte den Herrn Pater nicht. Wenn Pater M. gut gelaunt war, dann drohte er die Schläge nur mit lautem Gebrüll an, wenn er schlecht gelaunt war, schlug er so hart zu, dass die betroffenen Schüler bis zum nächsten Tag den Abdruck seiner Hand auf dem Gesicht hatten. Das gesamte Lehrerkollegium schaute pflichtbewusst weg. (Ich frage mich bis heute, ob es nicht sogar das ganze Dorf wusste) Meistens suchte er sich nur diejenigen aus, die von weiter her kamen, weil er bei denen nicht befürchten musste, dass die Eltern plötzlich auf der Matte stehen würden.
Abends vor dem zu Bett gehen roch er manchmal an unseren Füßen, ob wir uns diese auch gewaschen hätten. Und wenn ihm der Geruch nicht gefiel, riss er uns die Füße weg; ob wir uns dann noch halten konnten, oder mit dem Schädel auf Möbel oder auf den Fußboden krachten, war ihm offenbar egal.
Nicht einmal seine eigene Kirche war ihm heilig. Wenn ihm etwas nicht passte, unterbrach er auch schon mal seine Predigt, um zwischendurch die ein oder andere Ohrfeige auszuteilen.
Trug jemand eine Brille, schnauzte er ihn an: ?NIMM DIE BRILLE AB.?
Wich jemand zurück und wollte sich schützen, brüllte Pater M.:?NIMM DIE HÄNDE WEG!?
Es war die Zeit, in der ich schlagartig erwachsen wurde, und es doch nicht wurde. Ich hatte nie den Mut, zurückzuschlagen, wofür ich mich schämte (ich war nicht manns genug), wofür ich mich manchmal heute noch schäme, und was das einzige ist, das ich heute noch bereue. Das einzige Ziel war es, in diesem Internat zu bestehen, ohne daran zu zerbrechen. Es gab einige wenige feste Freundschaften, die uns zusammenhielten, andere Freundschaften hingegen waren nur kurzlebige, sexuelle Beziehungen zu anderen Mitschülern, da dies dort die einzige Form zärtlicher Zuwendung war, die wir erfahren konnten.
Zu dieser Zeit, ich war mittlerweile 13 geworden, fing ich das Rauchen an, kurze Zeit später auch das Trinken. Ich holte mir immer wieder Telefongeld unter dem Vorwand, meine Mutter anrufen zu wollen. Stattdessen kaufte ich Bier und Zigaretten. Es kam, wie es kommen musste, ich wurde immer wieder erwischt und kassierte dafür Ohrfeigen. Mit der Zeit stumpfte ich ab. Wir trainierten es auch. Heimlich ohrfeigten wir uns selbst und auch gegenseitig, um uns so die Angst vor Pater M. zu nehmen.
Zu dieser Zeit fing ich auch an, Tagebuch zu schreiben. Doch schon nach ein paar wenigen Seiten wurde klar: Es würde mehr werden, als nur ein Tagebuch. Doch bevor es mehr werden konnte, fand Pater M. das Buch und zerriss es wutschnaubend vor meinen Augen mit den Worten: ?Anstatt so einen Blödsinn zu schreiben, solltest Du lieber Deine Lateinvokabeln lernen.?
Das war der Zeitpunkt, als ich aufgab, als mir alles egal wurde, und als ich anfing, nachts wegzulaufen, ohne ein bestimmtes Ziel, einfach nur das Gefühl einer für kurze Zeit geliehenen Freiheit genießen.
Die Sache mit dem Telefongeld klappte manchmal nicht mehr so richtig. Als ich irgendwann zu zittern anfing, weil ich keine Zigaretten mehr hatte, bestahl ich einen Mitschüler. Es tat mir leid, ich wollte niemals stehlen, wollte es ihm wieder geben, und führte auch hierüber Tagebuch.
Natürlich fand Pater M. auch das. Ebenso wie den Schulranzen mit den 12 leeren Bierflaschen unter meinem Bett und die Zigaretten in meinem Jackenfutter.
Eigentlich hätte mir klar sein müssen, dass ich nun die Schule verlassen musste. Niemals werde ich jenen letzten Tag im Jahr 1984 vergessen, als wir uns zur Zeugnisausgabe des Internates alle im Gemeinschaftsraum versammeln mussten.
Als wir alle vollzählig waren, brüllte Pater M. mich an: ?Hol die Zigaretten!? Ich erschrak darüber und gehorchte. Als ich ihm die Zigaretten aushändigte, zerkrümelte er sie vor sich auf dem Boden und schnauzte mich wieder an: ?Mach das weg!?
Ich holte Handfeger und Kehrblech, ging vor ihm auf die Knie und begann die Krümel aufzukehren, als er versuchte, mir von oben herab in den Nacken zu schlagen. Ich sah nur einen Schatten, wich instinktiv zur Seite und sprang auf die Beine und fand mich selbst, ohne dass ich das gewollt hätte, in einer Karate-Position wieder, die ich kurz zuvor gelernt hatte, die Hände fest zu Fäusten geballt, nur ein Muskelzucken davon entfernt, diesem Mann, der mich nunmehr zwei Jahre lang gequält hatte, ins Gesicht zu schlagen. Das einzige, was mich davon abhielt, war die Hoffnung darauf, weiterhin auf dieser Schule und bei meinen Freunden bleiben zu können. Hätte ich damals gewusst, dass ich die Schule ohnehin verlassen muss, dann hätte ich nicht gezögert.
Hätte ich damals zugeschlagen, dann hätte ich heute etwas, worauf ich stolz sein könnte.
Ich tat es nicht. Und das ist das einzige, was ich jemals wirklich ein Leben lang bereut habe, jener Bruchteil einer Sekunde, den ich gezögert habe. Ich schäme mich dafür, dass ich nicht zurückgeschlagen habe.

Ich hatte Glück ? ich bin nicht alkoholabhängig geworden. Nachdem ich das Internat verlassen hatte, ist es mir leicht gefallen, vom Alkohol loszukommen.
Zu meiner Mutter habe ich nie wieder eine vertrauensvolle Bindung aufgebaut. Seit nunmehr drei Jahren rede ich gar nicht mehr mit ihr.
Es hat lange gedauert, bis ich mein Leben in den Griff bekommen habe ? über 10 Jahre.
Und erst jetzt, nach nunmehr 22 Jahren gelingt es mir, zu verarbeiten.
Das ist das erste Mal, dass ich darüber schreibe, ich bin noch nicht so weit, dass ich darüber sprechen kann. Aber ich arbeite daran. Das ist der Grund, warum ich hier bin ? das Gefühl, nicht mehr allein zu sein, obgleich das alles viel zu lange zurückliegt. Und die Hoffnung darauf, dass solcher Umgang mit Kindern eines Tages endgültig ein Ende hat.
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Petra Litzenburger



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Beiträge: 669
Bundesland: Saarland

BeitragVerfasst am: 19.08.2006, 14:18    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo NightRunner,

ich bin sehr bewegt und erschüttert über diesen Beitrag.

Erst einmal ein herzlichens Dankeschön für Deinen Mut Deine schlimmen Erfahrungen hier zu veröffentlichen.

Zitat:
Ich schäme mich dafür, dass ich nicht zurückgeschlagen habe.

Dafür brauchst Du Dich nicht zu schämen, ganz im Gegenteil, denn nur ein Mensch mit einem enorm starken Charakter schlägt in einer solchen Situation nicht zurück!
Ich bin davon überzeugt, das Gegenwalt keine Lösung ist.


Zitat:
Und die Hoffnung darauf, dass solcher Umgang mit Kindern eines Tages endgültig ein Ende hat.


Dazu hast Du einen enormen Beitrag geleistet, denn ich hoffe, dass durch diesen Bericht mehr Eltern wachgerüttelt werden und endlich ihre Scheuklappen ablegen und anfangen für ihre Kinder zu kämpfen! Denn nuir gemeinsam können wir stark sein und positives für unsere Kinder bewirken!

Wenn Du mehr schreiben möchtest, steht Dir das Forum der EMGS jederzeit zur Verfügung. Vielleicht hilft Dir das Schreiben diese schlimmen Erfahrungen besser zu verarbeiten.

Falls wir sonst estwas für Dich tun können, lass es uns wissen. Gerne stehen wir auch telefonisch jederzeit zur verfügung.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft und sende ganz liebe Grüsse

Petra Litzenburger
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Krümmel



Anmeldedatum: 14.07.2006
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 19.08.2006, 15:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Night Runner,

auch von mir ein Herzliches Willkommen.
Es hilft manchmal das erlebte aufzuschreiben.das Geschehnen zu
verarbeiten.
Hut ab, ich finde es sehr mutig , ich finde es toll das du deinen Mut
zusammen genommen , um hier öffentlich zu schreiben.


LG
Krümmel
_________________
Um klar zu sehen,genügt
oft schon ein Wechsel
der Blickrichtung.
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Erika
Stammposter


Anmeldedatum: 20.01.2006
Beiträge: 147
Bundesland: Schleswig-Holstein

BeitragVerfasst am: 19.08.2006, 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo NightRunner,

auch mich hat dein Text sehr bewegt - ich habe Tränen in den Augen. Echt der Hammer, was du erlebt hast. Solche Geschichten berühren mich besonders, weil mein Sohn (12) ebenfalls von Lehrern misshandelt wurde, zwar nicht so extrem, auch nicht körperlich aber psychisch - Demütigung, Bloßstellung und Ausgrenzung hat er erfahren müssen (unsere Erlebnisse hier unter Erfahrungsberichte zu lesen). Wir wechselten die Schule - ich habe sicher zu lange damit gewartet - sein Selbstbewusstsein hat einen starken Knacks bekommen - die Spuren sind heute noch nicht ganz verheilt.

Wie geht es dir jetzt - gibt es noch Spuren?

Alles Gute für dich!
Erika

P.S. NightRunner kommt mir so bekannt vor. Schreibst oder schriebst du im LF?
_________________
In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und abgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.

(A. Jean Ayres)
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Marlene Mayer



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Beiträge: 271
Bundesland: Bayern

BeitragVerfasst am: 19.08.2006, 22:42    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo NightRunner,

mir standen die Tränen nicht nur in den Augen, ich weinte regelrecht beim Lesen deiner Geschichte, deinem Erlebnis. Mir fehlen momentan die Worte, aber wahrscheinlich wird es die richtigen Worte so nicht geben, die dir helfen könnten alles zu vergessen.

Ein großer Schritt den du mit dem Schreiben bewältigt hast, ich danke dir ganz aufrichtig für den Mut, denn dein Mut wird vielleicht anderen, die ähnliches erlebten oder erleben die Kraft geben können, sich Hilfe zu holen und sei es nur das aus sich heraus gehen, so wie du das nun geschafft hast.

Es ist ganz wichtig, dass du aus dir herausgehst, den Ballast sozusagen von dir gibst, aber lass dir Zeit und tu es so wie du es für dich als in Ordnung empfindest.

Nochmal Danke für Deinen Mut zu diesem Schritt und herzlichen Dank für das Vertrauen in EMGS.

Liebe Grüße

Marlene Mayer
_________________
Die entscheidenden Veränderer der Welt sind immer gegen den Strom geschwommen. Walter Jens
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NightRunner



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Beiträge: 50
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 20.08.2006, 21:49    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen dank an Euch alle für den Zuspruch und die Hilfsbereitschaft.
In der Tat hilft mir das Schreiben sehr - es hat mir in der Vergangenheit schon oft geholfen.
Und natürlich gibt es Spuren. Ich stehe zwar heute mit beiden Beinen fest im Leben, aber verdrängte Dinge sind eben nicht ungeschehen. Depressionen haben mich oft so niedergeschlagen, dass ich nicht mehr arbeitsfähig war, kein Problem, solange ich Angestellter war, wenngleich sich meine Frau riesige Sorgen darüber machte, aber im Projektgeschäft als Selbstständiger kann ich das überhaupt nicht gebrauchen, dabei wusste ich noch nicht einmal mehr, woher es kam. Erst als ich Termine deswegen verpatzte und Projekte auf den letzten Drücker nur noch durch kräftezehrende Nachtschichten retten konnte, bin ich der Sache auf den Grund gegangen, und habe dann erst wieder angefangen, mich zu erinnern. Das war ein langwieriger und schmerzhafter Prozess, an dessen Ende ich nun stehe. Irgendwann habe ich im Internet nach anderen Menschen gesucht, denen es ähnlich gegangen ist, wie mir. Dabei bin ich über die Meldungen über die Don Bosco Schule im Saarland gestolpert, und war entsetzt: Über 20 Jahre nach meinen Erlebnissen musste ich feststellen, dass eine Schule desselben Ordens, dessen Internat ich damals besucht hatte, heute noch die Prügelstrafe vollzog.
Irgendwie bin ich dann im Verlaufe meiner weiteren Recherchen hier gelandet und habe über Monate hinweg darüber nachgedacht, ob es nicht sinnvoll und richtig wäre hier zu schreiben.
Vielleicht komme ich Dir deshalb bekannt vor, Erika, ich habe hier schon mal den ein oder anderen kleineren Beitrag geschrieben, sie sind noch unter den rekonstruierten Beiträgen zu finden, und schon damals fand mein (ich nenne es einfach mal so) ?Leitsatz? ? ein geschlagenes Kind vergisst nie ? breite Zustimmung.
Es geht mir letztendlich nicht darum zu vergessen ? ich könnte es gar nicht. Nein, es geht mir darum, eine andere Haltung zu gewinnen, eine andere Perspektive zu finden, von der Opferrolle wegzukommen.
Es gibt keine Gerechtigkeit für mich, rein juristisch gesehen verjährt Kindesmisshandlung nach 6 Jahren oder aber 6 Jahre nach Vollendung des 18. Lebensjahres. Und selbst wenn es eine Ausnahme- oder Härtefallregelung gäbe ? wenn ich sehe, wie schwierig es ist, akute Fälle zum Wohle eines Kindes zu bringen, wie soll das dann erst gehen bei einem Fall, der über 20 Jahre zurückliegt?
Für mich ist es in dieser Hinsicht zu spät. Aber ungeachtet dessen, kann ich mein Schweigen brechen, und ich kann mich aktiv dafür einsetzen, dass es anderen Kindern heute besser ergeht.
Wenn noch mehr Menschen ihr Schweigen brächen und insbesondere Kinder entgegen allen Einschüchterungsversuchen offen sprechen könnten, dann würde sich zumindest dieser allgegenwärtigen Vertuschungsmentalität Einhalt gebieten lassen ? ich denke, damit wäre schon viel gewonnen.

Ich habe angefangen, dieses Buch, das Pater M. damals zerrissen hat, neu zu schreiben. Einerseits tu ich das für mich selbst, anderseits habe ich durchaus das Ziel vor Augen, dieses Buch eines Tages zu veröffentlichen, und vielleicht wird es mir hierdurch gelingen, etwas in den Köpfen einiger Menschen zu bewegen.

Vielen Dank noch mal.
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rommy



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BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 01:19    Titel: Re: 22 Jahre später, Oder: Ein geschlagenes Kind vergisst ni Antworten mit Zitat

Hallo nightRunner,

heut hab ich deinen Bericht noch einmal durchgelesen.
Es erschüttert mich sehr, aber du hast dein Leben trotz allem gut gemeistert.
Das freut mich sehr!
Wie viele hier denk auch ich, daß es sicher guttun wird, wenn du auch weiterhin hier schreibst.
Mir half schreiben schon mein ganzes Leben, auch wenn man nichts damit erreicht, es erleichtert!

LG
rommy
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Petra Litzenburger



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BeitragVerfasst am: 24.08.2006, 11:30    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo NightRunner,


die Herz Jesu Schule Schulträger Don Bosco in Saarbrücken wird trotz schwerster Misshandlungsvorwürfen nun doch nicht geschlossen:


http://emgs.de/forum-emgs/viewtopic.php?p=2203#2203


Liebe Grüsse

Petra Litzenburger
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NightRunner



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BeitragVerfasst am: 03.09.2006, 00:46    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Ich bin davon überzeugt, das Gegenwalt keine Lösung ist.


Jetzt muß ich doch mal eine Frage stellen:

Nachdem ich nun hier derart oft von gescheiterten Versuchen lese, für die Sicherheit Eurer Kinder zu sorgen - wäre es wirklich so schlecht, wenn ein Kind zurückschlägt?

Ein geschlagener Lehrer erregt bei den Behörden offenbar mehr Aufsehen und Interesse als ein geschlagenes Kind.
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rommy



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BeitragVerfasst am: 03.09.2006, 00:59    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Jetzt muß ich doch mal eine Frage stellen:

Nachdem ich nun hier derart oft von gescheiterten Versuchen lese, für die Sicherheit Eurer Kinder zu sorgen - wäre es wirklich so schlecht, wenn ein Kind zurückschlägt?

Ein geschlagener Lehrer erregt bei den Behörden offenbar mehr Aufsehen und Interesse als ein geschlagenes Kind.


Wenn WIR unsere Kinder dazu auffordern, daß es seinen schlagenden Lehrer auch schlägt, dann haben die Behörden sofort was gegen UNS in der hand!
Aber ich geb dir auch offen gesagt recht: Wie sollen sich die Kids wehren? Mit guten Worten, wie wir es ihnen sagen?
Das bringt ja nichts!
Aber dazu "erziehen", daß sie zurückschlagen, das dürfen wir nicht. Ausserdem stellen wir uns auf die gleiche Stufe wie diese Verbrecher!
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NightRunner



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BeitragVerfasst am: 03.09.2006, 01:10    Titel: Antworten mit Zitat

Ich ziehe die Frage zurück und korrigiere:

Wie wäre es, den Kindern beizubringen, sich im Rahmen der rechtlich zulässigen Mittel der Notwehr oder Nothilfe gegen Angriffe zur Wehr zur setzen?
Ab dem 14. Lebensjahr würde das sicherlich funktionieren. Aber ich weiß nicht, was mit jüngeren Kindern ist.
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rommy



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BeitragVerfasst am: 03.09.2006, 01:14    Titel: Antworten mit Zitat

NightRunner hat Folgendes geschrieben:
Ich ziehe die Frage zurück und korrigiere:

Wie wäre es, den Kindern beizubringen, sich im Rahmen der rechtlich zulässigen Mittel der Notwehr oder Nothilfe gegen Angriffe zur Wehr zur setzen?
Ab dem 14. Lebensjahr würde das sicherlich funktionieren. Aber ich weiß nicht, was mit jüngeren Kindern ist.




Was sind in so einem Fall rechtlich zulässige Mittel!? Die meisten Kinder, von denen in diesem Forum erzählt wird, sind unter 10, glaub ich! Aber der Gedanke ist ned ohne, bringen wir ihnen Gegenwehr bei. Nur wie? Werd ich doch glatt in meinen nächsten Brief an unseren Kultusminister fragen, was er vorschlagen könnt! Gute Idee, nightRunner!!!!
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NightRunner



Anmeldedatum: 21.01.2006
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Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 03.09.2006, 01:49    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, auf die Antwort vom Kultusminister wäre ich allerdings auch gespannt.

Notwehr impliziert nicht zwangsläufig eine gewalttätige Handlung. Gemeint ist eine Handlung, die dazu geeignet ist, eine drohende Gefahr von sich selbst abzuwenden.

Ich weiß, das ist eine Schnapsidee, aber wie wäre es zum Beispiel mit Feuermeldern? Jede Schule hat welche. Sie dienen dazu eine mögliche Gefahr von der Schule abzuwenden - ein prügelnder Lehrer erfüllt meines Erachtens nach dieses Kriterium genauso wie ein brennendes Klassenzimmer.
Ein Kind dazu zu bewegen, bei drohender Prügel und ähnlich schwerwiegendem einen Alarm auszulösen scheint mir realistisch und umsetzbar unabhängig vom Alter. Und es würde zweifellos den betreffenden Lehrer von seinem zweifelhaften Vorhaben abbringen.
Der einzige Haken an der Sache ist die Frage nach den aufkommenden Kosten für den Feuerwehreinsatz, sofern es dazu kommt.
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Doris Carnap
Moderatorin


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BeitragVerfasst am: 03.09.2006, 14:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo NichtRunner,

deine Vorstellung, dass das Zurückschlagen eines Schülers als Notwehr verstanden werden sollte, übersieht die schulische Hierachie. Häufig befinden sich schon Lehrer und Eltern nicht auf einer Augenhöhe, Schüler sind es häufig ganz und gar nicht. Schüler, die auf etwas reagieren, werden einfach in die Schublade "schlecht erzogen, bösartig, gewalttätig" gesteckt, was eventuell die Reaktion ausgelöst hat, spielt kaum eine Rolle.

Vor kurzen kam das Thema bei einer Gruppe Jugendlichen auf, wie Lehrer reagieren können und was das bewirken kann. In einer 8. Klasse malte ein Schüler während des langweiligen Unterrichts mit einem Edding, die Lehrerin störte das, nachdem sie den Schüler bereits verwarnt hatte, schnappte sie sich den Edding und warf ihn in den Mülleimer, der Schüler reagierte promt, er saß vor dem Lehrerpult, nahm das Mäppchen der Lehrerin und warf es hinterher. Die Geschichte hätte hier enden können, wenn jetzt ein Gespräch zwischen beiden stattgefunden und man sich über den gegenseitigen Ärger ausgetauscht hätte und gemeinsam nach einer Lösung gesucht hätte. Aber die Lehrerin wollte in ihrer Wut und Hilflosigkeit, dass der Schüler zum Schulleiter geht, um sich dort zu melden. Der Schüler weigerte sich aber zu gehen, darauf packte die Lehrerin den Schüler am Arm und versuchte ihn aus der Klasse zu ziehen, der Schüler wehrte sich und die Lehrerin wurde bei der Rangelei an die Tafel geschubst. So eskalierte die Geschichte gewaltíg.

Von den Schülern, die dabei waren, war später zu hören, die Lehrerin habe die Eskalation selbst verschuldet. Die Geschichte, die durch die Schule ging, beschränkte sich aber nur auf die letzte Szene: Hast du schon gehört, dass der Schüler XY/ ein Schüler die Lehrerin YZ gegen die Tafel gestoßen hat. Welche Konsequenzen das damals für den Schüler hatte, weiß ich nicht mehr, die Lehrerin war jedenfalls ein halbes Jahr krankgeschrieben, aber nicht wegen eventueller körperlicher Leiden, sondern wegen psychischer.

Zitat:
NightRunner: Notwehr impliziert nicht zwangsläufig eine gewalttätige Handlung...Ich weiß, das ist eine Schnapsidee

Das sehe ich auch so Wink

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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NightRunner



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Beiträge: 50
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 03.09.2006, 20:49    Titel: zurück zur Kernfrage Antworten mit Zitat

wir haben gesehen, dass alle Auseinandersetzungen mit Behörden und Staatsanwaltschaft zum Scheitern verurteilt sind, weil die Fakten über Monate hinweg verschleppt werden, weil fahrlässig schlecht ermittelt wird, weil die Verantwortlichen gerne vertuschen und weil Kinder mangels Respekt nicht ernstgenommen werden.
Außerdem halte ich es nicht für ausreichend, anzustreben, dass die Verantwortlichen im Nachhinein zur Verantwortung gezogen werden.
Es muß eine Lösung geben, bevor etwas passiert. Auf die Auswahl der Lehrer haben wir offenbar keinen Einfluss, und selbst wenn - schwarze Schafe gibt es überall, und sie lassen sich nicht zwangsläufig von Anfang an erkennen.
Zurückschlagen ist nicht - da würde jedes Kind in eine Situation kommen, in der Eltern ihre Kinder nicht sehen wollen.
Den Feuermelder betätigen geht also aus Deiner Sicht auch nicht, was ich schade finde, ich hätte das zumindest für den Ansatz einer Notlösung gehalten.
Also nochmal: Die Frage ist nicht, was wir tun können, um einen Lehrer im Nachhinein zur Verwantwortung zu ziehen, die Frage ist, was ein Kind um seiner selbst willen tun kann, wenn es sich in einer solchen akuten Notsituation befindet, unter der Annahme, dass das Kind in diesem Falle auf sich allein gestellt ist.

Gibt es Ideen?
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