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Die Erlebnisse meiner Tochter

 
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Mirabella



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Beiträge: 9
Bundesland: NRW

BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 10:05    Titel: Die Erlebnisse meiner Tochter Antworten mit Zitat

Dann möchte auch ich einmal von den Erlebnissen meiner Tochter (13) berichten. sie besucht mittlerweile die 7. Klasse der Realschule.
Eigentlich bin ich mir gar nicht so sicher, ob es Mobbing durch Mitschüler oder durch die Lehrer ist - vielleicht sogar beides. Angefangen hat alles jedenfalls durch 2 Mitschülerinnen. Meine Tochter ist ein, in der Schule, sehr ruhiges - fast schon introvertiertes Mädchen, das sich schwer tut, auf andere Menschen zuzugehen. Ihre Klasse setzt sich zusammen aus insgesamt 25 Kindern, wobei nur 7 Mädchen in der Klasse sind.
Das 5. Schuljahr verlief eigentlich ganz normal, mit den üblichen Höhen und Tiefen. Sie fand eine Freundin in der Klasse und machte auf uns einen unbeschwerten Eindruck. Das änderte sich am Anfang diesen Jahres, kurz nach den Halbjahreszeugnissen, schlagartig. Meine Tochter zog sich immer mehr zurück, sprach kaum noch über Erlebnisse in der Schule und die Noten gingen deutlich nach unten. Gespräch mit ihr führten zu keinem Ergebnis, so das ich nicht wirklich wußte, was ihr fehlte. Mir waren die morgendlichen Bauch- oder Kopfschmerzen schon längst aufgefallen, aber da sie nichts erzählte, tappte ich zunächst im Dunkeln. Mein erster Weg führte zum Arzt, der keinerlei körperlichen Beschwerden entdecken konnte - ich hatte auch nicht wirklich daran geglaubt. Als dann der berühmte "blaue Brief" ins Haus flatterte und mir die Schule mitteilte, das die Versetzung gefährdet sei, bat ich um einen Termin in der Schule. Gleichzeitig suchte ich nach einem Kinder- und Jugendpsychologen, in der Hoffnung, das er mir helfen könne, meinem Kind zu helfen. Ich fand einen Psychologen und mein Kind redete, weinte und ich war erschüttert. Sie sprach von Hänseleien, von Tritten, von Schubsen. Mit diesem Wissen ging ich zu dem Gespräch in die Schule, das mit der Klassenlehrerin und der Rektorin der Schule stattfand. Ich stieß auf taube Ohren. Die Klassenlehrerin reagierte kaum und die Rektorin gab mir den Rat mit auf den Weg, ich solle überlegen, das Kind auf die Hauptschule zu schicken, da es offensichtlich dem Leistungsdruck einer Realschule nicht gewachsen war. Ich war fassungslos. Sollte das die Hilfe sein, die mein Kind brauchte?
Ein erneutes Gespräch mit der Klassenlehrerin. Diesmal versprach sie mir, mit den Fachlehrern zu reden und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen - Fehlanzeige, es geschah nichts. ich wendete mich auf den zuständigen Schulrat, telefonierte mit dem Kultusministerium in Düsseldorf. Es gab immer nur den Rat, ich solle Gespräche mit der Schule führen. Na toll, da geschah doch nichts.
Langsam rückten die Sommerferien immer näher. Die Versetzung hing - laut Schule - immer noch am seidenen Faden, da in Englisch und auch in Mathe jeweils eine 5 zu erwarten waren. Meine Tochter wollte aber unbedingt versetzt werden und lernte, lernte, lernte. Der Englischlehrer sagte mir, das er ihr eine 4 geben würde, wenn die letzte Arbeit wenigstens 4 geschrieben würde. Ich sagte meiner Tochter davon nichts, um ihr Druck zu nehmen und ihr eine mögliche Enttäuschung zu ersparen - sie schaffte es, es wurde eine 4. Auch die letzte Mathearbeit wurde mit einer 4 geschrieben, statt 5, wie die beiden Arbeiten vorher. Ich atmete auf, die Versetzung schien geschafft, zumal sie in Deutsch mit der besten Arbeit der Klasse nach Hause kam - einer 2+. Ich dachte, wir hätten wenigstens das Ziel der Versetzung erreicht. Offensichtlich hatte ich mich zu früh gefreut.
Es gab - mal wieder - ein Gespräch mit der Klassenlehrerin, weil ich ihr ein Foto meiner Tochter zeigen wollte, auf welchem sie eine lange Schramme auf dem Rücken hatte, die von Rempeleien einer der besagten Mitschülerinnen stammte. Bei diesem Gespräch fragte ich auch nach den Chancen für die Versetzung. Die Klassenlehrerin, die auch den Deutschunterricht gab, meinte, das sie noch nicht genau wisse, ob sie meiner Tochter wirklich eine 3 geben könne, da sie im Unterricht sehr still sei. Ich war wie vor den Kopf geschlagen. Mit einer 4 wäre die 5 in Mathe nicht ausgeglichen und damit die Versetzung nicht geschafft.
Die Schule hatte mir zwischenzeitlich mündlich mitgeteilt, das meine Tochter im Falle der Nichtversetzung auf die Hauptschule wechseln müsse. Der Schulrat erklärte mir jedoch, das die Schule mir das hätte spätestens 6 Wochen vor Schuljahresende schriftlich hätte mitteilen und mich zu einem Gespräch hätte bitten müssen. Das war nicht geschehen.
Die Klassenlehrerin meinte noch zu mir, sie würde sich noch einmal überlegen, welche Note sie meiner Tochter gäbe und ich solle sie in ein paar Tagen deswegen noch einmal anrufen. Was sollte das jetzt wieder? Einen Tag später war Zeugniskonferenz und sie wußte noch nicht, welche Note meine Tochter bekommen sollte? Auf die Frage, warum sie in der Sache mit dem Mobbing nicht aktiv geworden sei, sagte sie mir, sie hätte so kurz vor Schuljahresende keine Pferde mehr scheu machen wollen und wir sollten doch erst mal das neue Schuljahr abwarten, um zu sehen, was sich dann evtl. verändert.
Nun denn, einige Tage später teilte sie mir mit, das sie die 3 in Deutsch geben würde und damit war meine Tochter versetzt, weil auch der Englischlehrer sein Wort gehalten hatte.
In all diesen Wochen habe ich versucht, meine Tochter auf einer anderen Schule anzumelden. Es gibt hier im Ort noch eine Realschule in erzbischöflicher Trägerschaft und es gibt eine Gesamtschule. Beide Schulen sagten mir, das sie keine Kinder mehr aufnehmen könnten. Mir waren also die Hände gebunden und einem Wechsel in eine Paralellklasse stimmte die Schule nicht zu.
Der Klassenlehrer hat gewechselt. Eines der mobbenden Mädchen hat die Versetzung nicht geschafft und wiederholt die 6. Klasse. Es gibt einige neue Kinder in der Klasse, aber ob sich am Mobbing etwas geändert hat, kann ich noch nicht sagen.

Sorry, dafür, das die Geschichte etwas länger geworden ist.
Mira
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Momo86
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BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 11:12    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mira,

eure Geschichte ist schlimm... - und leider typisch. Das Kind hat Schuld und ist im Zweifel "überfordert" ...

Ich muss dir sagen: BESTEHE !!! auf eine Versetzung in die Parallelklasse oder besser noch in eine andere Schule.

Ohne Wenn und Aber!

Wie du das durchsetzt, dazu schicke ich dir eine PN!

LG Momo
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Marlene Mayer



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BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 11:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mirabella,

wurde bei deiner Tochter schon mal eine Intelligenzdiagnostik durchgeführt? Ich frage nur deshalb, weil auch eine Unterforderung vorliegen könnte, die einer Überforderung oft gleich ist mit schlechten Noten, nur um sicherheitshalber auszuschließen, dass sich nicht auch eine HB dahinter verstecken könnte. Gerade wegen dem Anderssein, werde auch HB Kinder gemobbt, diese Erfahrung mussten wir zum Beispiel machen.

Liebe Grüße

Marlene
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Mirabella



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BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 11:40    Titel: Antworten mit Zitat

Ein dickes Danke für eure Antworten.

Momo - vielen Dank für deine Nachricht. Ich werde darauf zurück kommen.

Marlene - nein, bisher wurde sie noch nicht getestet. Ich gestehe, das mir dieser Gedanke auch bisher fremd war. Auf alle Fälle werde ich mit dem Psychologen darüber sprechen und um einen solchen Test bitten.

Liebe Grüße
Mira
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Marlene Mayer



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BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 12:19    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mirabella,

man sollte alles in Betracht ziehen, es ist einfach immer nur an eine Überforderung zu denken, dass nicht immer allein verantwortlich gemacht werden kann. Wie waren die Leistungen deiner Tochter in der Grundschule? Wie war ihr Verhalten am Nachmittag bei zum Beispiel Hausaufgaben? Ihr Freundeskreis?

Natürlich musst du meine Fragen nicht beantworten oder dich dazu verpflichtet fühlen, nur manchmal kann man sich eben ein, wenn auch kleines Bild machen, da wir mit unseren Kindern auch ähnliches erleben mussten.

Ich finde es in jedem Fall gut, dass du eine evtl. Unterforderung beim Psychologen ansprechen möchtest, bzw. eine Testdiagnostik anstrebst.

Liebe Grüße

Marlene
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Mirabella



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BeitragVerfasst am: 27.08.2006, 12:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Marlene!

Die Antworten gebe ich dir gern, weil ich für jeden Tipp oder Rat mehr als dankbar bin.

Am besten ich fange mal vorne an.
Damals beim Test vor der Einschulung kam heraus, das die Schulärztin sich nicht sicher war, ob das Kind schulfähig sei oder nicht. Wir beschlossen dann - in Absprache mit dem Rektor der Grundschule - sie einzuschulen und zu sehen, wie sie sich entwickelt. Bereits in der zweiten Schulwoche stellte sich herraus, das es für meine Tochter noch zu früh war. Sie weigerte sich z. B. an Spielen in der Schule teilzunehmen, die dem Kennenlernen dienen sollten. Stattdessen versteckte sie sich weinend unter dem Tisch. Zum Glück besaß diese Grundschule einen angeschlossenen Schulkindergarten, den meine Tochter dann bis zum Ende des Schuljahres besuchte. Dort entwickelte sie sich prächtig und im nächsten Schuljahr war die erste Klasse ein voller Erfolg fürs Kind. Sie lernte im Eiltempo lesen und auch das Schreiben bereitete keine Schwierigkeiten. Im Umgang mit ihren Klassenkameraden war sie offen und freundlich. Einzig mit Zahlen stand sie von Anfang an ein wenig auf Kriegsfuß. Das änderte sich im Verlauf der Grundschule leider auch nicht, aber es waren niemals riesige Matheprobleme, so das wir an eine Dyskalkulie gedacht hätten.
Im Verlaufe der Grundschulzeit trennten sich ihr Vater und ich, was natürlich zu einem Einbruch bei ihr führte.
In Deutsch immer noch super, gingen die Mathenoten dramatisch nach unten und sie verließ die Grundschule mit einer 5. Trotzdem bekam sie die Empfehlung für die Real- oder Gesamtschule.

Freunde hatte sie nie viele. Sie beschränkte das eigentlich immer auf ein - bestenfalls zwei Mädchen. Geburtstagseinladungen gab es eigentlich in dieser Zeit immer, die sie auch wahrnahm. Aber Besuche von oder bei Freundinnen waren eher die Ausnahme.

Kurz vor dem Wechsel auf die weiterführende Schule wechselten wir den Wohnort und damit auch die vorgesehene Schule. Hier kannte sie zunächst niemanden auf der Schule und so hatte sie im ersten Halbjahr der 5. Klasse recht wenig Kontakt. Das änderte sich im Verlauf des 2. Halbjahrs und sie fand eine Freundin innerhalb ihrer Klasse. Leider hat dieses Mädchen die Versetzung in die 7. Klasse nicht geschafft, was meine Tochter sehr traurig macht.

Ihre Nachmittage verbringt sie meist mit lesen oder zeichnen, was sie im übrigen sehr gut kann.
Einmal in der Woche geht sie zum Tanztraining. Sie hat sich kurz nach Aschermittwoch entschlossen, der Tanzgruppe beizutreten, zu der auch ihre Freundin aus der 5./6. Klasse gehört.
Mittlerweile hat sie sogar ihren ersten großen Auftritt hinter sich gebracht und sie war stolz auf sich selbst - wie ich finde zu recht. Ich gestehe, das ich im Stillen damit gerechnet habe, das sie kurz vor dem Auftritt doch noch Angst vor der eigenen Courage bekommt und das Training hinwirft. Aber das ist nicht geschehen.

Liebe Grüße
Mira
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Mirabella



Anmeldedatum: 26.08.2006
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BeitragVerfasst am: 26.10.2006, 08:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo alle miteinander!

Zunächst einmal möchte ich mich dafür entschuldigen, dass ich ewig nichts mehr habe von mir hören lassen.
Das lag zum großen Teil an unserem Umzug bzw. daran, dass unserer Telefonanbieter es nicht schaffte, unsere Leitungen freizuschalten.

Trotzdem möchte ich euch von den Neuigkeiten berichten, die es im Falle meiner Tochter gibt.
Nach langem Kampf mit der Schule und unter nochmaligem Einschalten des zuständigen Schulrates, geht meine Tochter seit heute auf eine neue Schule.
Plötzlich war die alte Schule bzw. die Schulleiterin sehr kooperativ und sah die Probleme meiner Tochter als das an, das sie sind/waren. Es ar plötzlich keine Rede mehr davon, dass meine Tochter auf der falschen Schulform sei. Sie versprach mit am letzten Montag, ein Gespräch mit dem Schulleiter der anderen Realschule hier am Ort zu führen und mir bis spätestens Ende dieser Woche Bescheid zu geben. Am Dienstag schon meldete sie sich tatsächlich, am Mittwoch hatte ich ein Gespräch mit dem Schulleiter und heute früh habe ich meine Tochter zur neuen Schule gebracht.

Ich habe keine Ahnung, was der Schulrat der Schulleiterin erzählt hat - ist mir auch, ehrlich gesagt, egal. Es scheint gewirkt zu haben und das allein zählt.

Liebe Grüße
Mira
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