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Schulen im Geschwindigkeitsrausch

 
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Silke
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Anmeldedatum: 22.03.2006
Beiträge: 89
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 16.09.2006, 16:11    Titel: Schulen im Geschwindigkeitsrausch Antworten mit Zitat

Hallo an alle,

nachfolgender Artikel erschien heute, 16.09.2006, in unserer
Tageszeitung "Darmstädter Echo"

Schulen im Geschwindigkeitsrausch

Bildung: Professor Horst Rumpf, ehemaliger Lehrer an der Lichtenbergschule, findet mit provozierenden Thesen Beifall

Turbo-Abitur, Bildungsstandards, optimale Nutzung des ?Rohstoffs Intelligenz? ? sieht so die Zukunft der Schule aus? ?Schule ist keine Lernfabrik?, entgegnet Professor Horst Rumpf. Der ehemalige Lehrer an der Darmstädter Lichtenbergschule, Erziehungswissenschaftler und Autor eröffnete am Donnerstag eine Vortragsreihe, zu der die Freie Comenius Schule aus Anlass ihres zwanzigjährigen Bestehens mit Unterstützung der Volkshochschule einlädt.
Eindringlich warnte Rumpf, der als Erziehungswissenschaftler zuletzt an der Universität Frankfurt gelehrt hat, vor bildungspolitischen Reformen, die auf ?mehr Tempo, mehr Kontrolle und mehr Technisierung? abzielen. Nach gegenwärtigen Leitbildern sei es das Ziel, auf schnellstem Weg ?möglichst günstige Tabellenplätze in der internationalen Leistungskonkurrenz zu belegen?. Schulen verkümmerten in der Folge zu ?Rennbahnen des Lernens?, Schulleistungen ähnelten ?zu produzierenden Waren?, Pädagogen schrumpften zu ?Managern?. Der in der Konsumgesellschaft allgegenwärtige ?Geschwindigkeitsrausch? werde auf Schulen übertragen, die sich ?im Tempozwang? befänden. ?Sind Kinder Autos??, fragte Rumpf unter dem Beifall der Zuhörer im vollbesetzten Vortragssaal der privaten Ganztags- und Gesamtschule.
Die ?Verhetzung? der Kinder auf dem Weg zum ?Turbo-Abitur? bringe eine Verachtung des Grüblerischen und Nachdenklichen mit sich, klagte der 1930 in Darmstadt geborene Pädagoge. Während sich die Natur nicht übereile, werde bei der Bildung angenommen, das schnellere Lernen sei das bessere. ?Gehetzte Stoffdurchnahme? mit Lehrmitteln, deren ?pompöse Aufmachung? häufig erschlage, bedeute für die Kinder ?Verwirrung, Überfüllung? und sinnlichen Erfahrungsverlust.
?Hochaktuell? seien deshalb die Überlegungen Comenius?. Als Begründer der neuzeitlichen Erziehungslehre hatte der tschechische Pädagoge und Seelsorger bereits im 17. Jahrhundert betont, wie wichtig es sei, sich ?das Verständnis der Dinge zu erschließen?. ?Weniges richtig, statt vieles flüchtig zu lernen? sei auch eine zentrale Forderung der reformpädagogischen Bewegung. Gerade in der heutigen Zeit gehöre es zu den wichtigen Aufgaben der Schule, der Jugend genaues Hinschauen zu lehren. Schnelles Reagieren lernten Kinder und Jugendliche in der sie umgebenden Konsumwelt, meint Rumpf.
?Die Staunkraft der Jugend zum Zuge kommen zu lassen? war eine weitere Forderung des Erziehungswissenschaftlers. Die Überalterung der Gesellschaft sei auch ein ?geistiges Problem?. Das frische, neue Denken, die Spontanität und Neugierde der Kinder, die den ?flüchtigen Gewohnheitsblick? aufraue, werde von den Überlebensinteressen der Älteren verdrängt, mahnte Rumpf. Heute seien die Rollen klar verteilt: ?Die Jungen lernen von den Alten.? Das Staunen fehle.
Dass Bildung nur ?zweckrational? und Schule als ?Wirtschaftsbetrieb? gesehen werde, sei ein ?Alptraum?, sagte Rumpf. Zwar sei es nötig, in der Schule Kompetenzen einzuüben und zu kontrollieren, er äußerte aber Zweifel an der Sinnhaftigkeit ?permanenter Bedrohungen durch Regulierungen, Lernkontrollen und Bildungsstandards?. Beispielsweise entstehe eine lebendige, kultivierte und liebevolle Beziehung zur Sprache, die ?Medium und Atem unserer Weltbeziehung? sei, nicht durch Druck und Tests, sagte Rumpf. Schule heute ähnele einem Hindernislauf, kritisierte er und fragte: ?Wer liebt schon Hürden??


LG

Silke
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