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schlechte Handschrift und Langsamkeit

 
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Erika
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Anmeldedatum: 20.01.2006
Beiträge: 147
Bundesland: Schleswig-Holstein

BeitragVerfasst am: 27.09.2006, 22:32    Titel: schlechte Handschrift und Langsamkeit Antworten mit Zitat

Hallo,

gestern auf dem Elternabend ging es um ordentliche Ordnerführung bzw. Handschrift. Viele in der Klasse (6. Klasse Gym.) haben wohl eine Sauklaue und führen ihre Ordner unordentlich. Die Lehrerin beklagte sich darüber. Mindestens 2 Kindern (mein Großer war auch dabei) schrieb sie unter die Klassenarbeit "Du musst kleiner und ordentlicher schreiben". Daneben ein "Smiley" mit herunterhängenden Mundwinkeln. Eine Mutter erwähnte, dass ihr Sohn bisher in der Grundschule immer eine 1 in Handschrift hatte. Jetzt soll er plötzlich kleiner schreiben.

Die Note in allen Fächern wird jeweils eine halbe Zensur heruntergestuft (steht aber nicht explizit unter der Arbeit). Die Lehrerin wies darauf hin, dass sie die Deutschordner einsammeln würde. Für die Heftführung und Schrift gibt es dann eine mündliche Zensur. Sie machte nochmals deutlich, dass die mündliche Zensur mehr zählt als die schriftliche. Nach einer Klassenarbeit (ein Zeitungsbericht nach Bildern) musste die ganze Klasse alles noch einmal zu Hause abschreiben, weil die Schrift so schlecht war. Ehrlich gesagt, ich könnte auch keinen Bericht ordentlich und in Schönschrift so aus dem Stehgreif schreiben.

Alle Eltern fanden es scheinbar völlig o.k. so und nickten zustimmend. Ich machte darauf aufmerksam, dass einige Kinder aber gar nicht anders können, da sie feinmotorische Störungen hätten. Sie könnten zwar teilweise ganz ordentlich schreiben, aber nicht, wenn sie sich eben noch zusätzlich auf Inhalt und Rechtschreibung konzentrieren müssen. Ich fragte,
ob man dafür dann eine ärztliche Bescheinung bräuchte. Das bejahte die KL und machte anschließend noch einmal deutlich, dass die Kinder es lernen müssten, ordentlich zu schreiben und die schlechtere 1/2 Note insgesamt üblich, sinnvoll und berechtigt sei.

Was nützt mir ein ärztliches Attest, was ich sicher von unserem Kiss-Doc bekommen würde? Ich denke gar nichts! Die Lehrerin hat scheinbar noch nie etwas von möglichen Hintergründen für feinmotorische Störungen gehört - sie hat
mit Sicherheit ihre eigene Meinung und wird ihre Zensuren weiterhin so geben, wie sie es möchte. Im LF habe ich auch schon mehrmals gelesen, wie Lehrer scheinbar über schlechte Handschriften bzw. unordentliche Heftführung urteilen. - Ohne jegliches Wissen über entwicklungsbedingte Feinmotorik- oder andere Störungen meinen sie zu wissen, dass die Kinder
sich zu wenig Mühe geben. Da kamen dann so Bemerkungen wie "...dann wedeln die Eltern mit dem ärztlichen Attest"

Wozu ist die Handschrift so wichtig, wenn man alles lesen kann?

In Mathe hatte mein Großer auch "Pech". Er ist mit mindestens 5 Anderen bei der Mathearbeit nicht fertig geworden. Der Lehrer kam etwas später in die Klasse (habe ich von einer Mitschülerin gehört.) Mein Großer hat 2 Aufgaben nicht geschafft - eine halbe übersehen. Alles andere, was er gerechnet hat, war richtig - leider eine 4 kassiert.

Im Erdkundetest bekam er für 2 Antworten jeweils nur die halbe Punktzahl, weil er "Reykjawik" und "Pyrenäen" falsch geschrieben hat.

Das I-Tüpfelchen sind dann die gelegentlich verteilten Strafarbeiten (Schulordnung abschreiben - mehrere Seiten handschriftlich), wenn jemand, nachdem er sich schon aus Stress wegen Unterforderung die Hände angemalt hat, aus lauter Langeweile im Unterricht - vielleicht beim Abschreiben von Arbeitsanweisungen von der Tafel als Schreibübung - mit dem Tischnachbarn quatscht oder mit kleinen Papierschnispeln wirft. Kostbare Freizeit, die sinnvoller genutzt werden kann, geht verloren - Kinder sind schlecht gelaunt und der Haussegen hängt zu Hause schief.

Schade finde ich, dass die meisten Eltern voll in die gleiche Kerbe der Lehrer hauen, weil sie ebenfalls keine Kenntnisse über Hintergründe gewisser Auffälligkeiten haben (kann man von Eltern wohl auch weniger verlangen).

Eine Internetfreundin aus der Schweiz schrieb:

"Hallo Erika,

das was Du sagst trifft bei uns schon seit Jahren zu. Ich dachte auch, dass das Ganze in der Oberstufe endlich aufhören würde. Weit gefehlt. Es wurde nur noch schlimmer. Der jetzige Lehrer unseres Sohnes, den wir auch persönlich kennen, hat ihn kürzlich vor der ganzen Klasse lächerlich gemacht, weil er viele Fehler in einem Aufsatz hatte. Ich hatte ehrlich gesagt nicht mehr den Nerv mit dem Lehrer zu sprechen. Mein Mann ging dann glücklicherweise für mich und hat die Sache mit dem Lehrer ausdiskutiert. Unser Sohn bekommt regelmässig Abzüge für seine Schrift und die
Heftführung. Dabei ist er in Mathe ein kleines Genie. Im letzten Schuljahr musste er eine Arbeit in der Naturkunde abliefern. Sie mussten die Arbeit in der Schule verfassen und schreiben, gleich nach dem Schwimmunterricht, dann ist die Handschrift sowieso wegen Müdigkeit schon mal nicht optimal. Inhaltlich hätte er eine 5.5 erhalten (bei uns ist die 6 die beste Note) aber tatsächlich bekommen hat er eine 3.5. Er konnte es dann später mit sehr guten Leistungen wieder ausgleichen, aber ich fand dies äusserst
ungerecht. Viele Eltern getrauen sich einfach nichts zu sagen, weil sie Angst haben, es könnte auf ihr Kind zurückfallen. Ich bin selbst so eine, wobei ich wirklich immer abwäge ob und wo ich etwas sagen soll. Wenn ich immer rennen würde, wäre es sicherlich auch nicht gut. Man fühlt sich wirklich manchmal sehr hilflos, wenn man dem System Schule ausgeliefert ist."


Obwohl wir die schlimmsten Schulerlebnisse seit dem Schulwechsel Anfang der 3. Klasse hinter uns haben (hoffe ich) und auch mein Sohn sich sehr zum Positiven entwickelt hat, machen mich solche Zustände in der Schule wütend, weil sie für meinen Sohn regelmäßig mit Enttäuschungen verbunden sind und ihn demotivieren.

Liebe Politiker, braucht unsere Gesellschaft wirklich schön schreibende, schnell rechnende Angepasste, die wissen müssen, wie man "Rejkavik" schreibt, die aber ev. nicht über ihren Tellerrand schauen und nur den Mund aufmachen, wenn sie gefragt werden?

Wäre es nicht sinnvoll, die nicht schön schreibenden, langsameren meistens sehr intelligenten, wissensdurstigen, sozial eingestellten, mitdenkenden, sprachgewandten, impulsiven kleinen liebenswerten "Chaoten" mit oft überdurchschnittlichen Fähigkeiten im logisch-analytischen, technischen, kreativen oder musischen Bereich ihren Fähigkeiten entsprechend zu fördern, als sie durch diese offensichtlich legalen Mobbingattacken zu demotivieren?

Wissen Sie eigentlich, wie es einigen Kindern dabei geht?


Viele Grüße
Erika

P.S. Sorry, etwas viel geworden!
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In dem Moment, wo die Hirnfunktionen vollständig und abgewogen ablaufen, erreichen die Körperbewegungen ihr höchstes Maß an Anpassung, ist Lernen eine relativ einfache Aufgabe und richtiges Verhalten ein ganz natürlicher Zustand.

(A. Jean Ayres)
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mona



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Beiträge: 4
Bundesland: NRW

BeitragVerfasst am: 29.09.2006, 08:27    Titel: schönschrift Antworten mit Zitat

Liebe Erika,

ich habe mit meiner Tochter ein ähnliches Problem. Sie ist zwar erst in der zweiten Klasse, aber auch sie schreibt doch sehr unsicher. Ich hatte sie vor der Einschulung untersuchen lassen und da wurde das Kiss-Syndrom festgestellt. Der Therapeut erklärte mir, das es dadurch zu feinmotorischen Auffälligkeiten kommt und sie auch starke Konzentrationsschwierigkeiten hat. Dies hat sich auch bestätigt. Als ich dem jetzigen Klassenlehrer davon in Kenntnis gesetzt habe, war die einzige Reaktion: " Ich kann es nicht mehr hören!"

Ich war sehr erstaunt über diese Reaktion und habe ihm erklärt, das dies keine Ausrede für ihre teilweise schlechten Leistungen sind. Aber er ging einfach darüber weg. Ich sehe auch wenig Sinn darin, ihm jetzt ein Attest vorzulegen. Der KL hat sich sowieso auf sie eingeschossen. Sie hat im Moment ja noch das Glück keine Noten zu bekommen. Habe jetzt eine Nachhilfeschule gefunden, die sich auf solche Kinder spezialisiert haben. Ich finde es auch nicht normal, das viele Lehrer auf diesen Kleinigkeiten rumreiten.

Liebe Grüße

Mona Wink
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 29.09.2006, 11:45    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Erika, hallo Mona,

als Graphologin beschäftige ich mich ja berufsbedingt mit Handschriften. Eine "schlechte" Handschrift zeigt bei Kindern häufig eine große Anspannung an! (Dabei ist natürlich gar nicht eindeutig definiert was nun "schlecht" ist - jeder Lehrer hat sein eigenes Empfinden und Lehrerinnen häufig ein ganz besonderes). Ob es an einer noch nicht ausgereiften Feinmotorik liegt oder am Stress und einer sich daraus entwickelnden Verspannung, die Handschrift kann ein deutliches Zeichen dafür sein, dass etwas nicht 'gut' läuft. Für den Lehrer sollte das ein Anlass sein zu überlegen, welche Ursache dahintersteckt. Es könnte eine Lernstörung vorliegen, die zu großer Anspannung führt, aber auch grobes Lehrerverhalten kann sensible Kinder stressen.

In der Pubertät ist eine Sauklaue bei vielen Jungen und bei einigen Mädchen weit verbreitet, gerade wenn sie während des Unterrichts Mitschriften machen müssen. Da müssen sie nämlich mehrere Sachen auf einmal machen (Multitasking) und genau das fällt vielen Jungen und einigen Mädchen in der Pubertät besonders schwer. Aus der Hirnforschung wissen wir ja mittlerweile, dass große Umbaumaßnahmen im Gehirn stattfinden. Im typischen Unterricht müssen die Schüler zuhören, was der Lehrer sagt, verstehen was er meint, das Bedeutende erkennen und aufschreiben und dabei auch noch aktiv am Unterrichtsgespräch teilnehmen. Dass an diesem Unterricht viele in der Pubertät scheitern und aussteigen, ist offensichtlich! Ein Junge berichtete mir kürzlich über seine Probleme und wunderte sich, dass manche Mädchen bei den Mitschriften in der Lage sind Wichtiges mit einem Lineal zu unterstreichen und mit verschiedenen Farben hervorzuheben.

Ein anderes Problem ist für viele Kinder, dass sie bei Arbeiten unter großem Zeitdruck stehen. Manche Lehrer haben gar keine Vorstellung, wie wenig ihre Schüler in dreißig oder vierzig Minuten zustandebringen. Es kommt gerade im Fach Mathematik häufig vor, dass am Ende die Textaufgaben zu finden sind, die viele Punkte bringen. Viele Schüler kommen aber gar nicht so weit, um zu zeigen, ob sie die Aufgaben lösen können oder nicht. Viele Schüler könnten es, wenn sie mehr Zeit hätten. Ob sie den Stoff beherrschen oder nicht - es gibt 0 Punkte!

Aber natürlich funktionieren nicht alle Jungen- und Mädchengehirne gleich. Deswegen ist die Forderung an die Lehrer: Nehmt eure Schüler als Individuen wahr mit ihren Stärken und Schwächen. Ein Artikel im Time Magazin beschäftige sich schon 1998 mit der Problematik, bei uns fängt diese Diskussion über die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder gerade erst an.
http://www1.chapman.edu/wilkinson/s....Files/Hornblower_1998.htm

Handschrift sollte lesbar sein, dann erfüllt sie ihren Zweck und wenn sie nicht lesbar ist, muss man nach Ursachen und Alternativen suchen.

@ Mona: Kannst du noch etwas näher beschreiben worauf sich die Nachilfeschule spezialisiert hat.

Doris
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"Das Geheimnis der Erziehungskunst ist der Respekt vor dem Schüler." Ralph Waldo Emerson
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Erika
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BeitragVerfasst am: 30.09.2006, 00:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mona, hallo Doris,

Mona, ich freue mich hier eine "Kiss-Mutti" zu treffen. Wenn du Interesse hast, dich über Kiss, Folgen und Zusammenhänge auszutauschen, schaue doch mal hierwww.adhskissreflex.bboard.de rein. Da triffst du viele mit ähnlichen Problemen. Die Aussage des Lehrers "Ich kann es nicht mehr hören!" ist typisch für viele Pädagogen. Sie wissen nichts und wollen auch nichts dazulernen - für Kinder völlig unzumutbar.

Doris, ja auch Pubertät und Stress können Gründe für eine schlechte Handschrift, Unordentlichkeit und Langsamkeit sein. Auch Zinkmangel, der zu Muskelschwäche führt, kann Ursache für eine schlechte Handschrift sein, vielleicht sogar auch für Kiss. Kiss bedeutet auch wiederum Stress. Ich weiß, dass du nicht an Kiss und die Auswirkungen glaubst. Mein kleines Kiss-Kind ist mit 9 Jahren allerdings nicht in der Pubertät, hat auch keinen Stress, geht gern zur Schule und freut sich (noch) auf Klassenarbeiten, hat aber trotzdem gewisse Auffälligkeiten beim Schreiben und in Schrift eine 4, auch - wie sein Bruder noch vor einem Jahr - eine unübliche Stifthaltung.

Eines ist jedenfalls sicher - es gibt Ursachen - den meisten Kindern wird jedoch unterstellt, sie würden sich zu wenig Mühe geben. Doris, wie du schon sagtest "Nehmt eure Schüler als Individuen wahr mit ihren Stärken und Schwächen". Welches Kind schreibt absichtlich schlecht und handelt sich damit freiwillig ständig Kritik und Minuspunkte ein?

Viele Grüße
Erika
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 30.09.2006, 11:21    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Erika,

Zitat:
Erika: Ich weiß, dass du nicht an Kiss und die Auswirkungen glaubst.
Das ist nicht ganz richtig, meine Zweifel bestehen bei der Ursache für KISS, die "durch die Geburt entstandene Kopfgelenk-induzierte-Symmetrie-Störung? (KiSS)". Ich sehe als Ursache Stress und eine zu hohe Muskelspannung. Was dann als Behandlung angeboten wird und dass es hilft, das glaube ich durchaus. Meine Kritik daran ist aber, dass diese Behandlung teuer ist und es auch andere wirkungsvolle Behandlungsmethoden, wie zum Beispiel Feldenkrais oder die Dorntherapie gibt, für die man dann nicht so weit reisen muss und die auch noch wesentlich weniger kosten. In unserer Diskussion über Entwicklungsstörungen http://emgs.de/forum-emgs/viewtopic.php?t=33 haben wir unsere Positionen ja schon mal ausführlich dargestellt.
Zitat:
Erika: Welches Kind schreibt absichtlich schlecht und handelt sich damit freiwillig ständig Kritik und Minuspunkte ein?

Das ist genau der Punkt, kein Kind möchte irgendwie abweichen und die Abwertung bei Abweichung bringt die Kinder in großen Stress: Das sind die Bedingungen unter denen Kinder nicht mehr lernen können, weil eine 'falsche' Hirnregion dann das Kommando übernimmt. Ein Teufelskreis beginnt und für das Versagen der Kinder werden dann die Kinder und die Eltern verantwortlich gemacht. Und es sollte mittlerweile doch auch Lehrern wieder bekannt sein, dass viele Kinder (die meisten Jungen) ihre Feinmotorik erst nach der Pubertät entwickeln. Früher gehörte es zum Allgemeinwissen, dass Jungen häufiger eine schlechtere Schrift haben als Mädchen! Und heute wundern sich viele Lehrer darüber und tun so, als sei mit diesen Kindern etwas nicht in Ordnung!

Vor einiger Zeit gab mir eine Mutter eine Schriftprobe ihres damals etwa 15jährigen Sohnes, nachdem der Lehrer zur Mutter gesagt hatte, ihr Sohn habe keine Persönlichkeit, das könne man schon an seiner Schrift sehen. Eine selten dumme Bemerkung! Dieser Junge hat mittlerweile gezeigt welch starke Persönlichkeit er hat, er hatte aus eigenem Willen beschlossen die Schule zu wechseln, weil er sah, dass er an dieser Schule keine Chance hat. Mittlerweile hat er einen sehr guten Schulabschluss gemacht und macht zur Zeit eine anspruchvolle Ausbildung. In seiner Firma schätzt man Persönlichkeit und Begabung des jungen Mannes sehr.

Warum sind viele Lehrer so schnell bereit die Kinder und Jugendlichen nicht zu beurteilen, sondern zu verurteilen?

Doris
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NightRunner



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BeitragVerfasst am: 30.09.2006, 14:44    Titel: Nicht für die Schule, für das Leben lernen wir. Antworten mit Zitat

Und das Leben sieht so aus: Keiner schreibt in der Berufswelt von heute noch irgendetwas mit der Hand, ausser Ärzte und Apothekern, und was lernen wir dort über die Handschrift? Wink

Bereits in der Oberstufe ging es los mit säuberlich auf der Schreibmaschine getippten Referaten, da war nichts mehr mit Handschrift. Und heute im IT-Zeitalter und SMS-Generation?
Ich für meinen Teil schreibe heute vermehrt mit der Hand, damit ich es nicht gänzlich verlerne.

Zurück zur Schule:
Ich halte eine schöne oder zumindest leserliche Handschrift für absolut förderungswürdig und für richtig, Kinder zu diesem Bemühen anzuhalten.
Ich halte es jedoch ausdrücklich nicht für ein Kriterium, die Leistung eines Schülers zu bewerten. Leitsungsbewertungen sollten sich an Inhalten orientieren und nicht an deren präsentabler Schönheit.
Deutschunterricht ist etwas anderes als Kalligraphie.

Möglicherweise steckt aber auch ein reiner Selbstzweck dahinter - der betreffende Lehrer möchte schneller mit dem Korrigieren der Arbeiten fertigwerden, um noch ein wenig die letzten sonnigen Herbsttage zu genießen. Wenn die Arbeiten ordentlicher geschrieben sind, kann er sie leicheter und schneller lesen. Sind sie es nicht - Wochenende versaut, ergo: Punktabzug.
Würde mich interessieren, was ein ein Lehrer zu einem solchen Vorwurf sagen würde Wink


Zu den pädagogischen Maßnahmen der Lehrer in diesem Zusammenhang fehlen mir mal wieder die Worte.
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Erika
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BeitragVerfasst am: 30.09.2006, 23:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

Zitat:
Ich sehe als Ursache Stress und eine zu hohe Muskelspannung.


Doris, ohne dass ich jetzt unsere alte Diskussion fortsetzen möchte - mein Sohn hatte schon direkt nach Geburt und die ganzen Jahre zu wenig Muskelspannung, nicht zuviel. Zu viel Muskelspannung gibt es aber teilweise auch bei Kiss-Kindern. Meine 5-jährigen Erfahrungen mit Kiss und Co. sind, dass es nur wenige Ärzte gibt, die wirklich helfen können. Für uns ist die Reise nicht so weit, nur 1 Stunde - und die letzte Rechnung hat sogar die Krankenkasse übernommen.

Nightrunner, genau so ist es - kaum jemand schreibt noch beruflich mit der Hand - nur Ärzte und Apotheker, und die haben bekanntlich eine Sauklaue.

Apropos Lehrer, Korrigieren von Arbeiten und versautes Wochenende: Mein Sohn hat jetzt in der Schule ein Übungsdiktat geschrieben - Überschrift "Morgendliche Müdigkeit"

Textauszug: "Das frühe Aufstehen fällt vielen Kindern montags schwer. Vielleicht liegt es manchmal daran, dass das Wochenende recht anstrengend war und das doch so wichtige Ausruhen ein bisschen zu kurz gekommen ist. ....
... Es kommt auch ab und zu vor, dass unsere sonst so muntere Lehrerin montagmorgens (schreibt man das eigentlich so?) nicht ganz ausgeschlafen wirkt. Lautes Rufen und albernes Kichern kann sie dann überhaupt nicht vertragen. .... Falls sie die abendlichen Stunden mit dem Korrigieren unserer Diktate verbrachte und sich noch spätabends über unsere Rechtschreibfehler geärgert hat, ist ihr blasses Aussehen durchaus verständlich."

Ich finde denn Text völlig daneben. Für mich kommt da die Botschaft rüber "Kinder ruht euch am Wochenende gut aus, unternehmt nicht so viel, damit ihr am Montag dann ausgeglichen - nicht albern und laut rufend - Rücksicht auf die Lehrerin nehmen könnt, die blass aussieht, der es schlecht geht, weil sie sich spätabends über eure Rechtschreibfehler ärgern muss. Würdet ihr weniger Fehler machen, ginge es ihr besser, wäre sie nicht so blass."

Oder höre ich schon die Flöhe husten?

Viele Grüße
Erika
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BeitragVerfasst am: 01.10.2006, 22:55    Titel: I hate mondays? Antworten mit Zitat

Menschen, die Montags morgens schlecht aus dem Bett kommen, haben meistens einen Job, der ihnen keinen Spass macht. Nicht jedem ist es vergönnt, sein Hobby zum Beruf zu machen, und das Recht, deswegen Montags morgens etwas schlechter drauf zu sein, als an anderen Wochentagen möchte ich Lehrern nicht absprechen, sofern dies nicht zum Nachteil für die Kinder gereicht.

Bei Schuldgefühleinimpfungen der Art: Ihr seid Schuld, dass es mir schlecht geht, weil Ihr nicht richtig gelernt habt, nicht schön schreibt, Euch nicht benehmt, etc. würde ich allerdings auch die Flöhe husten hören.
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Doris Carnap
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BeitragVerfasst am: 02.10.2006, 08:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

mir sind nach unseren Erfahrungen in der International School einige Merkwürdigkeiten in Deutschland aufgefallen, die hier die Meisten selbstverständlich finden, weil es ja schon immer so war.

In der International School konnten die Kinder sich ihr Schreibmittel von der Vorschule an frei wählen, ob Bleistift, Kuli oder Filzstift war egal, Füller gab es gar nicht. Die Kinder konnten schreiben wie sie wollten, es wurde unliniertes Papier oder einfach liniertes Papier benutzt. Besondere Lineatur wie sie in der Grundschule üblich ist, gab es nur im Fach Schönschreiben, dort wurde separat eine Schreibschrift geübt. Wer wollte konnte sie übernehmen, mein Sohn hat interessanterweise sehr lange nur in Druckschrift geschrieben, er hat wie viele seiner Klassenkameraden auch lange nur einen Bleistift benutzt. Auch bei Klassenarbeiten war das kein Problem. Als er das in Deutschland weiter machte, gab es gleich giftige Bemerkungen von einigen Lehrern, die Angst dass selbst die Kleinen schon Profibetrüger sind ist hier sehr hoch. (Meine Kinder gehörten hier immer zu denen mit den eingefärbten Fingerspitzen und ihre Schrift wurde erst dann besser, nachdem jeder auch sein eigenes Schreibmittel nehmen konnte, der einge benutzt einen Kuli, der andere einen Fineliner.)

Alle wichtigen selbstgeschriebenen Texte wurden dort von der ersten Klasse an in den Computer abgetippt, nachdem der Lehrer Korrektur gelesen hatte, der Computertext wurde auch noch mal korrigiert. Am Ende hatten alle Schüler einen sehr guten Text vorliegen. Auf diese Weise entstanden viele eigene Texte schon auf hohem Niveau und die Kinder wußten wie sie das zu erreichen war. Ich schrieb ja an anderer Stelle schon Mal, wenn ich nicht schon vor Eintritt ins deutsche Schulsystem erfähren hätte, welche Stärken meine Kinder haben, hier hätte ich das mit Sicherheit nie erfahren.
Zitat:
Erika:Falls sie die abendlichen Stunden mit dem Korrigieren unserer Diktate verbrachte und sich noch spätabends über unsere Rechtschreibfehler geärgert hat, ist ihr blasses Aussehen durchaus verständlich.

Mal wieder ein selten dummer Text! Was können die Schüler dafür, dass die Lehrerin erst spätabends Zeit findet, um die Arbeiten zu korrigieren? Und wer ist für die schlechte Rechtschreibung verantwortlich? Ach ich vergaß - ganz allein die unfähigen Schüler! Ich wundere mich auch immer wieder über die Klagen, dass heute die Korrektur der Klassenarbeiten so viel Zeit einnehme. Als ich zur Schule ging waren noch acht Arbeiten pro Schujahr üblich, heute sind es noch vier in der Sek I. Damals waren noch weit über dreißig Schüler in einer Klasse, heute sind es meist unter dreißig (auch wenn vorrübergehend bis 33 Schüler in Hessen möglich sind.) Sicher hat sich seit der Einführung des Numerus Clausus und der Einführung der Notengrenzen bei vielen Zulassungen etwas geändert. Durch die Noten werden jetzt Zukunftchancen verteilt, das ist natürlich eine große Verantwortung, die Lehrern zugemutet wurde, ohne sie dafür auszubilden.

Doris
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