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Legastheniker werden in unserem Bildungssystem diskriminiert

 
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Doris Carnap
Moderatorin


Anmeldedatum: 18.01.2006
Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 20.10.2006, 08:33    Titel: Legastheniker werden in unserem Bildungssystem diskriminiert Antworten mit Zitat

Hallo,

eine aktuelle Aktion des Bundesverbandes Legasthenie (BVL)

Zitat:
Legastheniker werden in unserem Bildungssystem diskriminiert
Der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie, hat die KMK darüber in Kenntnis gesetzt, dass die schulrechtlichen Regelungen gegen das Grundgesetz verstoßen und fordert dringend eine Überarbeitung der bestehenden verfassungswidrigen Erlasse, Richtlinien und Verordnungen. Link Schreiben KMK.
http://www.bvl-legasthenie.de/conte....tin%20AnschrPDF141006.pdf

Die KMK-Empfehlung von 2003 zur Berücksichtigung der Legasthenie in den Schulen ist weit hinter den Erwartungen des BVL zurück geblieben. Nun zeigt die Umsetzung dieser Empfehlungen in den Bundesländern, dass diese die Möglichkeiten der Empfehlungen noch nicht einmal wahrnehmen, sondern z. T. noch weit hinter diesen Möglichkeiten bleiben. Die einzige Ausnahme ist das Land Bayern, das mit seiner Bekanntmachung ziemlich vorbildlich mit Schülern und Schülerinnen mit Legasthenie umgeht.

Dieser sehr restriktiven Haltung der Kultusministerien und der Schulen steht eine ganz andere Haltung der Gerichte gegenüber. Inzwischen ist das Störungsbild der Legasthenie von der Rechtsprechung in mehreren Verfahren zum Prüfungsrecht als Behinderung anerkannt worden. Die Gerichte sprechen den betroffenen Studenten, Referendaren und Schülern mit Legasthenie aus dem Grundrecht aus Art. 3 Abs. 1 GG das Recht auf Nachteilsausgleich in den Prüfungen zu. Diese Rechtsprechung war für uns Anlass, rechtsgutachterlich prüfen zu lassen, welche Rechte Schüler und Schülerinnen mit Legasthenie, unabhängig vom Einzelfall, aus dem Grundgesetz haben. Das Gutachten von Frau Prof. Langenfeld, Prof. für Öffentliches Recht an der Georg-August-Universität Göttingen, zeigt auf, dass es sich bei der Legasthenie um eine Behinderung handelt und die betroffenen Schüler und Schülerinnen aus mehreren Grundrechten den Anspruch auf Berücksichtigung dieser Behinderung in der Schule und in den Prüfungsverfahren haben. Das Gutachten und die Rechtsprechung verdeutlichen, dass in Deutschland ein erheblicher Handlungsbedarf besteht, den betroffenen Schülerinnen und Schülern Chancengleichheit zu gewähren und sie nicht weiterhin zu diskriminieren.
Link Zusammenfassung Gutachten: http://www.bvl-legasthenie.de/conte....ammenfassung_Homepage.pdf

Unser Sonderheft fasst das Gutachten, die aktuelle Rechtsprechung und die sich daraus ergebenden Positionen und Forderungen des BVL zusammen.
Link Sonderheft Recht:
http://www.bvl-legasthenie.de/conte....eft%20Recht%2010_2006.pdf


Die Pressemittelilung:
http://www.bvl-legasthenie.de/conte....20._Oktober_2006_Endv.pdf

Zitat:
.Schulrechtliche Regelungen sind verfassungswidrig
Legastheniker werden in unserem Bildungssystem diskriminiert

Der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie, hat die KMK darüber in Kenntnis gesetzt, dass die schulrechtlichen Regelungen gegen das Grundgesetz verstoßen und fordert dringend eine Überarbeitung der bestehenden verfassungswidrigen Erlasse, Richtlinien und Verordnungen.

Chancengleichheit für Kinder mit einer Legasthenie (Lese-/Rechtschreibstörung) ist in Deutschland ? anders
als in unseren europäischen Nachbarländern - noch ein Fremdwort. Eltern, die ihren betroffenen Kindern eine chancengerechte Zukunftsperspektive geben möchten, sehen als einzigen Ausweg, die Rechte ihrer Kinder vor Gericht einzuklagen. Dort erhalten sie erstmalig Verständnis für das Störungsbild der Legasthenie,

was in den Kultusministerien und vielen Schulen bis heute immer noch nicht der Fall ist. In mehreren
Verfahren sprechen die Gerichte Legasthenikern das Recht, abgeleitet aus Art. 3 Abs. 1 Grundgesetz, auf Nachteilsausgleich in den Prüfungen zu. Sie führen aus, dass Legastheniker keine Einschränkung in ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit haben, sondern nur in der technischen Fertigkeit des Lesens und Schreibens beeinträchtigt sind. Ein Gutachten von Frau Prof. Dr. Langenfeld, Lehrstuhl für Öffentliches Recht an
der Georg-August-Universität Göttingen, zur Klärung der Rechte von Legasthenikern, untermauert die Argumentation der Gerichte. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass der jetzige Umgang mit Legasthenikern an den Schulen die Kinder gleich in mehreren Grundrechten verletzt. Das Gutachten und die Rechtsprechung verdeutlichen, dass in Deutschland ein erheblicher Handlungsbedarf besteht, den betroffenen Schülerinnen und Schülern Chancengleichheit zu gewähren und sie nicht weiterhin zu diskriminieren.

?Dass Kindern der Zugang zu einer Realschule oder einem Gymnasium wegen der mangelhaften Rechtschreibleistung
verwehrt wird, obwohl sie sonst über eine gute und z.T. überdurchschnittliche Begabung verfügen, darf nicht mehr an der Tagesordnung sein. Die Kinder haben einen Anspruch auf Nachteilsausgleiche und Notenschutz bei Rechtschreibleistungen, um eine Chancengleichheit in den Prüfungen zu erhalten?,
fordert die Bundesvorsitzende Christine Sczygiel.

Nachteilsausgleiche werden in Form von Erlassen, Richtlinien oder Verordnungen der 16 Kultusministerien der Länder in unterschiedlicher Form geregelt. ?In einem Bundesland endet die Berücksichtigung der Legasthenie in der Grundschule und in einem anderen Bundesland reicht sie bis zum Abitur. Abhängig davon, wo die Eltern wohnen, können die betroffenen Kinder in einem Bundesland das Abitur machen und in einem anderen Bundesland nur den Hauptschulabschluss?, kritisiert Sczygiel.

Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat im Jahr 2003 eine Empfehlung zur Berücksichtigung von besonderen Lese- /Rechtschreibschwierigkeiten in den Schulen verabschiedet, die nur sehr unzureichend die Rechte von Kindern mit einer Legasthenie regelt. Wie aus verschiedenen Gerichtsurteilen und dem Gutachten von Prof. Langenfeld hervorgeht, sind die Vorgaben dieser Empfehlung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar.

Nun zeigt die aktuelle Umsetzung dieser Empfehlung in den Bundesländern, dass der empfohlene Rahmen noch nicht einmal ausgeschöpft und damit ebenfalls gegen die verfassungsgemäßen Grundrechte der betroffenen Kinder verstoßen wird. Die einzige Ausnahme ist das Land Bayern, das mit seiner Bekanntmachung
verfassungskonform mit diesem hochbrisanten Problem Legasthenie umgeht. Der BVL rät den Eltern, nicht zu warten, bis die Kultusministerien ihre Vorschriften geändert haben, sondern sofort die Rechte für ihre betroffenen Kinder direkt aus dem Grundgesetz einzufordern. ?In anderen europäischen Ländern ist es bereits eine Selbstverständlichkeit, dass Legastheniker eine Schulausbildung absolvieren können, die ihrer Begabung entspricht, so muss es auch in Deutschland sein ?, fordert Sczygiel.

Weitere Informationen finden Sie unter www.bvl-legasthenie.de

Pressekontakt: BVL
Annette Höinghaus Postfach 1107
Tel. 04193/965602 30011 Hannover
Fax: 04193/969304 info@bvl-legasthenie.de
hoeinghaus@bvl-legasthenie.de


Doris
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Doris Carnap
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Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 02.02.2007, 09:13    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

ich kopiere hier noch mal einen Link des Bundesverbandes Legasthenie (BVL) aus dem obigen Beitrag zum Sonderheft Recht. Das Gutachten fasst die aktuelle Rechtsprechung und die sich daraus ergebenden Positionen und Forderungen des BVL zusammen:

Chancengleicheit herstellen - Diskriminierung vermeiden

Doris
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rosaria



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BeitragVerfasst am: 02.02.2007, 09:44    Titel: Langer Atem oder atemlos? Antworten mit Zitat

Die meisten Eltern von Kindern, die ein Handicap irgendeiner Art haben, sind so mit der Bewältigung des Alltags beschäftigt, dass für das Führen von Rechtsstreiten keine Zeit und keine Kraft bleibt.

Meistens geht es so aus, dass sich der Rechtsstreit so lange hinzieht, dass viel wertvolle Zeit für sinnvolle Maßnahmen verloren geht.

Ich frage mich ein ums andere Mal: Dieses alles wäre nicht nötig, wenn die Verantwortlichen auch die Verantwortung übernehmen und orientiert an den Kinderrechten schauen würden wie sie dem einzelnen Kind helfen können.

Ich selbst ging an eine Schule, an der behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet wurden. Wir hatten damals viele Contergankinder dabei, es waren aber auch Querschnittgelähmte und Spastiker darunter. Irgendwie war alles selbstverständlich: Alle, wirklich alle, kümmerten sich darum, dass unsere behinderten Mitschüler alles mitmachen konnten. Sie bekamen ihren Nachteilsausgleich, den sie auch manchmal nicht in Anspruch nahmen, wenn es nicht nötig war.

Heute weiß erst zu schätzen, wie wertvoll diese Erfahrung für mich war und wie hoch die Integrationsleistung unserer einzustufen war.

Aber heute erfahre ich auch von einer hörbehinderten Schülerin, deren Eltern für jede kleine Erleichtung gegen Ignoranz und Gleichgültigkeit kämpfen müssen. Ich erfahre von etlichen Legasthenie-Kinder, die keine Förderung erhalten. Mein eigenes Kind soll trotz diagnostiertem ADS jede Woche seinen Sitzplatz wechseln...

Es ist zum Verzweifeln.

rosaria
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Doris Carnap
Moderatorin


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Beiträge: 803
Bundesland: Hessen

BeitragVerfasst am: 02.02.2007, 10:33    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rosaria,

ja, manchmal denke ich auch so: Es ist zum Verzweifeln! Warum fällt es in unseren Schulen so schwer andere Begabungen, anderes Verhalten und auch Schwächen zu akzeptieren?

So einfach könnte es sein:
Zitat:
rosaria: Dieses alles wäre nicht nötig, wenn die Verantwortlichen auch die Verantwortung übernehmen und orientiert an den Kinderrechten schauen würden wie sie dem einzelnen Kind helfen können.


Den Lehrern fehlt es häufig an der entsprechehnde Ausbildung und manchmal an Herzensbildung! Wir müssen jetzt mit einer Fehlentwicklung fertig werden, die in der Vergangenheit durch eine falsche Lehrerausbildung entstanden ist.

Durch das Gutachten erhält man eine gute Argumentationshilfe, wenn es darum geht - besonders in Hessen - einen Nachteilsausgleich auch in den höheren Klassen durchzusetzen, ohne gleich einen Rechtsstreit führen zu müssen.

Doris
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