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Fünf Jahre danach "PISA SCHOCK"

 
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Marlene Mayer



Anmeldedatum: 20.01.2006
Beiträge: 271
Bundesland: Bayern

BeitragVerfasst am: 05.12.2006, 21:07    Titel: Fünf Jahre danach "PISA SCHOCK" Antworten mit Zitat

Artikel der AZ Ausgabe vom 05.12.06

Fünf Jahre danach: Der Pisa-Schock war heilsam

Über Bildung wird jetzt nicht mehr nur geredet - Taten zählen

Berlin/Augsburg (ute).

Vor fünf Jahren riss der Pisa-Schock das deutsche Schulwesen aus seiner selbstgefälligen Eigenbetrachtung. Die internationale OECD-Vergleichsstudie bescheinigte den deutschen Schülern Mittelmäßigkeit und rüffelte das System in einer noch nie vorher gekannten Schärfe. Der Schock war heilsam und setzte eine Bildungsdiskussion in Gang, die nicht nur in Fachkreisen geführt wurde, sondern die gesamte Gesellschaft mitnahm. Plötzlich redeten alle über Schule. Und das ist auch so geblieben. Politiker aller Parteien haben sich des Bildungsthemas angenommen.

In den zurückliegenden fünf Jahren hat sich auch vieles geändert: So haben sich die Kultusminister der Länder auf verbindliche Standards geeinigt. Es wurde erkannt, wie wichtig die frühkindliche Förderung ist. Es werden bundesweit mehr und mehr Ganztagsschulen eingerichtet.

Doch niemand traut sich bislang an die Strukturen. Der Pisa-Koordinator Schleicher bedauert dies. In keinem anderen Land sei der Bildungserfolg so sehr von der sozialen Herkunft der Kinder abhängig wie in Deutschland. Im mehrgliedrigen Schulsystem werde die Verantwortung hin und her geschoben, sagt er. So würden Migrantenkinder als Problemfälle einfach nach unten durchgereicht, sie bekämen kaum eine Chance, ihre Fähigkeiten zu entfalten. Die Hauptschule sei aber nicht in der Lage, mit den unterschiedlichsten Begabungen und Problemen zurechtzukommen.

Schleicher freut sich, dass keiner mehr das Rad der Pisa-Geschichte zurückdrehen kann. Bundespräsident Köhler habe dies in einer Rede auf den Punkt gebracht. Man wird Fortschritt in Bildungspolitik und Bildungspraxis nicht länger an Versprechungen messen, sondern an ihren Ergebnissen, die in den Pisa-Studien regelmäßig ihren Niederschlag finden, sagte Schleicher. Siehe Schulseite

Fünf Jahre Pisa - Ein Schock mit Folgen bis heute

Dass deutsche Schüler im internationalen Vergleich nur Mittelmaß sind, ist seit der Pisa-Studie bekannt - doch Schulreformen sind hart umkämpft

Von Karl-Heinz Reith

Berlin

Exakt fünf Jahre ist es her, da ereilte Deutschland der Pisa-Schock. Ungewohnt schnell reagierte die Kultusministerkonferenz (KMK) am 5. Dezember 2001 auf das am Tag zuvor bekannt gewordene miserable deutsche Abschneiden bei der ersten weltweiten Pisa- Schulstudie. Sieben Handlungsfelder wurden bei dem abendlichen Krisentreffen in Bonn als Gegenmaßnahme beschlossen. Und auch im Jubiläumsjahr steht fest: Wie keine andere Studie zuvor bestimmt Pisa noch immer die Bildungsdebatten der Republik.

Die Schülerleistungen insgesamt unter Mittelmaß, ein extrem hoher Anteil von Risikoschülern, die im Alter von 15 Jahren allenfalls auf Grundschulniveau rechnen und lesen können, und eine wie in keiner anderen Industrienation ausgeprägte Abhängigkeit zwischen Bildungserfolg und sozialer Herkunft - das waren die erschütternden Botschaften des ersten Pisa-Tests für Deutschland. Offenkundig wurde zudem ein riesiges Leistungsgefälle von Bundesland zu Bundesland und auch von Schule zu Schule - selbst innerhalb gleicher Schulformen.

Ganzes Bündel von Empfehlungen

Rasch verständigten sich die Kultusminister auf ein ganzes Bündel von Maßnahmen. Dazu gehörte: frühkindliche Bildung im Kindergarten, Sprachförderung für Migrantenkinder und für deutsche Schüler aus Problemfamilien, bundesweite Bildungsstandards für den Unterricht sowie regelmäßige, auch länderübergreifende Qualitätskontrollen und weiteres. Mit dem Pisa-Schock wurde der Öffentlichkeit bewusst, dass die hoch gelobte deutsche Schule international den Anschluss verpasst hat, wie es der ehemalige Pisa-Beauftrage der Kultusministerkonferenz, Hermann Lange, ausdrückte.

Knapp 18 Monate nach dem ersten Debakel folgte im Frühjahr 2003 der zweite Test. Zu kurz war die Zeit für wirkliche Reformen. Die Wertung brachte zwar marginale Verbesserungen für Deutschland - das Problem der Chancenungleichheit an deutschen Schulen hatte sich aber weiter verschärft, weil beim zweiten Durchlauf fast nur die ohnehin schon Guten noch ein wenig zulegen konnten. Die Wissenskluft zwischen 15-Jährigen aus der Oberschicht und Gleichaltrigen aus der Unterschicht oder aus Migrantenfamilien war noch größer geworden.

Der Bildungsforscher Klaus Klemm bezweifelt denn auch den Sinn mancher Therapie. Aus den Pisa-Datensätzen aller Teilnehmerstaaten rechnete Klemm die Leistungen der Migrantenschüler heraus. Fazit: Gäbe es in allen Staaten jeweils nur heimische Kinder, dann landeten die deutschen Schüler bei einem solchen internationalen Vergleich im oberen Leistungsdrittel. Klemms Berechnung wurde vielfach kritisiert - auch, weil sie Zuspruch von ungeliebter Seite, von Rechtsradikalen, bekam. Unstrittig aber weist sie auf das Problem, dass gerade Migrantenkinder und Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern die Achillesferse der deutschen Schule sind. Und das ist nach Ansicht vieler Experten vor allem deshalb so, weil das hiesige Schulsystem von seiner Struktur her zu wenig für sie tue.

Die in Folge von Pisa propagierten zentralen Abschlussprüfungen und Vergleichsarbeiten, auch die Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur, werden aus Klemms Sicht eher bewirken, dass die Risikogruppe unter den Schüler größer statt kleiner wird. Der Schwerpunkt der Pisa-Therapie müsste stattdessen auf der Hilfe und der individuellen Förderung der Problemschüler liegen.

Fünf Jahre nach Veröffentlichung des ersten Tests sind heute viele Kultusminister Pisa-müde geworden. Gereizt reagieren sie auf Kritik, etwa vom internationalen Pisa-Koordinator Andreas Schleicher. Mit dem Pisa-Test 2006 und dem Schwerpunkt Naturwissenschaften, bisher stets Domäne der deutschen Schüler, erhoffen sie sich in Sachen Leistung Anschluss an die internationale Pisa-Spitzengruppe. Selbst wenn dem so sei - bis heute ungelöst ist das deutsche Schulproblem der fehlenden Chancengleichheit.
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