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Klage-Verlängerung bei Prüfungen

 
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Marlene Mayer



Anmeldedatum: 20.01.2006
Beiträge: 271
Bundesland: Bayern

BeitragVerfasst am: 02.02.2007, 12:32    Titel: Klage-Verlängerung bei Prüfungen Antworten mit Zitat

Quelle:Augsburger Allgemeine Zeitung, Ausgabe vom 31.01.2007

Schülerin kämpft um Minuten

Gymnasiastin (14) mit Rechenschwäche wollte Verlängerung bei Prüfungen einklagen

Augsburg (msi).

Muss die Schule einem Kind mit einer Rechenstörung (Dyskalkulie) bei Prüfungen mehr Zeit geben? Diese Frage beschäftigte gestern das Verwaltungsgericht Augsburg. Geklagt hatten ein Vater und dessen 14-jährige Tochter, die ein Augsburger Gymnasium besucht. Sie wollte die gleichen Vergünstigungen bekommen, wie sie bei der Lesestörung Legasthenie gewährt werden.

Die 14-Jährige wiederholt zurzeit die sechste Klasse am Gymnasium, weil sie im Fach Mathematik und in vier weiteren Fächern die Note mangelhaft erhalten hatte. Sie leidet an Dyskalkulie. Bereits im Mai 2005 hatte ihr Vater bei der Schule beantragt, dass seiner Tochter bei schriftlichen Prüfungen 25 Prozent mehr Zeit gegeben und sie von mündlichen Tests befreit wird. Die Schule ging zum Teil auf diese Wünsche ein und gewährte 15 Prozent mehr Zeit, außerdem bekam das Mädchen Intensivierungsstunden. Aber das reichte dem Vater, der auch zwei Atteste des jugendpsychiatrischen Krankenhauses Josefinum vorlegte, nicht. Er ging vor Gericht.

Gerichtspräsident und Vorsitzender Richter Ivo Moll sagte zu Prozessbeginn, dass die rechtliche Einordnung schwierig werde. Der Nachteilsausgleich bei der Legasthenie sei eine Richtlinie, aber kein Gesetz. Auf der einen Seite stehe das Grundgesetz, nachdem niemand wegen seiner Behinderung benachteiligt werden dürfe, auf der anderen Seite der Grundsatz der Gleichbehandlung. So würden an der Schule die Lernerfolge überprüft.

Als Zeuge kam Dr. Jörg Lüthy zu Wort. Als Oberarzt am Josefinum hat er die Atteste mitzuverantworten. Er gab aber an, das Mädchen nie gesehen zu haben. Die Untersuchungen habe eine Psychologin gemacht. Richter Moll stellte die Frage, ob mehr Zeit bei Prüfungen überhaupt etwas bringen würde. Wenn jemand etwas nicht kann, macht es keinen Sinn, das zwei Stunden zu versuchen. Er schlug weitere psychologische Tests vor, um das zu klären. Der leitende Regierungsdirektor Rainer Gerst, der die Regierung von Schwaben und damit das Gymnasium vertrat, war einverstanden, dass danach gemeinsam mit einem Schulpsychologen noch einmal zu entscheiden sei. Der Vater (Anwalt Peter Gebhart) sagte nach langer Bedenkzeit ja. Das Verfahren wurde eingestellt.

Auch wenn gestern kein Urteil über die Behandlung der Dyskalkulie gefällt wurde, ließ Richter Moll durchklingen, dass das irgendwann grundsätzlich geregelt werden müsse.
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Fred Steeg
Moderator


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BeitragVerfasst am: 28.02.2007, 18:49    Titel: Beurteilung der Auseinandersetzung um Nachteilsausgleich Antworten mit Zitat

Zunächst einmal sollte man sich hierzu fragen, was denn eigentlich ein Nachteilsausgleich ist und was er unterstellt:

Es handelt sich beim Nachteilsausgleich um ein rechtliches Problem in der Schülerkonkurrenz. Dabei ist also unterstellt, daß Schüler sich einem abstrakten Leistungsvergleich zu unterwerfen haben und dass ihre Besonderheiten beim Lernen und bei der Beurteilung ihres Wissens vornehmlich für die Herstellung einer abstrakten Hierarchie benutzt werden sollen - mit entsprechenden Wirkungen auf ihre soziale und geistige Weiterentwicklung versteht sich. Sind die Folgen negativ für das einzelne Individuum, so ist dies rechtlich betrachtet sein Problem. Die Realität dieser Situation ist eine rechtlich hergestellte bzw. staatlich sanktionierte.

Eine Behinderung kann insofern, wenn man es so interpretieren will (Schulen und Schulbehörden tun dies oft nicht.), Anlaß für Ausnahmetatbestände bewirken - wegen der Menschenrechte (Gleichheit usw.). Man kann aber mit genau dem gleichen Argument auch das Gegenteil begründen, weil Unterschiedlichkeit ja auch vorausgesetzt ist bei der Gleichbehandlung. Sonst würde übrigens der ganze Zirkus gar keinen Sinn machen. Wenn es darauf ankommt die "Guten" von den "Schlechten" zu unterscheiden, spekuliert man auf Unterschiede, die dann andere wiederum dazu berechtigen, diese Unterschiede zum Argument für Bevorzugungen oder Benachteiligungen zu machen, die sowieso gemacht werden sollen. Wichtig ist also vom Standpunkt der Selektion aus immer, ob die Voraussetzungen für sie auch zu einer legitimen Selektion geführt haben. Daher kann man sich vor Gericht dann trefflich darüber streiten.

Insofern ist dem Richter mit Recht aufgefallen, ob das denn überhaupt Sinn macht einen Nachteilsausgleich zu gewähren, wenn das Kind doch vielleicht gar nichts zustandebringt, weil es "rechenschwach" ist.

Damit kommen wir zur Auflösung des Unsinns der Nachteilsausgleichsgewährung: Wenn an den Schulen natürlich, wie an den deutschen Eliteschulen (sprich: Gymnasien und alle anderen angesichts des gerade versagenden Kindes ebenso), der Wettbewerb um abstrakte Anerkennung Priorität hat vor dem eigentlichen inhaltlichen Lernen bzw. einer vernünftigen Förderung in dem jeweiligen Fach, dann bleibt Schülern am Ende nichts anderes übrig, als vor Gericht - jenseits der Frage, was sie überhaupt auf der Schule lernen konnten oder ihnen wirklich beigebracht wurde - als arme Behinderte aufzutreten, die sich ungerecht behandelt fühlen. Das ist leider ein Fakt und kein Zynismus!

Dementsprechend sind solche Prozesse ein Armutszeugnis gegenüber einem angeblich von oben gewünschten staatlichen Zweck des Schulsystems, Kinder vernünftig zu unterrichten und dort wo sie Probleme haben zu fördern. Letztlich bleibt wieder nur das Fazit: Kinder, die nicht mitkommen, sind "offensichtlich" zurecht schlecht bewertet worden und gehören evtl. sogar gar nicht an die Schule, wo sie versagt haben. Damit ist die Schule entschuldigt und entlastet und das Kind kann sehen, wie es seine Defizite woanders aufarbeiten kann.

Zitat eines Klassikers der Pädagogik:

"Wer hat denn Schulen eingerichtet? Der Statt (Anm.: der Staat). Für wen hat er sie eingerichtet? Für sich. ... und wenn die Väter durch Ihre Sorge für das Fortkommen ihrer Söhne sich verleiten lassen, hiernach die Anlage der Ihrigen zu beurteilen, so muß die Pädagogik sie vollständiger belehren. Sie kann sie zuvörderst erinnern, daß der Statt sich um den minder tauglichen auch minder kümmert. Seine Schulen sollen ihm die Subjekte liefern, die er braucht. Er wählt die brauchbarsten, die übrigen mögen für sich sorgen!" (Herbart 1984, 2.Bd./S.165)
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Gruß Fred Steeg
http://www.rechenschwaecheinstitut-volxheim.de
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