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HERZ-JESU SCHULE SAARBRÜCKEN
 

SPIEGEL ONLINE - 14. April 2005, 14:48
URL: http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,351196,00.html

KATHOLISCHE PRIVATSCHULE

Lehrer sollen Schüler geschlagen haben

Von Carola Padtberg
Über Jahre hinweg sollen Saarbrücker Schüler von Lehrern geprügelt, getreten und im Keller eingesperrt worden sein. Die Leitung der katholischen Realschule gibt Misshandlungen zu, die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung.
An einer Realschule in Saarbrücken regiert offenbar noch die Methode Rohrstock. Über Jahre sollen Lehrer dort ihre Schüler geschlagen haben. Wie die Staatsanwaltschaft bestätigte, wurde ein Ermittlungsverfahren gegen die von katholischen Traditionalisten getragene "Herz-Jesu"-Schule eingeleitet. Grundlage sei die Anzeige einer Mutter wegen Körperverletzung.In Deutschland nur im Schulmuseum erlaubt: Prügel mit dem Rohrstock
Die Mutter eines ehemaligen Schülers der Saarbrücker Realschule wirft Lehrern vor, ihren Sohn geschlagen, getreten und eingesperrt zu haben. Nach Darstellung der Schule war der Schüler verwiesen worden, nachdem er "wiederholt störte und nicht diszipliniert genug war", so Rektor Firmin Udressy. Daraufhin habe die Mutter geklagt.
Nach Auskunft des saarländischen Kultusministeriums geht es nicht um einen Einzelfall: Mehrere Lehrer seien an Misshandlungen von Kindern beteiligt gewesen, bestätigte Ministeriumssprecher Guido Fries auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Schon im Februar hätten "alle Beteiligten im Ministerium über den Vorfall gesprochen", und dabei habe die Schule "das eine oder andere zugegeben". Es sei von Züchtigungen und auch vom Einsperren in einem Keller die Rede gewesen.
Schulleiter spielt Misshandlungen herunter
"Schon seit Jahren gibt es mehrere Beschwerden in diese Richtung. Es gab sicher manchmal solche Fälle", räumte Pater Udressy auch gegenüber SPIEGEL ONLINE ein, spielte die Anschuldigungen indes herunter: "Das gibt es doch überall." Als Schulleiter bemühe er sich aber um Ordnung und Disziplin, seitdem er die Herz-Jesu-Schule im August 1994 übernommen habe. Nachdem auch in jüngster Zeit Lehrer handgreiflich geworden seien, werde er grundsätzlich über das weitere Vorgehen nachdenken. Die beschuldigten Lehrer würden trotzdem zunächst weiter unterrichen, so Udressy.
Das Kultusministerium schickte der Schule eine Abmahnung. "Erst wenn das noch einmal passiert, können wir die Schule schließen", so Sprecher Guido Fries.
Träger der Realschule ist der Don-Bosco-Schulverein, hinter dem die Priesterbruderschaft St. Pius X. steht. Der Verein in Saarbrücken hat nichts mit dem Don-Bosco-Werk des Salesianer-Ordens zu tun, das unter anderem Schulen in Rostock, Hildesheim, Regensburg und Essen betreibt. Der Saarbrücker Schulträger benutzt aber ebenfalls den nicht geschützten Namen des 1934 heilig gesprochenen italienischen Priester Johannes Don Bosco.
Rigide Erziehungsmethoden
Auch mit der katholischen Kirche pflegt die streng katholische Priesterbruderschaft Auseinandersetzungen, denn die Gemeinschaft hält Religionsfreiheit und Ökumenismus für "grauenhafte moderne Irrtümer", wie es der Distriktsobere Niklaus Pfluger formulierte. Die Bruderschaft gründet sich auf den 1991 gestorbenen Erzbischof Marcel Lefebvre, der Reformen des Vatikanischen Konzils nicht anerkennen wollte und deswegen 1988 wegen unerlaubter Bischofsweihen exkommuniziert wurde.
Das auf der Webseite der Schule erklärte Ziel einer "guten schulischen und charakterlichen Ausbildung" soll an der Herz-Jesu-Schule mit Disziplin und Ordnung erreicht werden. Um dies zu erreichen, habe ein Lehrer auch mal "den Kopf eines Kindes in ein offenes Buch gedrückt, damit der Schüler auch lernt", so Rektor Udressy. Die Schule setze auf Erziehungsziele wie Respekt, Fleiß und Zuverlässigkeit.
Der SPD-Landtagsabgeordnete Peter Gillo forderte die Landesregierung zur Schließung der Schule auf. Die Privatschule werde von "sich katholisch nennenden Fundamentalisten mit rigorosen Methoden" betrieben, vor denen man Kinder schützen müsse. Es sei ungeheuerlich, dass Lehrer dieser Schule unter Berufung auf das Privatschulgesetz Kinder schlügen oder ihre Köpfe in Schulbücher drückten, sagte Gillo gegenüber SPIEGEL ONLINE.
Schon bei der Gründung der Schule 1994 sei die erzkatholische Organisation verschiedenen Landtagsabgeordneten ein Dorn im Auge gewesen, so Gillo weiter. Doch laut Verfassung habe jede religiöse Gemeinschaft das Recht, private Schulen einzurichten, sofern sie bestimmte staatliche Auflagen erfüllen. Gillo griff besonders Pater Peter Lang an, den ehemaligen Leiter der Don-Bosco-Schule. Dieser habe die Vorfälle verharmlost und Verständnis für die Lehrer aufgebracht.
Die Prügelstrafe ist an deutschen Schulen tabu. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie zunächst verboten, dann zum Teil erneut eingeführt und erst viel später wieder abgeschafft - in Bayern zum Beispiel 1970, in Baden-Württemberg sogar erst 1976.

Quelle: http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,351196,00.html